{"id":12879,"date":"2012-12-08T08:58:32","date_gmt":"2012-12-08T06:58:32","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12879"},"modified":"2012-12-08T08:58:32","modified_gmt":"2012-12-08T06:58:32","slug":"x-b-189-08-rechtliches-gehoer-und-antrag-auf-anhoerung-eines-sachverstaendigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-189-08-rechtliches-gehoer-und-antrag-auf-anhoerung-eines-sachverstaendigen\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;189\/08 &#8211; Rechtliches Geh&ouml;r und Antrag auf Anh&ouml;rung eines Sachverst&auml;ndigen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.12.2009, X B 189\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Rechtliches Geh&ouml;r und Antrag auf Anh&ouml;rung eines Sachverst&auml;ndigen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) und der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) streiten in der Sache u.a. dar&uuml;ber, ob im Streitjahr 2001 der fortgef&uuml;hrte Buchwert f&uuml;r ein zum Anlageverm&ouml;gen des Kl&auml;gers geh&ouml;rendes Grundst&uuml;ck gem&auml;&szlig; &sect; 6 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes aufgrund eines niedrigeren Teilwerts zu berichtigen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat am 22. August 2007 beschlossen, durch Einholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens &uuml;ber den Verkehrswert des Grundst&uuml;cks Beweis zu erheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Sachverst&auml;ndige hat sein Gutachten schriftlich erstattet. Hiergegen hat der Kl&auml;ger in einem Schriftsatz unter dem 27. Februar 2008 zahlreiche Einw&auml;nde vorgetragen. Der Sachverst&auml;ndige hat mit Schriftsatz unter dem 17. April 2008 eine erg&auml;nzende Stellungnahme abgegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf Nachfrage des Berichterstatters vom 7. Mai 2008 erkl&auml;rte der Kl&auml;ger mit Schriftsatz unter dem 29. Mai 2008, er halte eine Anh&ouml;rung des Gutachters im Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung f&uuml;r erforderlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Sachverst&auml;ndige wurde zur m&uuml;ndlichen Verhandlung am 16. Juli 2008 geladen und dessen pers&ouml;nliches Erscheinen angeordnet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wegen einer Erkrankung des Sachverst&auml;ndigen wurde dessen Ladung sp&auml;ter aufgehoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung am 16. Juli 2008 beantragte der Kl&auml;ger ausweislich der Sitzungsniederschrift erneut, den Sachverst&auml;ndigen anzuh&ouml;ren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG entschied in der Sache, ohne zu vertagen. Es gab der Klage in geringem Umfang statt und wies sie im &Uuml;brigen als unbegr&uuml;ndet ab. In den Entscheidungsgr&uuml;nden des angefochtenen Urteils f&uuml;hrte das FG aus, der Sachverst&auml;ndige sei nicht anzuh&ouml;ren gewesen. Es hat sich hierbei auf den Beschluss des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 27. Mai 1998 V B 21\/98 (BFH\/NV 1998, 1505) gest&uuml;tzt. Der Antrag, den Sachverst&auml;ndigen anzuh&ouml;ren, sei versp&auml;tet gestellt worden, da der Kl&auml;ger die Fragen, die er an den Sachverst&auml;ndigen habe richten wollen, nicht vorab formuliert habe. Hierzu habe Anlass bestanden, weil der Sachverst&auml;ndige bereits eine erg&auml;nzende schriftliche Stellungnahme abgegeben und sich zu den Argumenten des Kl&auml;gers eingehend ge&auml;u&szlig;ert habe. Der Kl&auml;ger habe seinen Antrag, den Sachverst&auml;ndigen anzuh&ouml;ren, auch nicht nochmals bekr&auml;ftigt, als er von dessen Abladung Kenntnis erhalten habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hat gegen das Urteil des FG Nichtzulassungsbeschwerde erhoben. Er macht neben anderen Zulassungsgr&uuml;nden geltend, das FG habe einen Verfahrensfehler begangen, indem es in der Sache entschieden habe, ohne seinem in der m&uuml;ndlichen Verhandlung wiederholten Antrag zu entsprechen, den Sachverst&auml;ndigen anzuh&ouml;ren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Mecklenburg-Vorpommern vom 16. Juli 2008&nbsp;&nbsp;3 K 477\/06 zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Beschwerde als unzul&auml;ssig zu verwerfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde