{"id":12079,"date":"2012-12-08T07:19:19","date_gmt":"2012-12-08T05:19:19","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12079"},"modified":"2012-12-08T07:19:19","modified_gmt":"2012-12-08T05:19:19","slug":"vi-r-27-08-korrektur-von-steuerbescheiden-rechtserheblichkeit-neuer-tatsachen-sinn-und-zweck-des-par-173-ao","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-27-08-korrektur-von-steuerbescheiden-rechtserheblichkeit-neuer-tatsachen-sinn-und-zweck-des-par-173-ao\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;27\/08 &#8211; Korrektur von Steuerbescheiden &#8211; Rechtserheblichkeit neuer Tatsachen &#8211; Sinn und Zweck des &sect; 173 AO"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.4.2010, VI R 27\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Korrektur von Steuerbescheiden &#8211; Rechtserheblichkeit neuer Tatsachen &#8211; Sinn und Zweck des &sect; 173 AO<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob bestandskr&auml;ftige Einkommensteuerfestsetzungen nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 2 der Abgabenordnung (AO) zu &auml;ndern sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger, Revisionskl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) sind Eheleute und wurden in den Streitjahren 2001 bis 2004 zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Der Kl&auml;ger, der bei der Stadtsparkasse A besch&auml;ftigt war, erwarb im Rahmen dieser T&auml;tigkeit auch Anspr&uuml;che auf eine betriebliche Altersvorsorge. Bedingt durch die Aufl&ouml;sung der Zusatzversorgungskasse der Landeshauptstadt A wechselte die Stadtsparkasse zur Durchf&uuml;hrung ihrer betrieblichen Altersvorsorge zur Y-Zusatzversorgungskasse in B. Zum Ausgleich hierf&uuml;r hat sie an die &uuml;bernehmende Versorgungskasse neben einer allgemeinen Umlage einen j&auml;hrlichen Nachteilsausgleich geleistet, diese Zahlungen &#8211;anteilig&#8211; als Arbeitslohn des Kl&auml;gers behandelt und dem Lohnsteuerabzug unterworfen. Dementsprechend sind auch die auf den Kl&auml;ger entfallenden Nachteilsausgleichszahlungen in den auf den Lohnsteuerbescheinigungen ausgewiesenen Bruttoarbeitsl&ouml;hne enthalten und in die Einkommensteuerfestsetzungen f&uuml;r die Streitjahre eingegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Von diesem Umstand erfuhr der Kl&auml;ger erstmals auf Grund einer &quot;Allgemeinen Information&quot; der Stadtparkasse A vom 15. M&auml;rz 2006. Zugleich wurde ihm mitgeteilt, dass die Versteuerung fehlerhaft gewesen sei, wie sich aus dem zwischenzeitlich ergangenen Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 14. September 2005 VI R 148\/98 (BFHE 210, 443, BStBl II 2006, 532) ergebe. Daraufhin beantragten die Kl&auml;ger beim Beklagten, Revisionsbeklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erfolglos, die bestandskr&auml;ftigen Einkommensteuerfestsetzungen der Streitjahre nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 2 AO dahingehend zu &auml;ndern, dass die zu Unrecht erfolgte Besteuerung des Nachteilsausgleichs als Arbeitslohn r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werde. Auch die hiergegen eingelegten Einspr&uuml;che blieben ohne Erfolg. Der fristgerecht erhobenen Klage gab das Finanzgericht (FG) f&uuml;r die Streitjahre 2001 und 2002 mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2008, 1346 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden statt. Im &Uuml;brigen wurde die Klage abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das Urteil des FG D&uuml;sseldorf vom 5. Mai 2008&nbsp;&nbsp;17 K 692\/07 E aufzuheben, soweit das FA verpflichtet worden ist, die