{"id":12898,"date":"2012-12-19T15:44:21","date_gmt":"2012-12-19T13:44:21","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12898"},"modified":"2012-12-19T15:44:21","modified_gmt":"2012-12-19T13:44:21","slug":"ii-r-46-07-ersatzerbschaftsteuer-bei-familienstiftung-beurteilung-einer-stiftung-als-familienstiftung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-46-07-ersatzerbschaftsteuer-bei-familienstiftung-beurteilung-einer-stiftung-als-familienstiftung\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;46\/07 &#8211; Ersatzerbschaftsteuer bei Familienstiftung &#8211; Beurteilung einer Stiftung als Familienstiftung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 18.11.2009, II R 46\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Ersatzerbschaftsteuer bei Familienstiftung &#8211; Beurteilung einer Stiftung als Familienstiftung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist eine rechtsf&auml;hige Stiftung des b&uuml;rgerlichen Rechts, die am 12. Juni 1968 mit Sitz in A (Deutschland) von einem Unternehmer (Stifter) errichtet wurde. Vorstand der Kl&auml;gerin waren der Stifter und nach seinem Tod im Jahre 1989 seine zweite Ehefrau. Die Aufsichtsbeh&ouml;rde sah die Kl&auml;gerin als Familienstiftung an und &uuml;bte daher nur eine eingeschr&auml;nkte Stiftungsaufsicht aus. Die Kl&auml;gerin bezeichnete sich in ihren Satzungen bis 1983 selbst als &quot;Familienstiftung&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die mehrmals ge&auml;nderte Satzung benannte als Stiftungszweck die Unterst&uuml;tzung des Stifters und seiner Ehefrau sowie ihres Sohnes (jeweils &sect; 2 Abs. 1 der Satzung). Nach dem Tod der Ehefrau im Jahre 1981 und der Wiederverheiratung des Stifters bestimmte die Satzung ihn, seine zweite Ehefrau, seine Adoptivtochter sowie den Sohn seiner ersten Ehefrau zu Destinat&auml;ren. Die Kl&auml;gerin gew&auml;hrte den Destinat&auml;ren bis an deren Lebensende Anspr&uuml;che auf monatliche Geldzahlungen, soweit deren Eink&uuml;nfte einen bestimmten Betrag unterschritten. Die n&auml;heren Voraussetzungen f&uuml;r die Zahlungen wurden bei jeder Satzungs&auml;nderung modifiziert, insbesondere die Betr&auml;ge regelm&auml;&szlig;ig angehoben und zum Teil nachtr&auml;glich dynamisch an die Beamtenbesoldung gekoppelt. Da die anderweitigen Eink&uuml;nfte der Destinat&auml;re &#8211;seit 1986 auch durch Zahlungen der ebenfalls vom Stifter errichteten B-Stiftung&#8211; nie hinter diesen Grenzbetr&auml;gen zur&uuml;ckblieben, leistete die Kl&auml;gerin seit ihrer Errichtung keine Zahlungen an die Destinat&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Seit 1986 erlaubte die Satzung unter Ber&uuml;cksichtigung von Aussch&uuml;ttungen an die Destinat&auml;re Spenden an gemeinn&uuml;tzige Einrichtungen (&sect; 2 Abs. 6 der Satzung vom 10. Oktober 1986), die auch tats&auml;chlich get&auml;tigt wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem die Kl&auml;gerin zun&auml;chst am 9. Juli 1968 mit einem Barverm&ouml;gen von 300.000 DM ausgestattet worden war, geh&ouml;rten ihr seit 1968 auch Unternehmensbeteiligungen. Am 9. Juli 1998 war sie zu 95 v.H. an der X-Verwaltungs-GmbH (Komplement&auml;r-GmbH) beteiligt, die einzige Komplement&auml;rin der Y-GmbH &#038; Co. KG (Holding-KG) war. Zugleich war die Kl&auml;gerin zu 80 v.H. Kommanditistin der Holding-KG. Die Holding-KG stand an der Spitze der verschiedenen Unternehmen der Unternehmensgruppe. Die Satzung vom 10. Oktober 1986 bezeichnete die &quot;finanzielle Sicherung der Unternehmensgruppe&quot; als &quot;besonderes Anliegen des Stifters, solange die Stiftung an der Unternehmensgruppe mit insgesamt mehr als 51 % beteiligt ist&quot; (&sect; 3 Abs. 2 der Satzung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin konnte mit Beschluss des Vorstands aufgel&ouml;st werden (&sect; 9 der Satzungen von 1968 und 1969, seit dem 31. Dezember 1977 &sect; 12 der