{"id":12913,"date":"2012-12-19T15:35:37","date_gmt":"2012-12-19T13:35:37","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12913"},"modified":"2012-12-19T15:35:37","modified_gmt":"2012-12-19T13:35:37","slug":"iii-r-67-07-keine-erneute-entscheidung-ueber-bestandskraeftig-abgelehntes-kindergeld-aufgrund-eines-kindergeldantrags-des-nach-par-67-satz-2-alternative-2-estg-selbst-antragsberechtigten-kindes-kein-r","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-67-07-keine-erneute-entscheidung-ueber-bestandskraeftig-abgelehntes-kindergeld-aufgrund-eines-kindergeldantrags-des-nach-par-67-satz-2-alternative-2-estg-selbst-antragsberechtigten-kindes-kein-r\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;67\/07 &#8211; Keine erneute Entscheidung &uuml;ber bestandskr&auml;ftig abgelehntes Kindergeld aufgrund eines Kindergeldantrags des nach &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG selbst antragsberechtigten Kindes &#8211; Kein Recht des Kindes auf Benachrichtigung &uuml;ber die Einleitung eines Festsetzungsverfahrens &#8211; Inhaltliche Bestimmtheit eines Verwaltungsaktes"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 26.11.2009, III R 67\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine erneute Entscheidung &uuml;ber bestandskr&auml;ftig abgelehntes Kindergeld aufgrund eines Kindergeldantrags des nach &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG selbst antragsberechtigten Kindes &#8211; Kein Recht des Kindes auf Benachrichtigung &uuml;ber die Einleitung eines Festsetzungsverfahrens &#8211; Inhaltliche Bestimmtheit eines Verwaltungsaktes<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Auch wenn ein Kind nach &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG berechtigt ist, das Kindergeld selbst zu beantragen, kann es mit einem Antrag auf Kindergeld keine erneute Entscheidung &uuml;ber den vom Kindergeldberechtigten geltend gemachten, bestandskr&auml;ftig abgelehnten Kindergeldanspruch erreichen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Beigeladene erhielt f&uuml;r ihre 1981 geborene Tochter, die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin), bis einschlie&szlig;lich Dezember 2002 Kindergeld. Die Kl&auml;gerin absolvierte nach ihrer Schulausbildung von August 2001 bis Ende Juni 2004 eine Ausbildung. Sie lebte zu dieser Zeit in einer eigenen Wohnung und erhielt von ihren Eltern keine Unterhaltsleistungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 27. April 2004 lehnte die Beklagte und Revisionskl&auml;gerin (Familienkasse) den Antrag der Beigeladenen auf Kindergeld f&uuml;r die Kl&auml;gerin ab, da die Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge der Kl&auml;gerin im Jahr 2003 den Grenzbetrag nach &sect; 32 Abs. 4 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) von 7.188 EUR &uuml;berschritten h&auml;tten. Diesen Bescheid, der der Kl&auml;gerin nicht bekannt gegeben wurde, hat die Beigeladene nicht angefochten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im August 2006 beantragte die Kl&auml;gerin unter Bezugnahme auf den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 11. Januar 2005&nbsp;&nbsp;2 BvR 167\/02 (BVerfGE 112, 164, BFH\/NV 2005, Beilage 3, 260) die &quot;r&uuml;ckwirkende Auszahlung&quot; des Kindergeldes u.a. f&uuml;r den Zeitraum von Januar 2003 bis Juni 2004 an sich. Daraufhin setzte die Familienkasse mit Bescheid vom 1. November 2006, den sie an die Beigeladene richtete, Kindergeld f&uuml;r die Monate Mai und Juni 2004 fest. Eine &Auml;nderung des Bescheids vom 27. April 2004 sei nicht m&ouml;glich, da durch diesen der Kindergeldanspruch ab Januar 2003 bestandskr&auml;ftig abgelehnt worden sei. Die Nachzahlung werde an die Kl&auml;gerin &uuml;berwiesen, da diese den Antrag auf Neuberechnung gestellt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den hiergegen gerichteten Einspruch der Kl&auml;gerin, der ein Abdruck des an die Beigeladene adressierten Bescheids &uuml;bersandt worden war, wies die Familienkasse mit