{"id":12900,"date":"2012-12-20T02:56:05","date_gmt":"2012-12-20T00:56:05","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12900"},"modified":"2012-12-20T02:56:05","modified_gmt":"2012-12-20T00:56:05","slug":"ii-r-59-07-einbeziehung-von-freilosen-in-die-bemessungsgrundlage-der-lotteriesteuer-bei-einer-im-internet-veranstalteten-lotterie-beurteilung-einer-leistung-als-spieleinsatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-59-07-einbeziehung-von-freilosen-in-die-bemessungsgrundlage-der-lotteriesteuer-bei-einer-im-internet-veranstalteten-lotterie-beurteilung-einer-leistung-als-spieleinsatz\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;59\/07 &#8211; Einbeziehung von Freilosen in die Bemessungsgrundlage der Lotteriesteuer bei einer im Internet veranstalteten Lotterie &#8211; Beurteilung einer Leistung als Spieleinsatz"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.8.2009, II R 59\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Einbeziehung von Freilosen in die Bemessungsgrundlage der Lotteriesteuer bei einer im Internet veranstalteten Lotterie &#8211; Beurteilung einer Leistung als Spieleinsatz<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) veranstaltete im Jahr 2006 eine staatlich genehmigte Lotterie im Internet (&quot;Internet-Sofortlotterie&quot;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zu jeder Serie mit 1 Million Losen zum Preis von je 0,50 EUR wurden 150 000 Freilose vergeben. Sie vermittelten dem Teilnehmer den Eindruck, als berechtigten sie zu einem kostenlosen zweiten Spiel. Tats&auml;chlich stand der Gewinnentscheid mit dem Loserwerb sofort fest, indem ein Zufallsgenerator in einer f&uuml;r den Teilnehmer nicht erkennbaren Weise bereits nach dem Kauf eines jeden Loses das Endergebnis (Gewinn oder Niete) und sogleich f&uuml;r knapp 1\/7 der Teilnehmer (150 000 zu 1 Million) ein Freilos ermittelte. Bei den Teilnehmern, f&uuml;r die der Zufallsgenerator ein Freilos ermittelte, erschien zun&auml;chst die Animation eines Freiloses und nach einigen Sekunden das Ergebnis der eigentlichen Ziehung, w&auml;hrend bei den &uuml;brigen Teilnehmern sofort der Gewinn oder die Niete angezeigt wurde. Eine Abfolge von zwei oder mehr Freilosen (Freiloskette) war nicht m&ouml;glich. Die Freilose waren in dem Gewinnplan der Lotterie, der die Aussch&uuml;ttung von 50 v.H. der Eins&auml;tze vorsah, nicht als Gewinn enthalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) bezog die Freilose zu 0,50 EUR je Los in die Bemessungsgrundlage der Lotteriesteuer ein. Aus der Sicht der Spielteilnehmer stellten die Freilose einen Verm&ouml;gensvorteil dar, der als weiterer Einsatz f&uuml;r das zweite Spiel gezahlt werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach erfolglosem Einspruch gab das Finanzgericht (FG) der Klage statt. Der Teilnehmer erlange durch das nur animierte &quot;Freilos&quot; keine neue Gewinnchance und damit auch objektiv keinen geldwerten Vorteil. Auf die subjektive Wahrnehmung des Spielteilnehmers, ihm werde durch das &quot;Freilos&quot; eine erneute Gewinnchance vermittelt, komme es nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA Verletzung des &sect; 17 Satz 3 des Rennwett- und Lotteriegesetzes (RennwLottG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Recht entschieden, dass die Freilose nicht in die Bemessungsgrundlage der Lotteriesteuer einzubeziehen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die von der Kl&auml;gerin veranstaltete &quot;Internet-Sofortlotterie&quot; erf&uuml;llt die Merkmale einer nach &sect; 17 Satz 1 RennwLottG steuerbaren Lotterie. Eine solche ist eine Veranstaltung, bei der einer Mehrzahl von Personen die M&ouml;glichkeit er&ouml;ffnet wird, nach einem bestimmten Plan gegen einen bestimmten Geldeinsatz ein vom Eintritt eines zuf&auml;lligen Ereignisses abh&auml;ngiges Recht auf einen bestimmten Geldgewinn zu erwerben (Urteil des Reichsfinanzhofs vom 9. April 1929 II A 