Satzung). Die Satzungen von 1968 und 1969 lie&szlig;en die Aufl&ouml;sung nur zu, wenn die Verm&ouml;gensanlage u.a. bei der Unternehmensgruppe nicht mehr m&ouml;glich war. Die Satzungen ab 1977 sprachen die Voraussetzungen einer Aufl&ouml;sung nicht mehr an. Anfallsberechtigt waren gemeinn&uuml;tzige Unternehmen, die in den Satzungen von 1968 und 1969 namentlich benannt waren und deren Auswahl in sp&auml;teren Satzungen dem Vorstand vorbehalten war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) sah die Kl&auml;gerin als Familienstiftung an und setzte gegen sie zuletzt mit Bescheid vom 8. Dezember 2003 Ersatzerbschaftsteuer gem&auml;&szlig; &sect; 1 Abs. 1 Nr. 4 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG) in H&ouml;he von &#8230; DM (&#8230; EUR) fest. Der Einspruch blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat der Klage mit der Begr&uuml;ndung stattgegeben, die Kl&auml;gerin sei keine Familienstiftung i.S. des &sect; 1 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG. Die finanzielle Sicherung der Unternehmensgruppe begr&uuml;nde keinen unmittelbaren bzw. keinen messbaren Vorteil der Familienangeh&ouml;rigen und gen&uuml;ge nicht den an ein Verm&ouml;gensinteresse der Familie zu stellenden Anforderungen. Die Bezugsberechtigung der Familienmitglieder sei wegen deren eigener Eink&uuml;nfte sowie deren Anspr&uuml;che gegen die B-Stiftung faktisch ausgeschlossen, so dass die Kl&auml;gerin nicht wesentlich im Interesse der Familie errichtet worden sei. Die Vorentscheidung ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2008, 470 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision r&uuml;gt das FA Verletzung des &sect; 1 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG. Das Merkmal &quot;im Interesse einer Familie&quot; sei weit auszulegen und umfasse auch die finanzielle Sicherung der eigenen Unternehmensgruppe. Auch die Bezugsrechte der Destinat&auml;re begr&uuml;ndeten ein wesentliches Familieninteresse, wobei ohne Bedeutung sei, dass diese tats&auml;chlich keine Zahlungen erhalten h&auml;tten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen. Die Familienmitglieder seien nur formal als Bezugsberechtigte benannt worden, weil der Stifter bei der damaligen Genehmigungspraxis angenommen habe, nur dadurch eine Unternehmensstiftung errichten zu k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Abweisung der Klage (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Kl&auml;gerin ist entgegen der Auffassung des FG eine Familienstiftung i.S. des &sect; 1 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect; 1 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG unterliegt der Erbschaftsteuer in Zeitabst&auml;nden von je 30 Jahren das Verm&ouml;gen einer Stiftung, sofern sie wesentlich im Interesse einer Familie oder bestimmter Familien errichtet ist (Familienstiftung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese im Zuge der Erbschaftsteuerreform 1974 durch Gesetz vom 17. April 1974 eingef&uuml;hrte Ersatzerbschaftsteuer soll verhindern, dass in Familienstiftungen gebundenes Verm&ouml;gen auf Generationen der Erbschaftsteuer entzogen wird (BTDrucks 7\/1333, S. 3). Zu diesem Zweck fingiert der Steuertatbestand in Abst&auml;nden von je 30 Jahren einen Generationenwechsel, bei dem der Erblasser zwei Kinder hinterl&auml;sst. Dementsprechend gew&auml;hrt das Gesetz ausgehend vom Verm&ouml;gen der Stiftung (&sect; 10 Abs. 1 Satz 6 ErbStG) den doppelten Freibetrag f&uuml;r Kinder und wendet die Steuers&auml;tze der Steuerklasse I mit dem Vomhundertsatz an, der f&uuml;r die H&auml;lfte des steuerpflichtigen Verm&ouml;gens gelten w&uuml;rde (&sect; 15 Abs. 2 Satz 3 ErbStG). Die Ersatzerbschaftsteuer ist verfassungsgem&auml;&szlig; (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 8. M&auml;rz 1983&nbsp;&nbsp;2 BvL 27\/81, BVerfGE 63, 312).