{"id":12906,"date":"2012-12-19T15:35:39","date_gmt":"2012-12-19T13:35:39","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12906"},"modified":"2012-12-19T15:35:39","modified_gmt":"2012-12-19T13:35:39","slug":"iii-r-85-07-bindungswirkung-eines-kindergeld-aufhebungsbescheides","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-85-07-bindungswirkung-eines-kindergeld-aufhebungsbescheides\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;85\/07 &#8211; Bindungswirkung eines Kindergeld-Aufhebungsbescheides"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 26.11.2009, III R 85\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Bindungswirkung eines Kindergeld-Aufhebungsbescheides<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin, Revisionskl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) bezog im Jahr 2004 Kindergeld f&uuml;r ihren Sohn D, der eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolvierte. Im M&auml;rz 2005 &uuml;bermittelte sie der Beklagten, Revisionsbeklagten und Revisionskl&auml;gerin (Familienkasse) eine Lohnsteuerbescheinigung sowie eine Aufstellung der Werbungskosten, die D im Jahr 2004 aufgewandt hatte. Aus der Bescheinigung ergab sich ein Bruttoarbeitslohn von 10.238,81 EUR. Durch Bescheid vom 18. April 2005 hob die Familienkasse die Festsetzung des Kindergeldes &quot;mit Wirkung vom 01.01.04 gem&auml;&szlig; &sect; 70 Abs. 4 EStG&quot; auf. Sie wies darauf hin, dass eine Kindergeldfestsetzung aufzuheben oder zu &auml;ndern sei, wenn nachtr&auml;glich bekannt werde, dass die Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge des Kindes den Grenzbetrag nach &sect; 32 Abs. 4 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) &uuml;ber- oder unterschritten h&auml;tten. Sie war der Ansicht, die Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge von D h&auml;tten sich im Jahr 2004 auf mehr als 7.680 EUR belaufen. Die Familienkasse forderte au&szlig;erdem das f&uuml;r 2004 gezahlte Kindergeld von 1.848 EUR zur&uuml;ck. Die Kl&auml;gerin legte gegen den Bescheid, der mit einer Rechtsbehelfsbelehrung versehen war, keinen Einspruch ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 1. Juni 2005 beantragte die Kl&auml;gerin die &quot;R&uuml;ckerstattung&quot; des Kindergeldes f&uuml;r 2004. Sie verwies auf den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 11. Januar 2005&nbsp;&nbsp;2 BvR 167\/02 (BVerfGE 112, 164, BFH\/NV 2005, Beilage 3, 260), nach dem die Sozialversicherungsbeitr&auml;ge eines nichtselbst&auml;ndig besch&auml;ftigten Kindes nicht in dessen Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge einbezogen werden d&uuml;rfen. Die Familienkasse behandelte den R&uuml;ckerstattungsantrag als Antrag auf Zahlung von Kindergeld. Sie lehnte durch Bescheid vom 17. August 2005 eine &Auml;nderung der Kindergeldfestsetzung f&uuml;r den Zeitraum Januar 2004 bis April 2005 ab, da dem die Bestandskraft des Bescheids vom 18. April 2005 entgegenstehe, die bis zum Monat der Bekanntgabe reiche. F&uuml;r die Zeit danach setzte sie Kindergeld fest. Der Einspruch der Kl&auml;gerin hatte keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage, mit der die Kl&auml;gerin die Festsetzung von Kindergeld f&uuml;r den Zeitraum Januar 2004 bis April 2005 begehrte, zum Teil statt. Es verpflichtete die Familienkasse, Kindergeld f&uuml;r die Zeit von Januar 2005 bis April 2005 zu gew&auml;hren, im &Uuml;brigen (Jahr 2004) wies es die Klage ab (Urteil vom 23. August 2007&nbsp;&nbsp;14 K 5328\/05 Kg, Entscheidungen der Finanzgerichte 2007, 1959). Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es im Wesentlichen aus, der Bescheid vom 18. April 2005 entfalte f&uuml;r das Jahr 2004 Bindungswirkung, nicht aber f&uuml;r die Monate Januar 2005 bis April 2005. In diesem Zeitraum h&auml;tten die Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge von D den Grenzbetrag nach Abzug der abgef&uuml;hrten Sozialversicherungsbeitr&auml;ge nicht &uuml;berschritten. Die Familienkasse habe die Aufhebung der Festsetzung damit begr&uuml;ndet, dass die Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge von D im Jahr 2004 den Grenzbetrag &uuml;berstiegen h&auml;tten. Die Kl&auml;gerin habe den Bescheid dahin verstehen k&ouml;nnen, dass die Familienkasse die Festsetzung ausschlie&szlig;lich f&uuml;r das Jahr 2004 gepr&uuml;ft habe und nur f&uuml;r dieses Jahr die Festsetzung habe aufheben wollen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen das Urteil wenden sich beide Beteiligten mit der Revision. Zur Begr&uuml;ndung ihrer Revision tr&auml;gt die Kl&auml;gerin vor, &sect; 70 Abs. 4 EStG sei im Streitfall im Wege der verfassungskonformen Auslegung anzuwenden, auch wenn der Aufhebungsbescheid vom 18. April 2005 erst nach Ablauf des Jahres 2004 ergangen sei. Die Ansicht des FG, die Vorschrift sei nur bei einer Abweichung der tats&auml;chlichen Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge von den prognostizierten einschl&auml;gig, werde durch den Wortlaut nicht gest&uuml;tzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse f&uuml;hrt zur Begr&uuml;ndung der von ihr eingelegten Revision aus, der Bundesfinanzhof (BFH) habe mehrfach entschieden, dass die Bindungswirkung eines Aufhebungsbescheids mit dem Monat der Bekanntgabe ende.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;, das angefochtene Urteil, den Bescheid vom 17. August 2005 sowie die dazu ergangene Einspruchsentscheidung vom 28. November 2005 insoweit aufzuheben, als sie das Jahr 2004 betreffen und die Familienkasse zu verpflichten, f&uuml;r dieses Jahr Kindergeld zu gew&auml;hren; au&szlig;erdem beantragt sie, die Revision der Familienkasse zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt sinngem&auml;&szlig;, das angefochtene Urteil insoweit aufzuheben und die Klage abzuweisen, als es den Zeitraum Januar 2005 bis April 2005 betrifft, sowie die Revision der Kl&auml;gerin zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revisionen der Familienkasse und der Kl&auml;gerin sind unbegr&uuml;ndet und werden zur&uuml;ckgewiesen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zutreffend entschieden, dass die (negative) Bindungswirkung des Aufhebungsbescheids vom 18. April 2005 das Jahr 2004 erfasst, nicht aber den Zeitraum Januar 2005 bis April 2005.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Revision der Kl&auml;gerin hat keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Aufhebungsbescheid der Familienkasse vom 18. April 2005, mit dem diese die Kindergeldfestsetzung ab Januar 2004 aufgehoben hat, weil nach ihrer Ansicht die Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge von D im Jahr 2004 den Jahresgrenzbetrag &uuml;berstiegen, ist wirksam. Ein Bescheid, der auf einer von einer Entscheidung des BVerfG abweichenden Auslegung einer Rechtsnorm beruht, ist zwar rechtswidrig, aber nicht nichtig (Senatsurteile vom 28. Juni 2006 III R 13\/06, BFHE 214, 287, BStBl II 2007, 714, und vom 28. November 2006 III R 6\/06, BFHE 216, 138, BStBl II 2007, 717).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der wirksame Bescheid ist bestandskr&auml;ftig, da die Kl&auml;gerin nicht innerhalb der Monatsfrist des &sect; 355 Abs. 1 Satz 1 der Abgabenordnung (AO) Einspruch eingelegt hat. Die Bestandskraft wird durch den Beschluss des BVerfG in BVerfGE 112, 164, BFH\/NV 2005, Beilage 3, 260 nicht ber&uuml;hrt. Nach &sect; 79 Abs. 2 Satz 1 des Gesetzes &uuml;ber das Bundesverfassungsgericht (BVerfGG) bleiben nicht mehr anfechtbare Entscheidungen, die auf einer gem&auml;&szlig; &sect; 78 BVerfGG f&uuml;r nichtig erkl&auml;rten Norm beruhen, grunds&auml;tzlich unber&uuml;hrt. Dies gilt analog, wenn das BVerfG &#8211;wie im Streitfall&#8211; lediglich die Auslegung einer Norm f&uuml;r unvereinbar mit dem Grundgesetz erkl&auml;rt hat (Senatsurteile in BFHE 214, 287, BStBl II 2007, 714, sowie in BFHE 216, 138, BStBl II 2007, 717).