{"id":11985,"date":"2012-12-08T07:02:05","date_gmt":"2012-12-08T05:02:05","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=11985"},"modified":"2012-12-08T07:02:05","modified_gmt":"2012-12-08T05:02:05","slug":"i-r-65-09-rechnungsabgrenzung-fuer-kfz-steueraufwand-berichtigung-eines-objektiv-falschen-bilanzansatzes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-65-09-rechnungsabgrenzung-fuer-kfz-steueraufwand-berichtigung-eines-objektiv-falschen-bilanzansatzes\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;65\/09 &#8211; Rechnungsabgrenzung f&uuml;r Kfz-Steueraufwand &#8211; Berichtigung eines objektiv falschen Bilanzansatzes"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.5.2010, I R 65\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Rechnungsabgrenzung f&uuml;r Kfz-Steueraufwand &#8211; Berichtigung eines objektiv falschen Bilanzansatzes<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>F&uuml;r in einem Wirtschaftsjahr gezahlte Kfz-Steuer ist ein Rechnungsabgrenzungsposten zu aktivieren, soweit die Steuer auf die voraussichtliche Zulassungszeit des Fahrzeugs im nachfolgenden Wirtschaftsjahr entf&auml;llt .<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Zwischen den Beteiligten ist streitig, ob f&uuml;r Kraftfahrzeugsteuern (Kfz-Steuern) ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten (RAP) gebildet werden muss, soweit die gezahlte Steuer auf die voraussichtliche Zulassungszeit von Fahrzeugen im nachfolgenden Wirtschaftsjahr entf&auml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) betreibt eine Spedition in der Rechtsform der GmbH. F&uuml;r das Streitjahr 2002 machte sie in ihrem Jahresabschluss 97.984,94 EUR Kfz-Steuern als Betriebsausgaben geltend. Davon entfielen rechnerisch 43.797 EUR auf die Zulassungszeit der Fahrzeuge im nachfolgenden Wirtschaftsjahr.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) war der Auffassung, in H&ouml;he des Betrags von 43.797 EUR sei ein aktiver RAP zu bilden, so dass er den Gewinn der Kl&auml;gerin im Streitjahr entsprechend erh&ouml;hte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dagegen erhobene Klage hatte Erfolg (Urteil des Th&uuml;ringer Finanzgerichts &#8211;FG&#8211; vom 25. Februar 2009 I 443\/06, abgedruckt in Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2009, 1738).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA r&uuml;gt mit seiner Revision die Verletzung materiellen Rechts und beantragt sinngem&auml;&szlig;, das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Klageabweisung (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). F&uuml;r die gezahlten Kfz-Steuern ist ein aktiver RAP in H&ouml;he des Betrages zu bilden, der auf das Halten der Fahrzeuge zum Verkehr auf &ouml;ffentlichen Stra&szlig;en im nachfolgenden Wirtschaftsjahr entf&auml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect; 8 Abs. 1 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes 2002 i.V.m. &sect; 5 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG 2002) ist ein RAP zu aktivieren, wenn und soweit Ausgaben vor dem Abschlussstichtag vorliegen, die Aufwand f&uuml;r eine bestimmte Zeit nach diesem Tag darstellen. Dies gilt gem&auml;&szlig; &sect; 7 Satz 1 des Gewerbesteuergesetzes auch f&uuml;r Zwecke der Festsetzung des Gewerbesteuermessbetrags.