{"id":12405,"date":"2012-12-08T08:02:34","date_gmt":"2012-12-08T06:02:34","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12405"},"modified":"2012-12-08T08:02:34","modified_gmt":"2012-12-08T06:02:34","slug":"iv-b-105-09-ernstliche-zweifel-an-gewinnrealisierung-bei-uebertragung-eines-wirtschaftsguts-zwischen-schwesterpersonengesellschaften-subjektsteuerprinzip-verfassungskonforme-auslegung-von-par-6-abs-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iv-b-105-09-ernstliche-zweifel-an-gewinnrealisierung-bei-uebertragung-eines-wirtschaftsguts-zwischen-schwesterpersonengesellschaften-subjektsteuerprinzip-verfassungskonforme-auslegung-von-par-6-abs-5\/","title":{"rendered":"IV&nbsp;B&nbsp;105\/09 &#8211; Ernstliche Zweifel an Gewinnrealisierung bei &Uuml;bertragung eines Wirtschaftsguts zwischen Schwesterpersonengesellschaften &#8211; Subjektsteuerprinzip &#8211; Verfassungskonforme Auslegung von &sect; 6 Abs. 5 EStG &#8211; Keine Anfrage i.S. des &sect; 11 Abs. 3 FGO im AdV-Verfahren bei materieller Rechtsfrage"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.4.2010, IV B 105\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Ernstliche Zweifel an Gewinnrealisierung bei &Uuml;bertragung eines Wirtschaftsguts zwischen Schwesterpersonengesellschaften &#8211; Subjektsteuerprinzip &#8211; Verfassungskonforme Auslegung von &sect; 6 Abs. 5 EStG &#8211; Keine Anfrage i.S. des &sect; 11 Abs. 3 FGO im AdV-Verfahren bei materieller Rechtsfrage<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Auch nach Ergehen des BFH-Urteils vom 25. November 2009 I R 72\/08 (DStR 2010, 269) ist ernstlich zweifelhaft, ob die &Uuml;bertragung eines Wirtschaftsguts des Gesamthandsverm&ouml;gens einer Personengesellschaft auf eine beteiligungsidentische Schwesterpersonengesellschaft zur Aufdeckung stiller Reserven f&uuml;hrt.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Antragstellerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Antragstellerin) ist eine GmbH &#038; Co. KG, an deren Verm&ouml;gen die Kommanditisten K zu 67 % und B zu 33 % beteiligt sind. Im Streitjahr 2006 wurde eine weitere GmbH &#038; Co. KG gegr&uuml;ndet (S-KG), deren Kommanditisten ebenfalls K und B mit denselben Verm&ouml;gensanteilen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Antragstellerin war Eigent&uuml;merin von drei seit Jahren zum Betriebsverm&ouml;gen geh&ouml;renden Grundst&uuml;cken, die sie mit notariellem Vertrag vom 13. Dezember 2006 auf die S-KG &uuml;bertrug. Die &Uuml;bertragung diente zur Erbringung der Kommanditeinlagen von insgesamt 10.000 EUR bei der S-KG. Zum Zeitpunkt der &Uuml;bertragung betrugen die Buchwerte des Grund und Bodens sowie der Geb&auml;ude und baulichen Anlagen insgesamt 195.074,68 EUR. Die S-KG f&uuml;hrte die Buchwerte fort und erfasste den die Kommanditeinlagen &uuml;bersteigenden Betrag auf einem R&uuml;cklagekonto.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach einer Au&szlig;enpr&uuml;fung vertrat der Antragsgegner und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die Auffassung, die Grundst&uuml;cke seien zum Teilwert aus dem Betriebsverm&ouml;gen der Antragstellerin entnommen worden. Er ermittelte den Teilwert mit 675.000 EUR und erh&ouml;hte den Gewinn der Antragstellerin um 479.925,32 EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen den entsprechend nach &sect; 164 Abs. 2 der Abgabenordnung ge&auml;nderten Bescheid &uuml;ber die gesonderte und einheitliche Feststellung der Besteuerungsgrundlagen 2006 vom 2. Februar 2009 hat