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Eine &Auml;nderung des Aufhebungsbescheids vom 18. April 2005 zugunsten der Kl&auml;gerin im Hinblick auf den Beschluss des BVerfG in BVerfGE 112, 164, BFH\/NV 2005, Beilage 3, 260 ist nicht m&ouml;glich. Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Senats kann ein Bescheid, durch den die Zahlung von Kindergeld abgelehnt oder durch den die Kindergeldfestsetzung aufgehoben worden ist, nicht ge&auml;ndert werden, da die Voraussetzungen f&uuml;r eine Korrektur weder nach den &sect;&sect; 172 ff. AO noch nach &sect; 70 EStG gegeben sind (Senatsurteile in BFHE 214, 287, BStBl II 2007, 714, sowie in BFHE 216, 138, BStBl II 2007, 717).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Revision der Familienkasse ist ebenfalls unbegr&uuml;ndet. Zutreffend hat das FG den Aufhebungsbescheid dahin ausgelegt, dass die Kindergeldfestsetzung nur f&uuml;r das Jahr 2004 aufgehoben und dar&uuml;ber hinaus keine Regelung getroffen werden sollte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zwar erstreckt sich die Bestandskraft eines nicht angefochtenen Bescheids, durch den die Gew&auml;hrung von Kindergeld abgelehnt oder auf 0 EUR (DM) festgesetzt oder durch den eine Kindergeldfestsetzung aufgehoben wird, in zeitlicher Hinsicht grunds&auml;tzlich bis zum Ende des Monats seiner Bekanntgabe (z.B. BFH-Urteile vom 25. Juli 2001 VI R 78\/98, BFHE 196, 253, BStBl II 2002, 88, und VI R 164\/98, BFHE 196, 257, BStBl II 2002, 89; Senatsurteil vom 14. Dezember 2006 III R 24\/06, BFHE 216, 225, BStBl II 2007, 530). Allerdings ist es der Familienkasse unbenommen, in einem Ablehnungs- oder Aufhebungsbescheid eine hiervon abweichende zeitliche Regelung zu treffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG hat den Inhalt des Bescheids vom 18. April 2005 zu Recht dahin ausgelegt, dass aus der Sicht der Kl&auml;gerin nur f&uuml;r das Jahr 2004 eine Verwaltungsentscheidung ergehen sollte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach &sect; 119 Abs. 1 AO muss ein Verwaltungsakt inhaltlich hinreichend bestimmt sein. Einem Verwaltungsakt muss der Regelungsinhalt eindeutig zu entnehmen sein (BFH-Urteil vom 22. August 2007 II R 44\/05, BFHE 218, 494, BStBl II 2009, 754). Ob diese Voraussetzungen erf&uuml;llt sind, ist im Wege der Auslegung unter Ber&uuml;cksichtigung der Auslegungsregeln der &sect;&sect; 133, 157 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs zu ermitteln. Entscheidend sind der erkl&auml;rte Wille der Beh&ouml;rde und der sich daraus ergebende objektive Erkl&auml;rungsinhalt der Regelung, wie ihn der Betroffene nach den ihm bekannten Umst&auml;nden unter Ber&uuml;cksichtigung von Treu und Glauben verstehen konnte (vgl. BFH-Urteile vom 18. Februar 1997 VII R 96\/95, BFHE 182, 282, BStBl II 1997, 339; vom 11. Juli 2006 VIII R 10\/05, BFHE 214, 18, BStBl II 2007, 96; vom 9. April 2008 II R 31\/06, BFH\/NV 2008, 1435). Bei der Auslegung ist nicht allein auf den Tenor des Bescheids abzustellen, sondern auch auf den materiellen Regelungsgehalt einschlie&szlig;lich der f&uuml;r den Bescheid gegebenen Begr&uuml;ndung (BFH-Urteil in BFHE 218, 494, BStBl II 2009, 754, m.w.N.). Die Auslegung des Inhalts von Verwaltungsakten durch das FG ist im Revisionsverfahren in vollem Umfang nachpr&uuml;fbar (Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 118 Rz 25, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Kl&auml;gerin