{"id":12271,"date":"2012-12-08T07:18:33","date_gmt":"2012-12-08T05:18:33","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12271"},"modified":"2012-12-08T07:18:33","modified_gmt":"2012-12-08T05:18:33","slug":"v-b-86-09-rechtsfortbildung-bindungswirkung-einer-tatsaechlichen-verstaendigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-86-09-rechtsfortbildung-bindungswirkung-einer-tatsaechlichen-verstaendigung\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;86\/09 &#8211; Rechtsfortbildung; Bindungswirkung einer tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.4.2010, V B 86\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Rechtsfortbildung; Bindungswirkung einer tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde hat keinen Erfolg, weil ihre Begr&uuml;ndung entweder nicht den Anforderungen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) entspricht oder weil Zulassungsgr&uuml;nde nicht vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) r&uuml;gt die Verletzung von Verfahrensrecht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Soweit dem Vortrag des Kl&auml;gers, das Finanzgericht (FG) h&auml;tte den vorgelegten eidesstattlichen Versicherungen nachgehen m&uuml;ssen, sinngem&auml;&szlig; die R&uuml;ge der Verletzung der Sachaufkl&auml;rungspflicht gem&auml;&szlig; &sect; 76 Abs. 1 Satz 1 FGO zu entnehmen sein k&ouml;nnte, gen&uuml;gt die Beschwerdebegr&uuml;ndung nicht den Darlegungsanforderungen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO. F&uuml;r eine ordnungsgem&auml;&szlig;e R&uuml;ge h&auml;tte insoweit u.a. dargelegt werden m&uuml;ssen, weshalb in der m&uuml;ndlichen Verhandlung keine entsprechenden Antr&auml;ge gestellt wurden, da ein Verfahrensmangel nach &sect; 155 FGO i.V.m. &sect; 295 der Zivilprozessordnung nicht mehr erfolgreich geltend gemacht werden kann, wenn er eine Verfahrensvorschrift betrifft, auf deren Einhaltung die Prozessbeteiligten verzichten k&ouml;nnen und auch verzichtet haben, indem sie ihre Verletzung ausweislich der Niederschrift &uuml;ber die m&uuml;ndliche Verhandlung nicht ger&uuml;gt haben (z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29. Oktober 2004 XI B 213\/02, BFH\/NV 2005, 566, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Soweit der Kl&auml;ger einen Verfahrensmangel in Gestalt einer R&uuml;ge der Verletzung des &sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO geltend macht (vgl. dazu auch Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 115 Rz 80), insbesonders mit der Begr&uuml;ndung, das FG habe die genannten eidesstattlichen Versicherungen weder im Tatbestand erw&auml;hnt, noch sich damit auseinandergesetzt, h&auml;tte er unter genauer Angabe der jeweiligen Schriftst&uuml;cke und Seitenzahlen aus den Akten darlegen m&uuml;ssen, wann und mit welchem Schriftsatz er diese dem Gericht vorgelegt haben will (zu den Darlegungserfordernissen z.B. BFH-Beschluss vom 7. April 2005 V B 39\/04, BFH\/NV 2005, 1585, m.w.N.). Im &Uuml;brigen hat sich das FG mit der Behauptung des Kl&auml;gers, weder er noch seine ebenfalls im Cafe t&auml;tigen Schwiegereltern h&auml;tten Speisen und Getr&auml;nke zum eigenen Verzehr entnommen, auseinandergesetzt und dazu ausgef&uuml;hrt, konkrete Anhaltspunkte f&uuml;r die gegen jede Lebenswahrscheinlichkeit sprechende Behauptung seien nicht ersichtlich und der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) habe in allen Streitjahren nur Entnahmebetr&auml;ge zugrunde gelegt, die sogar noch unter den Werten der Richtsatzsammlung f&uuml;r nur eine Person l&auml;gen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit das FG dar&uuml;ber hinaus den vom Kl&auml;ger f&uuml;r entscheidungserheblich gehaltenen Vortrag nicht im Einzelnen beschieden hat, ist zu ber&uuml;cksichtigen, dass es &sect; 96 FGO nicht gebietet, alle im Einzelfall gegebenen Umst&auml;nde im Urteil zu er&ouml;rtern. Es ist vielmehr im Allgemeinen davon auszugehen, dass ein Gericht auch denjenigen Akteninhalt in Erw&auml;gung gezogen hat, mit dem es sich in den schriftlichen Entscheidungsgr&uuml;nden nicht ausdr&uuml;cklich auseinandergesetzt hat (z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 27. September 1999 I B 83\/98, BFH\/NV 2000, 673, und vom 19. Dezember 2007 X B 89\/07, BFH\/NV 2008, 599).