{"id":12990,"date":"2012-12-08T08:58:29","date_gmt":"2012-12-08T06:58:29","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=12990"},"modified":"2012-12-08T08:58:29","modified_gmt":"2012-12-08T06:58:29","slug":"vii-b-71-09-widerruf-der-bestellung-als-steuerberater-wegen-vermoegensverfalls","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-71-09-widerruf-der-bestellung-als-steuerberater-wegen-vermoegensverfalls\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;71\/09 &#8211; Widerruf der Bestellung als Steuerberater wegen Verm&ouml;gensverfalls"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.12.2009, VII B 71\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Widerruf der Bestellung als Steuerberater wegen Verm&ouml;gensverfalls<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Nachdem die Beklagte und Beschwerdegegnerin (die Steuerberaterkammer) Kenntnis erhalten hatte, dass im Dezember 2005 &uuml;ber das Verm&ouml;gen der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet worden war, widerrief sie mit Bescheid vom &#8230; deren Bestellung als Steuerberaterin wegen Verm&ouml;gensverfalls (&sect; 46 Abs. 2 Nr. 4 des Steuerberatungsgesetzes &#8211;StBerG&#8211;). Die hiergegen erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) ab. Das FG urteilte, dass der Verm&ouml;gensverfall der Kl&auml;gerin wegen der Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens zu vermuten sei und sich im &Uuml;brigen aus dem Gutachten sowie dem Schlussbericht des Insolvenzverwalters ergebe, wonach bei zu ber&uuml;cksichtigenden Verbindlichkeiten von mehr als &#8230; EUR keine zu verteilende Masse zu Verf&uuml;gung stehe. Es habe sich auch nicht feststellen lassen, dass trotz des Verm&ouml;gensverfalls die Interessen der Auftraggeber nicht gef&auml;hrdet seien. Insoweit sei zu Lasten der Kl&auml;gerin zu ber&uuml;cksichtigen, dass ihre Steuerschulden teilweise auf Sch&auml;tzungen beruhten, sie also in der Vergangenheit ihren steuerlichen Erkl&auml;rungspflichten nicht nachgekommen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Nichtzulassungsbeschwerde der Kl&auml;gerin, welche sie auf s&auml;mtliche Zulassungsgr&uuml;nde des &sect; 115 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) st&uuml;tzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde hat keinen Erfolg, weil die geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde z.T. nicht schl&uuml;ssig dargelegt sind, wie es &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO verlangt, jedenfalls aber nicht vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die von der Beschwerde als grunds&auml;tzlich bedeutsam bezeichnete Rechtsfrage, ob nach Ank&uuml;ndigung der Restschuldbefreiung die Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse des Schuldners als geordnet anzusehen sind, so dass der gesetzlich vermutete Verm&ouml;gensverfall nicht mehr gegeben ist, ist nicht grunds&auml;tzlich kl&auml;rungsbed&uuml;rftig, weil sie sich anhand der Rechtsprechung des beschlie&szlig;enden Senats beantworten l&auml;sst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect; 46 Abs. 2 Nr. 4 StBerG wird ein Verm&ouml;gensverfall des Steuerberaters u.a. dann vermutet, wenn ein Insolvenzverfahren &uuml;ber sein Verm&ouml;gen er&ouml;ffnet worden ist. Es liegt daher auf der Hand und bedarf keiner weiteren Er&ouml;rterung, dass die durch die Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Steuerberaters nach der Insolvenzordnung (InsO) eintretenden Rechtsfolgen nicht geeignet sein k&ouml;nnen, die Vermutung des