{"id":11960,"date":"2012-12-19T16:09:17","date_gmt":"2012-12-19T14:09:17","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=11960"},"modified":"2012-12-19T16:09:17","modified_gmt":"2012-12-19T14:09:17","slug":"iii-b-47-09-entgeltliche-ueberlassung-zu-wohnzwecken-im-investitionszulagenrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-47-09-entgeltliche-ueberlassung-zu-wohnzwecken-im-investitionszulagenrecht\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;47\/09 &#8211; Entgeltliche &Uuml;berlassung zu Wohnzwecken im Investitionszulagenrecht"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.6.2010, III B 47\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Entgeltliche &Uuml;berlassung zu Wohnzwecken im Investitionszulagenrecht<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) beantragte f&uuml;r die Errichtung einer Dachgeschosswohnung in dem ihr und ihrem Ehemann, dem Beigeladenen, geh&ouml;renden Mehrfamilienhaus Investitionszulage f&uuml;r das Streitjahr 2004. Die Wohnung war ab Oktober 2004 an den im Streitjahr noch minderj&auml;hrigen Sohn (S) vermietet. S, der als Sch&uuml;ler &uuml;ber keine eigenen Eink&uuml;nfte verf&uuml;gte, konnte den vereinbarten Mietpreis erst zahlen, nachdem ihm zuvor jeweils per Dauerauftrag die Miete je zur H&auml;lfte von seiner Gro&szlig;mutter und von seinem Vater, dem Beigeladenen, &uuml;berwiesen worden war. Mitte Dezember 2004 zog auch die bereits vollj&auml;hrige Lebensgef&auml;hrtin des S mit dem gemeinsamen Sohn in die Wohnung ein und schloss ab dem 1. Januar 2005 einen ansonsten identischen Folgemietvertrag mit der Kl&auml;gerin und dem Beigeladenen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) lehnte den Antrag auf Festsetzung von Investitionszulage ab 2004 ab. Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) f&uuml;hrte u.a. aus:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Gew&auml;hrung von Investitionszulage setze nach &sect; 3 Abs. 1 Satz 1 des Investitionszulagengesetzes 1999 (InvZulG 1999) u.a. voraus, dass das Geb&auml;ude nach Fertigstellung der entgeltlichen &Uuml;berlassung zu Wohnzwecken diene. Dies setze jedenfalls ein steuerlich anzuerkennendes Vertragsverh&auml;ltnis voraus, denn nach Sinn und Zweck der Norm sei sicherzustellen, dass die gef&ouml;rderte Wohnung nicht zu eigenen Wohnzwecken genutzt oder unentgeltlich &uuml;berlassen werde. Ein steuerlich anzuerkennendes Mietverh&auml;ltnis habe 2004 jedoch weder vorgelegen noch sei die Wohnung in diesem Zeitraum entsprechend vorgehalten worden. Denn der Mietvertrag mit S sei zivilrechtlich unwirksam gewesen, da S minderj&auml;hrig gewesen sei. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) k&ouml;nne zwar auch ein zun&auml;chst formunwirksamer Vertrag zwischen nahen Angeh&ouml;rigen ausnahmsweise von vornherein steuerlich anerkannt werden, wenn aus den besonderen &uuml;brigen Umst&auml;nden des konkreten Einzelfalles ein ernsthafter Bindungswille der Angeh&ouml;rigen zweifelsfrei abgeleitet werden k&ouml;nne. Dies treffe jedenfalls dann zu, wenn den Angeh&ouml;rigen aufgrund der bestehenden Rechtslage nicht anzulasten sei, dass sie die Formvorschriften zun&auml;chst nicht beachtet h&auml;tten, und wenn sie zeitnah nach dem Auftauchen von Zweifeln alle erforderlichen Ma&szlig;nahmen ergriffen h&auml;tten, um die zivilrechtliche Wirksamkeit des Vertrags herbeizuf&uuml;hren (BFH-Urteil vom 13. Juli 1999 VIII R 29\/97, BFHE 191, 