{"id":12679,"date":"2012-12-08T08:55:32","date_gmt":"2012-12-08T06:55:32","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12679"},"modified":"2012-12-08T08:55:32","modified_gmt":"2012-12-08T06:55:32","slug":"iii-b-33-09-wohnsitz-eines-in-der-tuerkei-studierenden-kindes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-33-09-wohnsitz-eines-in-der-tuerkei-studierenden-kindes\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;33\/09 &#8211; Wohnsitz eines in der T&uuml;rkei studierenden Kindes"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.1.2010, III B 33\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Wohnsitz eines in der T&uuml;rkei studierenden Kindes<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) bezog f&uuml;r seinen Sohn (S) Kindergeld. Er teilte der Beklagten und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) mit, dass S seit September 2005 in der T&uuml;rkei zur Schule gehe. Die Familienkasse hob mit Bescheid vom 11. Januar 2006 die Festsetzung von Kindergeld ab Oktober 2005 auf. Sie zahlte auch kein Kindergeld nach dem Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik T&uuml;rkei &uuml;ber Soziale Sicherheit vom 30. April 1964 (BGBl II 1965, 1169). Der Einspruch des Kl&auml;gers hatte keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die anschlie&szlig;end erhobene Klage weit &uuml;berwiegend ab. Es gew&auml;hrte lediglich das sog. Abkommenskindergeld in H&ouml;he von monatlich 5,11 EUR. Es war der Ansicht, S habe im streitigen Zeitraum keinen inl&auml;ndischen Wohnsitz gehabt. Zwar stehe ihm in der Wohnung des Kl&auml;gers in der Bundesrepublik Deutschland (Bundesrepublik) jederzeit ein Zimmer zur Verf&uuml;gung. Wegen der mindestens vierj&auml;hrigen Dauer des Schulbesuchs in der T&uuml;rkei seien die festgestellten Aufenthaltszeiten in der inl&auml;ndischen Wohnung jedoch f&uuml;r einen Erhalt des Wohnsitzes in der Bundesrepublik nicht ausreichend. S habe bereits mit Beginn des Auslandsaufenthalts seinen Wohnsitz in die T&uuml;rkei verlegt, wo er zun&auml;chst ein Internat besucht habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Nichtzulassungsbeschwerde macht der Kl&auml;ger in erster Linie die grunds&auml;tzliche Bedeutung der Rechtssache geltend (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG habe die Klage abgewiesen, weil die Inlandsaufenthalte zu kurz gewesen seien. Der Bundesfinanzhof (BFH) habe verschiedentlich zur Kindergeldberechtigung bei Auslandsaufenthalten von Kindern zu Schulzwecken Stellung genommen. Er habe festgestellt, dass ein solcher Aufenthalt der Annahme eines Inlandswohnsitzes grunds&auml;tzlich nicht entgegenstehe. Es gebe Zeitr&auml;ume, die akzeptiert worden seien und sich &uuml;ber mehr als vier Jahre erstreckt h&auml;tten, andererseits gebe es auch gegenteilige Entscheidungen, in denen ein k&uuml;rzerer Auslandsaufenthalt zum Verlust des Inlandswohnsitzes gef&uuml;hrt habe. Die Frage sei f&uuml;r eine Vielfalt von Auslandsaufenthalten von Sch&uuml;lern und Studenten von Bedeutung. Im angefochtenen Urteil w&uuml;rden Vermutungen zur Entscheidungsgrundlage gemacht, z.B. der Umstand, dass viele Abiturienten im Ausland studierten, um dann wieder in die Bundesrepublik zur&uuml;ckzukehren. Die Vermutung des FG sei so subjektiv, dass sie einer objektiven &Uuml;berpr&uuml;fung nicht zug&auml;nglich sei. Insofern liege eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r vor. Den Rechtsuchenden m&uuml;sse eine klare Grenze bekannt sein, z.B. feste Zeit- oder Schulabschnitte. Die vom BFH aufgestellten Kriterien f&uuml;hrten nicht weiter. Der BFH habe