{"id":12819,"date":"2012-12-08T08:59:56","date_gmt":"2012-12-08T06:59:56","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12819"},"modified":"2012-12-08T08:59:56","modified_gmt":"2012-12-08T06:59:56","slug":"ii-r-15-09-bindung-des-fa-an-die-vom-gutachterausschuss-ermittelten-bodenrichtwerte-bei-der-grundstuecksbewertung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-15-09-bindung-des-fa-an-die-vom-gutachterausschuss-ermittelten-bodenrichtwerte-bei-der-grundstuecksbewertung\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;15\/09 &#8211; Bindung des FA an die vom Gutachterausschuss ermittelten Bodenrichtwerte bei der Grundst&uuml;cksbewertung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.12.2009, II R 15\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Bindung des FA an die vom Gutachterausschuss ermittelten Bodenrichtwerte bei der Grundst&uuml;cksbewertung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) und die Beigeladene sind Miterbinnen nach der im April 2005 verstorbenen Erblasserin. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) stellte den Grundbesitzwert eines zum Nachlass geh&ouml;renden, in X gelegenen, mit einem Einfamilienhaus bebauten und erschlie&szlig;ungsbeitragsfreien Grundst&uuml;cks gesondert und einheitlich auf 88.500 EUR fest und rechnete diesen Wert den Miterbinnen je zur H&auml;lfte zu. Es handelt sich dabei um den Wert f&uuml;r das fiktiv unbebaute Grundst&uuml;ck, da er den nach &sect; 145 Abs. 2 bis 5 des Bewertungsgesetzes in der seinerzeit geltenden Fassung (BewG) ermittelten Grundst&uuml;ckswert (43.470 EUR) &uuml;bersteigt und daher nach &sect; 146 Abs. 6 BewG anzusetzen ist. Das FA ermittelte den Wert von 88.500 EUR, indem es den vom Gutachterausschuss f&uuml;r erschlie&szlig;ungsbeitragspflichtiges Bauland auf den 1. Januar 1996 ermittelten Bodenrichtwert von 350 DM (178,95 EUR) je qm um 50 DM (25,56 EUR) je qm erh&ouml;hte und den sich daraus ergebenden Zwischenwert gem&auml;&szlig; &sect; 145 Abs. 3 Satz 1 BewG um 20 v.H. erm&auml;&szlig;igte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den Einspruch, mit dem sich die Kl&auml;gerin gegen diese Erh&ouml;hung des Bodenrichtwerts wandte, wies das FA mit der Begr&uuml;ndung zur&uuml;ck, der vom Gutachterausschuss ermittelte Bodenrichtwert f&uuml;r erschlie&szlig;ungsbeitragspflichtiges Bauland sei nach R 161 Abs. 6 Satz 6 der Erbschaftsteuer-Richtlinien (ErbStR) 2003 wegen der Erschlie&szlig;ungsbeitragsfreiheit des Grundst&uuml;cks um einen Zuschlag zu erh&ouml;hen, der nach den Vorgaben des Gutachterausschusses 50 DM je qm betrage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In dem gegen die Vornahme des Zuschlags gerichteten Klageverfahren f&uuml;hrte das FA aus, der Gutachterausschuss habe f&uuml;r erschlie&szlig;ungsbeitragsfreies Bauland f&uuml;r den Landkreis Y zum 1. Januar 1996 eine den Richtwerten f&uuml;r erschlie&szlig;ungsbeitragspflichtiges Bauland hinzuzurechnende Erschlie&szlig;ungskostenpauschale von 50 DM je qm festgelegt, allerdings nicht schriftlich. Das FA legte dazu ein vom Vorsitzenden des Gutachterausschusses unterzeichnetes Schreiben der Gesch&auml;ftsstelle des Gutachterausschusses beim Landratsamt Y vor, nach dem die zum Stichtag 31. Dezember 1995 festgesetzten Richtwerte die Erschlie&szlig;ungskosten nicht umfassen. Wenn das FA die Erschlie&szlig;ungskosten ben&ouml;tige, solle es diese bei den entsprechenden Gemeinden und St&auml;dten nachfragen. Das FA legte ferner ein Schreiben des Marktes X vor, nach dem die durchschnittlichen Erschlie&szlig;ungskosten zum 1. Januar 1996 f&uuml;r die Gemarkung Rt 65 DM je qm betragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem Finanzgericht (FG) vom 5. Juni 2008 erkl&auml;rte das FA nach einem Hinweis des Vorsitzenden, dass es an den Gutachterausschuss herantreten und eine schriftliche