{"id":12111,"date":"2012-12-08T08:00:30","date_gmt":"2012-12-08T06:00:30","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12111"},"modified":"2012-12-08T08:00:30","modified_gmt":"2012-12-08T06:00:30","slug":"ix-r-36-09-grundstueckstausch-als-anschaffung-identitaet-zwischen-angeschafften-und-veraeusserten-wirtschaftsgut-kein-anschaffungsvorgang-bei-der-enteignung-des-grundbesitzes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-36-09-grundstueckstausch-als-anschaffung-identitaet-zwischen-angeschafften-und-veraeusserten-wirtschaftsgut-kein-anschaffungsvorgang-bei-der-enteignung-des-grundbesitzes\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;36\/09 &#8211; Grundst&uuml;ckstausch als Anschaffung &#8211; Identit&auml;t zwischen angeschafften und ver&auml;u&szlig;erten Wirtschaftsgut &#8211; Kein Anschaffungsvorgang bei der Enteignung des Grundbesitzes"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.4.2010, IX R 36\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Grundst&uuml;ckstausch als Anschaffung &#8211; Identit&auml;t zwischen angeschafften und ver&auml;u&szlig;erten Wirtschaftsgut &#8211; Kein Anschaffungsvorgang bei der Enteignung des Grundbesitzes<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>&Uuml;bertr&auml;gt der Eigent&uuml;mer bei der Ver&auml;u&szlig;erung eines nicht parzellierten Grundst&uuml;cks eine Teilfl&auml;che ohne Ansatz eines Kaufpreises und erh&auml;lt er daf&uuml;r gegen&uuml;ber der erwerbenden Gemeinde einen R&uuml;ck&uuml;bertragungsanspruch auf ein entsprechendes, parzelliertes und beplantes Grundst&uuml;ck, so schafft er dieses im Wege des Tausches i.S. von &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG an.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) wurde im Streitjahr 2003 zusammen mit seiner Ehefrau zur Einkommensteuer veranlagt. Mit Schenkungsvertrag vom Dezember 1994 erwarben der Kl&auml;ger und sein Bruder zu je ein halb von ihrem Vater ein 16.365 qm gro&szlig;es unbebautes Grundst&uuml;ck (Acker-Gr&uuml;nland und Waldfl&auml;che) im Wege der vorweggenommenen Erbfolge (Flur 2, Flurst&uuml;ck 001). Mit notariellem Kaufvertrag vom 2. Juli 1997 &uuml;bertrugen der Kl&auml;ger und sein Bruder das Grundst&uuml;ck als Ganzes auf die Stadt P, die sich verpflichtete, jedem von ihnen nach Vermessung der Grundst&uuml;cksfl&auml;che ein ca. 700 qm gro&szlig;es Baugrundst&uuml;ck nach Wahl aus dem &uuml;bertragenen Bestand entsch&auml;digungslos und ohne Bauauflage zur&uuml;ckzu&uuml;bertragen. Zur&uuml;ck&uuml;bertragene Mehr- oder Minderfl&auml;chen sollten mit 50 DM je qm ausgeglichen werden. Die Erschlie&szlig;ungskosten, Anliegerbeitr&auml;ge und Ausgleichsma&szlig;nahmekosten sollte der jeweilige Verk&auml;ufer &#8211;hier der Kl&auml;ger&#8211; tragen. Der Kaufpreis berechnete sich wie folgt: F&uuml;r eine ca. 4.700 qm gro&szlig;e Teilfl&auml;che, die Bauland werden sollte, wurden 50 DM je qm angesetzt. Von dieser Fl&auml;che wurden 1.400 qm abgezogen und nicht in Ansatz gebracht. Dies entspricht einer Fl&auml;che, die als Baugrundst&uuml;cke auf den Kl&auml;ger und dessen Bruder zur&uuml;ck&uuml;bertragen werden sollte. F&uuml;r die ca. 11.665 qm gro&szlig;e Restfl&auml;che wurde ein Kaufpreis von 15 DM je qm angesetzt. Der Kaufpreis wurde nach der Umschreibung des Eigentums f&auml;llig. Besitz, Nutzen und Lasten einschlie&szlig;lich aller Verpflichtungen aus den den Grundbesitz betreffenden Versicherungen sowie die allgemeinen Verkehrssicherungspflichten sollten auf die Stadt P mit dem Tag der Kaufpreiszahlung &uuml;bergehen. Die Stadt P wurde als Eigent&uuml;merin des Grundst&uuml;cks Flur 2, Flurst&uuml;ck 001 in das Grundbuch eingetragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem die Stadt P den relevanten Bebauungsplan beschlossen und die erworbenen Grundst&uuml;cksfl&auml;chen vermessen hatte, &uuml;bertrug sie mit notariellem Vertrag vom 3. Februar 2003 