{"id":12396,"date":"2012-12-08T07:18:30","date_gmt":"2012-12-08T05:18:30","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12396"},"modified":"2012-12-08T07:18:30","modified_gmt":"2012-12-08T05:18:30","slug":"viii-b-264-09-ingenieur-aehnlicher-beruf-darlegungsanforderungen-antrag-auf-einholung-eines-sachverstaendigengutachtens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-b-264-09-ingenieur-aehnlicher-beruf-darlegungsanforderungen-antrag-auf-einholung-eines-sachverstaendigengutachtens\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;B&nbsp;264\/09 &#8211; Ingenieur &auml;hnlicher Beruf &#8211; Darlegungsanforderungen &#8211; Antrag auf Einholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.4.2010, VIII B 264\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Ingenieur &auml;hnlicher Beruf &#8211; Darlegungsanforderungen &#8211; Antrag auf Einholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Der vom Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) ger&uuml;gte Verfahrensmangel (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) eines Versto&szlig;es gegen die Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect; 76 Abs. 1 Satz 1 FGO) liegt vor; auf ihm kann das Urteil auch beruhen. Das Finanzgericht (FG) hat dadurch gegen seine Verpflichtung zur Erforschung des Sachverhalts von Amts wegen versto&szlig;en, dass es den Antrag des Kl&auml;gers auf Einholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens abgelehnt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Durch ein vom Gericht einzuholendes Gutachten eines Sachverst&auml;ndigen wollte der Kl&auml;ger beweisen, als Autodidakt in den Streitjahren (2001 und 2002) in Tiefe und Breite &uuml;ber die Kenntnisse eines Diplom-Ingenieurs des Studiengangs Elektrotechnik der Studienrichtung Nachrichtentechnik verf&uuml;gt zu haben. Das FG hat den Antrag im Urteil abgelehnt und dazu u.a. ausgef&uuml;hrt, der Kl&auml;ger habe (durch Ausbildungs-, Fortbildungs- oder T&auml;tigkeitsnachweise) nicht schl&uuml;ssig dargelegt, bereits in den Streitjahren &uuml;ber die entsprechenden Kenntnisse verf&uuml;gt zu haben. Auf danach erst erworbene Kenntnisse k&ouml;nne nicht abgestellt werden. Soweit der Kl&auml;ger im Prozess die von ihm privat eingeholte Stellungnahme eines Sachverst&auml;ndigen vorgelegt habe, ergebe sich daraus nicht, welche Unterlagen dem Sachverst&auml;ndigen vorgelegen h&auml;tten. Auf Nachfrage des Gerichts habe der Kl&auml;ger dazu auch keine Angaben gemacht. Der Kl&auml;ger habe auch nicht ausreichend dargelegt, in den Streitjahren eine einem Ingenieur vergleichbare T&auml;tigkeit ausge&uuml;bt zu haben. Zumindest k&ouml;nne nicht davon ausgegangen werden, dass ingenieur&auml;hnliche T&auml;tigkeiten den Schwerpunkt der T&auml;tigkeit des Kl&auml;gers gebildet h&auml;tten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. a) Macht der Kl&auml;ger geltend, er habe im streitigen Zeitraum &uuml;ber die f&uuml;r die Annahme einer freiberuflichen T&auml;tigkeit erforderlichen Kenntnisse verf&uuml;gt, muss er Tatsachen dazu vortragen, wie er die Kenntnisse erworben und inwieweit er sie in der Praxis eingesetzt hat. Unter bestimmten Umst&auml;nden kann bereits aus der Art der T&auml;tigkeit auf das Vorhandensein der entsprechenden Kenntnisse geschlossen werden (vgl. Brandt in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect; 18 EStG Rz 218). Stehen diese Tatsachen nicht bereits zur &Uuml;berzeugung des Gerichts fest, muss