{"id":12787,"date":"2012-12-08T08:59:43","date_gmt":"2012-12-08T06:59:43","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12787"},"modified":"2012-12-08T08:59:43","modified_gmt":"2012-12-08T06:59:43","slug":"ii-r-29-08-grundsteuerpflicht-bei-ausfuehrung-von-hoheitsaufgaben-durch-private-unternehmer-funktionale-privatisierung-keine-zurechnung-hoheitlicher-taetigkeit-als-verwaltungshelfer-erbbaurecht-und-be","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-29-08-grundsteuerpflicht-bei-ausfuehrung-von-hoheitsaufgaben-durch-private-unternehmer-funktionale-privatisierung-keine-zurechnung-hoheitlicher-taetigkeit-als-verwaltungshelfer-erbbaurecht-und-be\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;29\/08 &#8211; Grundsteuerpflicht bei Ausf&uuml;hrung von Hoheitsaufgaben durch private Unternehmer &#8211; Funktionale Privatisierung &#8211; Keine Zurechnung hoheitlicher T&auml;tigkeit als &quot;Verwaltungshelfer&quot; &#8211; Erbbaurecht und belastetes Grundst&uuml;ck als zwei wirtschaftliche Einheiten &#8211; Rechtstr&auml;geridentit&auml;t"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.12.2009, II R 29\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Grundsteuerpflicht bei Ausf&uuml;hrung von Hoheitsaufgaben durch private Unternehmer &#8211; Funktionale Privatisierung &#8211; Keine Zurechnung hoheitlicher T&auml;tigkeit als &quot;Verwaltungshelfer&quot; &#8211; Erbbaurecht und belastetes Grundst&uuml;ck als zwei wirtschaftliche Einheiten &#8211; Rechtstr&auml;geridentit&auml;t<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Grundbesitz der &ouml;ffentlichen Hand ist nicht nach &sect; 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 GrStG von der Grundsteuer befreit, wenn er zur Durchf&uuml;hrung hoheitlicher Aufgaben einem privaten Unternehmer &uuml;berlassen wird.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) verpflichtete sich gegen&uuml;ber der Stadt &#8230; (Stadt) im &quot;Vertrag &uuml;ber die Durchf&uuml;hrung von Aufgaben der Abwasserbeseitigung&quot; vom 21. Dezember 1998, &quot;im Entw&auml;sserungsgebiet alle anfallenden Aufgaben der Abwasserbeseitigung wahrzunehmen&quot; (&sect; 2 des Vertrags). Die Stadt r&auml;umte hierf&uuml;r der Kl&auml;gerin zum 1. Januar 1999 f&uuml;r 30 Jahre das Erbbaurecht an einem ihr geh&ouml;renden Grundst&uuml;ck ein, auf dem sich Geb&auml;ude und Anlagen zur Abwasserbeseitigung befanden. Die Kl&auml;gerin ist eine GmbH, an der die Stadt zu 25,1 v.H. und eine weitere GmbH beteiligt sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) stellte gegen die Kl&auml;gerin mit Bescheid vom 2. Februar 2005 im Wege der Nachfeststellung auf den 1. Januar 1999 den Einheitswert f&uuml;r das mit dem Erbbaurecht belastete Grundst&uuml;ck in H&ouml;he von 125.164 EUR fest. Mit Bescheid vom gleichen Tag setzte er einen gemeinsamen Grundsteuermessbetrag f&uuml;r das belastete Grundst&uuml;ck und das Erbbaurecht im Wege der Nachveranlagung auf den 1. Januar 1999 von 2.920,68 EUR fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage gegen die beiden Bescheide, mit denen die Kl&auml;gerin die Steuerbefreiung des &sect; 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Grundsteuergesetzes (GrStG) beanspruchte, blieben erfolglos. Das Finanzgericht (FG) f&uuml;hrte aus, es fehle an der erforderlichen Identit&auml;t von Grundst&uuml;ckseigent&uuml;mer und unmittelbar Nutzendem. Eigent&uuml;merin des belasteten Grundst&uuml;cks sei die Stadt. Das Grundst&uuml;ck werde jedoch von der Kl&auml;gerin und nicht von der Stadt unmittelbar genutzt. Denn die Bestellung