hat Erfolg. Das angefochtene Urteil wird aufgehoben und der Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckverwiesen (&sect; 116 Abs. 6 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Dem FG ist ein Verfahrensfehler gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO unterlaufen. Es hat das Gebot, rechtliches Geh&ouml;r zu gew&auml;hren (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes), verletzt, indem es in der Sache entschieden hat, ohne dem Antrag des Kl&auml;gers nachzugehen, den Sachverst&auml;ndigen in der m&uuml;ndlichen Verhandlung anzuh&ouml;ren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der vom Kl&auml;ger &#8211;gem&auml;&szlig; &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO&#8211; hinreichend dargelegte Verfahrensfehler liegt vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach der st&auml;ndigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; (vgl. z.B. Beschluss vom 14. Juli 2009 VIII ZR 295\/08, Neue Juristische Wochenschrift-Rechtsprechungs-Report Zivilrecht &#8211;NJW-RR&#8211; 2009, 1361, m.w.N.) ist dem Antrag einer Partei auf Ladung eines Sachverst&auml;ndigen zur Erl&auml;uterung seines schriftlichen Gutachtens grunds&auml;tzlich zu entsprechen. Dies gilt auch, wenn das Gericht das schriftliche Gutachten f&uuml;r &uuml;berzeugend h&auml;lt und selbst keinen weiteren Erl&auml;uterungsbedarf sieht. Ein Beteiligter hat nach den in der Rechtsprechung des BGH zur Gew&auml;hrleistung rechtlichen Geh&ouml;rs &sect;&sect; 397, 402 der Zivilprozessordnung (ZPO) entwickelten Grunds&auml;tzen einen Anspruch darauf, dem Sachverst&auml;ndigen die Fragen, die er zur Erl&auml;uterung der Sache f&uuml;r erforderlich h&auml;lt, zur m&uuml;ndlichen Beantwortung vorzulegen. Dies gilt auch, wenn der Sachverst&auml;ndige &#8211;wie im Streitfall&#8211; bereits eine erg&auml;nzende schriftliche Stellungnahme vorgelegt hat (vgl. z.B. BGH-Beschluss vom 10. Mai 2005 VI ZR 45\/04, Monatsschrift f&uuml;r Deutsches Recht 2005, 1308 mit Anmerkung M. St&uuml;rner, jurisPR-BGHZivilR 31\/2005, Anm. 6).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Beschr&auml;nkungen des Antragsrechts k&ouml;nnen sich allenfalls aus dem Gesichtspunkt des Rechtsmissbrauchs oder der Prozessverschleppung ergeben. Ein beabsichtigter Rechtsmissbrauch liegt insbesondere nicht vor, wenn der Antragsteller dem Gericht nicht vorab mitteilt, welche Fragen dem Sachverst&auml;ndigen gestellt werden sollen (vgl. BGH-Urteil vom 29. Oktober 2002 VI ZR 353\/01, NJW-RR 2003, 208). Es k&ouml;nne &#8211;so der BGH in NJW-RR 2003, 208&#8211; von der Partei, die einen Antrag auf Ladung des Sachverst&auml;ndigen stelle, nicht verlangt werden, die Fragen, die sie an den Sachverst&auml;ndigen zu richten beabsichtige, im Voraus konkret zu formulieren. Ausreichend sei, wenn sie allgemein angebe, in welcher Richtung sie durch ihre Fragen eine weitere Aufkl&auml;rung herbeizuf&uuml;hren w&uuml;nsche. Auch das Bundesverwaltungsgericht folgt den Grunds&auml;tzen der Rechtsprechung des BGH, wenn im verwaltungsgerichtlichen Verfahren rechtzeitig der Antrag gestellt wird, einen Sachverst&auml;ndigen anzuh&ouml;ren und diesem Antrag, &#8211;ohne dass vorab konkrete Fragen formuliert werden m&uuml;ssen,&#8211; entnommen werden kann, in welche Richtung eine weitere Aufkl&auml;rung herbeigef&uuml;hrt werden soll (vgl. z.B. Beschluss vom 26. November 1980&nbsp;&nbsp;6 B 16\/80, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1983, 78)<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Im finanzgerichtlichen Verfahren gelten die Regelungen der &sect;&sect; 397, 402 und 411 Abs. 3 ZPO gem&auml;&szlig; &sect;&sect; 82, 83 Satz 2 FGO und damit die vorstehenden in der Rechtsprechung entwickelten Grunds&auml;tze ebenfalls. Etwas anderes folgt nicht aus dem vom FG angef&uuml;hrten BFH-Beschluss in BFH\/NV 1998, 1505. Der BFH hat in diesem Beschluss in Einklang mit den dargelegten Rechtsprechungsgrunds&auml;tzen entschieden, dass ein erstmals in der m&uuml;ndlichen Verhandlung gestellter (versp&auml;teter oder missbr&auml;uchlicher) Anh&ouml;rungsantrag zur&uuml;ckgewiesen werden darf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Das FG h&auml;tte nach Ma&szlig;gabe