die Antragstellerin rechtzeitig Einspruch eingelegt, &uuml;ber den noch nicht entschieden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem ein Antrag auf Aussetzung der Vollziehung (AdV) des Bescheids in H&ouml;he des Entnahmegewinns beim FA keinen Erfolg hatte, stellte die Antragstellerin beim Finanzgericht (FG) einen Antrag auf AdV. Das FG lehnte den Antrag mit Beschluss vom 17. Juli 2009 ab, lie&szlig; aber die Beschwerde zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Beschwerde macht die Antragstellerin weiter geltend, &sect; 6 Abs. 5 des Einkommensteuergesetzes (EStG) sei auf die &Uuml;bertragung der Grundst&uuml;cke anzuwenden, so dass ernstliche Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit des angefochtenen Bescheids best&auml;nden. Nach dem Transparenzprinzip erschienen steuerrechtlich Eink&uuml;nfte und Verm&ouml;gen der Gesellschaft als solche der Gesellschafter. Die Gesellschafter h&auml;tten im Betrieb der Gesellschaft auch eine Betriebsst&auml;tte und verf&uuml;gten &uuml;ber Betriebsverm&ouml;gen. Sie k&ouml;nnten Steuerverg&uuml;nstigungen in Anspruch nehmen, die das Unterhalten eines eigenen Betriebsverm&ouml;gens voraussetzten. Danach handele es sich bei der &Uuml;bertragung der Grundst&uuml;cke aus steuerlicher Sicht um die &Uuml;berf&uuml;hrung zwischen zwei Betriebsverm&ouml;gen der Gesellschafter. Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund der Beteiligungsidentit&auml;t. Die &Uuml;bertragung stehe damit einer &Uuml;bertragung in das oder aus dem Betriebsverm&ouml;gen des Gesellschafters nach &sect; 6 Abs. 5 Satz 3 Nr. 1 EStG gleich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat der Beschwerde nicht abgeholfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Antragstellerin beantragt, den Beschluss des Nieders&auml;chsischen FG vom 17. Juli 2009&nbsp;&nbsp;1 V 54\/09 aufzuheben und die Vollziehung des Bescheids &uuml;ber die gesonderte und einheitliche Feststellung der Besteuerungsgrundlagen 2006 vom 2. Februar 2009 in H&ouml;he eines Gewinns von 479.925,32 EUR auszusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Beschwerde zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es st&uuml;tzt sich auf die Entscheidung des FG und tr&auml;gt vor, &sect; 6 Abs. 5 EStG sei eine abschlie&szlig;ende Regelung, die den Streitfall nicht erfasse. Eine erweiternde Auslegung w&uuml;rde den Willen des Gesetzgebers in sein Gegenteil verkehren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Beschlusses und zur Aussetzung des angefochtenen Bescheids in dem beantragten Umfang.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect; 69 Abs. 3 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) kann das Gericht der Hauptsache die Vollziehung eines angefochtenen Verwaltungsakts ganz oder teilweise aussetzen. Die Aussetzung soll u.a. erfolgen, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Verwaltungsakts bestehen (&sect; 69 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Abs. 2 Satz 2 FGO). Ernstliche Zweifel i.S. des &sect; 69 Abs. 2 Satz 2 FGO sind zu bejahen, wenn bei summarischer Pr&uuml;fung des angefochtenen Steuerbescheids neben f&uuml;r seine Rechtm&auml;&szlig;igkeit sprechenden Umst&auml;nden gewichtige Gr&uuml;nde zutage treten, die Unentschiedenheit oder Unsicherheit in der Beurteilung der entscheidungserheblichen Rechtsfragen oder Unklarheit in der Beurteilung von Tatfragen bewirken (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 10. Februar 1967 III B 9\/66, BFHE 87, 447, BStBl III 1967, 