des Erbbaurechts durch die Stadt stelle keine tats&auml;chliche Benutzung des belasteten Grundst&uuml;cks dar, sondern sei erst auf die &Uuml;bertragung der Nutzungsrechte im Sinne der tats&auml;chlichen Einwirkungsm&ouml;glichkeiten gerichtet. Die Vorentscheidung ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2008, 1657 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin Verletzung des &sect; 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 GrStG. Grundst&uuml;ckseigent&uuml;mer und unmittelbar Nutzender seien identisch, denn der Stadt sei die Abwasserbeseitigung nach wie vor gesetzlich als Pflichtaufgabe zugewiesen. Sie habe ihr, der Kl&auml;gerin, das Grundst&uuml;ck in Aus&uuml;bung dieser hoheitlichen Aufgabe &uuml;berlassen. Der Stadt sei die Inanspruchnahme eines Privaten zur Abwasserbeseitigung als eigene Aufgabenwahrnehmung zuzurechnen. Die Versagung der Steuerbefreiung bei funktionaler Privatisierung von hoheitlichen Aufgaben w&uuml;rde zudem gegen den allgemeinen Gleichheitssatz (Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;) versto&szlig;en.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Vorentscheidung und den Einheitswertbescheid f&uuml;r das mit dem Erbbaurecht belastete Grundst&uuml;ck vom 2. Februar 2005 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 19. M&auml;rz 2007 aufzuheben sowie den Grundsteuermessbescheid vom 2. Februar 2005 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 19. M&auml;rz 2007 dahin abzu&auml;ndern, dass nur noch der auf das Erbbaurecht entfallende Einheitswert ber&uuml;cksichtigt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Recht entschieden, dass das mit dem Erbbaurecht belastete Grundst&uuml;ck nicht gem&auml;&szlig; &sect; 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 GrStG von der Grundsteuer befreit ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Ist ein Grundst&uuml;ck mit einem Erbbaurecht belastet, bilden das mit dem Erbbaurecht belastete Grundst&uuml;ck einerseits und das Erbbaurecht andererseits bewertungsrechtlich zwei selbst&auml;ndige Grundst&uuml;cke, die je f&uuml;r sich der Grundsteuer unterliegen (&sect; 2 Nr. 2 GrStG i.V.m. &sect; 68 Abs. 1 Nr. 1 und 2 sowie &sect; 70 Abs. 1 des Bewertungsgesetzes &#8211;BewG&#8211;). Betr&auml;gt die Dauer des Erbbaurechts wie im Streitfall weniger als 50 Jahre, ist zur Feststellung der jeweiligen Einheitswerte der Gesamtwert des belasteten Grundst&uuml;cks einschlie&szlig;lich der Geb&auml;ude und Au&szlig;enanlagen entsprechend der restlichen Dauer des Erbbaurechts aufzuteilen (&sect; 92 Abs. 3 BewG) und der Berechnung des Steuermessbetrags die Summe der beiden Einheitswerte zugrunde zu legen (&sect; 13 Abs. 3 GrStG). Schuldner der Grundsteuer sowohl f&uuml;r das belastete Grundst&uuml;ck als auch f&uuml;r das Erbbaurecht ist der Erbbauberechtigte (&sect; 10 Abs. 2 GrStG). Diese Zusammenf&uuml;hrung der Steuerschuldnerschaft f&uuml;r das belastete Grundst&uuml;ck und das Erbbaurecht &auml;ndert jedoch nichts daran, dass bei der Anwendung des Grundsteuergesetzes und hier insbesondere bei den Steuerbefreiungen von zwei wirtschaftlichen Einheiten auszugehen ist, wobei im Streitfall nur noch das belastete Grundst&uuml;ck zu beurteilen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach &sect; 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 GrStG ist Grundbesitz von der Grundsteuer befreit, der von einer inl&auml;ndischen juristischen Person des &ouml;ffentlichen Rechts f&uuml;r einen &ouml;ffentlichen Dienst oder Gebrauch in dem durch &sect; 3 Abs. 2 und 3 GrStG