dem Kl&auml;ger das unbebaute Grundst&uuml;ck Flur 2, Flurst&uuml;ck 002 (zuvor Teil des Flurst&uuml;cks 001) mit einer Fl&auml;che von 844 qm. Hinsichtlich der &uuml;bertragenen Mehrfl&auml;che von 144 qm verpflichtete sich der Kl&auml;ger zur Zahlung von 3.680,64 EUR (7.200 DM) als Ausgleichsbetrag. Dabei gingen die Beteiligten von einem Wert des &uuml;bertragenen Grundst&uuml;cks von 50 DM\/25,56 EUR je qm aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit notariellem Vertrag vom 23. Dezember 2003 verkaufte der Kl&auml;ger das unbebaute Grundst&uuml;ck Flur 2, Flurst&uuml;ck 002 an die L GmbH f&uuml;r 83.000 EUR, wovon ihm am 30. Dezember 2003&nbsp;&nbsp;61.427 EUR als Teilzahlung gutgeschrieben wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) sah in der Ver&auml;u&szlig;erung des Grundst&uuml;cks an die L GmbH einen steuerpflichtigen Ver&auml;u&szlig;erungsvorgang i.S. des &sect; 22 Nr. 2 i.V.m. &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) und setzte einen Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn in H&ouml;he von 60.000 EUR an. Dabei ging das FA von Anschaffungskosten in H&ouml;he von 21.572,64 EUR aus. Mit Einspruch hiergegen machte der Kl&auml;ger insbesondere Erwerbsaufwendungen von 15.391 EUR geltend. Im ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2003 (Streitjahr) ber&uuml;cksichtigte das FA einen Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn von 23.035 EUR. Der Einspruch blieb ohne Erfolg, ebenso die Klage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) entschied mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 1941 ver&ouml;ffentlichten Urteil, das FA habe zutreffend den Erwerb des Grundst&uuml;cks von der Stadt P und die Ver&auml;u&szlig;erung an die L GmbH als privates Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ft gem&auml;&szlig; &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG beurteilt und einen Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn in H&ouml;he von 23.035 EUR angesetzt. Der Vertrag vom 2. Juli 1997 zwischen dem Kl&auml;ger und der Stadt P bestehe aus einem Kauf- und einem Tauschgesch&auml;ft. Das wirtschaftliche Eigentum an der streitgegenst&auml;ndlichen Grundst&uuml;cksfl&auml;che sei mit dem Tag, an dem die Stadt P den im Vertrag vom 2. Juli 1997 vereinbarten Kaufpreis an den Kl&auml;ger gezahlt habe, auf sie &uuml;bergegangen. Die Berechnung des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns nach &sect; 23 Abs. 3 Satz 1 EStG sei auch der H&ouml;he nach zutreffend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision des Kl&auml;gers, mit der dieser die Verletzung materiellen Rechts (&sect; 22 Nr. 2, &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG) r&uuml;gt. Insbesondere sei der Grundst&uuml;ckskaufvertrag vom 2. Juli 1997 kein typengemischter Vertrag mit kauf- und tauschvertraglichen Elementen. Jedenfalls fehle es an einer Entgeltlichkeit des Anschaffungsvorgangs &#8211; so man denn einen solchen annehmen wollte. Ebenso wenig k&ouml;nne in dem &Uuml;bertragungsvertrag vom 3. Februar 2003 eine Anschaffung gesehen werden, denn dieser Vorgang stelle letztlich nur den unentgeltlichen Vollzug des obligatorischen Rechtsgesch&auml;fts vom 2. Juli 1997 dar. Der Kl&auml;ger sei auch wirtschaftlicher Eigent&uuml;mer der Grundst&uuml;cksfl&auml;chen geblieben. H&auml;tte der Kl&auml;ger im &Uuml;brigen mit Grundst&uuml;cksgesch&auml;ft vom 2. Juli 1997 auch das wirtschaftliche Eigentum &uuml;bertragen, liege offensichtlich ein Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ft und kein Anschaffungsvorgang im Hinblick auf diese Fl&auml;che vor, so dass es sich verbiete, an das Grundst&uuml;cksgesch&auml;ft vom 2. Juli 1997 die Steuerpflichtigkeit des Grundst&uuml;cksgesch&auml;fts vom 23. Dezember 2003 zu kn&uuml;pfen. Jedenfalls sei in entsprechender Anwendung der &sect;&sect; 45 bis 79 des Baugesetzbuchs ein Anschaffungsvorgang