182, seitdem st&auml;ndige Rechtsprechung). Die AdV setzt nicht voraus, dass die f&uuml;r die Rechtswidrigkeit sprechenden Gr&uuml;nde &uuml;berwiegen (vgl. BFH-Beschluss vom 20. Mai 1997 VIII B 108\/96, BFHE 183, 174, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Bei summarischer Pr&uuml;fung hat der Senat ernstliche Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit des angefochtenen Bescheids. Er neigt dazu, die &Uuml;bertragung einzelner Wirtschaftsg&uuml;ter zwischen Gesamthandsverm&ouml;gen beteiligungsidentischer Personengesellschaften gegen Minderung und Gew&auml;hrung von Gesellschaftsrechten zwingend zum Buchwert stattfinden zu lassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG hat zwar zutreffend ausgef&uuml;hrt, dass &sect; 6 Abs. 5 Satz 3 EStG die &Uuml;bertragung zwischen den Gesamthandsverm&ouml;gen von Schwestergesellschaften nicht regelt. Es trifft auch zu, dass im Gesetzgebungsverfahren gemachte Vorschl&auml;ge zur ausdr&uuml;cklichen Aufnahme dieser Vorg&auml;nge in &sect; 6 Abs. 5 EStG nicht &uuml;bernommen worden sind. Gleichwohl sieht sich der beschlie&szlig;ende Senat bei summarischer Pr&uuml;fung abweichend vom FG und der zwischenzeitlich ergangenen Entscheidung des I. Senats des BFH mit Urteil vom 25. November 2009 I R 72\/08 (Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2010, 269) nicht daran gehindert, die zwingende Buchwertverkn&uuml;pfung auf &Uuml;bertragungen zwischen beteiligungsidentischen Personengesellschaften zu erstrecken.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Dabei l&auml;sst er sich von folgenden &Uuml;berlegungen leiten:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Mit &sect; 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG hat sich der Gesetzgeber f&uuml;r eine transparente Besteuerung von Personengesellschaften entschieden. Die Personengesellschaft ist danach Steuerrechtssubjekt bei der Qualifikation und der Ermittlung der Eink&uuml;nfte. Subjekt der Eink&uuml;nfteerzielung ist hingegen der Gesellschafter (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 3. Juli 1995 GrS 1\/93, BFHE 178, 86, BStBl II 1995, 617). Aus dem Subjektsteuerprinzip folgt, dass jeder Gesellschafter den auf ihn entfallenden Anteil an den erzielten Eink&uuml;nften zu versteuern hat. Jedem Gesellschafter ist auch sein Anteil an den stillen Reserven der Wirtschaftsg&uuml;ter des Gesamthandsverm&ouml;gens zuzuordnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Verschiebung stiller Reserven zwischen den Gesellschaftern entspricht nicht dem Subjektsteuerprinzip. Gleichwohl l&auml;sst das Gesetz in verschiedenen F&auml;llen zu, dass stille Reserven auf andere Gesellschafter derselben Personengesellschaft &uuml;bergehen. Dies gilt insbesondere bei &Uuml;bertragungen von Einzelwirtschaftsg&uuml;tern in den von &sect; 6 Abs. 5 Satz 3 EStG geregelten F&auml;llen. Zu der Er&ouml;ffnung dieses an sich systemwidrigen Transfers sah sich der Gesetzgeber bei Verabschiedung des Gesetzes zur Fortentwicklung des Unternehmenssteuerrechts (Unternehmenssteuerfortentwicklungsgesetz &#8211;UntStFG&#8211;) vom 20. Dezember 2001 (BGBl I 2001, 3858, BStBl I 2002, 35) gen&ouml;tigt, um erforderliche Umstrukturierungen von Personenunternehmen nicht durch aus der Substanz zu zahlende Ertragsteuern zu erschweren. Der Senat betrachtet dies als ausreichenden Rechtfertigungsgrund f&uuml;r die Verletzung des Folgerichtigkeitsgrundsatzes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Folgerichtig ist es demgegen&uuml;ber, wenn