250, BStBl II 2000, 386). Schon die erste Voraussetzung sei hier aber nicht gegeben, denn es sei nicht ersichtlich, weshalb der Kl&auml;gerin und dem Beigeladenen die bewusste Nichteinhaltung der Formvorschriften nicht anzulasten sein solle. Aber auch an der zeitnahen Dokumentation des Bindungswillens, etwa durch Beantragung der Bestellung eines Erg&auml;nzungspflegers oder durch Genehmigung durch den l&auml;ngst vollj&auml;hrigen S fehle es. Vielmehr h&auml;tten die Kl&auml;gerin und der Beigeladene einen neuen und wegen des ge&auml;nderten Vertragspartners nicht vergleichbaren Mietvertrag abgeschlossen und damit klar gezeigt, dass sie den urspr&uuml;nglichen Vertrag mit S gerade nicht als bindend angesehen h&auml;tten. Somit k&ouml;nne das zivilrechtlich nach wie vor unwirksame Mietverh&auml;ltnis mit S investitionszulagerechtlich nicht anerkannt werden. Dar&uuml;ber hinaus liege auch ein Gestaltungsmissbrauch i.S. des &sect; 42 der Abgabenordnung (AO) vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer hiergegen gerichteten Beschwerde begehrt die Kl&auml;gerin die Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeu-tung, zur Fortbildung des Rechts und zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Grunds&auml;tzliche Bedeutung habe die Frage, ob die Gew&auml;hrung von Investitionszulage nach &sect; 3 Abs. 1 Satz 1 InvZulG 1999 ein steuerlich anzuerkennendes Mietverh&auml;ltnis voraussetze. Zudem sei zu kl&auml;ren, welche tats&auml;chlichen Umst&auml;nde auf das Vorliegen eines Mietverh&auml;ltnisses schlie&szlig;en lassen k&ouml;nnten. Generell stelle sich die Frage, ob ein zun&auml;chst formunwirksamer Vertrag zwischen nahen Angeh&ouml;rigen steuerlich anerkannt werden k&ouml;nne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zu Unrecht gehe das FG davon aus, dass keine entgeltliche Nutzungs&uuml;berlassung zu Wohnzwecken gegeben sei. Denn dies setze keinen zivilrechtlich wirksamen Mietvertrag voraus. Nach der Rechtsprechung des BFH k&ouml;nne auch ein zun&auml;chst formunwirksamer Vertrag zwischen nahen Angeh&ouml;rigen steuerlich anerkannt werden, wenn aus den besonderen &uuml;brigen Umst&auml;nden des Einzelfalles ein ernsthafter Bindungswille der Angeh&ouml;rigen zweifelsfrei abgeleitet werden k&ouml;nne. Dies sei, wie der BFH in seinen Urteilen in BFHE 191, 250, BStBl II 2000, 386 und vom 22. Februar 2007 IX R 45\/06 (BFHE 217, 409) ausgef&uuml;hrt habe, zu vermuten, wenn zeitnah nach dem Auftauchen von Zweifeln alle erforderlichen Ma&szlig;nahmen ergriffen w&uuml;rden, um die zivilrechtliche Wirksamkeit herbeizuf&uuml;hren. Zu Unrecht gehe das FG davon aus, dass die Kl&auml;gerin einen entsprechenden Bindungswillen nicht gehabt habe, da sie keine Ma&szlig;nahmen ergriffen habe, um die Formunwirksamkeit zu beseitigen. Denn die Kl&auml;gerin und der Beigeladene h&auml;tten unmittelbar nach dem Aufkommen von Zweifeln an der Wirksamkeit des Mietvertrags mit S einen wirksamen Mietvertrag mit ihrer Schwiegertochter abgeschlossen. Dadurch h&auml;tten sie dem urspr&uuml;nglichen Bindungswillen Rechnung getragen, denn die Schwiegertochter und S h&auml;tten gemeinsam in der Wohnung gelebt. Der Abschluss des Mietvertrags mit der Schwiegertochter sei der einfachere Weg gewesen. Im &Uuml;brigen h&auml;tte es zur Begr&uuml;ndung der zivilrechtlichen Wirksamkeit mit S der Bestellung eines Erg&auml;nzungspflegers und dessen Zustimmung zum Vertrag bedurft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem sei die Revision zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung zuzulassen, da die Rechtsauffassung des FG zum Gestaltungsmissbrauch von der Rechtsprechung des BFH abweiche.