das FG aufgrund seiner Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect; 76 Abs. 1 FGO) den vom Kl&auml;ger gestellten Antr&auml;gen zur Erhebung von Beweisen grunds&auml;tzlich entsprechen, die geeignet erscheinen, den erforderlichen Nachweis der Kenntnisse zu erbringen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Dazu kann auch die Vornahme einer Wissenspr&uuml;fung geh&ouml;ren, wenn sich aus den vorgetragenen Tatsachen zum Erwerb und Einsatz der Kenntnisse bereits erkennen l&auml;sst, dass der Kl&auml;ger &uuml;ber hinreichende Kenntnisse verf&uuml;gen k&ouml;nnte. Dabei d&uuml;rfen die Darlegungsanforderungen nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) nicht &uuml;berspannt werden (BFH-Urteile vom 26. Juni 2002 IV R 56\/00, BFHE 199, 367, BStBl II 2002, 768; vom 18. April 2007 XI R 34\/06, BFH\/NV 2007, 1495). Unsch&auml;dlich ist insbesondere, wenn die bei einer solchen Pr&uuml;fung festgestellten Kenntnisse auf einem Gebiet nicht denen entsprechen, wie sie in der vergleichbaren staatlichen Pr&uuml;fung verlangt werden, sofern auch eine solche Pr&uuml;fung mit nicht ausreichenden Kenntnissen in (nur) einem Fach bestanden werden kann (vgl. BFH-Urteil vom 19. September 2002 IV R 74\/00, BFHE 200, 326, BStBl II 2003, 27, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Stellt der Kl&auml;ger auf dieser Grundlage einen Antrag auf Einholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens, muss das FG ihm grunds&auml;tzlich entsprechen. Ablehnen darf es ihn nur, wenn es auf das Beweismittel f&uuml;r die Entscheidung nicht ankommt, das Gericht die Richtigkeit der durch das Beweismittel zu beweisenden Tatsachen zu Gunsten der betreffenden Partei unterstellt, das Beweismittel nicht erreichbar ist (BFH-Urteil vom 12. April 1994 IX R 101\/90, BFHE 174, 301, BStBl II 1994, 660; BFH-Beschl&uuml;sse vom 17. September 2003 I B 18\/03, BFH\/NV 2004, 207; vom 5. Juni 2007 I B 130\/06, BFH\/NV 2007, 1909) oder wenn das FG &uuml;ber ausreichende eigene Sachkunde verf&uuml;gt, um die Frage zu entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Ausnahmsweise muss das FG einem Beweisantrag nicht entsprechen, wenn konkrete entscheidungserhebliche Tatsachen, die Gegenstand der Beweisaufnahme sein sollen, weder vorgetragen noch anderweitig erkennbar sind (vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 23. Juli 1996 X B 191\/95, BFH\/NV 1997, 50; vom 2. Oktober 2003 IV B 194\/01, juris), so dass im Grunde erst die Beweiserhebung selbst die entscheidungserheblichen Tatsachen und Behauptungen aufdecken kann; mit solchen Beweisantr&auml;gen gen&uuml;gen Beteiligte nicht ihrer Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsaufkl&auml;rung mit der Folge, dass solche Antr&auml;ge dem Gericht eine Beweisaufnahme nicht nahelegen m&uuml;ssen (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 6. September 2005 IV B 14\/04, BFH\/NV 2005, 2166 unter Bezugnahme auf den Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. Oktober 1990&nbsp;&nbsp;4 B 249\/89, Neue Zeitschrift f&uuml;r Verwaltungsrecht &#8211; Rechtsprechungs-Report 1991, 118, unter 7.2 der Gr&uuml;nde; vom 29. Mai 2009 VIII B 205\/08, juris).