umschriebenen Sinn benutzt wird. Der Grundbesitz muss dabei nach &sect; 3 Abs. 1 Satz 2 GrStG ausschlie&szlig;lich demjenigen, der ihn f&uuml;r den beg&uuml;nstigten Zweck benutzt, oder einem anderen nach den Nummern 1 bis 6 beg&uuml;nstigten Rechtstr&auml;ger zuzurechnen sein. F&uuml;r alle Befreiungstatbest&auml;nde der &sect;&sect; 3 und 4 GrStG verlangt &sect; 7 Satz 1 GrStG zudem eine unmittelbare Nutzung f&uuml;r den steuerbeg&uuml;nstigten Zweck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Grundsteuergesetz befreit damit weder allgemein Grundbesitz der juristischen Personen des &ouml;ffentlichen Rechts noch allgemein die hoheitliche Nutzung von Grundbesitz. Es kn&uuml;pft vielmehr ausdr&uuml;cklich an das formale Kriterium der Rechtstr&auml;geridentit&auml;t von Eigent&uuml;mer des Grundst&uuml;cks und (unmittelbar) Nutzendem an (vgl. zu demselben Erfordernis der Rechtstr&auml;geridentit&auml;t nach &sect; 4 Nr. 6 Satz 2 GrStG: Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 9. Oktober 1970 III R 2\/69, BFHE 100, 415, BStBl II 1971, 63; vom 4. Februar 1987 II R 216\/84, BFHE 149, 262, BStBl II 1987, 451; vom 9. Dezember 1987 II R 223\/83, BFHE 152, 149, BStBl II 1988, 298; vom 28. Februar 1996 II R 26\/94, BFH\/NV 1996, 790; vom 26. Februar 2003 II R 64\/00, BFHE 201, 315, BStBl II 2003, 485; vom 25. April 2007 II R 14\/06, BFH\/NV 2007, 1924; Begr&uuml;ndung zum Grundsteuergesetz vom 1. Dezember 1936, RStBl 1937, 717, 718 ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die formale Betrachtungsweise hat der Gesetzgeber durch den nunmehrigen &sect; 3 Abs. 1 Satz 3 GrStG (eingef&uuml;gt durch das &Ouml;PP-Beschleunigungsgesetz vom 1. September 2005, BGBl I 2005, 2676) indirekt best&auml;tigt. Danach ist Abs. 1 Satz 2 der Vorschrift nicht anzuwenden, wenn Grundbesitz von einem nicht beg&uuml;nstigten Rechtstr&auml;ger im Rahmen einer &Ouml;ffentlich Privaten Partnerschaft einer juristischen Person des &ouml;ffentlichen Rechts f&uuml;r einen &ouml;ffentlichen Dienst oder Gebrauch &uuml;berlassen wird und die &Uuml;bertragung auf den Nutzer am Ende des Vertragszeitraums vereinbart ist. Ohne diese Regelung w&auml;re der nicht beg&uuml;nstigte Rechtstr&auml;ger als Eigent&uuml;mer des Grundst&uuml;cks grundsteuerpflichtig, da er eine von dem Nutzer des Grundst&uuml;cks, der juristischen Person des &ouml;ffentlichen Rechts, verschiedene Person ist. F&uuml;r die &#8211;im Streitfall gegebene&#8211; umgekehrte Fallgestaltung, bei der die &ouml;ffentliche Hand ein ihr geh&ouml;rendes Grundst&uuml;ck zur Erf&uuml;llung hoheitlicher Aufgaben einem privaten Rechtstr&auml;ger &uuml;berl&auml;sst, sieht der Gesetzgeber aber keine Abweichung von der Grundregel des Satzes 2 vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das FG ist zutreffend der Ansicht, dass es im Streitfall an der erforderlichen Rechtstr&auml;geridentit&auml;t fehlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Eigent&uuml;merin des mit dem Erbbaurecht belasteten Grundst&uuml;cks ist die Stadt. Die Verlagerung der Steuerschuldnerschaft bei der Grundsteuer auf die Kl&auml;gerin als Erbbauberechtigte nach &sect; 10 Abs. 2 GrStG l&auml;sst die Zurechnung des Grundst&uuml;cks zur Stadt nach &sect; 39 der Abgabenordnung unber&uuml;hrt. Dementsprechend wird dem Erbbauberechtigten im Einheitswertbescheid das belastete Grundst&uuml;ck nur f&uuml;r Zwecke der Grundsteuer zugerechnet (vgl. Mannek in G&uuml;rsching\/Stenger, Bewertungsrecht, &sect; 92 BewG Rz 171, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das Grundst&uuml;ck wird unmittelbar von