auszuschlie&szlig;en. Schlie&szlig;lich sei die Berechnung des privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns unzutreffend. Es sei allenfalls von einem teilentgeltlichen Erwerb auszugehen, weil die mit Vertrag vom 2. Juli 1997 an die Stadt P verkauften Grundst&uuml;cke dem Kl&auml;ger lediglich zu 50 % zuzurechnen gewesen seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das Urteil des FG aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid 2003 vom 22. M&auml;rz 2007 dahingehend zu &auml;ndern, dass der Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn in H&ouml;he von 23.035 EUR au&szlig;er Ansatz bleibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und deshalb zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG ist zutreffend vom Vorliegen eines privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fts ausgegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Private Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte (&sect; 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7, &sect; 22 Nr. 2 EStG) i.S. von &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG (in der f&uuml;r das Streitjahr &#8211;2003&#8211; geltenden Fassung) sind Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Ver&auml;u&szlig;erung bei Grundst&uuml;cken und grundst&uuml;cksgleichen Rechten nicht mehr als zehn Jahre betr&auml;gt. Unter Anschaffung oder Ver&auml;u&szlig;erung i.S. des &sect; 23 EStG ist die entgeltliche &Uuml;bertragung eines Wirtschaftsguts zu verstehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zweck des &sect; 23 EStG ist es, innerhalb der Spekulationsfrist realisierte Werterh&ouml;hungen eines bestimmten Wirtschaftsguts im Privatverm&ouml;gen des Steuerpflichtigen der Einkommensteuer zu unterwerfen (ausf&uuml;hrlich Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 30. November 1976 VIII R 202\/72, BFHE 120, 522, BStBl II 1977, 384; vom 25. August 1987 IX R 65\/86, BFHE 151, 132, BStBl II 1988, 248). Daraus ergibt sich u.a. das Erfordernis der N&auml;mlichkeit von angeschafftem und ver&auml;u&szlig;ertem Wirtschaftsgut; da &sect; 23 Abs. 3 EStG ausdr&uuml;cklich auch Herstellungskosten erw&auml;hnt, bedeutet N&auml;mlichkeit lediglich Identit&auml;t im wirtschaftlichen Sinn (vgl. BFH-Urteile vom 29. M&auml;rz 1989 X R 4\/84, BFHE 156, 465, BStBl II 1989, 652; vom 27. August 1997 X R 26\/95, BFHE 184, 385, BStBl II 1998, 135). Ob N&auml;mlichkeit gegeben ist oder ein anderes Wirtschaftsgut (&quot;aliud&quot;) vorliegt, richtet sich nach einem wertenden Vergleich von angeschafftem und ver&auml;u&szlig;ertem Wirtschaftsgut unter Ber&uuml;cksichtigung der Umst&auml;nde des Einzelfalls (vgl. BFH-Urteil in BFHE 184, 385, BStBl II 1998, 135). Eine derartige Wertung obliegt dem FG als Tatsacheninstanz. So hat der BFH (Urteil vom 13. Dezember 2005 IX R 14\/03, BFHE 212, 127, BStBl II 2006, 513) den Erwerb eines Restitutionsanspruchs der Anschaffung des von diesem erfassten Grundst&uuml;cks gleichgestellt, so dass der entgeltliche Erwerb des Restitutionsanspruchs und die sp&auml;tere Ver&auml;u&szlig;erung des r&uuml;ck&uuml;bertragenen Grundst&uuml;cks grunds&auml;tzlich als Anschaffungs- und Ver&auml;u&szlig;erungsvorgang i.S. des &sect; 23 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a EStG anzusehen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ein entgeltlicher Erwerb ist auch im Wege des Tausches m&ouml;glich. Die Anschaffungskosten eines Wirtschaftsguts entsprechen dabei dem gemeinen Wert des weggegebenen Wirtschaftsguts (BFH-Urteil vom 2. April 2008 IX R 18\/06, BFHE 221, 1, BStBl II 2008, 679, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Demgegen&uuml;ber handelt es sich nicht um einen Anschaffungsvorgang, wenn kraft Hoheitsakts Grundbesitz entzogen und Ersatzland zugewiesen wird (BFH-Urteil vom 29. M&auml;rz 1995 X R 3\/92, BFHE 177, 418). Denn ein Anschaffungsgesch&auml;ft