{"id":12561,"date":"2012-12-08T08:02:27","date_gmt":"2012-12-08T06:02:27","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12561"},"modified":"2012-12-08T08:02:27","modified_gmt":"2012-12-08T06:02:27","slug":"v-b-151-09-beweiskraft-der-postzustellungsurkunde-gegenbeweis-keine-widerlegung-durch-schlichte-behauptung-einer-falschbeurkundung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-151-09-beweiskraft-der-postzustellungsurkunde-gegenbeweis-keine-widerlegung-durch-schlichte-behauptung-einer-falschbeurkundung\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;151\/09 &#8211; Beweiskraft der Postzustellungsurkunde &#8211; Gegenbeweis &#8211; Keine Widerlegung durch schlichte Behauptung einer Falschbeurkundung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 25.3.2010, V B 151\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Beweiskraft der Postzustellungsurkunde &#8211; Gegenbeweis &#8211; Keine Widerlegung durch schlichte Behauptung einer Falschbeurkundung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) erhob vor dem Finanzgericht (FG) erfolglos Klage gegen den Umsatzsteuerbescheid 2003. Das FG-Urteil wurde laut Postzustellungsurkunde am Freitag, den 20. November 2009, im Wege der Ersatzzustellung durch Niederlegung im Gesch&auml;ftsbriefkasten der Bevollm&auml;chtigten (&sect; 180 der Zivilprozessordnung &#8211;ZPO&#8211;) bewirkt. Hierzu enth&auml;lt die Postzustellungsurkunde den Vermerk, dass der Postbedienstete vergeblich versucht hat, das Schriftst&uuml;ck in der Steuerberatungskanzlei der Bevollm&auml;chtigten zu &uuml;bergeben und deshalb in den zum Gesch&auml;ftsraum geh&ouml;renden Briefkasten eingelegt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Ablauf der Monatsfrist zur Einlegung der Nichtzulassungsbeschwerde (21. Dezember 2009) hat der Bevollm&auml;chtigte am 22. Dezember 2009 Beschwerde erhoben. Daraufhin hat die Gesch&auml;ftsstelle des Senats mit Schreiben vom 4. Februar 2010 (zugestellt ebenfalls durch Einlegung in den Briefkasten am Freitag, den 5. Februar 2010) auf die Frist&uuml;berschreitung hingewiesen und Gelegenheit zur Darlegung von Wiedereinsetzungsgr&uuml;nden gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Ablauf der Wiedereinsetzungsfrist von zwei Wochen (am 19. Februar 2010) hat der Bevollm&auml;chtigte mit Fax vom 22. Februar 2010 Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gestellt mit der Begr&uuml;ndung, die Beschwerde sei fristgerecht erhoben worden, weil das Urteil vom Zusteller in den Briefkasten der Kanzlei eingeworfen worden sei, obwohl die Kanzlei am Freitag, den 20. November 2009, &quot;zu den &uuml;blichen B&uuml;rozeiten ge&ouml;ffnet&quot; gewesen sei. Der Bevollm&auml;chtigte habe vom Inhalt des Urteils erst am darauffolgenden Montag, den 23. November 2009, Kenntnis erlangt, so dass die Einlegung der Beschwerde am 22. Dezember 2009 fristgerecht erfolgt sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect; 116 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) ist eine Nichtzulassungsbeschwerde innerhalb eines Monats nach Zustellung des Urteils beim Bundesfinanzhof (BFH) einzulegen. Diese Frist hat der Kl&auml;ger vers&auml;umt, weil das FG-Urteil am 20. November 2009 wirksam zugestellt wurde und die Nichtzulassungsbeschwerde nicht innerhalb der bis zum 21. Dezember 2009 laufenden Monatsfrist, sondern erst am 22. Dezember 2009 eingelegt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Ohne Erfolg wendet sich der Kl&auml;ger im Rahmen eines Wiedereinsetzungsantrags gegen die Wirksamkeit der Zustellung vom 20. November 2009 mit der Behauptung, der Zusteller habe fehlerhaft die Ersatzzustellung durch Einlage in den Briefkasten vollzogen, obwohl die Kanzleir&auml;ume