Einkommensteuerbescheide f&uuml;r 2001 vom 23. September 2002 und f&uuml;r 2002 vom 5. Dezember 2003 dahin zu &auml;ndern, dass die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit um 2.013,67 DM (2001) und 1.053,78 EUR (2002) niedriger festgesetzt werden, und die Klage in vollem Umfang abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger haben wegen der Streitjahre 2003 und 2004 ebenfalls Revision eingelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen insoweit,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>unter Ab&auml;nderung des Urteils des FG D&uuml;sseldorf vom 5. Mai 2008&nbsp;&nbsp;17 K 692\/07 E und Aufhebung der Ablehnungsbescheide vom 16. Januar 2007 und der Einspruchsentscheidung vom 8. Februar 2007 das FA auch zu verpflichten, die Einkommensteuerbescheide f&uuml;r 2003 vom 12. Januar 2005 und f&uuml;r 2004 vom 1. August 2005 dahin zu &auml;ndern, dass die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit um 1.111,56 EUR (2003) und 1.169,15 EUR (2004) niedriger festgesetzt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision der Kl&auml;ger wegen Einkommensteuer 2003 und 2004 zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Abweisung der Klage (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Unrecht entschieden, dass die Einkommensteuerfestsetzungen 2001 und 2002 nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 2 AO zu &auml;ndern sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Vorentscheidung verletzt &sect; 173 Abs. 1 Nr. 2 AO. Danach sind Steuerbescheide aufzuheben oder zu &auml;ndern, soweit Tatsachen oder Beweismittel nachtr&auml;glich bekanntwerden, die zu einer niedrigeren Steuer f&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Senat kann dahinstehen lassen, ob es sich bei dem Umstand, dass der auf der Lohnsteuerkarte des Kl&auml;gers ausgewiesene Bruttolohn in den Streitjahren auch auf diesen entfallende Nachteilsausgleichszahlungen enth&auml;lt, um eine dem FA nachtr&auml;glich bekanntgewordene Tatsache i.S. des &sect; 173 Abs. 1 AO handelt. Denn auch bei rechtzeitiger Kenntnis um diese Sonderzahlungen an die aufnehmende Versorgungskasse und deren &#8211;anteilige&#8211; Erfassung in den Lohnsteuerbescheinigungen des Kl&auml;gers w&auml;re das FA bei der urspr&uuml;nglichen Veranlagung zu keiner niedrigeren Steuer gelangt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Seit dem Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 23. November 1987 GrS 1\/86 (BFHE 151, 495, BStBl II 1988, 180) vertritt die h&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung die Auffassung, dass ein Steuerbescheid wegen nachtr&auml;glich bekanntgewordener Tatsachen oder Beweismittel zugunsten des Steuerpflichtigen nur aufgehoben oder ge&auml;ndert werden darf, wenn das FA bei urspr&uuml;nglicher Kenntnis der Tatsachen oder Beweismittel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anders entschieden h&auml;tte (BFH-Beschluss in BFHE 151, 495, BStBl II 1988, 180, unter C. II. am Anfang). Eine &Auml;nderung nach &sect; 173 Abs. 1 AO scheidet hingegen aus, wenn die Unkenntnis der sp&auml;ter bekanntgewordenen Tatsache f&uuml;r die urspr&uuml;ngliche Veranlagung nicht urs&auml;chlich (rechtserheblich) gewesen ist, weil das FA auch bei rechtzeitiger Kenntnis der Tatsache mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu keiner anderen Steuer gelangt w&auml;re (BFH-Beschluss in BFHE 151, 495, BStBl II 1988, 180, unter C. II. 2. b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Rechtfertigender Grund f&uuml;r die Durchbrechung der Bestandskraft nach &sect; 173 AO ist nicht die Unrichtigkeit der Steuerfestsetzung, sondern