{"id":12487,"date":"2012-12-19T15:41:26","date_gmt":"2012-12-19T13:41:26","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12487"},"modified":"2012-12-19T15:41:26","modified_gmt":"2012-12-19T13:41:26","slug":"iii-b-247-08-kindergeld-bei-wohnsitz-in-deutschland-oder-frankreich-darlegung-der-revisionszulassungsgruende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-247-08-kindergeld-bei-wohnsitz-in-deutschland-oder-frankreich-darlegung-der-revisionszulassungsgruende\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;247\/08 &#8211; Kindergeld bei Wohnsitz in Deutschland oder Frankreich &#8211; Darlegung der Revisionszulassungsgr&uuml;nde"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.3.2010, III B 247\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeld bei Wohnsitz in Deutschland oder Frankreich &#8211; Darlegung der Revisionszulassungsgr&uuml;nde<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) bezog Kindergeld f&uuml;r ihren im M&auml;rz 1993 geborenen Sohn. Beide sind seit 1993 sowohl in Frankreich als auch in der Wohnung der Eltern der Kl&auml;gerin in P, Deutschland, gemeldet. Die Kl&auml;gerin ist Eigent&uuml;merin eines in W, Frankreich, nahe der deutschen Grenze belegenen kleinen landwirtschaftlichen Betriebes mit Milchk&uuml;hen und Pferden. Sie wird in Frankreich besteuert, der Sohn besucht seit 1999 die Schule in X, Deutschland.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) einen Antrag auf Kindergeld &uuml;bersandt und Fragen zum Wohnort und zum Schulbesuch des Sohnes gestellt hatte, teilte die Kl&auml;gerin mit, sie lebe von den Ertr&auml;gen ihres landwirtschaftlichen Betriebes und den Mieteink&uuml;nften ihres Wohnhauses in Frankreich, deshalb sei sie in Frankreich und nicht in Deutschland steuerpflichtig. Der erste Wohnsitz befinde sich nach wie vor in P. Nachdem die Familienkasse daraufhin Gelegenheit zur Stellungnahme gab, ob Kindergeld seit Januar 1996 trotz fehlenden Anspruchs bezogen worden sei, antwortete die Kl&auml;gerin, sie halte sich mehr als 183 Tage in ihrem landwirtschaftlichen Anwesen in der (deutschen) Ortsgemeinde Y auf. Dazu legte sie einen Grundsteuerbescheid f&uuml;r 2007 sowie Abrechnungen &uuml;ber Strom (2004 und 2005) und Wasser (2006) f&uuml;r dieses Grundst&uuml;ck vor, die an die Adressen in W oder in P gerichtet waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Einspruch gegen den Bescheid vom 25. Juni 2007, mit dem die Familienkasse die Kindergeldfestsetzung ab Januar 2002 aufhob, hatte keinen Erfolg. Nach vorherigem Verb&ouml;serungshinweis wurde die Kindergeldfestsetzung in der Einspruchsentscheidung ab Januar 1997 aufgehoben und das Kindergeld in H&ouml;he von 16.632,56 EUR zur&uuml;ckgefordert. Die Einspruchsentscheidung f&uuml;hrt aus, von einem inl&auml;ndischen Wohnsitz der Kl&auml;gerin k&ouml;nne nicht ausgegangen werden (&sect; 62 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;, &sect; 8 und &sect; 9 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;). Die Kl&auml;gerin unterliege zudem wegen ihres landwirtschaftlichen Betriebes W nach Art. 13 Abs. 2 Buchst. b der Verordnung (EWG) Nr. 1408\/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und deren Familien, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (VO Nr. 1408\/71) hinsichtlich des Kindergeldes selbst dann, wenn ein Wohnsitz in Deutschland best&uuml;nde, allein den Regelungen des T&auml;tigkeitsstaates Frankreich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab. Es verwies zur Begr&uuml;ndung auf die Einspruchsentscheidung und f&uuml;hrte erg&auml;nzend aus, von einem Wohnsitz der Kl&auml;gerin in Y k&ouml;nne nicht ausgegangen werden. Die Adresse in Y sei erst w&auml;hrend des Einspruchsverfahrens genannt worden, im Antrag vom 7. Dezember 2006 habe die Kl&auml;gerin hingegen dargelegt, ihr erster Wohnsitz befinde sich in P. Der gesamte Schriftverkehr &#8211;Schreiben der Schule, der Einheitswertbescheid f&uuml;r das Grundst&uuml;ck in Y und Wasserabrechnungen&#8211; gehe nach W. Im Telefonbuch gebe es f&uuml;r die Kl&auml;gerin in Y keinen Eintrag. Es sei zwar m&ouml;glich, dass die Kl&auml;gerin ihre Pferde im Sommer in Y habe und sich dort zeitweise auch aufhalte. Anhaltspunkte f&uuml;r einen l&auml;ngeren Aufenthalt dort l&auml;gen aber nicht vor, da sie diese Adresse nie als Wohnsitz