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Ob eine Stiftung als Familienstiftung anzusehen ist, ist anhand des vom Stifter verfolgten Zwecks der Stiftung zu beurteilen, wie er ihn objektiv erkennbar in der Satzung zum Ausdruck gebracht hat. Die Bezeichnung durch den Stifter sowie die Einsch&auml;tzung der Stiftungsaufsicht sind f&uuml;r die erbschaftsteuerrechtliche Beurteilung unerheblich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Eine Stiftung ist im Interesse einer Familie errichtet, wenn sie den Verm&ouml;gensinteressen einer Familie gewidmet ist (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 10. Dezember 1997 II R 25\/94, BFHE 185, 58, BStBl II 1998, 114). Zu den weit zu fassenden Verm&ouml;gensinteressen geh&ouml;ren nicht nur Bezugs- und Anfallsrechte, sondern alle unmittelbaren oder mittelbaren, nicht notwendig in Geld bezifferbaren Verm&ouml;gensvorteile, die die beg&uuml;nstigte Familie aus dem Stiftungsverm&ouml;gen zieht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) &quot;Wesentlich&quot; im Interesse einer Familie errichtet ist eine Stiftung dann, wenn das Wesen der Stiftung nach der Satzung und ggf. dem Stiftungsgesch&auml;ft darin besteht, es der Familie zu erm&ouml;glichen, das Stiftungsverm&ouml;gen, soweit es einer Nutzung zu privaten Zwecken zug&auml;nglich ist, zu nutzen und die Stiftungsertr&auml;ge aus dem gebundenen Verm&ouml;gen an sich zu ziehen (BFH-Urteil in BFHE 185, 58, BStBl II 1998, 114).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gew&auml;hrt die Satzung nicht nur Familienmitgliedern, sondern auch Dritten Verm&ouml;gensvorteile, ist eine wertende Gesamtschau aller Verm&ouml;gensinteressen vorzunehmen. Abzustellen ist dabei jeweils auf den Drei&szlig;igjahreszeitraum (BFH-Urteil in BFHE 185, 58, BStBl II 1998, 114).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Besteht das Stiftungsverm&ouml;gen im Wesentlichen aus einem Unternehmen und\/oder Unternehmensbeteiligungen, spricht der vom Stifter beabsichtigte Erhalt des Unternehmens weder f&uuml;r noch gegen ein (wesentliches) Familieninteresse. Denn der Erhalt und die Weiterentwicklung des Stiftungsverm&ouml;gens stellen noch keinen Stiftungszweck dar (M&uuml;nchKommBGB\/Reuter, 5. Aufl. 2006, &sect;&sect; 80, 81 Rz 95 f.; P&ouml;llath\/Richter, in Seifart\/von Campenhausen, Stiftungsrechts-Handbuch, 3. Aufl. 2009, &sect; 12 Rz 142, m.w.N.). Der Pflege des Stiftungsverm&ouml;gens kann daher bei der Beurteilung des Stiftungszwecks keine entscheidende Bedeutung zukommen. Vorgaben des Stifters zum Stiftungsverm&ouml;gen sind lediglich als Wiederholung des Motivs f&uuml;r die Errichtung der auf Dauer angelegten Stiftung oder als Bestimmung des Unternehmens als Einkunftsquelle (Dotationsquelle) und damit als Mittel zur eigentlichen Zweckerf&uuml;llung der Stiftung aufzufassen (vgl. zur Trennung von Verm&ouml;gensanlage und Mittelverwendung: P&ouml;llath\/Richter, a.a.O., &sect; 12 Rz 53, 142). Auch bei unternehmensbezogenen Stiftungen sind daher nur die ggf. verschiedenen Stiftungszwecke daraufhin zu pr&uuml;fen, ob die Stiftung wesentlich dem Familieninteresse dient.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Ausgehend von diesen Grunds&auml;tzen war die Kl&auml;gerin entgegen der Auffassung des FG zwischen dem Zeitpunkt der ersten Ausstattung mit Verm&ouml;gen am 9. Juli 1968 und dem Entstehen der Ersatzerbschaftsteuer mit Ablauf des 9. Juli 1998 (&sect; 9 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG) eine Familienstiftung i.S. des &sect; 1 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Bereits die Bezugsberechtigung der in den Satzungen bezeichneten Familienangeh&ouml;rigen pr&auml;gt das Wesen der Kl&auml;gerin als Familienstiftung. Die Unterst&uuml;tzung dieser namentlich benannten Angeh&ouml;rigen des Stifters ist der einzige in allen Satzungen ausdr&uuml;cklich benannte Stiftungszweck. Die Satzung gew&auml;hrt ausschlie&szlig;lich