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Entrichtung der Kfz-Steuern war in dem vom FA angenommenen Umfang Aufwand der Kl&auml;gerin f&uuml;r eine bestimmte Zeit nach diesem Tag. &quot;Aufwand f&uuml;r eine bestimmte Zeit&quot; ist grunds&auml;tzlich in dem Sinne zu verstehen, dass einer Vorleistung eine noch nicht erbrachte zeitraumbezogene Gegenleistung gegen&uuml;bersteht (vgl. Senatsurteil vom 4. Mai 1977 I R 27\/74, BFHE 123, 20, BStBl II 1977, 802; Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 6. April 1993 VIII R 86\/91, BFHE 171, 221, BStBl II 1993, 709; vom 19. Juni 1997 IV R 16\/95, BFHE 183, 484, BStBl II 1997, 808, jeweils m.w.N.). &sect; 5 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG 2002 betrifft zwar typischerweise Vorleistungen im Rahmen eines gegenseitigen Vertrags i.S. der &sect;&sect; 320 ff. des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs; die Vorschrift ist aber nicht auf synallagmatische schuldrechtliche Leistungen beschr&auml;nkt (vgl. Senatsurteile vom 24. Juli 1996 I R 94\/95, BFHE 181, 64, BStBl II 1997, 122; vom 29. November 2006 I R 46\/05, BFHE 216, 159, BStBl II 2009, 955; Senatsbeschluss vom 7. April 2010 I R 77\/08, BFH\/NV 2010, 1339, BFHE 228, 533, m.w.N.). Vielmehr reicht es f&uuml;r eine Rechnungsabgrenzung aus, wenn mit der Vorleistung ein Verhalten erwartet wird, das wirtschaftlich als Gegenleistung f&uuml;r die Vorleistung aufgefasst werden kann (vgl. BFH-Urteile vom 17. September 1987 IV R 49\/86, BFHE 151, 386, BStBl II 1988, 327; vom 5. April 1984 IV R 96\/82, BFHE 141, 31, BStBl II 1984, 552; Senatsbeschluss in BFH\/NV 2010, 1339).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter Heranziehung dieser Grunds&auml;tze ist auch die gezahlte Kfz-Steuer, soweit sie auf die voraussichtliche Zulassungszeit von Fahrzeugen im nachfolgenden Kalenderjahr entf&auml;llt, aktiv abzugrenzen (ebenso Urteil des Hessischen FG vom 6. November 2008&nbsp;&nbsp;9 K 2244\/04, Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2010, 329; Hoffmann, Unternehmensteuern und Bilanzen 2010, 81; i.Erg. auch Tiedchen, Finanz-Rundschau 2010, 160).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Kfz-Steuer unterliegt grunds&auml;tzlich das Halten inl&auml;ndischer Fahrzeuge zum Verkehr auf &ouml;ffentlichen Stra&szlig;en (zu Sonderf&auml;llen vgl. &sect; 1 Abs. 1 Nr. 2 bis Nr. 4 des Kraftfahrzeugsteuergesetzes &#8211;KraftStG&#8211;), das mit der verkehrsrechtlichen Zulassung des Fahrzeugs beginnt und nach Ma&szlig;gabe des &sect; 5 Abs. 1 Nr. 1 KraftStG bis zu dessen verkehrsrechtlicher Abmeldung andauert. Der Besteuerungstatbestand wird durch das fortdauernde Halten des Kraftfahrzeugs verwirklicht. Die Kfz-Steuer entsteht vorbehaltlich des &sect; 5 Abs. 1 Nr. 1 letzter Halbsatz KraftStG tageweise (vgl. zum Ganzen BFH-Urteil vom 16. November 2004 VII R 62\/03, BFHE 207, 371, BStBl II 2005, 309). Von dem Entstehen der Kfz-Steuerschuld unterscheidet die Rechtsprechung die Steuerzahlungsschuld, die mit Beginn des jeweiligen Entrichtungszeitraums (&sect; 6 KraftStG) entsteht. Entrichtungszeitraum ist nach &sect; 11 Abs. 1 KraftStG ein Jahreszeitraum, da die Steuer grunds&auml;tzlich f&uuml;r die Dauer eines Jahres im Voraus zu leisten ist (zu Sonderf&auml;llen vgl. &sect; 11 Abs. 2 bis 4 KraftStG). Es handelt sich um eine gesetzlich vorgeschriebene Vorauszahlung auf eine noch nicht entstandene Steuer (vgl. BFH-Urteil in BFHE 207, 371, BStBl II 2005, 309).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus dieser Systematik des Kraftfahrzeugsteuergesetzes wird deutlich, dass es sich bei der im Streitfall f&uuml;r die nach &sect; 1 Abs. 1 Nr. 1 KraftStG entrichtete Kfz-Steuer in H&ouml;he von 43.797 EUR um Ausgaben vor dem Abschlussstichtag 31. Dezember 2002 handelt, die Aufwand f&uuml;r eine bestimmte Zeit nach diesem Tag darstellen. Entgegen der Rechtsauffassung des FG l&auml;sst sich die Zeitbestimmung auch bei der Kfz-Steuer feststellen, da es nicht auf die zeitlich unbegrenzte Festsetzung der Steuer, sondern auf die zeitlich begrenzte