{"id":12095,"date":"2012-12-08T07:18:28","date_gmt":"2012-12-08T05:18:28","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12095"},"modified":"2012-12-08T07:18:28","modified_gmt":"2012-12-08T05:18:28","slug":"x-b-164-08-verletzung-von-par-96-abs-1-satz-1-fgo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-164-08-verletzung-von-par-96-abs-1-satz-1-fgo\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;164\/08 &#8211; Verletzung von &sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.4.2010, X B 164\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Verletzung von &sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Die in der Beschwerdebegr&uuml;ndung des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) geltend gemachten Gr&uuml;nde f&uuml;r die Zulassung der Revision (&sect; 115 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) liegen nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das angefochtene Urteil des Finanzgerichts (FG) beruht nicht auf einem Verfahrensfehler (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar kann ein Versto&szlig; gegen &sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO und damit ein Verfahrensfehler dann gegeben sein, wenn das FG seiner Entscheidung einen Sachverhalt zugrunde legt, der dem schriftlich festgehaltenen Vorbringen der Beteiligten nicht entspricht, oder wenn eine nach den Akten klar feststehende Tatsache unber&uuml;cksichtigt geblieben ist (st&auml;ndige Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211;; vgl. z.B. Beschluss vom 7. April 2005 IX B 194\/03, BFH\/NV 2005, 1354; Senatsbeschluss vom 22. Februar 2005 X B 177\/03, BFH\/NV 2005, 909). Die Verpflichtung des FG zur Auswertung der ihm vorliegenden Akten ist indessen nicht unbegrenzt. Die Vorschrift des &sect; 96 Abs. 1 FGO, nach der der finanzgerichtlichen &Uuml;berzeugungsbildung das Gesamtergebnis des Verfahrens zugrunde zu legen ist, dr&uuml;ckt das Erfordernis einer quantitativen Vollst&auml;ndigkeit des Prozessstoffs aus (BFH-Beschluss vom 27. September 2007 XI B 194\/06, BFH\/NV 2008, 87; Seer in Tipke\/Kruse, FGO, &sect; 96 Rz 9). Was Gegenstand des Streitprogramms ist, wird von den Beteiligten bestimmt. Dementsprechend beschr&auml;nkt sich die Pflicht zur Auswertung der Akten auf Vorg&auml;nge, die unmittelbar Gegenstand des Rechtsstreits sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Anwendung dieser Grunds&auml;tze auf den Streitfall f&uuml;hrt zu dem Ergebnis, dass das FG nicht in verfahrensfehlerhafter Weise seine Pflicht zur vollst&auml;ndigen Auswertung der Akten verletzt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar hat der Kl&auml;ger vorgetragen, in den ihn betreffenden Einkommensteuerakten, die der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) dem FG vorgelegt hatte, sei ein Aktenvermerk enthalten, den das FG bei seiner Entscheidung unber&uuml;cksichtigt gelassen habe. Dieser beziehe sich auf seinen am 16. Juni 2000 gegen die Festsetzung von Aussetzungszinsen gerichteten Einspruch, den er damit begr&uuml;ndet habe, eine Festsetzung dieser Zinsen sei nicht vorzunehmen. Mit der Steuerfahndung, der Staatsanwaltschaft und mit dem FA sei abgesprochen gewesen, dass ab Zahlung der zum Zweck der Haftverschonung zu erbringenden Kaution, &quot;die letztlich der Bezahlung der Steuern diene, die Verzinsung ablaufen m&uuml;sse&quot;. Ausweislich des Inhalts des Aktenvermerks vom 5. Juli 2000 habe der Sachbearbeiter der Rechtsbehelfsstelle mit dem zust&auml;ndigen Mitarbeiter der Steuerfahndung (Herr X) Kontakt aufgenommen, der den kl&auml;gerischen Vortrag best&auml;tigt habe. Ausweislich eines weiteren Aktenvermerks habe der Sachbearbeiter der Rechtsbehelfsstelle mit einem Mitarbeiter der Vollstreckungsstelle (Herr Z) telefoniert. Dieser habe mitgeteilt, dass der Auszahlungsanspruch bez&uuml;glich der Kaution vom FA am 5. M&auml;rz 1998 gepf&auml;ndet worden sei. In dem Vermerk sei festgehalten, dass die Zinsen deshalb zu erlassen seien. Auf Grund dieser Vermerke habe sich zugleich die Richtigkeit des kl&auml;gerischen Vortrags best&auml;tigt, wegen dieser Absprache sei das FA im Hinblick auf die geleistete Kaution auch nicht berechtigt, S&auml;umniszuschl&auml;ge gegen den Kl&auml;ger festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Selbst wenn man davon ausgeht, dass diese Aktenvermerke auch auf eine Absprache im Hinblick auf die hier zu beurteilenden S&auml;umniszuschl&auml;ge hinweisen, liegt ein Verfahrensfehler des FG nicht vor. Zwar hat das FG diese Aktenvermerke im Tatbestand seines Urteils nicht erw&auml;hnt und sie auch in den Entscheidungsgr&uuml;nden nicht gew&uuml;rdigt. Hieraus ergibt sich jedoch kein Verfahrensfehler, der zur Zulassung der Revision f&uuml;hren k&ouml;nnte. Denn der Kl&auml;ger hat sein Begehren auf &Auml;nderung des streitigen Abrechnungsbescheids