Familienmitgliedern als Anspr&uuml;che verfestigte Rechtspositionen. Der Annahme eines wesentlichen Familieninteresses steht nicht entgegen, dass im Streitfall die Bezugsberechtigung die Unterschreitung von Einkommensgrenzen voraussetzte, die bei den Destinat&auml;ren im Drei&szlig;igjahreszeitraum nicht eingetreten ist. Auf die Wahrscheinlichkeit, mit der die Destinat&auml;re mit Unterst&uuml;tzungsleistungen rechnen konnten, kommt es nicht an. Zwar war damit der wirtschaftliche Gehalt der Bezugsberechtigung gering; dies relativiert sich aber im Hinblick auf die ohnehin schmale Zwecksetzung f&uuml;r die Kl&auml;gerin, der es an einem weiteren mit Rechtsanspr&uuml;chen ausgestatteten Beg&uuml;nstigten fehlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) In Anbetracht der Bezugsberechtigung der Familienmitglieder fallen die gegen eine Familienstiftung sprechenden Umst&auml;nde nicht entscheidend ins Gewicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das gilt zun&auml;chst f&uuml;r die Spenden, die nach der Satzung von 1986 zugelassen und auch tats&auml;chlich get&auml;tigt worden waren. Anders als bei der Bezugsberechtigung der Familienmitglieder r&auml;umte die Satzung n&auml;mlich nicht bestimmten Empf&auml;ngern entsprechende Anspr&uuml;che ein, sondern stellte es in das Ermessen des Vorstands, ob, an wen und in welcher H&ouml;he gespendet werden sollte. Zudem waren die Spenden ausdr&uuml;cklich gegen&uuml;ber der Sicherung der Familienmitglieder nachrangig. Entgegen R 2 Abs. 2 Satz 4 der Erbschaftsteuer-Richtlinien 2003 kommt es f&uuml;r die Gewichtung der Spenden im Vergleich zu den Vorteilen f&uuml;r die Familienmitglieder nicht auf ein wie auch immer beschaffenes Verh&auml;ltnis der tats&auml;chlich ausgesch&uuml;tteten Ertr&auml;ge an Familienmitglieder und familienfremde Empf&auml;nger an, sondern auf die Bezugsberechtigung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Auch die Anfallsberechtigung der gemeinn&uuml;tzigen Unternehmen stellt die Einordnung der Kl&auml;gerin als Familienstiftung nicht in Frage. Die Satzungen enthielten von 1977 an keine Regelungen dar&uuml;ber, unter welchen Voraussetzungen die Stiftung aufzul&ouml;sen war. Hier&uuml;ber hatten allein der Vorstand, also der Stifter und nach seinem Tod seine zweite Ehefrau, zu entscheiden; diesen war auch die Auswahl der gemeinn&uuml;tzigen Unternehmen vorbehalten. Im &Uuml;brigen deutete w&auml;hrend des Drei&szlig;igjahreszeitraums nichts auf eine Aufl&ouml;sung der Kl&auml;gerin hin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Der Beurteilung der Kl&auml;gerin als Familienstiftung stehen die mit ihrer Errichtung etwa verbundenen Motive des Stifters nicht entgegen. Die Bezugsberechtigung der Familienmitglieder war ernstlich gewollt, um die Genehmigung der Stiftung zu erlangen. Dies wird auch durch die st&auml;ndige Anpassung der Bezugsberechtigung an die ge&auml;nderten famili&auml;ren Verh&auml;ltnisse und die mehrfache Heraufsetzung der f&uuml;r die Destinat&auml;re bestimmten Betr&auml;ge deutlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Da das FG die Kl&auml;gerin zu Unrecht nicht als Familienstiftung angesehen hat, war die Vorentscheidung aufzuheben. Die Sache ist spruchreif. Der angefochtene Steuerbescheid ist rechtm&auml;&szlig;ig und verletzt die Kl&auml;gerin nicht in ihren Rechten (&sect; 100 Abs. 1 Satz 1 FGO). Die auf die Aufhebung dieser Steuerfestsetzung gerichtete Klage war daher abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 18.11.2009, II R 46\/07 Ersatzerbschaftsteuer bei Familienstiftung &#8211; Beurteilung einer Stiftung als Familienstiftung Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist eine rechtsf&auml;hige Stiftung des b&uuml;rgerlichen Rechts, die am 12. Juni 1968 mit Sitz in A (Deutschland) von einem Unternehmer (Stifter) errichtet wurde. 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