Einspruchsentscheidung vom 27. November 2006 zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage durch Urteil vom 9. Juli 2007&nbsp;&nbsp;3 K 30\/07 (Entscheidungen der Finanzgerichte 2008, 64) &uuml;berwiegend statt. Der Ablehnungsbescheid vom 27. April 2004 stehe einer Kindergeldfestsetzung zu Gunsten der Beigeladenen nicht entgegen, denn er entfalte keine Bindungswirkung im Verh&auml;ltnis zur Kl&auml;gerin. Diese sei weder i.S. des &sect; 78 der Abgabenordnung (AO) an dem Kindergeldfestsetzungsverfahren der Beigeladenen beteiligt gewesen, noch sei ihr der Ablehnungsbescheid bekannt gegeben worden. Der Bescheid habe somit im Verh&auml;ltnis zwischen der Kl&auml;gerin und der Familienkasse weder formell noch materiell bestandskr&auml;ftig werden k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision bringt die Familienkasse vor, das FG habe die strenge Akzessoriet&auml;t des Abzweigungsanspruchs nach &sect; 74 Abs. 1 EStG hinsichtlich des Leistungsanspruchs des Kindergeldberechtigten nicht ber&uuml;cksichtigt. Die Ansicht des FG f&uuml;hre dazu, dass gegen&uuml;ber der Beigeladenen neben dem bestandskr&auml;ftigen Ablehnungsbescheid ein weiterer Bescheid ergehen k&ouml;nne, der den gleichen Sachverhalt regele. Ein bestimmter Sachverhalt k&ouml;nne jedoch nicht in zwei parallelen Bescheiden rechtlich unterschiedlich geregelt werden. Ein neuer Bescheid zum gleichen Sachverhalt k&ouml;nne einen vorangegangenen Bescheid allenfalls &auml;ndern oder ersetzen. &Auml;nderungsvorschriften seien im vorliegenden Fall jedoch nicht einschl&auml;gig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt sinngem&auml;&szlig;, das Urteil des FG insoweit aufzuheben, als es der Klage stattgegeben hat, und die Klage insgesamt abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision hat &uuml;berwiegend Erfolg. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Abweisung der Klage, soweit diese die Festsetzung und Auszahlung von Kindergeld f&uuml;r den Zeitraum Januar bis Dezember 2003 betrifft (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Im &Uuml;brigen ist die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 126 Abs. 2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Kl&auml;gerin hat keinen Anspruch darauf, dass zugunsten der Beigeladenen Kindergeld f&uuml;r die Zeit von Januar bis Dezember 2003 festgesetzt und an sie, die Kl&auml;gerin, ausgezahlt wird. Denn einer entsprechenden Festsetzung steht der gegen&uuml;ber der Beigeladenen ergangene Bescheid vom 27. April 2004 entgegen, durch den die Familienkasse die Festsetzung von Kindergeld zugunsten der Beigeladenen f&uuml;r den betreffenden Zeitraum bereits bestandskr&auml;ftig abgelehnt hat. Die Bestandskraft dieses Bescheids muss die Kl&auml;gerin gegen sich gelten lassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Kindergeld wird nach &sect; 67 Satz 1 EStG nur auf Antrag gew&auml;hrt. Den Antrag kann nach &sect; 67 Satz 2 EStG au&szlig;er dem Berechtigten auch stellen, wer ein berechtigtes Interesse an der Leistung des Kindergeldes hat (&sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG). Ein solches Interesse haben Personen, die die Auszahlung von Kindergeld an sich anstelle der Auszahlung an einen Berechtigten verlangen k&ouml;nnen. Das kann gem&auml;&szlig; &sect; 74 Abs. 1 S&auml;tze 1 und 3 EStG auch ein Kind sein, wenn der Kindergeldberechtigte &#8211;wie im Streitfall&#8211; dem Kind gegen&uuml;ber mangels Leistungsf&auml;higkeit nicht unterhaltspflichtig ist (z.B. Senatsbeschluss vom 30. Oktober 2008 III R 105\/07, BFH\/NV 2009, 193, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Wie auch sonst im Steuerrecht ist bei der Steuerverg&uuml;tung Kindergeld zwischen dem Festsetzungs- und dem Erhebungs- bzw. Auszahlungsverfahren zu unterscheiden, mit der Besonderheit, dass die Festsetzung des &#8211;fremden&#8211; Steuerverg&uuml;tungsanspruchs gem&auml;&szlig; &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG auch derjenige beantragen kann, der nicht