wegen der in Frage stehenden S&auml;umniszuschl&auml;ge im finanzgerichtlichen Verfahren nicht auf den Gesichtspunkt einer angeblichen Absprache mit dem FA gest&uuml;tzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hat allerdings seinen mit Schreiben vom 5. Juli 2001 gegen den Abrechnungsbescheid gerichteten Einspruch u.a. unter Hinweis auf eine solche Absprache begr&uuml;ndet. Hierauf hat ihm das FA im Rahmen des sp&auml;ter vor dem FG zur gemeinsamen Verhandlung verbundenen Verfahrens 12 K 116\/08 betreffend den Erlass der S&auml;umniszuschl&auml;ge (m&ouml;glicherweise zu Unrecht) mit Schreiben vom 11. September 2001 mitgeteilt, dem FA sei von einer solchen Absprache nichts bekannt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Seine nach Ergehen der Einspruchsentscheidung erhobene Klage hat der Kl&auml;ger nicht auf das Vorliegen einer solchen Absprache gest&uuml;tzt. Vielmehr hat er die Klage im Wesentlichen damit begr&uuml;ndet, die Steuerfestsetzung beruhe auf einer willk&uuml;rlichen Sch&auml;tzung. Die Steuerfestsetzung sei daher nichtig, weshalb keine S&auml;umniszuschl&auml;ge angefallen seien. Erg&auml;nzend hat der Kl&auml;ger vorgetragen, er habe &uuml;ber kein verwertbares Verm&ouml;gen und auch &uuml;ber keine fl&uuml;ssigen Mittel zur Tilgung der Steuerr&uuml;ckst&auml;nde verf&uuml;gt. Es sei ihm nur m&ouml;glich gewesen, diese R&uuml;ckst&auml;nde aus der aus Mitteln seiner Ehefrau hinterlegten Kaution zu begleichen, die auch schneller h&auml;tte freigegeben werden k&ouml;nnen (vgl. Blatt 3 und 4 des kl&auml;gerischen Schriftsatzes an das FG vom 6. Mai 2003). Auch in seinen im weiteren Verlauf des finanzgerichtlichen Verfahrens beim FG eingereichten Schrifts&auml;tzen hat sich der Kl&auml;ger nicht auf das Vorliegen einer Vereinbarung mit dem FA berufen. Das FG konnte deshalb davon ausgehen, dass der Kl&auml;ger an seiner im Rahmen des Einspruchsverfahrens aufgestellten Behauptung des Bestehens einer Absprache nicht mehr festh&auml;lt. Bei dieser Sachlage war das FG daher nicht gehalten, die ihm vorliegenden Akten des FA daraufhin durchzusehen, ob sich daraus Erkenntnisse ergeben, auf die der Kl&auml;ger sein Begehren auf &Auml;nderung des Abrechnungsbescheids zus&auml;tzlich h&auml;tte st&uuml;tzen k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Revision ist auch nicht gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO wegen der (angeblichen) Abweichung vom Senatsurteil vom 15. Mai 2002 X R 33\/99 (BFH\/NV 2002, 1415) bzw. zur Fortbildung des Rechts zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Voraussetzungen des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO liegen u.a. nur dann vor, wenn die Abweichung erheblich ist. Dies ist nicht der Fall, wenn das angefochtene Urteil auf mehrere selbst&auml;ndig tragende Gr&uuml;nde gest&uuml;tzt wird und nur hinsichtlich einer dieser Begr&uuml;ndungen (angeblich) eine Divergenz vorliegt (Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 115 Rz 60, m.w.N. aus der Rechtsprechung). So ist es im Streitfall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat seine Ansicht, die Einkommensteuerbescheide seien nicht nichtig, unter Hinweis auf den Senatsbeschluss vom 21. Juni 2005 X B 72\/05 (BFH\/NV 2005, 1490) auch darauf gest&uuml;tzt, dass die Nichtigkeit eines Grundlagenbescheids nicht zur Nichtigkeit des Einkommensteuerbescheids (Folgebescheid), sondern lediglich zu dessen Anfechtbarkeit f&uuml;hre. Angesichts dieser Begr&uuml;ndung ist es unerheblich, ob die weiteren davon unabh&auml;ngigen Ausf&uuml;hrungen des FG, wonach die den Einkommensteuerbescheiden zugrunde liegenden Feststellungsbescheide vom 15. Februar 1998 (Grundlagenbescheide) keine willk&uuml;rlich ergangenen und damit nichtige Sch&auml;tzungsbescheide seien, von den tragenden Rechtsausf&uuml;hrungen im Senatsbeschluss in BFH\/NV 2002, 1415 abweichen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Aus demselben Grund der kumulativen Begr&uuml;ndung des FG ist auch die vom Kl&auml;ger aufgeworfene Rechtsfrage, unter welchen Voraussetzungen eine v&ouml;llig &uuml;berh&ouml;hte Sch&auml;tzung nicht die Nichtigkeit des Bescheids zur Folge hat, im Streitfall nicht kl&auml;rungsf&auml;hig. Die Revision ist daher auch nicht gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 1 FGO zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.4.2010, X B 164\/08 Verletzung von &sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO Gr&uuml;nde 1&nbsp; Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Die in der Beschwerdebegr&uuml;ndung des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) geltend gemachten Gr&uuml;nde f&uuml;r die Zulassung der Revision (&sect; 115 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) liegen nicht vor. 2&nbsp; 1. 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