{"id":12887,"date":"2012-12-19T15:34:29","date_gmt":"2012-12-19T13:34:29","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12887"},"modified":"2012-12-19T15:34:29","modified_gmt":"2012-12-19T13:34:29","slug":"vii-r-48-08-keine-doppelte-energiesteuerentlastung-fuer-betreiber-von-bodenstromaggregaten-umsetzung-von-richtlinienvorschriften-in-nationales-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-48-08-keine-doppelte-energiesteuerentlastung-fuer-betreiber-von-bodenstromaggregaten-umsetzung-von-richtlinienvorschriften-in-nationales-recht\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;48\/08 &#8211; Keine doppelte Energiesteuerentlastung f&uuml;r Betreiber von Bodenstromaggregaten &#8211; Umsetzung von Richtlinienvorschriften in nationales Recht"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 1.12.2009, VII R 48\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine doppelte Energiesteuerentlastung f&uuml;r Betreiber von Bodenstromaggregaten &#8211; Umsetzung von Richtlinienvorschriften in nationales Recht<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Betreiber von Bodenstromaggregaten zur Bordstromversorgung von Flugzeugen k&ouml;nnen f&uuml;r das Kalenderjahr 2004 neben der nach &sect; 9 Abs. 1 Nr. 3 StromStG zu gew&auml;hrenden Steuerbefreiung f&uuml;r den erzeugten Strom nicht zus&auml;tzlich eine Verg&uuml;tung der auf dem zur Stromerzeugung eingesetzten Gas&ouml;l lastenden Energiesteuer beanspruchen .<\/p>\n<p>2. Einem unmittelbar aus Art. 14 Abs. 1 Buchst. a EnergieStRL abzuleitenden Anspruch auf Befreiung der bei der Stromerzeugung verwendeten Energieerzeugnisse von der Energiesteuer steht die Regelung in Art. 21 Abs. 5 Unterabs. 3 EnergieStRL entgegen, die der deutsche Gesetzgeber in einer f&uuml;r die betroffenen Verwender erkennbaren Weise in nationales Recht umgesetzt hat.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist Betreiberin eines Flughafens. Zur Bordstromversorgung von Flugzeugen setzt sie Bodenstromaggregate ein, mit denen unter Verwendung von Gas&ouml;l der Pos. 2710 der Kombinierten Nomenklatur (KN) Strom erzeugt wird. Die Nennleistung dieser Aggregate betr&auml;gt weniger als zwei Megawatt. Den auf Art. 14 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 2003\/96\/EG (EnergieStRL) des Rates vom 27. Oktober 2003 zur Restrukturierung der gemeinschaftlichen Rahmenvorschriften zur Besteuerung von Energieerzeugnissen und elektrischem Strom (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union Nr. L 283\/51) gest&uuml;tzten Antrag, f&uuml;r das Kalenderjahr 2004 die im Kaufpreis f&uuml;r das Gas&ouml;l enthaltene Mineral&ouml;lsteuer zu verg&uuml;ten, lehnte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) ab. Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) setzte zun&auml;chst das Verfahren aus und richtete an den Gerichtshof der Europ&auml;ischen Gemeinschaften (EuGH) ein Vorabentscheidungsersuchen zu der Frage, ob Art. 14 Abs. 1 Buchst. a EnergieStRL dahin auszulegen sei, dass sich ein Unternehmen, das versteuertes Gas&ouml;l der Pos. 2710 KN zur Stromerzeugung verwendet und einen Verg&uuml;tungsantrag gestellt hat, unmittelbar auf diese Bestimmung berufen k&ouml;nne. Mit Urteil vom 17. Juli 2008 C-226\/07 (Slg. 2008, I-5999) beantwortete der EuGH die Vorlagefrage dahingehend, dass Art. 14 Abs. 1 Buchst. a EnergieStRL unmittelbare Wirkung entfalte, so dass sich ein Einzelner vor den nationalen Gerichten f&uuml;r einen Zeitraum, in dem der betreffende Mitgliedstaat diese Richtlinie nicht fristgerecht in sein innerstaatliches Recht umgesetzt habe, unmittelbar auf diese Bestimmung berufen k&ouml;nne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Daraufhin urteilte das FG, dass sich aus Art. 14 Abs. 1 Buchst. a EnergieStRL zwar ein unmittelbarer Verg&uuml;tungsanspruch ergebe, aber im Streitfall dem Begehren der Kl&auml;gerin Art. 21 Abs. 5 Unterabs. 