{"id":12814,"date":"2012-12-19T16:01:10","date_gmt":"2012-12-19T14:01:10","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12814"},"modified":"2012-12-19T16:01:10","modified_gmt":"2012-12-19T14:01:10","slug":"ix-r-13-09-zufluss-einer-abfindung-gestaltungsfreiheit-von-arbeitgeber-und-arbeitnehmer-verhaeltnis-von-betriebsvereinbarung-und-einzelvertraglicher-regelung-guenstigkeitsprinzip","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-13-09-zufluss-einer-abfindung-gestaltungsfreiheit-von-arbeitgeber-und-arbeitnehmer-verhaeltnis-von-betriebsvereinbarung-und-einzelvertraglicher-regelung-guenstigkeitsprinzip\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;13\/09 &#8211; Zufluss einer Abfindung &#8211; Gestaltungsfreiheit von Arbeitgeber und Arbeitnehmer &#8211; Verh&auml;ltnis von Betriebsvereinbarung und einzelvertraglicher Regelung &#8211; G&uuml;nstigkeitsprinzip"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.11.2009, IX R 13\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Zufluss einer Abfindung &#8211; Gestaltungsfreiheit von Arbeitgeber und Arbeitnehmer &#8211; Verh&auml;ltnis von Betriebsvereinbarung und einzelvertraglicher Regelung &#8211; G&uuml;nstigkeitsprinzip<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) war bis zum Streitjahr 2003 Angestellte der R GmbH. Ihr Arbeitsverh&auml;ltnis wurde vom Arbeitgeber mit Schreiben vom 5. Dezember 2002 mit Wirkung zum 31. Dezember 2003 auf der Grundlage einer am 14. November 2002 zwischen der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung der R GmbH und dem Betriebsrat des Werkes O abgeschlossenen Betriebsvereinbarung gek&uuml;ndigt. Diese Betriebsvereinbarung sah die Zahlung einer Abfindung im Fall der K&uuml;ndigung vor und enthielt hierzu u.a. folgende Regelung: &quot;Die Abfindungssumme wird zum Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverh&auml;ltnisses als Bruttoabfindung nach Ma&szlig;gabe der lohnsteuerrechtlichen Vorschriften steuerfrei gezahlt. Entstehende gesetzliche Abz&uuml;ge tr&auml;gt der Mitarbeiter.&quot; In sog. Trennungsgespr&auml;chen im Jahr 2003 vereinbarte der Arbeitgeber mit der Kl&auml;gerin eine Abfindung, deren Betrag h&ouml;her war als der nach der Betriebsvereinbarung ermittelte Betrag. Au&szlig;erdem wurde vereinbart, dass die Abfindung nicht im Dezember 2003, sondern im Januar 2004 ausgezahlt werde. Die Auszahlung der Abfindung erfolgte mit der Entgeltabrechnung f&uuml;r Januar 2004 zum Ende dieses Monats.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Februar 2004 gab die Kl&auml;gerin eine Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr ab, in der sie einen Bruttoarbeitslohn von &#8230; EUR erkl&auml;rte. Die Abfindungszahlung wurde dabei nicht ber&uuml;cksichtigt. Sie wurde nicht auf der Lohnsteuerkarte f&uuml;r das Streitjahr erfasst, sondern auf der Lohnsteuerkarte f&uuml;r das Jahr 2004. Im Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr setzte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) au&szlig;erordentliche Eink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin nach &sect; 34 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) in H&ouml;he von &#8230; EUR an. Die Abfindung sei im Dezember des Streitjahres steuerlich zugeflossen. Der Einspruch hiergegen hatte keinen Erfolg. Auf Nachfrage des FA teilte die R GmbH mit, u.a. die Kl&auml;gerin habe aufgrund abweichender F&auml;lligkeitsvereinbarungen erst sp&auml;ter Anspruch auf Auszahlung der Abfindung gehabt. Der Anspruch auf Zahlung der Abfindung sei mit Wirksamwerden der K&uuml;ndigung zum 31. Dezember 2003 entstanden; die Vereinbarung &uuml;ber die Zahlung im Januar 2004 sei vorher abgeschlossen worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) entschied, die streitbefangene Abfindung sei der Kl&auml;gerin nicht im Streitjahr, sondern erst im Jahr 2004 zugeflossen. Im Streitjahr habe lediglich ein Anspruch der Kl&auml;gerin auf Zahlung der Abfindung bestanden, der noch nicht