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Kern ersch&ouml;pfen sich die Ausf&uuml;hrungen des Kl&auml;gers in kritischen &Auml;u&szlig;erungen dar&uuml;ber, dass und warum das FG den Streitfall in rechtlicher und tats&auml;chlicher Hinsicht unzutreffend gew&uuml;rdigt habe. Die R&uuml;ge solcher Fehler f&uuml;hrt nicht zur Zulassung der Revision gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 FGO (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 10. Dezember 2009 X B 107\/09, BFH\/NV 2010, 662, Zeitschrift f&uuml;r Steuerrecht 2010, R 274; Gr&auml;ber\/Ruban, a.a.O., &sect; 115 Rz 55, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Kl&auml;ger begehrt weiter die Zulassung zur Rechtsfortbildung nach &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 erste Alternative FGO. Die Rechtsfrage, &quot;ob die Bindungswirkung einer tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung entf&auml;llt, wenn aufgrund einer unrichtigen Rechtsauffassung der Finanzbeh&ouml;rde der Steuerpflichtige zum Abschluss einer tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung bewogen wird&quot;, sei vom BFH noch nicht entschieden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zulassungsgr&uuml;nde sind vom Beschwerdef&uuml;hrer &quot;darzulegen&quot;. Die blo&szlig;e Behauptung, eine Rechtsfrage habe grunds&auml;tzliche Bedeutung oder deren Kl&auml;rung sei zur Rechtsfortbildung erforderlich, reicht nicht aus. Vielmehr muss der Beschwerdef&uuml;hrer auf ihre Bedeutung f&uuml;r die Allgemeinheit eingehen (vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 11. August 2006 V B 23\/04, BFH\/NV 2007, 60; vom 26. Oktober 1999 X B 40\/99, BFH\/NV 2000, 563; Gr&auml;ber\/Ruban, a.a.O., &sect; 116 Rdnr. 33, m.w.N. aus der Rechtsprechung). Hat der BFH bereits fr&uuml;her &uuml;ber die streitige Rechtsfrage entschieden, ist vom Beschwerdef&uuml;hrer darzulegen, weshalb er gleichwohl eine erneute h&ouml;chstrichterliche Entscheidung im Interesse der Rechtseinheit oder der Rechtsfortbildung f&uuml;r erforderlich h&auml;lt. In einem solchen Fall sind f&uuml;r die schl&uuml;ssige Darlegung eine eingehende Auseinandersetzung mit dem Problem und Ausf&uuml;hrungen dazu erforderlich, worin der Beschwerdef&uuml;hrer eine noch ungekl&auml;rte Frage sieht (vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse in BFH\/NV 2007, 60; vom 23. Januar 1995 X B 155\/94, BFH\/NV 1995, 708; vom 15. Februar 1995 II B 118\/94, BFH\/NV 1995, 810). Diesen Anforderungen gen&uuml;gt die Beschwerdebegr&uuml;ndung nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Zu den Voraussetzungen f&uuml;r eine tats&auml;chliche Verst&auml;ndigung und deren Bindung liegen eine Vielzahl h&ouml;chstrichterlicher Entscheidungen vor (z.B. zuletzt BFH-Urteile vom 1. September 2009 VIII R 78\/06, BFH\/NV 2010, 593; vom 31. Juli 1996 XI R 78\/95, BFHE 181, 103, BStBl II 1996, 625; vom 28. Juni 2001 IV R 40\/00, BFHE 196, 87, 91, BStBl II 2001, 714, 716, jeweils m.w.N.), die auch die Frage der Bedeutung eines Einigungsmangels oder Irrtums betreffen (z.B. BFH-Urteil vom 12. August 1999 XI R 27\/98, BFH\/NV 2000, 537). Der Kl&auml;ger setzt sich mit der vorhandenen Rechtsprechung nicht auseinander, sondern begn&uuml;gt sich mit der Behauptung, der BFH habe die Rechtsfrage noch nicht entschieden. Das gen&uuml;gt nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.4.2010, V B 86\/09 Rechtsfortbildung; Bindungswirkung einer tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung Gr&uuml;nde &nbsp; 1&nbsp; Die Beschwerde hat keinen Erfolg, weil ihre Begr&uuml;ndung entweder nicht den Anforderungen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) entspricht oder weil Zulassungsgr&uuml;nde nicht vorliegen. 2&nbsp; 1. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) r&uuml;gt die Verletzung von Verfahrensrecht. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-86-09-rechtsfortbildung-bindungswirkung-einer-tatsaechlichen-verstaendigung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;B&nbsp;86\/09 &#8211; Rechtsfortbildung; Bindungswirkung einer tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-12271","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12271","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12271"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12271\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12271"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}