Kindergeldberechtigter ist, aber die Auszahlung des Kindergeldes an sich verlangen kann. Durch seinen Antrag erh&auml;lt der Antragsberechtigte nach &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG eine Beteiligtenstellung im Festsetzungsverfahren (vgl. &sect; 78 Nr. 1 AO; z.B. Senatsbeschluss in BFH\/NV 2009, 193, m.w.N.). Dar&uuml;ber hinaus ist der nach &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 i.V.m. &sect; 74 Abs. 1 EStG Antragsberechtigte befugt, gegen den das Festsetzungsverfahren abschlie&szlig;enden Bescheid Einspruch einzulegen und gegen die im Einspruchsverfahren ergangene Entscheidung Klage zu erheben (vgl. Senatsbeschluss in BFH\/NV 2009, 193, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Stellt ein nach &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG Antragsberechtigter den Antrag auf Kindergeld, so wird er dadurch jedoch nicht zum Kindergeldberechtigten. Die Anspruchsvoraussetzungen m&uuml;ssen vielmehr in der Person des (materiell) Kindergeldberechtigten gegeben sein. &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG r&auml;umt dem Antragsberechtigten lediglich eine verfahrensrechtliche Rechtsstellung ein, die es ihm erm&ouml;glicht, das Festsetzungsverfahren &uuml;ber einen &#8211;fremden&#8211; Steuerverg&uuml;tungsanspruch einzuleiten; dar&uuml;ber hinaus ist er berechtigt, die im Festsetzungsverfahren getroffene Entscheidung auch gerichtlich &uuml;berpr&uuml;fen zu lassen. &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG gew&auml;hrt jedoch kein Recht, ein weiteres Festsetzungsverfahren &uuml;ber den fremden Steuerverg&uuml;tungsanspruch einzuleiten. Ist das Festsetzungsverfahren f&uuml;r den (materiell) Kindergeldberechtigten bestandskr&auml;ftig abgeschlossen, muss ein nach &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG Antragsberechtigter sich die Bestandskraft des dieses Festsetzungsverfahren abschlie&szlig;enden Bescheids entgegenhalten lassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das gilt unabh&auml;ngig davon, ob er von der Durchf&uuml;hrung dieses Verfahrens Kenntnis hatte oder nicht. &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG erm&ouml;glicht lediglich, dass der f&uuml;r die Einleitung des Festsetzungsverfahrens erforderliche Antrag auch in den F&auml;llen gestellt werden kann, in denen der Kindergeldberechtigte selbst z.B. deshalb keinen Antrag stellt, weil etwa festzusetzendes Kindergeld ohnehin nicht an ihn, sondern an einen nach &sect; 74 EStG Berechtigten auszuzahlen w&auml;re. &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG gibt dem danach Antragsberechtigten jedoch kein Recht darauf, von der Einleitung eines Festsetzungsverfahrens aufgrund eines fremden Antrags benachrichtigt zu werden. Das in &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG vorgesehene, auf Einleitung eines Festsetzungsverfahrens gerichtete Antragsrecht besteht nur f&uuml;r und im Rahmen des Festsetzungsverfahrens zwischen dem (materiell) Kindergeldberechtigten und der Familienkasse. Kann ein dieses Verfahren abschlie&szlig;ender, f&uuml;r den Kindergeldberechtigten negativer Bescheid von diesem im Hinblick auf seine Bestandskraft nicht mehr angegriffen werden, besteht auch f&uuml;r einen nach &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG Antragsberechtigten keine verfahrensrechtliche M&ouml;glichkeit mehr, unter Hinweis auf sein Antragsrecht zugunsten des (materiell) Kindergeldberechtigten eine andere (positive) Festsetzung zu erreichen. Das Antragsrecht ist mit Eintritt der Bestandskraft des ablehnenden Bescheids diesem gegen&uuml;ber verbraucht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Danach hat die Familienkasse zu Recht die Festsetzung von Kindergeld f&uuml;r die Kl&auml;gerin zugunsten der Beigeladenen f&uuml;r die Zeit von Januar bis Dezember 2003 unter Hinweis auf die Bestandskraft des Bescheids vom 27. April 2004 abgelehnt. Diesen Bescheid, mit dem die Familienkasse den n&auml;mlichen Anspruch der Beigeladenen bereits