erf&uuml;llt worden sei. Allein die einvernehmliche Verschiebung einer Zahlung in ein Folgejahr aus steuerlichen Gr&uuml;nden f&uuml;hre noch nicht zu einem Zufluss i.S. des &sect; 11 Abs. 1 Satz 1 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision des FA, mit der dieses die Verletzung von &sect; 11 EStG r&uuml;gt. Verz&ouml;gere der Gl&auml;ubiger die F&auml;lligkeit aus eigenem Interesse, w&auml;hrend der Schuldner leistungsbereit und -f&auml;hig sei, m&uuml;sse er sich so behandeln lassen, als sei ihm der Gegenstand der Forderung bereits zugeflossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt sinngem&auml;&szlig;,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Zutreffend hat das FG entschieden, dass die Abfindung der Kl&auml;gerin erst im Januar 2004 mit der Auszahlung zugeflossen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect; 11 Abs. 1 Satz 1 EStG sind Einnahmen innerhalb des Kalenderjahres bezogen, in dem sie dem Steuerpflichtigen zugeflossen sind. Nicht laufend gezahlter Arbeitslohn ist in dem Kalenderjahr bezogen, in dem er dem Arbeitnehmer zugeflossen ist. Arbeitgeber und Arbeitnehmer k&ouml;nnen den Zeitpunkt des Zuflusses einer Abfindung oder eines Teilbetrags einer solchen beim Arbeitnehmer gestalten, indem sie deren urspr&uuml;nglich vorgesehene F&auml;lligkeit vor ihrem Eintritt auf einen sp&auml;teren Zeitpunkt verschieben. Hinsichtlich der weiteren Begr&uuml;ndung nimmt der Senat zur Vermeidung von Wiederholungen Bezug auf das Urteil vom heutigen Tage in der Rechtssache IX R 1\/09, BFHE 227, 93.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Grunds&auml;tzen ist die Abfindung der Kl&auml;gerin nicht bereits im Streitjahr, sondern erst im Januar 2004 zugeflossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG ist zutreffend davon ausgegangen, dass durch das Hinausschieben der F&auml;lligkeit der Abfindungszahlung die Kl&auml;gerin nicht &uuml;ber diese selbst wirtschaftlich verf&uuml;gt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Abfindungsanspruch der Kl&auml;gerin ist beim Ausscheiden der Kl&auml;gerin aus ihrem Arbeitsvertrag zum Ablauf des 31. Dezember 2003 mit einer F&auml;lligkeitsbestimmung auf den Januar 2004 entstanden. Die Motivations- und Interessenlage der Vertragsparteien, die zu dieser Gestaltung des Abfindungsanspruchs vor seiner urspr&uuml;nglich vereinbarten F&auml;lligkeit gef&uuml;hrt hat, ist insoweit unerheblich. Damit wurde der Abfindungsbetrag im Streitjahr nicht f&auml;llig. Entsprechend konnte auch die Disposition &uuml;ber die F&auml;lligkeit nicht als Disposition &uuml;ber die Forderung als solche auszulegen sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem steht auch nicht eine etwaige Vorrangigkeit der F&auml;lligkeitsregelung in der Betriebsvereinbarung entgegen. Zwar gelten Betriebsvereinbarungen nach &sect; 77 Abs. 4 Satz 1 des Betriebsverfassungsgesetzes unmittelbar und zwingend. Jedoch gilt zwischen Betriebsvereinbarung und einzelvertraglicher Regelung grunds&auml;tzlich das G&uuml;nstigkeitsprinzip (vgl. Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 27. Januar 2004&nbsp;&nbsp;1 AZR 148\/03, BAGE 109, 244; Berg in Deubler\/Kittner\/Klebe, Betriebsverfassungsgesetz, 11. Aufl., &sect; 77 Rz 19, m.w.N.). Diese G&uuml;nstigkeit der einzelvertraglich vereinbarten F&auml;lligkeit ergibt sich im Streitfall aus der von der Kl&auml;gerin als Arbeitnehmerin intendierten g&uuml;nstigen steuerrechtlichen Auswirkung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.11.2009, IX R 13\/09 Zufluss einer Abfindung &#8211; Gestaltungsfreiheit von Arbeitgeber und Arbeitnehmer &#8211; Verh&auml;ltnis von Betriebsvereinbarung und einzelvertraglicher Regelung &#8211; G&uuml;nstigkeitsprinzip Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) war bis zum Streitjahr 2003 Angestellte der R GmbH. Ihr Arbeitsverh&auml;ltnis wurde vom Arbeitgeber mit Schreiben vom 5. 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