Festsetzung hinsichtlich der Erschlie&szlig;ungskosten f&uuml;r X zum 1. Januar 1996 nachfordern werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA legte daraufhin zwei vom Vorsitzenden des Gutachterausschusses unterzeichnete Schreiben der Gesch&auml;ftsstelle des Gutachterausschusses vor. Im ersten Schreiben wurde ausgef&uuml;hrt, die Richtwertfestsetzungen im Landkreis Y h&auml;tten sich bis zum Stichtag 31. Dezember 2000 regelm&auml;&szlig;ig auf den Wert f&uuml;r Bauland ohne Erschlie&szlig;ung bezogen. Seitdem w&uuml;rden Richtwerte inklusive Erschlie&szlig;ungskosten festgesetzt. Erschlie&szlig;ungskosten k&ouml;nnten in der Einzelauskunft bei den Gemeinden sehr lagegenau angegeben werden. Der so gefundene Wert sei nat&uuml;rlich kein Richtwert, basiere aber auf diesem sowie einer amtlichen Auskunft &uuml;ber die H&ouml;he der Erschlie&szlig;ungskosten und k&ouml;nne deshalb f&uuml;r Bewertungszwecke zuverl&auml;ssig herangezogen werden. Mit einem weiteren Schreiben wurde &quot;unverbindlich&quot; klargestellt, dass der vom Markt X angegebene Wert f&uuml;r die Erschlie&szlig;ungskosten von 65 DM je qm zum Stichtag 1. Januar 1996 f&uuml;r die Gemarkung X dem seinerzeit ohne Erschlie&szlig;ungskosten festgesetzten Bodenrichtwert hinzugerechnet werden k&ouml;nne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG gab der Klage durch das in Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 1278 ver&ouml;ffentlichte Urteil mit der Begr&uuml;ndung statt, die bindende Wirkung der von den Gutachteraussch&uuml;ssen auf den 1. Januar 1996 ermittelten und den Finanz&auml;mtern mitgeteilten Bodenrichtwerte stehe der Vornahme des Zuschlags f&uuml;r Erschlie&szlig;ungskosten entgegen. Die Schreiben der Gesch&auml;ftsstelle des Gutachterausschusses und des Marktes X k&ouml;nnten die Vornahme des Zuschlags nicht begr&uuml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA Verletzung des &sect; 145 Abs. 3 BewG. Es habe den Zuschlag zu Recht angesetzt. Dem stehe die fehlende Bereitschaft des Gutachterausschusses, den Bodenrichtwert f&uuml;r erschlie&szlig;ungsbeitragsfreie Grundst&uuml;cke selbst zu ermitteln, nicht entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beigeladene hat sich im Revisionsverfahren nicht ge&auml;u&szlig;ert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Recht angenommen, dass das FA zur Vornahme des Zuschlags nicht berechtigt war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Wert unbebauter Grundst&uuml;cke bestimmt sich nach &sect; 145 Abs. 3 Satz 1 und 2 i.V.m. &sect; 138 Abs. 4 BewG nach ihrer Fl&auml;che und den um 20 v.H. erm&auml;&szlig;igten Bodenrichtwerten, die die Gutachteraussch&uuml;sse auf den 1. Januar 1996 nach dem Baugesetzbuch in der beim Eintritt des Erbfalls geltenden Fassung (BauGB) ermittelt und den Finanz&auml;mtern mitgeteilt haben. Bei den Bodenrichtwerten handelt es sich nach &sect; 196 Abs. 1 Satz 1 BauGB um durchschnittliche Lagewerte f&uuml;r den Boden, die die Gutachteraussch&uuml;sse (&sect; 192 BauGB) aufgrund der Kaufpreissammlung (&sect; 193 Abs. 3, &sect; 195 BauGB) f&uuml;r jedes Gemeindegebiet unter Ber&uuml;cksichtigung des unterschiedlichen Entwicklungszustands zu ermitteln haben. Der Steuerpflichtige kann nach &sect; 145 Abs. 3 Satz 3 BewG einen niedrigeren gemeinen Wert nachweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wie sich aus dem in &sect; 145 Abs. 3 Satz 1 BewG verwendeten Ausdruck &quot;bestimmt sich&quot; ergibt, sind die f&uuml;r die Bewertung unbebauter Grundst&uuml;cke nach dieser Vorschrift ma&szlig;gebenden, um 20 v.H. zu erm&auml;&szlig;igenden Bodenrichtwerte, die die Gutachteraussch&uuml;sse nach &sect; 145 Abs. 3 Satz 2 BewG auf den 1. Januar 1996 ermittelt und den Finanz&auml;mtern mitgeteilt haben, f&uuml;r die Beteiligten im Steuerrechtsverh&auml;ltnis verbindlich und einer