ein Steuersubjekt die ihm zuzuordnenden stillen Reserven ungeachtet dessen beibeh&auml;lt, in welchem Betriebsverm&ouml;gen sich das betreffende Wirtschaftsgut befindet. Diesen Grundsatz regelt systemkonform &sect; 6 Abs. 5 Satz 1 EStG, der den Ansatz des Buchwerts bei der &Uuml;berf&uuml;hrung zwischen zwei Betriebsverm&ouml;gen desselben Steuerpflichtigen anordnet. Ebenfalls dem System entspricht es dann, wenn &sect; 6 Abs. 5 Satz 2 EStG die Beibehaltung des Buchwerts bei &Uuml;berf&uuml;hrungen von Wirtschaftsg&uuml;tern zwischen Einzel- und Sonderbetriebsverm&ouml;gen bzw. zwischen zwei verschiedenen Sonderbetriebsverm&ouml;gen desselben Steuerpflichtigen verlangt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Angesichts dessen bed&uuml;rfte es einer besonderen Rechtfertigung daf&uuml;r, stille Reserven der Besteuerung zu unterwerfen, wenn diese dadurch demselben Steuersubjekt zugeordnet bleiben, dass sie von dem Gesamthandsverm&ouml;gen einer mitunternehmerischen Personengesellschaft unentgeltlich oder gegen Minderung und Gew&auml;hrung von Gesellschaftsrechten in das Gesamthandsverm&ouml;gen einer beteiligungsidentischen anderen mitunternehmerischen Personengesellschaft &uuml;bertragen werden. Eine derartige Rechtfertigung ist nicht ersichtlich. Es ist auch nicht zu erkennen, dass sich der Gesetzgeber des UntStFG auf einen Rechtfertigungsgrund bezogen h&auml;tte. Die Aufdeckung stiller Reserven aufgrund einer derartigen &Uuml;bertragung w&uuml;rde danach zu einer im Sinne des Folgerichtigkeitsgebots gleichheitswidrigen Besteuerung f&uuml;hren, denn sie kann sich weder auf die gesteigerte Leistungsf&auml;higkeit des Gesellschafters noch auf eine Entstrickung und noch nicht einmal auf die erh&ouml;hte Gefahr einer sp&auml;teren unbemerkten Entstrickung st&uuml;tzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Der Senat sieht sich zur Vermeidung eines solchen Gleichheitssatzversto&szlig;es berechtigt und verpflichtet, &sect; 6 Abs. 5 EStG im Wege einer verfassungskonformen Auslegung auf &Uuml;bertragungen zwischen den Gesamthandsverm&ouml;gen von beteiligungsidentischen Schwesterpersonengesellschaften zu erstrecken. Dies geschieht dadurch, dass auf diesen Vorgang &sect; 6 Abs. 5 Satz 1 EStG entsprechend angewendet wird. Denn bei transparenter Betrachtung wird das Wirtschaftsgut von einem Betriebsverm&ouml;gen in ein anderes Betriebsverm&ouml;gen desselben Gesellschafters &uuml;berf&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Senat entscheidet wegen der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache aufgrund m&uuml;ndlicher Verhandlung und nach &sect; 10 Abs. 3 Halbsatz 1 FGO in der Besetzung mit f&uuml;nf Richtern. Er ist sich dessen bewusst, dass er von dem BFH-Urteil in DStR 2010, 269 abweicht. Eine Anfrage i.S. des &sect; 11 Abs. 3 FGO wegen einer materiellen Rechtsfrage kommt in einem Verfahren wegen AdV, in dem die Rechtsfrage nicht endg&uuml;ltig zu beantworten ist, nicht in Betracht (Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 11 Rz 5).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.4.2010, IV B 105\/09 Ernstliche Zweifel an Gewinnrealisierung bei &Uuml;bertragung eines Wirtschaftsguts zwischen Schwesterpersonengesellschaften &#8211; Subjektsteuerprinzip &#8211; Verfassungskonforme Auslegung von &sect; 6 Abs. 5 EStG &#8211; Keine Anfrage i.S. des &sect; 11 Abs. 3 FGO im AdV-Verfahren bei materieller Rechtsfrage Leits&auml;tze Auch nach Ergehen des BFH-Urteils vom 25. 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