abgelehnt hat, hat weder die Beigeladene noch die Kl&auml;gerin, die hierzu nach &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 i.V.m. &sect; 74 Abs. 1 S&auml;tze 1 und 3 EStG befugt gewesen w&auml;re, rechtzeitig angefochten, so dass er bestandskr&auml;ftig wurde. Diese Bestandskraft und die dadurch bedingte Beendigung des Festsetzungsverfahrens stehen der Einleitung eines von der Kl&auml;gerin beantragten (weiteren) Festsetzungsverfahrens entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dahinstehen kann, ob der nach &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 i.V.m. &sect; 74 EStG Antragsberechtigte auch befugt ist, die &Auml;nderung eines im Festsetzungsverfahren ergangenen, bestandskr&auml;ftigen Bescheids zu beantragen. Denn jedenfalls liegen die Voraussetzungen, unter denen ein bestandskr&auml;ftiger Kindergeldbescheid zugunsten des Kindergeldberechtigten ge&auml;ndert werden kann, nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im Ergebnis zu Recht hat das FG der Klage jedoch stattgegeben, soweit sie die Monate Januar bis April 2004 betrifft. Denn insoweit steht der Kl&auml;gerin ein Anspruch auf Festsetzung von Kindergeld zugunsten der Beigeladenen und auf Auszahlung an sie, die Kl&auml;gerin, zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach den von der Familienkasse nicht angegriffenen Feststellungen des FG erf&uuml;llte die Beigeladene f&uuml;r die Monate Januar bis April 2004 die Anspruchsvoraussetzungen nach &sect; 62 Abs. 1 Nr. 1, &sect; 63 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Satz 2 i.V.m. &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a, &sect; 64 Abs. 3 Satz 3 EStG f&uuml;r eine Festsetzung von Kindergeld f&uuml;r die Kl&auml;gerin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Festsetzung von Kindergeld zugunsten der Beigeladenen steht f&uuml;r diese Monate auch nicht die Bestandskraft des Bescheids vom 27. April 2004 entgegen. Denn dieser trifft nur f&uuml;r den Zeitraum Januar bis Dezember 2003, nicht aber auch f&uuml;r die Monate Januar bis April 2004 eine Regelung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Zwar erstreckt sich die Bestandskraft eines nicht angefochtenen Bescheids, durch den die Gew&auml;hrung von Kindergeld abgelehnt oder auf 0 EUR festgesetzt oder durch den eine Kindergeldfestsetzung aufgehoben wird, in zeitlicher Hinsicht grunds&auml;tzlich bis zum Ende des Monats seiner Bekanntgabe (z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 25. Juli 2001 VI R 78\/98, BFHE 196, 253, BStBl II 2002, 88, und VI R 164\/98, BFHE 196, 257, BStBl II 2002, 89; Senatsurteil vom 14. Dezember 2006 III R 24\/06, BFHE 216, 225, BStBl II 2007, 530). Allerdings ist es der Familienkasse unbenommen, in einem Ablehnungs- oder Aufhebungsbescheid eine hiervon abweichende zeitliche Regelung zu treffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Danach ist der Bescheid vom 27. April 2004 dahin auszulegen, dass aus der Sicht der Beigeladenen, an die der Bescheid gerichtet war, nur f&uuml;r das Jahr 2003 eine Verwaltungsentscheidung ergehen sollte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect; 119 Abs. 1 AO muss ein Verwaltungsakt inhaltlich hinreichend bestimmt sein. Einem Verwaltungsakt muss der Regelungsinhalt eindeutig zu entnehmen sein (BFH-Urteil vom 22. August 2007 II R 44\/05, BFHE 218, 494, BStBl II 2009, 754). Ob diese Voraussetzungen erf&uuml;llt sind, ist im Wege der Auslegung unter Ber&uuml;cksichtigung der Auslegungsregeln der &sect;&sect; 133, 157 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs zu ermitteln. Entscheidend sind der erkl&auml;rte Wille der Beh&ouml;rde und der sich daraus ergebende objektive Erkl&auml;rungsinhalt der Regelung, wie ihn der Betroffene nach den ihm bekannten Umst&auml;nden unter Ber&uuml;cksichtigung von Treu und Glauben verstehen konnte (vgl. BFH-Urteile vom 18. Februar 1997 VII R 96\/95, BFHE 182, 282, BStBl II 1997, 339; vom 11. Juli 2006 VIII R 10\/05, BFHE 214, 18, BStBl II 2007, 96; vom 9. April 2008 II R 31\/06, BFH\/NV 2008, 1435). Bei der Auslegung ist nicht allein auf den Tenor des Bescheids abzustellen, sondern auch auf den materiellen Regelungsgehalt einschlie&szlig;lich der f&uuml;r den Bescheid gegebenen Begr&uuml;ndung (BFH-Urteil in BFHE 218, 494, BStBl II 2009, 754, m.w.N.). Die Frage, welchen Inhalt ein Verwaltungsakt hat, hat das Revisionsgericht in eigener Zust&auml;ndigkeit zu beantworten (z.B. BFH-Urteil vom 24. M&auml;rz 1998 I R 83\/97, BFHE 186, 67, BStBl II 1998, 601).