verlangt, dass die Erwerbshandlung des Steuerpflichtigen wesentlich von seinem Willen abh&auml;ngt (vgl. BFH-Urteil vom 19. April 1977 VIII R 23\/75, BFHE 122, 453, 455, BStBl II 1977, 712). So ist der Erwerb von Ersatzland im Zusammenhang mit einer Enteignung keine Anschaffung i.S. von &sect; 23 EStG. Am willentlichen Erwerb fehlt es auch bei Rechtsgesch&auml;ften zur Vermeidung einer Enteignung bzw. Umlegung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Grunds&auml;tzen hat das FG zutreffend zun&auml;chst eine Anschaffung des Grundst&uuml;cks Flur 2, Flurst&uuml;ck 002 seitens des Kl&auml;gers von der Stadt P auf der Grundlage des Vertrags vom 2. Juli 1997 und mit der Ver&auml;u&szlig;erung des beplanten Grundst&uuml;cks an die L GmbH ein privates Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ft i.S. von &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG bejaht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Auslegung des Vertrags vom 2. Juli 1997 durch das FG als gemischter Vertrag, wonach der Kl&auml;ger das unparzellierte Grundst&uuml;ck gegen das beplante eingetauscht hat, ist im Ergebnis revisionsrechtlich nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit dem Vertrag vom 2. Juli 1997 &uuml;bertrug die Grundst&uuml;cksgemeinschaft, bestehend aus dem Kl&auml;ger und seinem Bruder (&sect; 741 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs), der Stadt P das Gesamtgrundst&uuml;ck Flur 2, Flurst&uuml;ck 001, um der Stadt die Beplanung samt Ver&auml;u&szlig;erung des entstandenen Baulands zu erm&ouml;glichen. Entgelt f&uuml;r das streitbefangene Grundst&uuml;ck (nach Beplanung Flur 2, Flurst&uuml;ck 002) war nicht die Zahlung des Preises f&uuml;r Bauerwartungsland, wie die Parteien dies f&uuml;r andere Teile des Grundst&uuml;cks Flur 2, Flurst&uuml;ck 001 annahmen, sondern die Einr&auml;umung eines Anspruchs des Kl&auml;gers auf &Uuml;bertragung des entsprechenden Grundst&uuml;cks nach Erreichen der Baulandqualit&auml;t. Wirtschaftlich gesehen sollten der Kl&auml;ger und sein Bruder aus dem Abschluss des Gesamtvertrags den Vorteil der Baulandqualit&auml;t je eines Grundst&uuml;cksteils von 700 qm haben. Insoweit hat die Grundst&uuml;cksgemeinschaft einen Vertrag zugunsten jeweils des Kl&auml;gers und seines Bruders abgeschlossen, d.h. der Kl&auml;ger und sein Bruder haben gemeinschaftlich zu ihren je eigenen Gunsten verf&uuml;gt. F&uuml;r Zwecke der Besteuerung entspricht dies gem&auml;&szlig; &sect; 39 Abs. 2 Nr. 2 der Abgabenordnung (AO) einer Ver&auml;u&szlig;erung der H&auml;lfte des Gesamtgrundst&uuml;cks Flur 2, Flurst&uuml;ck 001 durch den Kl&auml;ger gegen Bezahlung sowie &#8211;bezogen auf die streitbefangene Teilfl&auml;che&#8211; Einr&auml;umung eines &Uuml;bertragungsanspruchs nach Beplanung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dabei sind der Erwerb des &Uuml;bertragungsanspruchs des Kl&auml;gers und der Erwerb des beplanten Grundst&uuml;cks als wirtschaftlich identisch zu erachten, wie auch der Erwerb eines Restitutionsanspruchs der Anschaffung des von diesem erfassten Grundst&uuml;cks gleichsteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dieser Erwerb erfolgte auch entgeltlich, n&auml;mlich im Gegenzug zur &Uuml;bertragung der nicht parzellierten 700 qm ohne Bezahlung in Geld. Dass f&uuml;r die 700 qm Bauerwartungsland die Stadt P bei ihrem Erwerb keine Gegenleistung in Geld zu entrichten hatte, bedeutet nicht, dass sie diese Fl&auml;che unentgeltlich erworben und entsprechend unentgeltlich an den Kl&auml;ger weitergegeben h&auml;tte. Vielmehr kam es dem Kl&auml;ger darauf an, dieses Teilgrundst&uuml;ck gerade beplant zu bekommen, ohne etwa den Aufwand einer Grundst&uuml;cksteilung in Kauf nehmen zu m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Entsprechend scheitert die Anschaffung des Kl&auml;gers auch nicht daran, dass die Stadt P nur juristische Eigent&uuml;merin