3 Satz 2 EnergieStRL entgegenstehe. Danach k&ouml;nnten die Mitgliedstaaten kleine Stromerzeuger von der Steuer befreien, sofern sie die zur Stromerzeugung verwendeten Energieerzeugnisse besteuerten. Von dieser M&ouml;glichkeit habe Deutschland im Streitjahr durch die in &sect; 9 Abs. 1 Nr. 3 des Stromsteuergesetzes (StromStG) f&uuml;r kleine Stromerzeuger angeordnete Steuerbefreiung Gebrauch gemacht. Infolgedessen komme eine energiesteuerrechtliche Entlastung des zur Stromerzeugung eingesetzten Gas&ouml;ls nicht in Betracht. Diesem Ergebnis stehe nicht entgegen, dass der Gesetzgeber die EnergieStRL erst mit Wirkung vom 1. August 2006 umgesetzt habe. Denn hinsichtlich der Regelung in Art. 21 Abs. 5 Unterabs. 3 Satz 2 EnergieStRL habe es einen Umsetzungsbedarf nicht gegeben. Im Streitfall habe daher bis zur ordnungsgem&auml;&szlig;en Umsetzung der gemeinschaftsrechtlichen Vorgaben keine Rechtsunsicherheit bestanden. Ein Verg&uuml;tungsanspruch k&ouml;nne auch nicht aus dem Umstand abgeleitet werden, dass im Streitjahr der Steuerentlastung nach &sect; 9 Abs. 1 Nr. 3 StromStG im Vergleich zur Rechtslage nach Inkrafttreten des Energiesteuergesetzes (EnergieStG) eine wesentlich h&ouml;here Steuerbelastung der zur Stromerzeugung eingesetzten Energieerzeugnisse gegen&uuml;berstand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision beanstandet die Kl&auml;gerin, das FG habe das Urteil des EuGH ignoriert und den ihr zustehenden Verg&uuml;tungsanspruch zu Unrecht nicht gew&auml;hrt. Unzutreffend gehe das FG davon aus, dass dem Verg&uuml;tungsanspruch Art. 21 Abs. 5 Unterabs. 3 Satz 2 EnergieStRL entgegenstehe. Nach der Rechtsprechung des EuGH k&ouml;nne sich ein Mitgliedstaat nicht zu Lasten eines B&uuml;rgers auf eine Richtlinienbestimmung berufen. Insoweit sei eine unmittelbare Wirkung dieser Regelung &#8211;selbst unter Ber&uuml;cksichtigung ihres Sinns und Zwecks&#8211; ausgeschlossen. Fehl gehe die Annahme, dass es im Streitjahr in Bezug auf Art. 14 Abs. 1 Buchst. a EnergieStRL keines Umsetzungsakts bedurft habe. Ein Mitgliedstaat, der es vers&auml;umt habe, einen Gemeinschaftsrechtsakt fristgerecht umzusetzen, k&ouml;nne sich seiner Umsetzungspflicht nicht dadurch entziehen, dass er auf eine in der Richtlinie angelegte M&ouml;glichkeit zur Begrenzung der Steuerbeg&uuml;nstigung verweise. Schlie&szlig;lich sei es weder unbillig noch unangemessen, wenn es bis zum 1. August 2006 zu einer doppelten Beg&uuml;nstigung kleiner Stromerzeuger komme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, unter Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils das HZA zu verpflichten, die beantragte Verg&uuml;tung zu gew&auml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das HZA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Wesentlichen schlie&szlig;t es sich der Argumentation des FG an. Die Umsetzung einer Richtlinie k&ouml;nne dadurch erfolgen, dass das geltende Recht bereits den Vorgaben des Gemeinschaftsrechts entspreche. In diesem Fall bed&uuml;rfe es keines f&ouml;rmlichen Umsetzungsakts. Von der Frage der Umsetzung sei die Frage zu trennen, in welchem Ma&szlig; der Gesetzgeber die ihm einger&auml;umte M&ouml;glichkeit zur Gew&auml;hrung einer Steuerbeg&uuml;nstigung aussch&ouml;pfe. Im Streitfall erweise sich die Besteuerung der bei der Stromerzeugung eingesetzten Energieerzeugnisse, also des Inputs, vor dem Hintergrund der EnergieStRL als sachgerecht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das Urteil des FG entspricht dem Bundesrecht (&sect; 118 Abs. 1 FGO). Der