gerichtlichen &Uuml;berpr&uuml;fung regelm&auml;&szlig;ig nicht zug&auml;nglich. Die &Uuml;bertragung der Ermittlung der Bodenrichtwerte auf eine au&szlig;erhalb der Steuerverwaltung eingerichtete, mit dieser allerdings durch die in &sect; 192 Abs. 3 Satz 2 BauGB vorgeschriebene Mitwirkung eines Bediensteten der zust&auml;ndigen Finanzbeh&ouml;rde mit Erfahrung in der steuerlichen Bewertung von Grundst&uuml;cken als Gutachter bei der Ermittlung der Bodenrichtwerte personell verbundene Stelle beruht darauf, dass den Gutachteraussch&uuml;ssen aufgrund ihrer besonderen Sachkunde und Erfahrung (&sect; 192 Abs. 3 Satz 1 BauGB) und ihrer gr&ouml;&szlig;eren Ortsn&auml;he sowie der in hohem Ma&szlig;e von Beurteilungs- und Ermessenserw&auml;gungen abh&auml;ngigen Wertfindung eine vorgreifliche Kompetenz bei der Feststellung von Bodenrichtwerten f&uuml;r die Bedarfsbewertung zukommt. Der Gesetzgeber beabsichtigt mit dieser Regelung eine Typisierung (&sect; 138 Abs. 3 Satz 1 BewG) und Vereinfachung der Bedarfsbewertung (Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 11. Mai 2005 II R 21\/02, BFHE 210, 48, BStBl II 2005, 686, und vom 26. April 2006 II R 58\/04, BFHE 213, 207, BStBl II 2006, 793; st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. zuletzt BFH-Urteil vom 5. Dezember 2007 II R 70\/05, BFH\/NV 2008, 757).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit R 161 ErbStR 2003 &quot;Ableitungen&quot; des Bodenrichtwerts f&uuml;r die F&auml;lle zul&auml;sst, in denen die vom Gutachterausschuss erstellte Richtwertkarte typische Merkmale des Bodenrichtwertgrundst&uuml;cks bezeichnet oder entsprechend dem beitrags- und abgabenrechtlichen Zustand (erschlie&szlig;ungsbeitragspflichtig und erschlie&szlig;ungsbeitragsfrei) unterschiedliche Bodenrichtwerte nennt, entspricht dies insoweit der Intention des Gesetzgebers, als das FA in diesen F&auml;llen nicht selbst einen &quot;eigenen&quot; Bodenrichtwert ermittelt, sondern lediglich eine vom Gutachterausschuss vorgegebene Differenzierung beachtet (BFH-Urteile vom 18. August 2005 II R 62\/03, BFHE 210, 368, BStBl II 2006, 5, und in BFHE 213, 207, BStBl II 2006, 793). So ist es etwa zul&auml;ssig und geboten, den Bodenwert des zu bewertenden Grundst&uuml;cks entsprechend der zul&auml;ssigen Geschossfl&auml;chenzahl anzupassen, wenn diese nicht der vom Gutachterausschuss f&uuml;r das Bodenrichtwertgrundst&uuml;ck angegebenen entspricht (BFH-Urteile in BFHE 213, 207, BStBl II 2006, 793, und vom 12. Juli 2006 II R 1\/04, BFHE 213, 387, BStBl II 2006, 742).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&Uuml;ber die blo&szlig;e Beachtung der vom Gutachterausschuss vorgegebenen Differenzierungen hinaus d&uuml;rfen die Finanz&auml;mter keine &quot;eigenen&quot; Bodenrichtwerte aus den von den Gutachteraussch&uuml;ssen mitgeteilten Bodenrichtwerten ableiten. Bei einer solchen Ableitung w&uuml;rde es sich um eine Sch&auml;tzung handeln, die mit der gesetzlichen Verteilung der Zust&auml;ndigkeiten zwischen den Gutachteraussch&uuml;ssen und den Finanz&auml;mtern sowie mit der vom Gesetzgeber beabsichtigten Typisierung und Vereinfachung der Bedarfsbewertung nicht vereinbar w&auml;re. Ein solcher abgeleiteter Bodenrichtwert w&auml;re nicht der vom Gutachterausschuss nach dem BauGB ermittelte Bodenrichtwert i.S. des &sect; 145 Abs. 3 Satz 2 BewG, nach dem sich der Wert unbebauter Grundst&uuml;cke gem&auml;&szlig; &sect; 145 Abs. 3 Satz 1 BewG &quot;bestimmt&quot; (BFH-Urteil in BFHE 213, 207, BStBl II 2006, 793).