des Grundst&uuml;cks geworden w&auml;re, der Kl&auml;ger aber durchgehend wirtschaftlicher Eigent&uuml;mer (&sect; 39 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 AO) geblieben w&auml;re. Zum einen ist nicht ersichtlich, welche Einwirkungsm&ouml;glichkeiten auf das unparzellierte Grundst&uuml;ck der Kl&auml;ger w&auml;hrend der Phase der Beplanung h&auml;tte haben sollen. Insbesondere kann ein R&uuml;ck&uuml;bertragungsanspruch, wie das FG zutreffend feststellt, keine tats&auml;chliche Sachherrschaft vermitteln. Zum anderen h&auml;tte ein faktischer Zur&uuml;ckbehalt allenfalls gemeinschaftliches wirtschaftliches Eigentum des Kl&auml;gers und seines Bruders bewirken k&ouml;nnen. Anhaltspunkte f&uuml;r eine etwaige vorgezogene Auseinandersetzung der Grundst&uuml;cksgemeinschaft speziell bezogen auf das vom Kl&auml;ger zur&uuml;ckerworbene Grundst&uuml;ck fehlen. Vielmehr hat die Stadt P von der Grundst&uuml;cksgemeinschaft erworben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Angesichts des willentlichen Erwerbs des Kl&auml;gers scheitert seine Anschaffung auch nicht daran, dass der Vertrag vom 2. Juli 1997 einem f&ouml;rmlichen Umlegungsverfahren vergleichbar w&auml;re. Eine vergleichbare Zwangssituation des Kl&auml;gers ist nicht festgestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Da die Frist des &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG von zehn Jahren fr&uuml;hestens mit Abschluss des Vertrags vom 2. Juli 1997 begann, war sie bei der Ver&auml;u&szlig;erung am 23. Dezember 2003 an die L GmbH jedenfalls noch nicht abgelaufen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nicht zu beanstanden ist auch die Berechnung des Ver&auml;u&szlig;erungspreises seitens des FG. Insbesondere bestimmen sich die Anschaffungskosten des Kl&auml;gers nach dem Wert der eingetauschten Teilfl&auml;che Bauerwartungsland von 700 qm. Zwar war der Kl&auml;ger daran nur zur H&auml;lfte beteiligt. Jedoch hat die Stadt P von der Grundst&uuml;cksgemeinschaft des Kl&auml;gers und seines Bruders insgesamt 1.400 qm gegen R&uuml;ck&uuml;bertragungsanspruch nach Beplanung erworben, worauf anteilig auf den Kl&auml;ger die H&auml;lfte, also eben die 700 qm entfallen. Die Anschaffungskosten des erworbenen R&uuml;ck&uuml;bertragungsanspruchs entsprachen dem Wert des daf&uuml;r hingegebenen Bauerwartungslands, d.h. 50 DM pro qm.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.4.2010, IX R 36\/09 Grundst&uuml;ckstausch als Anschaffung &#8211; Identit&auml;t zwischen angeschafften und ver&auml;u&szlig;erten Wirtschaftsgut &#8211; Kein Anschaffungsvorgang bei der Enteignung des Grundbesitzes Leits&auml;tze &Uuml;bertr&auml;gt der Eigent&uuml;mer bei der Ver&auml;u&szlig;erung eines nicht parzellierten Grundst&uuml;cks eine Teilfl&auml;che ohne Ansatz eines Kaufpreises und erh&auml;lt er daf&uuml;r gegen&uuml;ber der erwerbenden Gemeinde einen R&uuml;ck&uuml;bertragungsanspruch auf ein entsprechendes, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-36-09-grundstueckstausch-als-anschaffung-identitaet-zwischen-angeschafften-und-veraeusserten-wirtschaftsgut-kein-anschaffungsvorgang-bei-der-enteignung-des-grundbesitzes\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;36\/09 &#8211; Grundst&uuml;ckstausch als Anschaffung &#8211; Identit&auml;t zwischen angeschafften und ver&auml;u&szlig;erten Wirtschaftsgut &#8211; Kein Anschaffungsvorgang bei der Enteignung des Grundbesitzes<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-12111","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12111","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12111"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12111\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12111"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12111"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12111"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}