der Umstand, dass das FA bei seiner Entscheidung von einem unvollst&auml;ndigen Sachverhalt ausgegangen ist. Demnach ist die nachtr&auml;gliche Ber&uuml;cksichtigung neuer Tatsachen und Beweismittel strikt von der Korrektur von Rechtsfehlern abzugrenzen. Insbesondere d&uuml;rfen &uuml;ber den Umweg des &sect; 173 Abs. 1 AO Rechtsfehler der Finanzbeh&ouml;rde weder zu Lasten (Nr. 1) noch zu Gunsten des Steuerpflichtigen (Nr. 2) berichtigt werden. Das Kriterium der Rechtserheblichkeit (Kausalit&auml;t) der neuen Tatsache bei der urspr&uuml;nglichen Veranlagung schlie&szlig;t demnach aus, dass die Beteiligten des Steuerschuldverh&auml;ltnisses mit Hilfe eines &Auml;nderungsbescheids eine neue Tatsache zum blo&szlig;en Anlass oder Vorwand nehmen, ihre gel&auml;uterte Rechtsansicht nachtr&auml;glich durchzusetzen (BFH-Beschluss in BFHE 151, 495, BStBl II 1988, 180). Der Gesetzgeber hat vielmehr dem Rechtsfrieden und der Rechtssicherheit in solchen F&auml;llen Vorrang vor der materiellen Richtigkeit der ergangenen Verwaltungsentscheidung einger&auml;umt (BFH-Beschluss in BFHE 151, 495, BStBl II 1988, 180).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ma&szlig;gebend f&uuml;r die Frage nach der Rechtserheblichkeit einer neuen Tatsache oder eines neuen Beweismittels ist grunds&auml;tzlich der Zeitpunkt, in dem die Willensbildung des FA &uuml;ber die Steuerfestsetzung abgeschlossen wird, d.h. im Normalfall der Zeitpunkt der abschlie&szlig;enden Zeichnung des Eingabewertbogens (bei EDV-m&auml;&szlig;iger Abwicklung der Steuerfestsetzung) oder der Verf&uuml;gung zum Steuerbescheid (BFH-Urteile vom 13. Juli 1990 VI R 109\/86, BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047, und vom 20. Juni 2001 VI R 70\/00, BFH\/NV 2001, 1527; von Wedelst&auml;dt in Beermann\/Gosch, AO &sect; 173 Rz 29, 47, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Wie das FA bei Kenntnis bestimmter Tatsachen und Beweismittel einen Sachverhalt in seinem urspr&uuml;nglichen Bescheid gew&uuml;rdigt h&auml;tte, ist im Einzelfall aufgrund des Gesetzes, wie es nach der damaligen Rechtsprechung des BFH ausgelegt wurde, und den die F&Auml; bindenden Verwaltungsanweisungen zu beurteilen, die im Zeitpunkt des urspr&uuml;nglichen Bescheiderlasses durch das FA gegolten haben (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteile vom 15. M&auml;rz 2007 III R 57\/06, BFH\/NV 2007, 1461; in BFH\/NV 2001, 1527; vom 15. Dezember 1999 XI R 22\/99, BFH\/NV 2000, 818; Senatsbeschluss vom 10. Oktober 2007 VI B 48\/06, BFH\/NV 2008, 191, m.w.N.). Liegen unmittelbar zu der umstrittenen Rechtslage weder eine Rechtsprechung des BFH noch bindende Verwaltungsanweisungen vor, so ist aufgrund anderer Umst&auml;nde abzusch&auml;tzen, wie das FA in Kenntnis des vollst&auml;ndigen Sachverhalts entschieden h&auml;tte (vgl. auch BFH-Urteil vom 10. M&auml;rz 1999 II R 99\/97, BFHE 188, 276, BStBl II 1999, 433). Hierzu rechnet beispielsweise das Vorgehen der Finanzbeh&ouml;rden in Parallelverfahren (BFH-Urteil vom 9. August 1989 X R 7\/84, BFH\/NV 1990, 613). Dar&uuml;ber hinaus sind auch interne Schreiben und Mitteilungen (BFH-Urteil vom 11. Juni 1997 X R 117\/95, BFH\/NV 1997, 853), etwa eines Landesfinanzministeriums an den Bundesminister der Finanzen, zu ber&uuml;cksichtigen (BFH-Urteile vom 15. Dezember 1999 XI R 22\/99, BFH\/NV 2000, 818, und XI R 38\/99, BFH\/NV 2000, 820). Deshalb ist das FG bei der Ermittlung der Verwaltungsauffassung auch nicht an bestimmte Beweismittel gebunden (BFH-Urteile in BFH\/NV 2000, 818, und in BFH\/NV 2000, 820; Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 173 AO Rz 57b). Das