Verm&ouml;gensverfalls zu widerlegen. Dementsprechend hat der Senat bereits entschieden, dass das Inkrafttreten der InsO nichts an der gesetzlichen Grundentscheidung ge&auml;ndert hat, dass den Beruf des Steuerberaters nur aus&uuml;ben d&uuml;rfen soll, wer in geordneten Verm&ouml;gensverh&auml;ltnissen lebt (Senatsbeschl&uuml;sse vom 28. August 2003 VII B 79\/02, BFH\/NV 2004, 90; vom 28. August 2003 VII B 159\/02, BFH\/NV 2004, 91; vom 4. M&auml;rz 2004 VII R 21\/02, BFHE 204, 563, BStBl II 2004, 1016; Senatsurteil vom 30. M&auml;rz 2004 VII R 56\/03, BFH\/NV 2004, 1426). Allein die M&ouml;glichkeit, die wirtschaftliche Situation des in Verm&ouml;gensverfall geratenen Steuerberaters im Rahmen eines Insolvenzverfahrens, insbesondere durch Restschuldbefreiung (&sect;&sect; 286 ff. InsO), zu bereinigen, ist f&uuml;r das Vorliegen des Widerrufstatbestands des &sect; 46 Abs. 2 Nr. 4 StBerG unerheblich. Zumindest bis zur Annahme und Best&auml;tigung eines Insolvenzplans (&sect;&sect; 235 ff. InsO) ist es ungewiss, ob das Ziel der Bereinigung der Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse erreicht werden kann. Solange dies aber nicht mit hinreichender Sicherheit feststeht, sondern offen ist, ob die Bereinigung der desolaten wirtschaftlichen Situation letztlich gelingen wird, kann von geordneten wirtschaftlichen Verh&auml;ltnissen im Sinne des StBerG und mithin von einer Widerlegung der Vermutung des Verm&ouml;gensverfalls nicht ausgegangen werden (Senatsbeschluss in BFHE 204, 563, BStBl II 2004, 1016, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; f&uuml;r den Bereich der Bundesrechtsanwaltsordnung &#8211;BRAO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dass das FG im Streitfall die wegen des Insolvenzverfahrens bestehende gesetzliche Vermutung des Verm&ouml;gensverfalls als nicht widerlegt angesehen hat, steht daher im Einklang mit der st&auml;ndigen Rechtsprechung des beschlie&szlig;enden Senats und wirft keine kl&auml;rungsbed&uuml;rftigen Rechtsfragen auf, weshalb die Revision weder wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung der Rechtssache noch zur Fortbildung des Rechts zuzulassen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die ordnungsgem&auml;&szlig;e Erhebung einer Divergenzr&uuml;ge setzt voraus, dass der Beschwerdef&uuml;hrer tragende und abstrakte Rechtss&auml;tze aus dem angefochtenen Urteil des FG einerseits und aus den behaupteten Divergenzentscheidungen andererseits herausarbeitet und gegen&uuml;berstellt, um so eine Abweichung zu verdeutlichen (vgl. Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 12. Juli 2002 II B 33\/01, BFH\/NV 2002, 1482, und vom 11. September 2003 X B 103\/02, BFH\/NV 2004, 180). Diesen Darlegungsanforderungen wird die Beschwerde nicht gerecht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dar&uuml;ber hinaus ist aber auch nicht erkennbar, dass das FG-Urteil von den seitens der Beschwerde angef&uuml;hrten Entscheidungen abweicht. Die Ansicht der Kl&auml;gerin, mit der Ank&uuml;ndigung der Restschuldbefreiung durch das Insolvenzgericht seien geordnete wirtschaftliche Verh&auml;ltnisse wiederhergestellt, wird weder durch die angef&uuml;hrten Senatsbeschl&uuml;sse noch durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 17. August 2005&nbsp;&nbsp;6 C 15.04 (BVerwGE 124, 110) oder die in der Beschwerde angegebenen Beschl&uuml;sse des BGH best&auml;tigt. Insbesondere lag dem BGH-Beschluss vom 7. Dezember 2004 AnwZ (B) 40\/04 (Neue Juristische Wochenschrift 2005, 1271), aus dem die Beschwerde zitiert, ein