{"id":12619,"date":"2012-12-08T08:54:43","date_gmt":"2012-12-08T06:54:43","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12619"},"modified":"2012-12-08T08:54:43","modified_gmt":"2012-12-08T06:54:43","slug":"ix-r-57-09-zur-beruecksichtigung-von-auslandsverlusten-notwendigkeit-des-verfahrens-nach-par-10d-estg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-57-09-zur-beruecksichtigung-von-auslandsverlusten-notwendigkeit-des-verfahrens-nach-par-10d-estg\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;57\/09 &#8211; Zur Ber&uuml;cksichtigung von Auslandsverlusten &#8211; Notwendigkeit des Verfahrens nach &sect; 10d EStG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.2.2010, IX R 57\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Zur Ber&uuml;cksichtigung von Auslandsverlusten &#8211; Notwendigkeit des Verfahrens nach &sect; 10d EStG<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Ein in &Ouml;sterreich im Jahr 2003 erzielter Verlust ist nicht aus europarechtlichen Gr&uuml;nden ohne Durchf&uuml;hrung eines Verfahrens nach &sect; 10d Abs. 4 Satz 1 EStG im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung f&uuml;r das Jahr 2004 zu ber&uuml;cksichtigen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist deutsche Staatsangeh&ouml;rige. Sie lebte im Jahr 2003 in &Ouml;sterreich, wo sie als Unternehmensberaterin negative Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb in H&ouml;he von 21.307,17 EUR erzielte, die (lt. Einkommensteuerbescheid des zust&auml;ndigen &ouml;sterreichischen Finanzamtes vom Mai 2005) nach Abzug eines Pauschbetrags f&uuml;r Sonderausgaben in H&ouml;he von 60 EUR zu einem negativen Einkommen von 21.367,17 EUR f&uuml;hrten. Im Jahr 2004 erwirtschaftete die Kl&auml;gerin in &Ouml;sterreich einen weiteren Verlust in H&ouml;he von ca. 800 EUR. Ende 2003 zog sie wieder nach Deutschland und war von Januar 2004 bis 2006 ausschlie&szlig;lich hier als selbst&auml;ndige Unternehmensberaterin t&auml;tig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r das Streitjahr 2004 erkl&auml;rte die Kl&auml;gerin positive Eink&uuml;nfte aus selbst&auml;ndiger Arbeit in H&ouml;he von 51.571 EUR. In einem Begleitschreiben zur Einkommensteuererkl&auml;rung machte sie einen &quot;Verlust aus der Einkommensteuerveranlagung in &Ouml;sterreich aus dem Jahr 2003 in H&ouml;he von 21.367 EUR&quot; geltend. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ber&uuml;cksichtigte diesen Verlust nicht. Der Einspruch der Kl&auml;gerin hatte insoweit keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 2039 ver&ouml;ffentlichten Urteil ab. Eine Ber&uuml;cksichtigung der von der Kl&auml;gerin im Ausland (w&auml;hrend ihrer dortigen unbeschr&auml;nkten Einkommensteuerpflicht) erzielten Verluste sei nicht m&ouml;glich. Nach &sect; 10d des Einkommensteuergesetzes i.d.F. des Streitjahres (EStG) k&ouml;nnten Verluste aus vorangegangenen Veranlagungszeitr&auml;umen bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens nur ber&uuml;cksichtigt werden, wenn sie zuvor gem&auml;&szlig; &sect; 10d Abs. 4 Satz 1 EStG gesondert festgestellt worden seien. Die Versagung des Verlustabzugs versto&szlig;e auch nicht gegen die Vorschriften des Gemeinschaftsrechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision der Kl&auml;gerin, die sie auf die nicht europarechtskonforme Anwendung des nationalen materiellen Steuerrechts (&sect;&sect; 2, 10d EStG) st&uuml;tzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das Urteil des FG aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2004 vom 13. Juli 2006 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 7. Dezember 2006 dahingehend zu &auml;ndern, dass die Einkommensteuerermittlung f&uuml;r 2004 unter Ber&uuml;cksichtigung eines steuermindernden Verlustvortrags aus Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb in H&ouml;he von 21.307,17 EUR erfolgt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zu Recht hat das FG eine Ber&uuml;cksichtigung des von der Kl&auml;gerin im Kalenderjahr 2003 in &Ouml;sterreich erzielten Verlustes aus Gewerbebetrieb im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer 2004 abgelehnt. Dabei kann dahinstehen, inwieweit die Kl&auml;gerin aus europarechtlichen Gr&uuml;nden einen Anspruch auf Ber&uuml;cksichtigung des streitbefangenen Verlustes hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die deutsche Einkommensteuer ist eine Jahressteuer (&sect; 2 Abs. 7 Satz 1 und 2 EStG). Die perioden&uuml;bergreifende Verlustber&uuml;cksichtigung ist materiell-rechtlich wie verfahrensrechtlich in &sect; 10d EStG geregelt. Gem&auml;&szlig; &sect; 10d Abs. 4 Satz 1 EStG ist der am Schluss eines Veranlagungszeitraums verbleibende Verlustvortrag gesondert festzustellen. Der Verlustfeststellungsbescheid ist Grundlagenbescheid (&sect; 171 Abs. 10 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;) f&uuml;r den Einkommensteuerbescheid (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 17. September 2008 IX R 72\/06, BFHE 222, 571, BStBl II 2009, 639, unter II.2.b aa a.E.), so dass im Veranlagungsverfahren zur Einkommensteuer nur solche Verluste aus anderen Veranlagungszeitr&auml;umen ber&uuml;cksichtigt werden k&ouml;nnen, die gesondert festgestellt sind. &Uuml;ber die Frage, welche Verluste gesondert festzustellen sind, ist im Verfahren nach &sect; 10d EStG zu entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. &Uuml;ber die materiell-rechtliche Abziehbarkeit der von der Kl&auml;gerin im Jahr 2003 in &Ouml;sterreich erzielten Verluste im Streitjahr 2004 ist &#8211;auch unter europarechtlichen Gesichtspunkten&#8211; in dem Verfahren zu entscheiden, das das nationale Recht hierf&uuml;r vorsieht, d.h. im Verfahren nach &sect; 10d EStG (vgl. zum Vorrang nationalen Verfahrensrechts Urteil des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Gemeinschaften vom 12. Oktober 2000 C-480\/98, Slg. 2000, I-8717); danach richtet sich allein, ob zu Gunsten der Kl&auml;gerin ein Verlustfeststellungsbescheid zum 31. Dezember 2003 ergehen darf, der die genannten ausl&auml;ndischen Verluste enth&auml;lt. Demgegen&uuml;ber stellt sich im vorliegenden Verfahren betreffend die Einkommensteuerfestsetzung f&uuml;r 2004 die Frage, ob ein Verlustabzug aus Vorjahren ber&uuml;cksichtigt werden kann, nicht, soweit und solange ein solches Verfahren nach &sect; 10d EStG nicht durchgef&uuml;hrt worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.2.2010, IX R 57\/09 Zur Ber&uuml;cksichtigung von Auslandsverlusten &#8211; Notwendigkeit des Verfahrens nach &sect; 10d EStG Leits&auml;tze Ein in &Ouml;sterreich im Jahr 2003 erzielter Verlust ist nicht aus europarechtlichen Gr&uuml;nden ohne Durchf&uuml;hrung eines Verfahrens nach &sect; 10d Abs. 4 Satz 1 EStG im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung f&uuml;r das Jahr 2004 zu ber&uuml;cksichtigen. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-57-09-zur-beruecksichtigung-von-auslandsverlusten-notwendigkeit-des-verfahrens-nach-par-10d-estg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;57\/09 &#8211; Zur Ber&uuml;cksichtigung von Auslandsverlusten &#8211; Notwendigkeit des Verfahrens nach &sect; 10d EStG<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-12619","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12619","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12619"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12619\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12619"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12619"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12619"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}