Kl&auml;gerin steht kein Anspruch auf Verg&uuml;tung der im Streitjahr im Kaufpreis f&uuml;r das zur Stromerzeugung verwendete Gas&ouml;l enthaltenen Mineral&ouml;lsteuer zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach Art. 14 Abs. 1 Buchst. a EnergieStRL sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, die bei der Stromerzeugung verwendeten Energieerzeugnisse von der Energiesteuer zu befreien. Es steht den Mitgliedstaaten jedoch frei, diese Erzeugnisse aus umweltpolitischen Gr&uuml;nden der Besteuerung zu unterwerfen, wobei die im Anhang I der EnergieStRL festgelegten Mindeststeuers&auml;tze nicht eingehalten werden m&uuml;ssen. Ferner k&ouml;nnen die Mitgliedstaaten Vorschriften zur Sicherstellung der korrekten und einfachen Anwendung der Steuerbefreiung und zur Verhinderung von Steuerhinterziehung und -vermeidung oder Missbrauch erlassen. Gem&auml;&szlig; Art. 28 Abs. 1 EnergieStRL waren die Mitgliedstaaten verpflichtet, die zur Umsetzung der EnergieStRL erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften bis sp&auml;testens 31. Dezember 2003 zu erlassen und dies der Europ&auml;ischen Kommission mitzuteilen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wie der EuGH entschieden hat, entfaltet Art. 14 Abs. 1 Buchst. a EnergieStRL in Bezug auf die danach zu gew&auml;hrende Steuerbefreiung unmittelbare Wirkung, so dass sich ein Einzelner zur Erwirkung einer Steuererstattung vor den nationalen Gerichten f&uuml;r den Zeitraum, in dem der betreffende Mitgliedstaat die Richtlinie nicht fristgerecht in sein innerstaatliches Recht umgesetzt hat, unmittelbar auf diese Bestimmung berufen kann. Grunds&auml;tzlich ergibt sich damit aus Art. 14 Abs. 1 Buchst. a EnergieStRL ein unmittelbarer Anspruch auf Entsteuerung des zur Stromerzeugung eingesetzten Energieerzeugnisses.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zu beachten ist allerdings, dass Art. 21 Abs. 5 Unterabs. 3 EnergieStRL die f&uuml;r kleine Stromerzeuger vorgesehene Steuerbefreiung davon abh&auml;ngig macht, dass die zur Erzeugung des Stroms eingesetzten Energieerzeugnisse besteuert werden. Dies gilt unbeschadet des Art. 14 Abs. 1 Buchst. a EnergieStRL. Mit dem Begriff &quot;unbeschadet&quot; wird zum Ausdruck gebracht, dass der allgemeine Befreiungstatbestand des Art. 14 Abs. 1 Buchst. a EnergieStRL durch die speziellere Regelung des Art. 21 Abs. 5 Unterabs. 3 EnergieStRL verdr&auml;ngt wird. Zu einer doppelten Steuerentlastung, die im Widerspruch zu den Zielen des Gemeinschaftsrechtsakts st&uuml;nde, soll es nicht kommen. Macht ein Mitgliedstaat von der M&ouml;glichkeit Gebrauch, kleine Stromerzeuger von der Energiesteuer zu befreien, hat er daf&uuml;r Sorge zu tragen, dass unter Beachtung der Mindeststeuerbetr&auml;ge eine Input-Besteuerung erfolgt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im Streitfall steht dem von der Kl&auml;gerin erhobenen Verg&uuml;tungsanspruch der Umstand entgegen, dass kleine Stromerzeuger im Streitjahr eine Rechtslage vorgefunden haben, nach der Art. 21 Abs. 5 Unterabs. 3 Satz 2 EnergieStRL als ordnungsgem&auml;&szlig; umgesetzt zu gelten hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Es trifft zwar zu, dass die Bundesrepublik Deutschland, wie der EuGH in seinem Urteil in Slg. 2008, I-5999 ausgef&uuml;hrt hat, nach Ablauf der in Art. 28 Abs. 1 EnergieStRL festgelegten Frist keine spezifischen innerstaatlichen Ma&szlig;nahmen zur Umsetzung der Richtlinie in deutsches Recht getroffen hat. Tats&auml;chlich wurde ein Verbrauchsteuergesetz zur Umsetzung der gemeinschaftsrechtlichen Vorgaben erst am 15. Juli 2006 erlassen. Das Gesetz zur Neuregelung der Besteuerung von Energieerzeugnissen und zur &Auml;nderung des Stromsteuergesetzes (BGBl I, 1534) ist am 1. August 2006 in Kraft getreten. Jedoch geht es im Streitfall nicht um die ordnungsgem&auml;&szlig;e Umsetzung eines Gemeinschaftsrechtsakts im Ganzen. Vielmehr ist allein streiterheblich, ob im Streitjahr in Deutschland hinsichtlich der Besteuerung zur Stromerzeugung in Kleinanlagen verwendete Energieerzeugnisse eine richtlinienkonforme Rechtslage bestand und der Steuerpflichtige dies klar erkennen konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Bis zum Inkrafttreten des EnergieStG sah das Mineral&ouml;lsteuergesetz (Min&ouml;StG 1993) keine Steuerbefreiung f&uuml;r das zur Stromerzeugung verwendete Gas&ouml;l der Pos. 2710 KN vor. Vielmehr wurde das zur Verstromung eingesetzte Energieerzeugnis je nach seinem Schwefelgehalt mit 485,70 EUR bzw. 470,40 EUR je 1000 Liter besteuert. Dies ergab sich ohne weiteres aus den mineral&ouml;lsteuerrechtlichen Bestimmungen, denen ein entsprechender Befreiungstatbestand nicht zu entnehmen war. Allerdings kam die Kl&auml;gerin als Kleinerzeuger von Strom &#8211;auch ohne f&ouml;rmliche Einzelerlaubnis&#8211; in den Genuss der in &sect; 9 Abs. 1 Nr. 3 StromStG vorgesehenen Steuerbefreiung f&uuml;r Strom, der in Anlagen mit einer Nennleistung von bis zu zwei Megawatt erzeugt wird. Aus einer Zusammenschau dieser gesetzlichen Regelungen war ohne weiteres eine Rechtslage erkennbar, die Art. 21 Abs. 5 Unterabs. 3 EnergieStRL entsprach.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des EuGH erfordert die Umsetzung einer Richtlinie nicht, dass die Richtlinienbestimmungen f&ouml;rmlich und wortgetreu in einer ausdr&uuml;cklichen besonderen Gesetzesvorschrift wiedergegeben werden (EuGH-Urteil vom 17. Oktober 1991 C-58\/89, Slg. 1991, I-4983, m.w.N.). Erforderlich ist jedoch, dass sich die Richtlinienvorschriften in den nationalen Bestimmungen so genau und eindeutig wiederfinden, dass dem Erfordernis der Rechtssicherheit in vollem Umfang Gen&uuml;ge getan wird (EuGH-Urteil vom 28. Februar 1991 C-131\/88, Slg. 1991, I-825). Enth&auml;lt das nationale Recht bereits Bestimmungen, die der umzusetzenden Richtlinie entsprechen, bedarf es insoweit keines f&ouml;rmlichen Umsetzungsakts mehr. Der Erlass neuer Rechtsvorschriften ist dann nicht erforderlich i.S. des Art. 28 Abs. 1 EnergieStRL, so dass das dort vorgegebene Verfahren entbehrlich ist. Nach Auffassung des Senats ist dem Gebot der Rechtssicherheit dadurch Gen&uuml;ge getan, dass die betroffenen Wirtschaftsteilnehmer durch einfache Lekt&uuml;re der nationalen Energiesteuervorschriften (StromStG und Min&ouml;StG 1993) ohne unzumutbare Anstrengungen sowohl die Voraussetzungen der Stromsteuerbefreiung f&uuml;r Kleinerzeuger als auch den Ausschluss einer Mineral&ouml;lsteuerbefreiung f&uuml;r die bei der Stromerzeugung eingesetzten Energieerzeugnisse h&auml;tten erkennen k&ouml;nnen. Dabei ist zu ber&uuml;cksichtigen, dass es sich bei dem Adressatenkreis dieser Regelungen nicht um private Verbraucher, sondern um gewerbliche Betreiber ortsfester Anlagen zur Stromerzeugung handelt, die am Markt operieren und gesch&auml;ftserfahren sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Auch aus dem Umstand, dass die Kl&auml;gerin im Streitjahr mit einer h&ouml;heren Abgabe belastet wurde, als dies bei einer ordnungsgem&auml;&szlig;en Umsetzung der Richtlinie als Ganzes unter Aussch&ouml;pfung der durch sie er&ouml;ffneten Gestaltungsfreir&auml;ume der Fall gewesen w&auml;re, l&auml;sst sich der begehrte Verg&uuml;tungsanspruch &#8211;evtl. gek&uuml;rzt um eine fiktiv anzunehmende Stromsteuerbelastung&#8211; nicht ableiten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vor dem Inkrafttreten des EnergieStG betrug die Steuerbelastung des zur Verstromung