konnte den Bescheid vom 18. April 2005 dahin verstehen, dass nur f&uuml;r das Jahr 2004 eine (ablehnende) Regelung getroffen werden sollte. Zwar ist darin nur der 1. Januar 2004 als Zeitpunkt genannt, ab dem die Kindergeldfestsetzung aufgehoben werden sollte. Eine ausdr&uuml;ckliche zeitliche Begrenzung der Verwaltungsentscheidung fehlt. Jedoch geht aus dem gesamten Inhalt des Bescheids hervor, dass die Familienkasse nur das Jahr 2004 beurteilen wollte. Zum einen wurde die Aufhebung damit begr&uuml;ndet, dass die Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge von D im Jahr 2004 die ma&szlig;gebliche Jahresgrenze &uuml;berschritten h&auml;tten. Zum anderen ergibt sich auch aus dem Hinweis auf &sect; 70 Abs. 4 EStG, dass nur eine auf das Jahr 2004 bezogene Betrachtung angestellt werden sollte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die durch das Zweite Gesetz zur Familienf&ouml;rderung vom 16. August 2001 (BGBl I 2001, 2074, BStBl I 2001, 533) mit Wirkung ab 1. Januar 2002 eingef&uuml;hrte Vorschrift erm&ouml;glicht die Korrektur von Kindergeldbescheiden in den F&auml;llen, in denen sich nachtr&auml;glich Abweichungen der tats&auml;chlich erzielten Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge des Kindes von den prognostizierten ergeben (Senatsurteil in BFHE 214, 287, BStBl II 2007, 714; Bl&uuml;mich\/ Treiber, &sect; 70 EStG Rz 32; Helmke in Helmke\/Bauer, Familienleistungsausgleich, Kommentar, Fach A, I. Kommentierung, &sect; 70 Rz 18.1; Pust in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, &sect; 70 EStG Rz 242). Ein Bescheid, durch den eine Kindergeldfestsetzung nach &sect; 70 Abs. 4 EStG aufgehoben wird, betrifft einen Prognosezeitraum und nicht dar&uuml;ber hinaus den Zeitraum bis zum Monat der Bekanntgabe des Aufhebungsbescheids. Die Kl&auml;gerin konnte den Hinweis auf &sect; 70 Abs. 4 EStG und dessen w&ouml;rtliche Wiedergabe dahin verstehen, dass nur die Festsetzung f&uuml;r das Jahr 2004 aufgehoben werden sollte. F&uuml;r die Zeit danach gab die Familienkasse keine &Auml;nderungsvorschrift an. Die Kl&auml;gerin hatte somit allen Anlass zu der Annahme, der Aufhebungsbescheid betreffe nur das Jahr 2004.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung war nach dem Ma&szlig; des Unterliegens der Kl&auml;gerin und der Familienkasse unter Zugrundelegung der zusammengerechneten Streitwerte zu treffen (&sect; 136 Abs. 1 Satz 1 FGO; vgl. BFH-Beschluss vom 20. August 1998 XI B 66\/97, BFH\/NV 1999, 478, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 26.11.2009, III R 85\/07 Bindungswirkung eines Kindergeld-Aufhebungsbescheides Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin, Revisionskl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) bezog im Jahr 2004 Kindergeld f&uuml;r ihren Sohn D, der eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolvierte. Im M&auml;rz 2005 &uuml;bermittelte sie der Beklagten, Revisionsbeklagten und Revisionskl&auml;gerin (Familienkasse) eine Lohnsteuerbescheinigung sowie eine Aufstellung der Werbungskosten, die D im &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-85-07-bindungswirkung-eines-kindergeld-aufhebungsbescheides\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;85\/07 &#8211; Bindungswirkung eines Kindergeld-Aufhebungsbescheides<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-12906","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12906","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12906"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12906\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12906"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12906"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12906"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}