Gelegenheit, in einem Revisionsverfahren Abgrenzungskriterien zu entwickeln, die f&uuml;r eine Subsumtion besser geeignet seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und wird durch Beschluss zur&uuml;ckgewiesen (&sect; 116 Abs. 5 Satz 1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Eine Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung der Rechtssache (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO) kommt nicht in Betracht. Der BFH hat bereits mehrfach die Rechtsgrunds&auml;tze dargelegt, nach denen zu entscheiden ist, ob ein Kind, das sich zum Zweck des Schulbesuchs mehrere Jahre im Ausland aufh&auml;lt, seinen inl&auml;ndischen Wohnsitz (&sect; 8 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;) beibeh&auml;lt (z.B. BFH-Urteile vom 22. April 1994 III R 22\/92, BFHE 174, 523, BStBl II 1994, 887; vom 27. April 1995 III R 57\/93, BFH\/NV 1995, 967; vom 23. November 2000 VI R 165\/99, BFHE 193, 569, BStBl II 2001, 279, und VI R 107\/99, BFHE 193, 558, BStBl II 2001, 294; Senatsbeschluss vom 31. Mai 2007 III B 50\/07, BFH\/NV 2007, 1907). Ob im Einzelfall bei Anwendung dieser Grunds&auml;tze davon auszugehen ist, dass ein Kind seinen Wohnsitz im Inland hat, muss das FG unter Ber&uuml;cksichtigung der Umst&auml;nde des Falles im Wege der Tatsachenw&uuml;rdigung beurteilen. An diese W&uuml;rdigung ist der BFH, sofern keine durchgreifenden Verfahrensr&uuml;gen erhoben werden, nach &sect; 118 Abs. 2 FGO gebunden und kann sie nur auf Verst&ouml;&szlig;e gegen die Denkgesetze und gegen Erfahrungss&auml;tze hin &uuml;berpr&uuml;fen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Kl&auml;ger strebt mit seiner Nichtzulassungsbeschwerde an, dass der BFH in einem Revisionsverfahren seine bisherige Rechtsprechung &auml;ndert und bestimmte Zeit- und Schulabschnitte festlegt, die f&uuml;r die Beurteilung eines in- oder ausl&auml;ndischen Wohnsitzes ausreichen und eine einfache und vorhersehbare Entscheidung in den F&auml;llen erm&ouml;glichen sollen, in denen sich ein Kind zu Schul- oder Studienzwecken im Ausland aufh&auml;lt. Er begehrt die erneute, abweichende Beantwortung bereits vom BFH gekl&auml;rter Rechtsfragen. Ein entsprechendes Vorbringen f&uuml;hrt jedoch nur dann zur Zulassung der Revision, wenn gewichtige neue rechtliche Gesichtspunkte in der Rechtsprechung der FG oder in der Literatur vorgetragen werden, die der BFH noch nicht gepr&uuml;ft hat, oder wenn ein Beteiligter selbst derartige Gesichtspunkte erstmals vorbringt (s. Lange in H&uuml;bschmann\/ Hepp\/Spitaler, &sect; 115 FGO Rz 107, m.w.N.). Hieran fehlt es im Streitfall. Der Wunsch nach einer vereinfachten Anwendung des Wohnsitzbegriffs nach &sect; 8 AO mit Hilfe fester Grenzen rechtfertigt noch nicht die Zulassung der Revision.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Soweit der Kl&auml;ger die Verletzung rechtlichen Geh&ouml;rs r&uuml;gt (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes, &sect; 96 Abs. 2 FGO), macht er letztlich keinen Verfahrensmangel geltend, sondern die unrichtige Anwendung materiellen Rechts. Eine derartige R&uuml;ge f&uuml;hrt jedoch nicht zur Revisionszulassung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.1.2010, III B 33\/09 Wohnsitz eines in der T&uuml;rkei studierenden Kindes Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) bezog f&uuml;r seinen Sohn (S) Kindergeld. Er teilte der Beklagten und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) mit, dass S seit September 2005 in der T&uuml;rkei zur Schule gehe. Die Familienkasse hob mit Bescheid vom 11. 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