angegeben habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Nichtzulassungsbeschwerde tr&auml;gt die Kl&auml;gerin vor, das FG habe den Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r verletzt, indem es praktisch den gesamten Vortrag in der Klagebegr&uuml;ndung einschlie&szlig;lich der Beweisantritte ignoriert habe. Das die Entscheidung tragende Indiz sei, dass sie Y nie als Wohnort angegeben habe und die gesamte Post nach W gegangen sei. Tats&auml;chlich besage dies nicht, dass nur dort auch der Lebensmittelpunkt liege. H&auml;tte das FG darauf hingewiesen, dass es diese Handhabung f&uuml;r entscheidungserheblich erachte, so w&auml;re erl&auml;utert worden, dass ihr Haus in W wegen der Versorgung der K&uuml;he t&auml;glich aufgesucht werden musste und daher Gew&auml;hr daf&uuml;r bot, von eingehender Post unverz&uuml;glich Kenntnis zu erlangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Durch die Rechtsprechung seien die Merkmale eines Wohnsitzes i.S. des &sect; 8 AO gekl&auml;rt. Es gen&uuml;ge nach dem Senatsurteil vom 22. April 1994 III R 22\/92 (BFHE 174, 523, BStBl II 1994, 887), wenn sie die Wohnung nur in gr&ouml;&szlig;eren Zeitabst&auml;nden aufsuche. Da sie sich j&auml;hrlich mehr als sechs Monate in P bzw. Y aufhalte, habe sie sowohl ihren gew&ouml;hnlichen Aufenthalt als auch einen Wohnsitz im Inland.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie habe vorgetragen, dass sie in Y &uuml;ber ein 15 000 qm gro&szlig;es Anwesen mit voll ausgestattetem Wohnhaus verf&uuml;ge, das von Mitte M&auml;rz bis Anfang November ausschlie&szlig;lich bewohnt und auch w&auml;hrend der Wintermonate an den Wochenenden aufgesucht werde. Dies h&auml;tte der als Zeuge benannte Nachbar best&auml;tigt; das FG habe den angebotenen Beweis verfahrensfehlerhaft nicht erhoben. Da in der m&uuml;ndlichen Verhandlung Lichtbilder zum Wohnsitz in Y vorgelegt worden seien, habe der Prozessbevollm&auml;chtigte nicht erkennen k&ouml;nnen, dass der dortige Wohnsitz danach noch zweifelhaft gewesen sei. Deshalb habe kein Anlass bestanden, die Nichterhebung des Zeugenbeweises zu r&uuml;gen. Insgesamt betrachtet erweise sich das FG-Urteil als willk&uuml;rlich, da unergiebig, weil es sich auf mehrdeutige Indizien gr&uuml;nde und ihr Vortrag mit Beweisangeboten ignoriert worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 116 Abs. 5 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat sein Urteil durch zul&auml;ssige (&sect; 105 Abs. 5 FGO) Bezugnahme auf die Einspruchsentscheidung damit begr&uuml;ndet, dass nach Art. 13 Abs. 2 Buchst. b VO Nr. 1408\/71, wegen der landwirtschaftlichen T&auml;tigkeit in Frankreich deutsches Kindergeld selbst dann nicht beansprucht werden k&ouml;nne, wenn die Kl&auml;gerin einen Wohnsitz oder ihren gew&ouml;hnlichen Aufenthalt im Inland h&auml;tte (vgl. &sect; 65 Abs. 1 EStG). Lediglich &quot;erg&auml;nzend&quot; hat es ausgef&uuml;hrt, dass von einem inl&auml;ndischen Wohnsitz oder gew&ouml;hnlichen Aufenthalt nicht ausgegangen werden k&ouml;nne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde (&sect; 115 Abs. 2 FGO) beziehen sich jedoch s&auml;mtlich nur auf das Vorliegen eines inl&auml;ndischen Wohnsitzes oder gew&ouml;hnlichen Aufenthaltes (&sect; 62 Abs. 1 Nr. 1 EStG i.V.m. &sect;&sect; 8, 9 AO). Da es auf den inl&auml;ndischen Wohnsitz nach der Rechtsansicht des FG aber nicht ankam, ist es unerheblich, ob das FG die Voraussetzungen der &sect;&sect; 8, 9 AO aufgrund grob fehlerhafter Schlussfolgerungen oder in Abweichung von Rechtsgrunds&auml;tzen anderer finanzgerichtlicher Entscheidungen abgelehnt hat. Falls derartige Fehler oder Abweichungen vorl&auml;gen, waren sie nicht entscheidungserheblich. Das FG hat auch seine Pflicht zur Sachaufkl&auml;rung (&sect; 76 Abs. 1 Satz 1 FGO) nicht verletzt, da sich diese nach seinem materiell-rechtlichen Standpunkt richtet (Senatsbeschluss vom 31. Mai 2007 III B 50\/07, BFH\/NV 2007, 1907) und es danach auf den inl&auml;ndischen Wohnsitz oder gew&ouml;hnlichen Aufenthalt wegen Art. 13 Abs. 2 Buchst. b VO&nbsp;&nbsp;Nr. 1408\/71 nicht ankam.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.3.2010, III B 247\/08 Kindergeld bei Wohnsitz in Deutschland oder Frankreich &#8211; Darlegung der Revisionszulassungsgr&uuml;nde Tatbestand 1&nbsp; I. 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