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FA durfte danach den vom Gutachterausschuss auf den 1. Januar 1996 ermittelten und ihm mitgeteilten Bodenrichtwert f&uuml;r erschlie&szlig;ungsbeitragspflichtiges Bauland in X nicht um einen Zuschlag f&uuml;r Erschlie&szlig;ungskosten erh&ouml;hen. In der Bodenrichtwertkarte ist ein solcher Zuschlag f&uuml;r erschlie&szlig;ungsbeitragsfreie Grundst&uuml;cke nicht vorgesehen. Die erforderliche Unterscheidung zwischen erschlie&szlig;ungsbeitragspflichtigen und erschlie&szlig;ungsbeitragsfreien Grundst&uuml;cken in der Richtwertkarte kann nicht durch die Auskunft des Marktes X &uuml;ber die H&ouml;he der Erschlie&szlig;ungskosten oder die im finanzgerichtlichen Verfahren abgegebenen Stellungnahmen der Gesch&auml;ftsstelle des Gutachterausschusses ersetzt werden. Es spielt dabei keine Rolle, dass die vom FA vorgelegten Schreiben des Gutachterausschusses von dessen Vorsitzenden unterzeichnet waren. Die Ermittlung der Bodenrichtwerte ist n&auml;mlich dem Gutachterausschuss selbst vorbehalten. Die vom FA vorgetragenen m&uuml;ndlichen Absprachen gen&uuml;gen ebenfalls nicht, da nur schriftliche Mitteilungen des Gutachterausschusses die erforderliche Nachpr&uuml;fbarkeit gew&auml;hrleisten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dass der Gutachterausschuss nicht bereit war, Bodenrichtwerte f&uuml;r erschlie&szlig;ungsbeitragsfreies Bauland in X auf den 1. Januar 1996 zu ermitteln und dem FA mitzuteilen, geht zu Lasten des FA (BFH-Urteil in BFHE 213, 207, BStBl II 2006, 793, unter III.3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beruft sich demgegen&uuml;ber zu Unrecht auf R 161 Abs. 6 Satz 6 ErbStR 2003. Nach dieser Verwaltungsvorschrift ist eine Abweichung des tats&auml;chlichen Erschlie&szlig;ungszustands des zu bewertenden Grundst&uuml;cks von dem des Bodenrichtwertgrundst&uuml;cks bei der Ermittlung des Bodenwerts ggf. in Abstimmung mit dem Gutachterausschuss zu ber&uuml;cksichtigen. Abgesehen davon, dass es nicht auf den tats&auml;chlichen Erschlie&szlig;ungszustand des Grundst&uuml;cks, sondern auf das Bestehen oder Nichtbestehen einer Erschlie&szlig;ungsbeitragspflicht ankommt (BFH-Urteil in BFHE 210, 368, BStBl II 2006, 5), kann die &quot;Abstimmung mit dem Gutachterausschuss&quot; (vgl. dazu &sect; 196 Abs. 1 Satz 4 BauGB, und BFH-Urteile in BFHE 210, 368, BStBl II 2006, 5, unter II.2., und in BFHE 213, 207, BStBl II 2006, 793, unter III.3.) nicht durch blo&szlig;e Meinungs&auml;u&szlig;erungen der Gesch&auml;ftsstelle des Gutachterausschusses zu den von einer Gemeinde mitgeteilten Erschlie&szlig;ungskosten ersetzt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect; 135 Abs. 2 FGO. Die Erstattungsf&auml;higkeit etwaiger im Revisionsverfahren entstandener au&szlig;ergerichtlicher Kosten der Beigeladenen ist nicht gem&auml;&szlig; &sect; 139 Abs. 4 FGO anzuordnen, da sich die Beigeladene nicht ge&auml;u&szlig;ert hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.12.2009, II R 15\/09 Bindung des FA an die vom Gutachterausschuss ermittelten Bodenrichtwerte bei der Grundst&uuml;cksbewertung Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) und die Beigeladene sind Miterbinnen nach der im April 2005 verstorbenen Erblasserin. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) stellte den Grundbesitzwert eines zum Nachlass geh&ouml;renden, in X &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-15-09-bindung-des-fa-an-die-vom-gutachterausschuss-ermittelten-bodenrichtwerte-bei-der-grundstuecksbewertung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;15\/09 &#8211; Bindung des FA an die vom Gutachterausschuss ermittelten Bodenrichtwerte bei der Grundst&uuml;cksbewertung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-12819","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12819","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12819"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12819\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12819"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12819"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12819"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}