mutma&szlig;liche Verhalten des einzelnen Sachbearbeiters und seine individuellen Rechtskenntnisse sind hingegen f&uuml;r die Frage, ob die Ver&auml;nderung im Tats&auml;chlichen oder in der rechtlichen Beurteilung liegt, aus gleichheitsrechtlichen Erw&auml;gungen ohne Bedeutung. Subjektive Fehler der F&Auml; und damit des einzelnen Bearbeiters, wie sie sowohl in rechtlicher als auch in tats&auml;chlicher Hinsicht denkbar sein m&ouml;gen, sind f&uuml;r die Beurteilung der Rechtserheblichkeit einer nachtr&auml;glich bekanntgewordenen Tatsache unbeachtlich (vgl. BFH-Urteil vom 11. Mai 1988 I R 216\/85, BFHE 153, 296, BStBl II 1988, 715).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Demgegen&uuml;ber hat das FG im Streitfall den hypothetischen Kausalverlauf allein nach den idealtypischen individuellen Rechtskenntnissen des zust&auml;ndigen Veranlagungssachbearbeiters und nicht nach der in den Streitjahren herrschenden Verwaltungsauffassung beurteilt. Deshalb war die Vorentscheidung aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Sache ist spruchreif.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage wird abgewiesen. Dass der auf der Lohnsteuerkarte des Kl&auml;gers ausgewiesene Bruttolohn in den Streitjahren auch auf diesen entfallende Nachteilsausgleichszahlungen enth&auml;lt, ist bei der urspr&uuml;nglichen Veranlagung nicht rechtserheblich gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Im Streitfall w&auml;re das FA bei den Veranlagungen 2001 und 2002 auch bei rechtzeitiger Kenntnis des Umstands, dass der auf der Lohnsteuerkarte des Kl&auml;gers ausgewiesene Bruttoarbeitslohn in den Streitjahren auch die auf ihn entfallenden Nachteilsausgleichszahlungen enthielt, zu keiner anderen Steuer gelangt. Es h&auml;tte insbesondere nicht den Entlohnungscharakter der streitigen Sonderzahlungen verneint, sondern vielmehr die Ausgleichszahlungen im Zeitpunkt der streitigen Veranlagungen als steuerbaren Arbeitslohn beurteilt. Nach dem Urteil des Senats in BFHE 210, 443, BStBl II 2006, 532 flie&szlig;t zwar den Arbeitnehmern kein Arbeitslohn zu, wenn der Arbeitgeber beim Wechsel zu einer anderen umlagefinanzierten Zusatzversorgungskasse Sonderzahlungen leistet. Im Streitfall erfolgte die abschlie&szlig;ende Zeichnung der Eingabewertb&ouml;gen zu den Einkommensteuerbescheiden 2001 und 2002 unstreitig jedoch jeweils vor der Ver&ouml;ffentlichung des BFH-Urteils in BFHE 210, 443, BStBl II 2006, 532 in der Ausgabe Nr. 11 des BStBl II 2006, das am 24. Juli 2006 ausgegeben wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Bei rechtzeitiger Kenntnis von der im Bruttolohn des Kl&auml;gers enthaltenen anteiligen Sonderumlage h&auml;tte das FA entsprechend der damaligen Verwaltungsauffassung diese Zahlungen als Arbeitslohn erfasst und der Besteuerung unterworfen. Dies ergibt sich vor allem aus dem Umstand, dass die Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen die Revisionsverfahren VI R 32\/04 und VI R 148\/98 gef&uuml;hrt und in diesen Verfahren stets die Auffassung vertreten hat, dass es sich bei Sonderumlagen in Versorgungssysteme um Arbeitslohn handele. Dar&uuml;ber hinaus ist die Auffassung der Finanzbeh&ouml;rden, dass der Nachteilsausgleich als Arbeitslohn zu erfassen sei, u.a. in der Mitteilung f&uuml;r den Lohnsteuerau&szlig;endienst Nr. 12\/2001 vom 5. Dezember 2001 niedergelegt. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist insoweit ohne Bedeutung, ob der zust&auml;ndige Veranlagungssachbearbeiter diese Mitteilung kannte und ber&uuml;cksichtigt h&auml;tte. Insoweit ist ausreichend, dass aus diesem internen Schreiben die Rechtsauffassung der Verwaltung hervorgeht. Dies gilt gleicherma&szlig;en f&uuml;r den Schriftwechsel des Finanzministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen und der Steuerberatungsgesellschaft der Zusatzversorgungskasse der Landeshauptstadt A. Auch aus diesen Schreiben ist zweifelsfrei ersichtlich, dass die Landesfinanzbeh&ouml;rden im Streitfall bei der Besteuerung von Zukunftssicherungsleistungen nicht nach allgemeinen Umlagezahlungen und dem sogenannten Nachteilsausgleich unterschieden h&auml;tten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Schlie&szlig;lich weist das FA auch zu Recht darauf hin, dass sich aus der Gesetzesbegr&uuml;ndung des Jahressteuergesetzes 2007 die in den Streitjahren herrschende Verwaltungsauffassung ergibt. Dort ist ausdr&uuml;cklich darauf hingewiesen, dass nach Auffassung der Finanzverwaltung Sonderzahlungen des Arbeitgebers, die er anl&auml;sslich der &Uuml;berf&uuml;hrung einer Mitarbeiterversorgung in eine Zusatzversorgungskasse leistet, als steuerpflichtiger Arbeitslohn beurteilt worden sind (BTDrucks 16\/2712, 45 f.). Aufgrund dieser feststehenden Verwaltungs&uuml;bung ist nicht ersichtlich, dass das FA im Streitfall bei rechtzeitiger Kenntnis um die Sonderzahlungen an die aufnehmende Versorgungskasse und deren &#8211;anteilige&#8211; Erfassung in den Lohnsteuerbescheinigungen des Kl&auml;gers die streitige Einkommensteuer niedriger festgesetzt h&auml;tte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Folglich h&auml;tte die streitige &Auml;nderung der Einkommensteuerbescheide 2001 und 2002 mangels Rechtserheblichkeit dieses Umstands nicht durchgef&uuml;hrt werden d&uuml;rfen. Damit war die Klage auch insoweit abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Revision der Kl&auml;ger wegen Einkommensteuer 2003 und 2004 ist unbegr&uuml;ndet. Das FG hat im Ergebnis zutreffend entschieden, dass das FA nicht zur streitigen &Auml;nderung der Einkommensteuerbescheide 2003 und 2004 verpflichtet war, und damit die Klage insoweit zu Recht abgewiesen. Das FA h&auml;tte auch bei rechtzeitiger Kenntnis um den sogenannten Nachteilsausgleich den Arbeitslohn des Kl&auml;gers nicht um diese Sonderzahlungen an die Y-Zusatzversorgungskasse gemindert, sondern die Steuer ebenso (falsch) festgesetzt, wie dies in Unkenntnis dieses Umstands geschehen ist (vgl. unter II. 2. der Gr&uuml;nde).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.4.2010, VI R 27\/08 Korrektur von Steuerbescheiden &#8211; Rechtserheblichkeit neuer Tatsachen &#8211; Sinn und Zweck des &sect; 173 AO Tatbestand 1&nbsp; I. Streitig ist, ob bestandskr&auml;ftige Einkommensteuerfestsetzungen nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 2 der Abgabenordnung (AO) zu &auml;ndern sind. 2&nbsp; Die Kl&auml;ger, Revisionskl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) sind Eheleute und wurden in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-27-08-korrektur-von-steuerbescheiden-rechtserheblichkeit-neuer-tatsachen-sinn-und-zweck-des-par-173-ao\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;27\/08 &#8211; Korrektur von Steuerbescheiden &#8211; Rechtserheblichkeit neuer Tatsachen &#8211; Sinn und Zweck des &sect; 173 AO<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-12079","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12079","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12079"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12079\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12079"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12079"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12079"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}