eingesetzten Gas&ouml;ls 470,40 EUR bzw. 485,70 EUR je 1000 Liter. Demgegen&uuml;ber wurde der Steuersatz im Zuge der Umsetzung der EnergieStRL mit Wirkung zum 1. August 2006 in erheblichem Ma&szlig; auf 61,35 EUR herabgesetzt (&sect; 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i.V.m. &sect; 2 Abs. 3 Satz 1 EnergieStG). Zwischen der im Vergleich zur sp&auml;teren Rechtslage deutlich h&ouml;heren Mineral&ouml;lsteuerbelastung im Streitjahr und der versp&auml;teten Umsetzung der EnergieStRL k&ouml;nnte daher ein innerer Zusammenhang bestehen, der die Vermutung rechtfertigt, dass Kleinerzeuger von Strom bei fristgerechter Umsetzung der EnergieStRL ab dem 1. Januar 2004 mit einer deutlichen Mineral&ouml;lsteuersenkung h&auml;tten rechnen k&ouml;nnen. Ob und in welcher H&ouml;he der Gesetzgeber eine Absenkung des Gas&ouml;lsteuersatzes tats&auml;chlich mit Wirkung zum 1. Januar 2004 vorgenommen h&auml;tte, bleibt jedoch ungewiss. Dabei ist zu ber&uuml;cksichtigen, dass Art. 21 Abs. 5 Unterabs. 3 Satz 2 EnergieStRL den Mitgliedstaaten die H&ouml;he der vorzunehmenden Input-Besteuerung nicht vorschreibt. Aus dem Fehlen eines ausdr&uuml;cklichen Hinweises, dass die in der EnergieStRL vorgesehenen Mindeststeuerbetr&auml;ge nicht eingehalten werden m&uuml;ssen, l&auml;sst sich lediglich schlie&szlig;en, dass die Mitgliedstaaten die Mindeststeuerbetr&auml;ge zu beachten haben. F&uuml;r das zu Heizzwecken verwendete Gas&ouml;l der Pos. 2710 KN ist in Anhang I Tabelle C EnergieStRL ein Mindeststeuerbetrag von 21 EUR je 1000 Liter vorgesehen. Mit einem Steuersatz von 61,35 EUR je 1000 Liter gekennzeichnetes Gas&ouml;l liegt Deutschland erheblich &uuml;ber diesem Wert. Dem Gesetzgeber h&auml;tte sich daher nach oben oder nach unten ein erheblicher Spielraum bei der Ausgestaltung der Input-Besteuerung er&ouml;ffnet. Auch h&auml;tte er von einer Stromsteuerbefreiung ganz absehen k&ouml;nnen. Da sich das Verh&auml;ltnis zwischen der Stromsteuerbeg&uuml;nstigung einerseits und der Mineral&ouml;lsteuerbelastung andererseits bei einer ex-post Betrachtung nicht zuverl&auml;ssig bestimmen l&auml;sst, l&auml;sst sich allein aus dem Umstand, dass der Gesetzgeber von der M&ouml;glichkeit des Art. 21 Abs. 5 Unterabs. 3 Satz 2 EnergieStRL zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt mit erheblich niedrigeren Steuers&auml;tzen Gebrauch gemacht hat, der von der Kl&auml;gerin begehrte Verg&uuml;tungsanspruch nicht st&uuml;tzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Nach alledem kann der Kl&auml;gerin die begehrte Mineral&ouml;lsteuerentlastung nicht gew&auml;hrt werden. Eine solche st&uuml;nde auch im Widerspruch zu den Zielen des Gemeinschaftsrechts, das im Regelfall bei der Stromerzeugung eine Output-Besteuerung vorschreibt. Nur bei Kleinanlagen kann unter der Bedingung einer Input-Besteuerung eine Befreiung von der Stromsteuer erfolgen. Mit den getroffenen Regelungen wollte der Gemeinschaftsgesetzgeber erkennbar einer doppelten Steuerentlastung entgegenwirken. Die Revision war daher als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat h&auml;lt die von ihm vorgenommene Auslegung des einschl&auml;gigen Gemeinschaftsrechts auf Grund der Rechtsprechung des EuGH f&uuml;r eindeutig. Ein Anlass zur Einholung einer Vorabentscheidung des EuGH besteht demnach nicht (vgl. EuGH-Urteil vom 6. Oktober 1982&nbsp;&nbsp;283\/81 &#8211;C.I.L.F.I.T.-, Slg. 1982, 3415, Rz 16).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 1.12.2009, VII R 48\/08 Keine doppelte Energiesteuerentlastung f&uuml;r Betreiber von Bodenstromaggregaten &#8211; Umsetzung von Richtlinienvorschriften in nationales Recht Leits&auml;tze 1. 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