der vorstehenden Grunds&auml;tze dem in der m&uuml;ndlichen Verhandlung wiederholten Antrag des Kl&auml;gers, den Sachverst&auml;ndigen anzuh&ouml;ren, nachgehen m&uuml;ssen. Die Gr&uuml;nde des FG, den Anh&ouml;rungsantrag abzulehnen, sind mit den in der Rechtsprechung anerkannten Vorgaben nicht vereinbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das FG behandelt den Antrag des Kl&auml;gers zu Unrecht wie einen versp&auml;teten Antrag. Diese Rechtsauffassung vermag der Senat angesichts des Verfahrensverlaufs nicht zu teilen. Es ist nicht ersichtlich, weshalb die allein auf eine krankheitsbedingte Verhinderung des Sachverst&auml;ndigen gest&uuml;tzte Abladung den Kl&auml;ger h&auml;tte veranlassen sollen, die &#8211;vom FG selbst zun&auml;chst bejahte&#8211; Notwendigkeit der Anh&ouml;rung zu verneinen. Das FG konnte von dem in der m&uuml;ndlichen Verhandlung wiederholten Anh&ouml;rungsantrag des Kl&auml;gers nicht &uuml;berrascht sein. Es musste vielmehr davon ausgehen, dass der Kl&auml;ger an seinem Antrag festhalten wollte, zumal er nach der Abladung des Sachverst&auml;ndigen durch nichts zu erkennen gegeben hatte, dass er die Anh&ouml;rung nunmehr f&uuml;r entbehrlich halten k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Auch das weitere Argument des FG, es sei vom Kl&auml;ger nicht konkretisiert worden, welche weitere Aufkl&auml;rung er nach der erg&auml;nzenden schriftlichen Stellungnahme des Sachverst&auml;ndigen noch habe betreiben wollen, rechtfertigt die Ablehnung des Anh&ouml;rungsantrags nicht. Es trifft zwar zu, dass der Kl&auml;ger keine weitere Erkl&auml;rung in diesem Sinne abgegeben hat. Nach dem Prozessverlauf und den schriftlich vorgetragenen Einwendungen des Kl&auml;gers gegen das Sachverst&auml;ndigengutachten lag es trotz der erg&auml;nzenden Gegen&auml;u&szlig;erung durch den Sachverst&auml;ndigen auf der Hand, dass der Kl&auml;ger seine bereits vorgebrachten und dem FG bekannten Einwendungen bei der Anh&ouml;rung vertiefen und den Sachverst&auml;ndigen damit pers&ouml;nlich konfrontieren wollte. Die vom FG im Streitfall aufgestellte Anforderung an einen zul&auml;ssigen Anh&ouml;rungsantrag, der Kl&auml;ger habe auf der Grundlage des erg&auml;nzenden Sachverst&auml;ndigengutachtens seinen Aufkl&auml;rungsbedarf nochmals darlegen m&uuml;ssen, missachtet den Grundsatz, dass einem Anh&ouml;rungsbegehren grunds&auml;tzlich auch dann zu entsprechen ist, wenn das Gericht selbst &#8211;wie im Streitfall&#8211; keinen Erl&auml;uterungsbedarf mehr sieht (vgl. hierzu oben unter II.1.a).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das angefochtene Urteil beruht auf dem Verfahrensfehler (vgl. &sect; 119 Nr. 3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Senat h&auml;lt es gem&auml;&szlig; &sect; 116 Abs. 6 FGO f&uuml;r ermessensgerecht, die Vorentscheidung aufzuheben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. &Uuml;ber die weiteren in der Beschwerdebegr&uuml;ndung vorgebrachten Zulassungsgr&uuml;nde ist nicht mehr zu entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.12.2009, X B 189\/08 Rechtliches Geh&ouml;r und Antrag auf Anh&ouml;rung eines Sachverst&auml;ndigen Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) und der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) streiten in der Sache u.a. dar&uuml;ber, ob im Streitjahr 2001 der fortgef&uuml;hrte Buchwert f&uuml;r ein zum Anlageverm&ouml;gen des Kl&auml;gers geh&ouml;rendes Grundst&uuml;ck gem&auml;&szlig; &sect; 6 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-189-08-rechtliches-gehoer-und-antrag-auf-anhoerung-eines-sachverstaendigen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;B&nbsp;189\/08 &#8211; Rechtliches Geh&ouml;r und Antrag auf Anh&ouml;rung eines Sachverst&auml;ndigen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-12879","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12879","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12879"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12879\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12879"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12879"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12879"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}