Fall der Wiederzulassung zur Rechtsanwaltschaft zugrunde, in welchem das Insolvenzverfahren &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Rechtsanwalts bereits aufgehoben worden war und deshalb &#8211;was der BGH hervorhebt&#8211; keine gesetzliche Vermutung des Verm&ouml;gensverfalls mehr bestand, der betroffene Rechtsanwalt also wieder frei &uuml;ber sein Verm&ouml;gen verf&uuml;gen durfte und im Rahmen der sog. Wohlverhaltensphase zur Erlangung der Restschuldbefreiung seine pf&auml;ndbaren Bez&uuml;ge an einen Treuh&auml;nder abgetreten hatte und diese Abtretung auch regelm&auml;&szlig;ig bediente.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dass solche Voraussetzungen auch im Streitfall vorliegen, hat das FG indes nicht festgestellt. Danach befand sich n&auml;mlich die Kl&auml;gerin im Zeitpunkt der m&uuml;ndlichen Verhandlung nach wie vor im Insolvenzverfahren und sie tilgte auch nicht ihre Verbindlichkeiten durch an den Treuh&auml;nder abgetretene Bez&uuml;ge, sondern bezog &#8211;was nach dem Beschwerdevorbringen weiterhin zutrifft&#8211; &ouml;ffentliche Sozialleistungen, weil durch die von ihr ausge&uuml;bte steuerberatende T&auml;tigkeit keine zum Lebensunterhalt ausreichenden Eink&uuml;nfte erzielt wurden und werden. Wenn das FG unter diesen Umst&auml;nden die gesetzliche Vermutung des Verm&ouml;gensverfalls als nicht widerlegt angesehen hat, so widerspricht dies nicht der BGH-Rechtsprechung f&uuml;r den Bereich der BRAO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die geltend gemachten Verfahrensm&auml;ngel sind nicht schl&uuml;ssig dargelegt. Das FG ist nicht verpflichtet, sich in der Urteilsbegr&uuml;ndung mit jedem Vorbringen der Beteiligten ausdr&uuml;cklich zu befassen. Es ist vielmehr grunds&auml;tzlich davon auszugehen, dass das Gericht das Vorbringen der Beteiligten zur Kenntnis genommen hat (BFH-Beschluss vom 18. Juni 2001 II B 129\/00, BFH\/NV 2001, 1292). Daher liegt in derartigen F&auml;llen eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r nur vor, wenn sich aus den besonderen Umst&auml;nden des Einzelfalls deutlich ergibt, dass das FG Vorbringen entweder &uuml;berhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder doch bei seiner Entscheidung ersichtlich nicht in Erw&auml;gung gezogen hat (BFH-Beschluss vom 19. November 2002 X B 78\/01, BFH\/NV 2003, 335, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hierf&uuml;r ergibt das Beschwerdevorbringen im Streitfall jedoch nichts. Vielmehr findet sich &#8211;was auch die Beschwerde einr&auml;umt&#8211; das kl&auml;gerische Vorbringen zu Einnahmen und Ausgaben sowie zur angek&uuml;ndigten Restschuldbefreiung im FG-Urteil. Die Beschwerde r&uuml;gt in Wahrheit lediglich, dass das FG dieses Vorbringen nicht im Sinne der Kl&auml;gerin gew&uuml;rdigt hat. Das FG war auch nicht gehalten, auf das Vorbringen der Kl&auml;gerin bez&uuml;glich der ihrer Ansicht nach auszuschlie&szlig;enden Gef&auml;hrdung von Mandanteninteressen n&auml;her einzugehen, da es nach seiner &#8211;insoweit ma&szlig;geblichen&#8211; Rechtsauffassung, die mit derjenigen des beschlie&szlig;enden Senats &uuml;bereinstimmt, schon wegen der festgestellten Verletzung steuerlicher Erkl&auml;rungspflichten den sog. Entlastungsbeweis als nicht erbracht angesehen hat. Verfahrensm&auml;ngel ergeben sich daraus nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.12.2009, VII B 71\/09 Widerruf der Bestellung als Steuerberater wegen Verm&ouml;gensverfalls Tatbestand 1&nbsp; I. 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