Festsetzung der Entrichtungsschuld f&uuml;r die Dauer eines Jahres im Voraus ankommt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Soweit das FG die Aktivierung eines RAP ablehnt, weil einer Steuer i.S. des &sect; 3 der Abgabenordnung (AO) keine Gegenleistung gegen&uuml;ber stehe, ist dies unerheblich. Es kommt allein darauf an, dass die Kfz-Steuer f&uuml;r das berechtigte Halten von Fahrzeugen zum Verkehr auf &ouml;ffentlichen Stra&szlig;en zeitbezogen auf die Dauer der Zulassung des Fahrzeugs und j&auml;hrlich im Voraus erhoben wird. Dieser Zusammenhang reicht f&uuml;r die Bilanzierung eines RAP aus. Es bedarf keiner unmittelbaren zivil- oder &ouml;ffentlich-rechtlichen Verkn&uuml;pfung der gezahlten Abgaben mit einer Leistung der &ouml;ffentlichen Hand. Unerheblich ist daher, dass weder die Zulassung eine rechtliche Gegenleistung f&uuml;r die Zahlung der Kfz-Steuer ist noch die &ouml;ffentliche Hand durch die Zahlung der Steuer eine rechtliche Verpflichtung gegen&uuml;ber dem Steuerpflichtigen eingeht. Allerdings kann die Zulassung nach &sect; 14 KraftStG entzogen werden, wenn die Steuer nicht entrichtet wird. Auch hat der Steuerpflichtige im Falle der vorzeitigen Beendigung der Steuerpflicht gem&auml;&szlig; &sect; 37 Abs. 2 AO einen Anspruch auf R&uuml;ckzahlung der auf die nach Beendigung der Steuerpflicht entfallenden Betr&auml;ge (Neufestsetzung gem&auml;&szlig; &sect; 12 Abs. 2 Nr. 3 KraftStG). Dies verdeutlicht, dass die Zahlung der Kfz-Steuer mit dem berechtigten Halten von Fahrzeugen auf &ouml;ffentlichen Stra&szlig;en in einem wirtschaftlichen Zusammenhang steht (vgl. Pl&uuml;ckebaum, Die steuerliche Betriebspr&uuml;fung &#8211;StBp&#8211; 1970, 249, 259; vgl. auch S&ouml;ffing, Neue Wirtschafts-Briefe &#8211;NWB&#8211; Fach 17a, S. 735 f.; Bauer in Kirchhof\/S&ouml;hn\/ Mellinghoff, EStG, &sect; 5 Rz F 108).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dass auch die widerrechtliche Benutzung von Fahrzeugen zur Besteuerung f&uuml;hrt, ist f&uuml;r die Rechnungsabgrenzung im Streitfall unerheblich, da es sich insofern um einen anderen Steuergegenstand handelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FA ist nicht an die von der Kl&auml;gerin bei der Bilanzaufstellung vertretene Rechtsauffassung, ein RAP sei nicht zu aktivieren, gebunden. Zwar ist Ausgangspunkt f&uuml;r die steuerliche Gewinnermittlung die von der Kl&auml;gerin beim FA eingereichte (Steuer-)Bilanz. Von dieser darf (und muss) das FA nur abweichen, wenn und soweit sie den Grunds&auml;tzen ordnungsm&auml;&szlig;iger Buchf&uuml;hrung (&sect; 5 Abs. 1 Satz 1 EStG 2002) oder den zwingenden bilanzrechtlichen Vorgaben des Einkommensteuergesetzes nicht entspricht (vgl. Senatsurteil vom 5. Juni 2007 I R 47\/06, BFHE 218, 221, BStBl II 2007, 818; Senatsbeschluss vom 7. August 2008 I B 161\/07, BFH\/NV 2008, 2053). Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH ist ein objektiv falscher Bilanzansatz nur unter der weiteren Voraussetzung fehlerhaft, dass der Steuerpflichtige den Fehler nach den Erkenntnism&ouml;glichkeiten eines ordentlichen Kaufmanns im Zeitpunkt der Bilanzaufstellung &#8211;bezogen auf die am Bilanzstichtag objektiv bestehenden Verh&auml;ltnisse&#8211; erkennen konnte. Dieser sog. subjektive Fehlerbegriff gilt nach bisheriger Rechtsprechung nicht nur f&uuml;r Tatsachenerkenntnisse, sondern auch f&uuml;r die Beurteilung von Rechtsfragen (z.B. BFH-Urteile vom 14. August 1975 IV R 30\/71, BFHE 117, 44, BStBl II 1976, 88; vom 12. November 1992 IV R 59\/91, BFHE 170, 217, BStBl II 1993, 392, sowie Senatsurteile vom 5. April 2006 I R 46\/04, BFHE 213, 326, BStBl II 2006, 688; vom 23. Januar 2008 I R 40\/07, BFHE 220, 