608\/28, Mrozek-Kartei RennwLottG, &sect; 17, Rechtsspruch Nr. 38; Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 2. Februar 1977 II R 11\/74, BFHE 121, 534, BStBl II 1977, 495, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Bemessungsgrundlage der Lotteriesteuer ist gem&auml;&szlig; &sect; 17 Satz 3 RennwLottG der planm&auml;&szlig;ige Preis (Nennwert) s&auml;mtlicher Lose; dieser umfasst alle vom Spielteilnehmer f&uuml;r den Erwerb des Loses zu bewirkenden Leistungen und insbesondere den von ihm zu leistenden Einsatz. Als (offener oder versteckter) Einsatz kommt jede Leistung &#8211;bzw. aus der Sicht des Veranstalters jeder Verm&ouml;gensvorteil&#8211; in Betracht, die bzw. den der Spieler (Teilnehmer) dem Veranstalter einer Lotterie als Entgelt f&uuml;r die Einr&auml;umung einer Gewinnhoffnung gew&auml;hren muss (BFH-Urteile vom 7. Februar 1962 II 182\/59 U, BFHE 74, 444, BStBl III 1962, 166; vom 6. November 1968 II 6\/64, BFHE 94, 87, BStBl II 1969, 46). Das Vorliegen und die H&ouml;he eines Einsatzes bestimmen sich nach objektiven Merkmalen. Die in der Rechtsprechung des BFH (vgl. Urteil in BFHE 94, 87, BStBl II 1969, 46, m.w.N.) f&uuml;r die Frage, ob und inwieweit in einer Leistung ein Einsatz zu erblicken ist, als entscheidend bezeichnete subjektive Auffassung der Teilnehmer an der Veranstaltung ist nur bedeutsam, sofern ein versteckter Einsatz zu erbringen ist. Bei einem &#8211;wie hier&#8211; offenen Einsatz in Gestalt des zu entrichtenden Lospreises ist die subjektive Auffassung der Spielteilnehmer ohne Bedeutung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nach diesen Grunds&auml;tzen fehlt es f&uuml;r die im Streitfall lediglich animierten Freilose an einem von dem Teilnehmer insoweit erbrachten (weiteren) Einsatz und damit an einem planm&auml;&szlig;igen Preis. Die dem Spielteilnehmer angezeigten Freilose vermittelten diesem von vornherein objektiv keine erneute Gewinnchance und auch keinen Anspruch auf R&uuml;ckzahlung des f&uuml;r die Spielteilnahme gezahlten Einsatzes. Die Wirkung des zugelosten Freiloses ersch&ouml;pfte sich allein darin, dass die Darstellung des schon ermittelten endg&uuml;ltigen Spielergebnisses um eine kurze Zeit verz&ouml;gert wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob die Darstellung des Spielablaufs bei einem Spielteilnehmer zu dem subjektiven Empfinden f&uuml;hrt, ihm werde durch das angezeigte Freilos tats&auml;chlich eine erneute Spiel- und Gewinnchance er&ouml;ffnet, ist schon deshalb unerheblich, weil es objektiv an einer erneuten Gewinnchance fehlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.8.2009, II R 59\/07 Einbeziehung von Freilosen in die Bemessungsgrundlage der Lotteriesteuer bei einer im Internet veranstalteten Lotterie &#8211; Beurteilung einer Leistung als Spieleinsatz Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) veranstaltete im Jahr 2006 eine staatlich genehmigte Lotterie im Internet (&quot;Internet-Sofortlotterie&quot;). 2&nbsp; Zu jeder Serie mit 1 Million Losen zum &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-59-07-einbeziehung-von-freilosen-in-die-bemessungsgrundlage-der-lotteriesteuer-bei-einer-im-internet-veranstalteten-lotterie-beurteilung-einer-leistung-als-spieleinsatz\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;59\/07 &#8211; Einbeziehung von Freilosen in die Bemessungsgrundlage der Lotteriesteuer bei einer im Internet veranstalteten Lotterie &#8211; Beurteilung einer Leistung als Spieleinsatz<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-12900","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12900","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12900"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12900\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12900"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12900"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12900"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}