zu den &uuml;blichen B&uuml;rozeiten ge&ouml;ffnet gewesen seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wird der Post ein Zustellungsauftrag erteilt, erfolgt nach &sect; 53 Abs. 2 FGO i.V.m. &sect; 176 Abs. 2 ZPO die Ausf&uuml;hrung der Zustellung nach den &sect;&sect; 177 bis 181 ZPO. Wird die Person, der zugestellt werden soll, in dem Gesch&auml;ftsraum nicht angetroffen, kann das Schriftst&uuml;ck nach &sect; 178 Abs. 1 Nr. 2 ZPO in Gesch&auml;ftsr&auml;umen einer dort besch&auml;ftigten Person zugestellt werden. Ist die Zustellung nach &sect; 178 Abs. 1 Nr. 2 ZPO nicht ausf&uuml;hrbar, kann nach &sect; 180 ZPO das Schriftst&uuml;ck in einen zu dem Gesch&auml;ftsraum geh&ouml;renden Briefkasten eingelegt werden. Mit der Einlegung gilt das Schriftst&uuml;ck als zugestellt (&sect; 180 Satz 2 ZPO). Der Zusteller vermerkt auf dem Umschlag des zuzustellenden Schriftst&uuml;cks das Datum der Zustellung (&sect; 180 Satz 3 ZPO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Gem&auml;&szlig; &sect; 418 ZPO i.V.m. &sect; 182 Abs. 1 Satz 2 ZPO erbringt die Postzustellungsurkunde als &ouml;ffentliche Urkunde den vollen Beweis der in ihr bezeugten Tatsachen, wobei sich die Beweiskraft nicht nur auf das Einlegen des Schriftst&uuml;cks in den zum Gesch&auml;ftsraum geh&ouml;renden Briefkasten erstreckt, sondern insbesondere auch darauf, dass der Postbedienstete unter der ihm angegebenen Anschrift weder den Adressaten pers&ouml;nlich noch eine zur Entgegennahme einer Ersatzzustellung in Betracht kommende Person angetroffen hat (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 3. Juni 1991&nbsp;&nbsp;2 BvR 511\/89, Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 1992, 224; BFH-Urteil vom 4. Juli 2008 IV R 78\/05, BFH\/NV 2008, 1860). Der Gegenbeweis kann nach &sect; 418 Abs. 2 ZPO nur durch den Beweis der Unrichtigkeit der in der Zustellungsurkunde bezeugten Tatsachen gef&uuml;hrt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Derartige Gr&uuml;nde, die ein Fehlverhalten der Postzustellerin bei der Zustellung und damit eine Falschbeurkundung in der Postzustellungsurkunde zu belegen geeignet sind (vgl. Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Mai 1986&nbsp;&nbsp;4 CB 8.86, NJW 1986, 2127; BFH-Urteil in BFH\/NV 2008, 1860), hat der Bevollm&auml;chtigte nicht substantiiert vorgetragen. Zu dem Einwurf in den Briefkasten kann es allein schon deshalb gekommen sein, weil der Einwurf au&szlig;erhalb der &uuml;blichen Gesch&auml;ftszeiten oder bei einer vor&uuml;bergehenden Abwesenheit der Kanzleimitarbeiter erfolgte. Die schlichte Behauptung einer Falschbeurkundung durch die Zustellerin gen&uuml;gt f&uuml;r die Widerlegung des Beweiswertes einer &ouml;ffentlichen Urkunde nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Gr&uuml;nde, die eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gem&auml;&szlig; &sect; 56 FGO rechtfertigen w&uuml;rden, sind nicht vorgetragen. Der Bevollm&auml;chtigte war nicht gehindert, innerhalb der seit dem 20. November 2009 anlaufenden einmonatigen Beschwerdefrist die Nichtzulassungsbeschwerde einzulegen. Der Wiedereinsetzungsantrag w&auml;re im &Uuml;brigen auch wegen Vers&auml;umung der Frist von zwei Wochen (&sect; 56 Abs. 2 FGO) als versp&auml;tet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 25.3.2010, V B 151\/09 Beweiskraft der Postzustellungsurkunde &#8211; Gegenbeweis &#8211; Keine Widerlegung durch schlichte Behauptung einer Falschbeurkundung Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) erhob vor dem Finanzgericht (FG) erfolglos Klage gegen den Umsatzsteuerbescheid 2003. Das FG-Urteil wurde laut Postzustellungsurkunde am Freitag, den 20. 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