{"id":12067,"date":"2012-12-08T07:10:45","date_gmt":"2012-12-08T05:10:45","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12067"},"modified":"2012-12-08T07:10:45","modified_gmt":"2012-12-08T05:10:45","slug":"i-b-160-09-divergenzzulassung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-160-09-divergenzzulassung\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;160\/09 &#8211; Divergenzzulassung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 10.5.2010, I B 160\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Divergenzzulassung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob die &Auml;nderung einer Steuerfestsetzung innerhalb der Festsetzungsfrist erfolgt ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) hatte im Streitjahr 1998 sowohl einen Wohnsitz in der Schweiz als auch im Inland (Wohnungsmietvertrag vom 17. April 1998). Die Einkommensteuererkl&auml;rung des Streitjahres wurde unter Mitwirkung eines Steuerberaters &#8211;Steuerberater X&#8211; erstellt; dazu hatte X gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger die Rechtsansicht vertreten, dass f&uuml;r den Kl&auml;ger eine doppelte unbeschr&auml;nkte Steuerpflicht bestehe, die inl&auml;ndische Steuerpflicht sich aber auf die inl&auml;ndischen Eink&uuml;nfte beschr&auml;nke und die &uuml;brigen Welteink&uuml;nfte in der Schweiz zu besteuern seien. Die Deklaration des Kl&auml;gers (vom 3. Juli 2000) bezog sich auf die im Zeitraum ab dem 1. August bis zum 31. Dezember des Streitjahres im Inland erzielten Eink&uuml;nfte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Veranlagung zur Einkommensteuer des Streitjahres erfolgte auf dieser Grundlage, wobei der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) allerdings im Rahmen eines Progressionsvorbehalts ausl&auml;ndische Eink&uuml;nfte in einer gesch&auml;tzten H&ouml;he ber&uuml;cksichtigt hatte (Bescheid vom 24. August 2001). Nachdem im Zuge einer zun&auml;chst nicht das Streitjahr betreffenden Au&szlig;enpr&uuml;fung weitere &#8211;bisher nicht ber&uuml;cksichtigte&#8211; inl&auml;ndische und ausl&auml;ndische Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers bekannt geworden waren, kam es in 2005 zu einer Ausweitung der Pr&uuml;fung f&uuml;r das Streitjahr; nach dem Abschluss der Pr&uuml;fung &auml;nderte das FA die Festsetzung mit Bescheid vom 21. September 2006 unter Hinweis auf &sect; 173 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO). Ein gegen den Kl&auml;ger eingeleitetes Strafverfahren wurde eingestellt: den Kl&auml;ger treffe kein Verschulden an der durch die unzutreffende Deklaration eingetretenen Steuerverk&uuml;rzung. Die Klage gegen den &Auml;nderungsbescheid blieb erfolglos (S&auml;chsisches Finanzgericht &#8211;FG&#8211;, Urteil vom 19. August 2009&nbsp;&nbsp;2 K 213\/09).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger macht mit seiner Beschwerde geltend, dass die Revision gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2 Alternative 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zuzulassen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Beschwerde zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen. Die geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 bzw. Nr. 2 Alternative 2 FGO) liegen nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Voraussetzungen f&uuml;r eine Zulassung der Revision gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO (Revision zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung) sind nicht erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG ist in der angefochtenen Entscheidung davon ausgegangen, dass die Festsetzungsfrist wegen einer leichtfertigen Steuerverk&uuml;rzung des Steuerberaters, der eine Auskunft zu einer Rechtsfrage erteilt und auf dieser Grundlage die Steuererkl&auml;rung des Kl&auml;gers vorbereitet hat, verl&auml;ngert gewesen sei. Das FG hat sich dabei auf das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 19. Dezember 2002 IV R 37\/01 (BFHE 200, 495, BStBl II 2003, 385) gest&uuml;tzt, das als T&auml;ter einer leichtfertigen Steuerverk&uuml;rzung i.S. des &sect; 378 AO auch denjenigen ansieht, der die Angelegenheiten eines Steuerpflichtigen wahrnimmt (im dortigen Streitfall: der Gewinn des Steuerpflichtigen war grob fahrl&auml;ssig unzutreffend ermittelt und vom Finanzamt bei der Steuerveranlagung zugrunde gelegt worden). In diesem Urteil ist dar&uuml;ber hinaus unter Hinweis auf strafgerichtliche Rechtsprechung ausgef&uuml;hrt, dass die straf- bzw. ordnungswidrigkeitenrechtliche Verantwortlichkeit des Beraters wachse, je weitgehender sich der Steuerpflichtige durch Aufgaben&uuml;bertragung auf den Berater straf- bzw. ordnungswidrigkeitenrechtlich entlaste. Im &Uuml;brigen sei die (dortige) Vorinstanz zu Recht nicht der in der Revision angef&uuml;hrten Rechtsprechung