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den Ausf&uuml;hrungen im Bescheid vom 27. April 2004 musste die Beigeladene annehmen, die Ablehnung des Kindergeldes betreffe lediglich das Jahr 2003, nicht auch nachfolgende Zeitr&auml;ume. Denn in dem Bescheid hei&szlig;t es, ein Kind sei von der Ber&uuml;cksichtigung ausgeschlossen, wenn es Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge von mehr als 7.188 EUR im Kalenderjahr 2003 habe; nach den vorliegenden Unterlagen &uuml;berschreite das Einkommen der Kl&auml;gerin den ma&szlig;geblichen Grenzbetrag, wodurch der Kindergeldanspruch ausgeschlossen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Revisionsrechtlich nicht zu beanstanden ist die Entscheidung des FG auch insoweit, als die Familienkasse verpflichtet wird, das f&uuml;r die Monate Januar bis April 2004 zugunsten der Beigeladenen festzusetzende Kindergeld nach &sect; 74 Abs. 1 S&auml;tze 1 und 3 EStG an die Kl&auml;gerin auszuzahlen, da das von der Familienkasse insoweit auszu&uuml;bende Ermessen auf Null reduziert ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect; 143 Abs. 1 i.V.m. &sect; 136 Abs. 1 Satz 1, &sect; 135 Abs. 3 und &sect; 139 Abs. 4 FGO. Der Beigeladenen sind keine Kosten aufzuerlegen, da sie keine Antr&auml;ge gestellt hat. Soweit die Familienkasse im Revisionsverfahren unterlegen ist und deshalb zu 25 v.H. die Kosten dieses Verfahrens zu tragen hat, sind ihr auch die au&szlig;ergerichtlichen Kosten der Beigeladenen aus Billigkeit zu 25 v.H. aufzuerlegen. Denn die Beigeladene hat durch den Verzicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung im Revisionsverfahren das Verfahren gef&ouml;rdert (z.B. Senatsurteile vom 9. Februar 2009 III R 36\/07 und III R 20\/07, nicht amtlich ver&ouml;ffentlicht, und BFH-Urteil vom 20. Juni 2001 VI R 169\/97, BFH\/NV 2001, 1443, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 26.11.2009, III R 67\/07 Keine erneute Entscheidung &uuml;ber bestandskr&auml;ftig abgelehntes Kindergeld aufgrund eines Kindergeldantrags des nach &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG selbst antragsberechtigten Kindes &#8211; Kein Recht des Kindes auf Benachrichtigung &uuml;ber die Einleitung eines Festsetzungsverfahrens &#8211; Inhaltliche Bestimmtheit eines Verwaltungsaktes Leits&auml;tze Auch wenn ein Kind nach &sect; 67 Satz &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-67-07-keine-erneute-entscheidung-ueber-bestandskraeftig-abgelehntes-kindergeld-aufgrund-eines-kindergeldantrags-des-nach-par-67-satz-2-alternative-2-estg-selbst-antragsberechtigten-kindes-kein-r\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;67\/07 &#8211; Keine erneute Entscheidung &uuml;ber bestandskr&auml;ftig abgelehntes Kindergeld aufgrund eines Kindergeldantrags des nach &sect; 67 Satz 2 Alternative 2 EStG selbst antragsberechtigten Kindes &#8211; Kein Recht des Kindes auf Benachrichtigung &uuml;ber die Einleitung eines Festsetzungsverfahrens &#8211; Inhaltliche Bestimmtheit eines Verwaltungsaktes<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-12913","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12913","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12913"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12913\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12913"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12913"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12913"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}