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben hat das FG im Streitfall die Darlegungsanforderungen &uuml;berspannt. Der Kl&auml;ger hat durch Vorlage entsprechender Vertr&auml;ge (z.B. Rahmenvertrag mit dem Ingenieurb&uuml;ro X vom 27. Juli 1999) und weiterer Unterlagen im Prozess dargelegt und glaubhaft gemacht, dass er mindestens seit 1999 im Auftrag freiberuflich t&auml;tiger Ingenieurb&uuml;ros als Fachbauleiter selbst&auml;ndig und eigenverantwortlich Leistungen u.a. nach den Leistungsstufen 8 und 9 der Verordnung &uuml;ber die Honorare f&uuml;r Architekten- und Ingenieurleistungen (Honorarordnung f&uuml;r Architekten und Ingenieure &#8211;HOAI&#8211;) erbracht hat und daf&uuml;r von seinen Auftraggebern auch nach den Vorschriften der HOAI entlohnt worden ist. Inhalt und Umfang der danach vom Kl&auml;ger entfalteten T&auml;tigkeiten ergeben sich unmittelbar aus den Leistungsbeschreibungen in der HOAI. Der Kl&auml;ger hat in diesem Zusammenhang auch nachvollziehbare Angaben zu den von ihm (u.a. in den Streitjahren) im Einzelnen betreuten Projekten gemacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Bei diesen vom Kl&auml;ger unstreitig erbrachten Leistungen handelt es sich bereits aufgrund gesetzlicher Zuordnung in der HOAI um f&uuml;r den Ingenieurberuf typische Aufgaben, deren verantwortliche Wahrnehmung grunds&auml;tzlich auch entsprechende theoretische Kenntnisse erfordert. Weitere Darlegungen waren deshalb hierzu nicht erforderlich. Insbesondere kann nicht verlangt werden, dass der Kl&auml;ger auch noch andere f&uuml;r den Ingenieurberuf typische T&auml;tigkeiten ausge&uuml;bt haben muss, um darzulegen, dass er in Breite und Tiefe &uuml;ber die Kenntnisse eines Ingenieurs verf&uuml;gte. Wenn das FG nicht ausnahmsweise aufgrund eigener Sachkunde zu der Beurteilung in der Lage ist, welche theoretischen Kenntnisse die Wahrnehmung einer T&auml;tigkeit als Fachbauleiter nach den Leistungsstufen 8 und 9 der HOAI erfordert und dass diese Kenntnisse in Breite und Tiefe hinter den durch ein Ingenieurstudium vermittelten Kenntnissen erheblich zur&uuml;ckbleiben, ist zugunsten des Kl&auml;gers, was die Darlegungsanforderungen betrifft, grunds&auml;tzlich davon auszugehen, dass jede f&uuml;r die Aus&uuml;bung des Ingenieurberufs typische T&auml;tigkeit die gesamten im Ingenieurstudium vermittelten Kenntnisse voraussetzt. Aus dem Umstand, dass weitere Darlegungen insofern nicht erforderlich sind, muss das Gericht indes nicht ohne Weiteres schlie&szlig;en, dass die entsprechenden Kenntnisse im Einzelfall auch wirklich vorhanden waren. Wenn es daran Zweifel hegt, muss es jedoch den angebotenen Beweis erheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Etwas anderes ergibt sich nicht daraus, dass das FG im Streitfall auch die schl&uuml;ssige Darlegung einer ingenieur&auml;hnlichen T&auml;tigkeit verneint hat. Diese W&uuml;rdigung widerspricht dem eindeutigen Akteninhalt. Der Kl&auml;ger hat schl&uuml;ssig dargelegt und glaubhaft gemacht, trotz fehlender akademischer Ausbildung eine f&uuml;r einen Ingenieur typische T&auml;tigkeit ausge&uuml;bt zu haben. Weiterer Darlegungen bedurfte es nicht. Wenn das FG Zweifel daran hat, welche T&auml;tigkeiten der Kl&auml;ger tats&auml;chlich ausge&uuml;bt hat, muss es ggf. auch dar&uuml;ber Beweis erheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Beschwerde f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG (&sect; 116 Abs. 6 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.4.2010, VIII B 264\/09 Ingenieur &auml;hnlicher Beruf &#8211; Darlegungsanforderungen &#8211; Antrag auf Einholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens Gr&uuml;nde 1&nbsp; Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. 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