361, BStBl II 2008, 669). F&uuml;r die F&auml;lle, in denen die Rechtslage zum Zeitpunkt der Bilanzaufstellung ungekl&auml;rt ist, weil noch keine Rechtsprechung zu der in Rede stehenden Bilanzierungsfrage ergangen ist, hat der Senat deshalb entschieden, dass dann jede der kaufm&auml;nnischen Sorgfalt entsprechende Bilanzierung als &quot;richtig&quot; anzusehen ist (vgl. Senatsurteile in BFHE 213, 326, BStBl II 2006, 688; in BFHE 218, 221, BStBl II 2007, 818; vom 17. Juli 2008 I R 85\/07, BFHE 222, 418, BStBl II 2008, 924). An den in diesem Sinn zum Zeitpunkt der Bilanzaufstellung subjektiv &quot;richtigen&quot; Bilanzansatz ist das FA gebunden, auch wenn die Rechtsfrage nach diesem Zeitpunkt durch eine h&ouml;chstrichterliche Entscheidung im gegenteiligen Sinne entschieden worden ist (Senatsurteil in BFHE 218, 221, BStBl II 2007, 818).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob an dieser Rechtsprechung festzuhalten ist (dazu Senatsbeschluss in BFH\/NV 2010, 1339), bedarf im Streitfall keiner Entscheidung. Denn nach Ma&szlig;gabe dieser Rechtsprechung hat die Kl&auml;gerin durch das Unterlassen der Bildung eines aktiven RAP eine der kaufm&auml;nnischen Sorgfalt nicht entsprechende Entscheidung getroffen. Bis zum Ergehen des angefochtenen FG-Urteils war die Frage der Aktivierung eines RAP f&uuml;r vorausbezahlte Kfz-Steuer nicht streitig, sondern entsprach im Anschluss an das BFH-Urteil vom 10. Juli 1970 III R 112\/69 (BFHE 100, 110, BStBl II 1970, 779) der g&auml;ngigen Bilanzierungspraxis (vgl. Thiel, Steuerberater-Jahrbuch 1969\/70, S. 255, 262; Mies, Der Betrieb 1970, 1798; Pl&uuml;ckebaum, StBp 1970, 249, 259; S&ouml;ffing, NWB Fach 17a, S. 735 f.; Federmann, Betriebs-Berater 1984, 246, 247; Federmann, Steuer und Studium 1985, 131, 136; Glade, Praxishandbuch der Rechnungslegung und Pr&uuml;fung, 2. Aufl., 1995, S. 1354; Bauer in Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, a.a.O., &sect; 5 Rz F 108; Hennrichs in M&uuml;nchener Kommentar zum Aktiengesetz, 2. Aufl., 2003, &sect; 250 HGB Rz 12; a.A. nur Heymann\/Walz, HGB, 2. Aufl., 1999, &sect; 250 Rz 6). Angesichts dessen kann f&uuml;r den Zeitpunkt der von der Kl&auml;gerin aufgestellten Bilanz am 22. August 2003 davon ausgegangen werden, dass die Pflicht zur Aktivierung eines RAP f&uuml;r vorausbezahlte Kfz-Steuer nicht zweifelhaft war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.5.2010, I R 65\/09 Rechnungsabgrenzung f&uuml;r Kfz-Steueraufwand &#8211; Berichtigung eines objektiv falschen Bilanzansatzes Leits&auml;tze F&uuml;r in einem Wirtschaftsjahr gezahlte Kfz-Steuer ist ein Rechnungsabgrenzungsposten zu aktivieren, soweit die Steuer auf die voraussichtliche Zulassungszeit des Fahrzeugs im nachfolgenden Wirtschaftsjahr entf&auml;llt . Tatbestand 1&nbsp; I. Zwischen den Beteiligten ist streitig, ob f&uuml;r Kraftfahrzeugsteuern (Kfz-Steuern) ein &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-65-09-rechnungsabgrenzung-fuer-kfz-steueraufwand-berichtigung-eines-objektiv-falschen-bilanzansatzes\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;R&nbsp;65\/09 &#8211; Rechnungsabgrenzung f&uuml;r Kfz-Steueraufwand &#8211; Berichtigung eines objektiv falschen Bilanzansatzes<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-11985","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11985","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11985"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11985\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11985"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11985"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11985"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}