der ordentlichen Gerichtsbarkeit gefolgt, die den eine Steuererkl&auml;rung vorbereitenden Steuerberater nicht als tauglichen T&auml;ter einer leichtfertigen Steuerverk&uuml;rzung ansehe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Rechtsprechungsdivergenz i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO kann auf dieser Grundlage nicht mit dem Hinweis auf abweichende strafgerichtliche Entscheidungen dargelegt werden, die ausdr&uuml;cklich schon Gegenstand der einschl&auml;gigen (und anderslautenden) BFH-Entscheidung waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das Oberlandesgericht (OLG) Zweibr&uuml;cken (Senat f&uuml;r Bu&szlig;geldsachen) hat in seinem Beschluss vom 23. Oktober 2008&nbsp;&nbsp;1 Ss 140\/08 (Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst &#8211;DStRE&#8211; 2009, 321) entschieden, dass ein Steuerberater mangels eigener Angaben gegen&uuml;ber dem Finanzamt den Tatbestand des &sect; 378 AO nicht erf&uuml;lle, wenn er die Steuererkl&auml;rung seines Mandanten lediglich vorbereitet hat und diese dann vom Steuerpflichtigen unterzeichnet und beim Finanzamt eingereicht wird. In diesem Beschluss des OLG Zweibr&uuml;cken ist ausgef&uuml;hrt, dass &quot;der als herrschend zu bezeichnenden Rechtsprechung&quot; anderer Strafgerichte zu folgen sei; die gegenteilige Auffassung des BFH &uuml;berzeuge nicht. Zu ber&uuml;cksichtigen sei auch, dass die BFH-Entscheidung nicht unmittelbar die Ahndung einer Tat und Festsetzung einer Geldbu&szlig;e zum Gegenstand gehabt habe, sondern die Frage der Tatbestandsverwirklichung nur von indirekter Bedeutung f&uuml;r eine weitere Rechtsfrage (Festsetzungsfrist) gewesen sei. Die Voraussetzungen f&uuml;r eine Vorlage an den Bundesgerichtshof (BGH) nach &sect; 121 Abs. 2 des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) l&auml;gen damit nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar kann der Kl&auml;ger insoweit geltend machen, dass das angefochtene Urteil des FG in seinem entscheidungstragenden Rechtssatz von einem ebenfalls entscheidungstragenden Rechtssatz dieses strafgerichtlichen Beschlusses abweicht. Ein Bedarf f&uuml;r eine (nochmalige) Entscheidung des BFH zur Herstellung einer einheitlichen Rechtsprechung besteht auch insoweit aber nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn im Streitfall besteht die Konstellation, dass in der strafgerichtlichen Rechtsprechung (jedenfalls einzelne Gerichte) der Auffassung des BFH ausdr&uuml;cklich nicht folgen, sondern die vom BFH abgelehnte strafgerichtliche Rechtsauffassung (weiterhin) aufrechterhalten. Gerichtsverfassungsrechtlich besteht damit keine M&ouml;glichkeit, zu einer (kl&auml;renden) Entscheidung des BGH (f&uuml;r den Bereich der Strafsachen) zu kommen (Hinweis auf &sect; 121 Abs. 2 GVG). Eine Entscheidung des BFH kann in dieser Konstellation eine einheitliche (rechtsweg&uuml;bergreifende) Rechtsprechung nicht begr&uuml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dar&uuml;ber hinaus l&auml;sst der Beschluss des OLG Zweibr&uuml;cken in DStRE 2009, 321 erkennen, dass nach der dortigen Einsch&auml;tzung ein Unterschied f&uuml;r die Beantwortung der in Rede stehenden Rechtsfrage darin bestehen k&ouml;nnte, ob es unmittelbar um die straf- bzw. ordnungswidrigkeitenrechtliche Ahndung einer Tat geht, oder ob die Frage nur von indirekter Bedeutung f&uuml;r eine weitere Rechtsfrage ist (s. insoweit auch Drescher, SteuerConsultant 2009, Heft 7, S. 29, 30). Au&szlig;erdem hat der BFH in seinem Urteil in BFHE 200, 495, BStBl II 2003, 385 in besonderer Weise darauf abgestellt, dass die straf- bzw. ordnungswidrigkeitenrechtliche Verantwortlichkeit des Beraters wachse, je weitgehender sich der Steuerpflichtige durch Aufgaben&uuml;bertragung auf den Berater straf- bzw. ordnungswidrigkeitenrechtlich entlastet. Auch unter diesen Aspekten l&auml;sst sich eine einheitliche Rechtsprechung durch eine (weitere) Entscheidung des BFH nicht herstellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Rechtssache hat keine grunds&auml;tzliche Bedeutung i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO (Grundsatzrevision), da ein Kl&auml;rungsbed&uuml;rfnis f&uuml;r die Rechtsfrage angesichts des zeitnahen und in der finanzgerichtlichen Rechtsprechung nicht angegriffenen BFH-Urteils in BFHE 200, 495, BStBl II 2003, 385 durch eine weitere Entscheidung des BFH nicht besteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 10.5.2010, I B 160\/09 Divergenzzulassung Tatbestand 1&nbsp; I. Streitig ist, ob die &Auml;nderung einer Steuerfestsetzung innerhalb der Festsetzungsfrist erfolgt ist. 2&nbsp; Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) hatte im Streitjahr 1998 sowohl einen Wohnsitz in der Schweiz als auch im Inland (Wohnungsmietvertrag vom 17. April 1998). 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