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 116 Abs. 5 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Rechtssache hat keine grunds&auml;tzliche Bedeutung i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO. Diese liegt nur vor, wenn die Rechtsfrage das Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber&uuml;hrt. Zudem muss die Rechtsfrage kl&auml;rungsbed&uuml;rftig sein. Dies ist sie nicht, wenn sich die Antwort auf die Rechtsfrage ohne weiteres aus dem klaren Wortlaut und Sinngehalt des Gesetzes ergibt oder sie offensichtlich so zu beantworten ist, wie es das FG getan hat, die Rechtslage also eindeutig ist (z.B. BFH-Beschluss vom 3. April 2008 I B 77\/07, BFH\/NV 2008, 1445). Das ist hier der Fall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Rechtsprechung des BFH ist gekl&auml;rt, dass das Merkmal der entgeltlichen &Uuml;berlassung zu Wohnzwecken in &sect; 3 InvZulG 1999 der Abgrenzung zu &sect; 4 InvZulG 1999 dient, der unter den dort genannten Voraussetzungen Modernisierungsma&szlig;nahmen an selbstgenutztem Wohneigentum und an einer Wohnung beg&uuml;nstigt, die unentgeltlich an einen Angeh&ouml;rigen i.S. des &sect; 15 AO zu Wohnzwecken &uuml;berlassen wird (Senatsurteil vom 30. Juli 2009 III R 27\/07, BFH\/NV 2010, 65). Dementsprechend ist es f&uuml;r den Anspruch auf Investitionszulage nach &sect; 3 InvZulG 1999 auch ohne Bedeutung, ob der Anspruchsberechtigte mit der entgeltlichen Nutzungs&uuml;berlassung steuerlich zu ber&uuml;cksichtigende Eink&uuml;nfte erzielt. Entscheidend ist lediglich, ob nach der der Nutzungs&uuml;berlassung zugrunde liegenden Vereinbarung f&uuml;r die &Uuml;berlassung eine Gegenleistung zu erbringen ist und diese auch tats&auml;chlich erbracht wird (Senatsurteil in BFH\/NV 2010, 65). Daraus folgt aber zugleich, dass die der Nutzungs&uuml;berlassung zugrunde liegende Vereinbarung zivilrechtlich wirksam sein muss, da andernfalls keine rechtliche Verpflichtung zur Erbringung der Gegenleistung f&uuml;r die Nutzungs&uuml;berlassung besteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit die Kl&auml;gerin geltend macht, das FG habe zu Unrecht einen Bindungswillen der Kl&auml;gerin und des Beigeladenen verneint, r&uuml;gt sie lediglich eine (vermeintlich) fehlerhafte Rechtsanwendung des FG, die nicht zur Zulassung der Revision f&uuml;hren kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Fehlt es schon an durchgreifenden Zulassungsgr&uuml;nden f&uuml;r die selbst&auml;ndig tragende Begr&uuml;ndung des FG, es liege keine entgeltliche Nutzungs&uuml;berlassung i.S. des &sect; 3 Abs. 1 InvZulG 1999 vor, kommt es nicht mehr darauf an, ob hinsichtlich der weiteren Begr&uuml;ndung des FG, es liege zudem ein Gestaltungsmissbrauch vor, Zulassungsgr&uuml;nde gegeben sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.6.2010, III B 47\/09 Entgeltliche &Uuml;berlassung zu Wohnzwecken im Investitionszulagenrecht Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) beantragte f&uuml;r die Errichtung einer Dachgeschosswohnung in dem ihr und ihrem Ehemann, dem Beigeladenen, geh&ouml;renden Mehrfamilienhaus Investitionszulage f&uuml;r das Streitjahr 2004. 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