der Kl&auml;gerin und damit von einem &quot;anderen Rechtstr&auml;ger&quot; zur Abwasserbeseitigung genutzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter der unmittelbaren Nutzung wird die tats&auml;chliche Zuf&uuml;hrung des Steuergegenstandes an den Benutzungszweck verstanden (BFH-Urteil vom 29. M&auml;rz 1968 III 213\/64, BFHE 92, 288, BStBl II 1968, 499). Die blo&szlig;e &Uuml;berlassung eines Grundst&uuml;cks durch das Einr&auml;umen eines Erbbaurechts kann entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerin nicht als unmittelbare hoheitliche T&auml;tigkeit der Stadt angesehen werden. Denn die &Uuml;berlassung eines Grundst&uuml;cks ist selbst noch keine grundsteuerrechtlich spezifische unmittelbare Nutzung, sondern erm&ouml;glicht erst die tats&auml;chliche Nutzung durch den Erbbauberechtigten unter Ausschluss des Eigent&uuml;mers. Vielmehr hat die Kl&auml;gerin als Erbbauberechtigte das Grundst&uuml;ck tats&auml;chlich f&uuml;r die Abwasserbeseitigung genutzt. Sie ist auch ein von der Stadt verschiedener Rechtstr&auml;ger. Dass die Stadt zu den Gesellschaftern z&auml;hlt, &auml;ndert daran nichts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Eine unmittelbare hoheitliche Nutzung durch die Stadt liegt auch nicht etwa deshalb vor, weil ihr die T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin als Verwaltungshelferin zuzurechnen w&auml;re. Nach &sect; 18a Abs. 2 Satz 2 des Wasserhaushaltsgesetzes in der f&uuml;r den Feststellungszeitpunkt ma&szlig;geblichen Fassung k&ouml;nnen sich die zur Abwasserbeseitigung Verpflichteten nach n&auml;herer Ausgestaltung durch den Landesgesetzgeber zur Erf&uuml;llung ihrer Pflichten Dritter bedienen. Diese vom Gesetz zugelassene funktionale Privatisierung bewirkt jedoch nicht, dass ihre T&auml;tigkeit zur unmittelbaren eigenen T&auml;tigkeit der juristischen Person des &ouml;ffentlichen Rechts wird. Denn die Kl&auml;gerin wird dadurch nicht Teil der Verwaltungsorganisation (Burgi, in Erichsen\/Ehlers, Allgemeines Verwaltungsrecht, 12. Aufl. 2002, &sect; 54 Rz 32). Sie entscheidet eigenverantwortlich &uuml;ber den Ablauf der Abwasserbeseitigung und tr&auml;gt das wirtschaftliche Risiko ihrer T&auml;tigkeit. Die Kl&auml;gerin wird im Au&szlig;enverh&auml;ltnis nicht &ouml;ffentlich-rechtlich t&auml;tig, sondern schlie&szlig;t ihre Vertr&auml;ge auf der Grundlage des Privatrechts ab. Die Zurechnung des Verschuldens eines Erf&uuml;llungsgehilfen nach &sect; 278 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (analog) steht dem nicht entgegen. Diese Haftung ist blo&szlig; Ausfluss des Umstands, dass die Stadt gegen&uuml;ber dem B&uuml;rger als Adressat der Pflichtaufgabe gesetzlich f&uuml;r die Abwasserbeseitigung verantwortlich bleibt und insofern f&uuml;r das Verschulden Dritter einzustehen hat, derer sie sich zur Erf&uuml;llung der Beseitigungspflicht bedient.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Eine andere Beurteilung folgt schlie&szlig;lich nicht aus der von der Kl&auml;gerin angef&uuml;hrten Rechtsprechung des BFH zur Unmittelbarkeit der Nutzung eines Grundst&uuml;cks. Diese Rechtsprechung betraf Sachverhalte, bei denen die &ouml;ffentliche Hand die hoheitlichen Aufgaben im Wesentlichen selbst erf&uuml;llte und lediglich unentbehrliche Hilfsma&szlig;nahmen und Hilfsmittel, die bei isolierter Betrachtung nicht als hoheitliche Aufgaben anzusehen w&auml;ren (z.B. Betrieb einer Kantine, Schaffung von &Uuml;bernachtungsm&ouml;glichkeiten), von Dritten ausge&uuml;bt wurden (BFH-Urteile vom 15. M&auml;rz 1957 III 17\/57 S, BFHE 64, 492, BStBl III 1957, 183; vom 11. Oktober 1963 III 379\/60 U, BFHE 77, 686, BStBl III 1963, 571; in BFHE 92, 288, BStBl II 1968, 499; vom 27. August 2008 II R 27\/06, BFH\/NV 2008, 2056; Urteile des Reichsfinanzhofs vom 10. September 1940 III 96\/40, RStBl 1941, 5; vom 28. November 1940 III 196\/39, RStBl 1941, 12; vom 16. Oktober 1941 III 87\/41, RStBl 1941, 975; vgl. auch BFH-Urteil vom 16. Januar 1991 II R 149\/88, BFHE 163, 467, BStBl II 1991, 535 zur Steuerbefreiung des &sect; 4 Nr. 6 GrStG). Im Streitfall hat die Stadt jedoch die gesamte hoheitliche Aufgabenerf&uuml;llung auf die Kl&auml;gerin &uuml;bertragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Diese Auslegung des &sect; 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 GrStG ist verfassungsgem&auml;&szlig;. Die Nichtgew&auml;hrung der Steuerbefreiung nach der funktionalen Privatisierung ist sachlich gerechtfertigt und verst&ouml;&szlig;t daher nicht gegen den allgemeinen Gleichheitssatz (Art. 3 Abs. 1 GG). Die Befreiungsvorschrift entlastet die &ouml;ffentliche Hand bei der Durchf&uuml;hrung hoheitlicher Aufgaben vom Kostenfaktor &quot;Grundsteuer&quot;. Indem der Gesetzgeber die Steuerbefreiung zus&auml;tzlich an die Identit&auml;t von Grundst&uuml;ckseigent&uuml;mer und unmittelbar Nutzendem kn&uuml;pft, hat er sich offensichtlich davon leiten lassen, dass dieses Regelungsziel nur dann mit der erforderlichen Sicherheit erreicht wird, wenn der Grundst&uuml;ckseigent&uuml;mer (die &ouml;ffentliche Hand) das Grundst&uuml;ck unmittelbar selbst f&uuml;r die hoheitliche Aufgabe nutzt. Der Zusammenhang zwischen Aufgabe und Grundsteuerlast wird aber geschw&auml;cht, wenn die &ouml;ffentliche Hand die hoheitliche Aufgabe und insoweit auch die Kostenverantwortung auf Private &uuml;bertr&auml;gt (vgl. Begr&uuml;ndung zum Grundsteuergesetz vom 1. Dezember 1936, RStBl 1937, 717, 718 ff.: &quot;ungerechtfertigte Beg&uuml;nstigungen&quot;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.12.2009, II R 29\/08 Grundsteuerpflicht bei Ausf&uuml;hrung von Hoheitsaufgaben durch private Unternehmer &#8211; Funktionale Privatisierung &#8211; Keine Zurechnung hoheitlicher T&auml;tigkeit als &quot;Verwaltungshelfer&quot; &#8211; Erbbaurecht und belastetes Grundst&uuml;ck als zwei wirtschaftliche Einheiten &#8211; Rechtstr&auml;geridentit&auml;t Leits&auml;tze Grundbesitz der &ouml;ffentlichen Hand ist nicht nach &sect; 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 GrStG von der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-29-08-grundsteuerpflicht-bei-ausfuehrung-von-hoheitsaufgaben-durch-private-unternehmer-funktionale-privatisierung-keine-zurechnung-hoheitlicher-taetigkeit-als-verwaltungshelfer-erbbaurecht-und-be\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;29\/08 &#8211; Grundsteuerpflicht bei Ausf&uuml;hrung von Hoheitsaufgaben durch private Unternehmer &#8211; Funktionale Privatisierung &#8211; Keine Zurechnung hoheitlicher T&auml;tigkeit als &quot;Verwaltungshelfer&quot; &#8211; Erbbaurecht und belastetes Grundst&uuml;ck als zwei wirtschaftliche Einheiten &#8211; Rechtstr&auml;geridentit&auml;t<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-12787","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12787","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12787"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12787\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12787"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12787"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12787"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}