{"id":13013,"date":"2012-12-19T16:11:26","date_gmt":"2012-12-19T14:11:26","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=13013"},"modified":"2012-12-19T16:11:26","modified_gmt":"2012-12-19T14:11:26","slug":"iii-b-162-08-steuerpflicht-eines-mitglieds-der-nato-truppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-162-08-steuerpflicht-eines-mitglieds-der-nato-truppen\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;162\/08 &#8211; Steuerpflicht eines Mitglieds der NATO-Truppen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 23.10.2009, III B 162\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Steuerpflicht eines Mitglieds der NATO-Truppen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist belgische Staatsangeh&ouml;rige und lebte von 1977 bis 2006 in der Bundesrepublik Deutschland (Bundesrepublik). Als Angeh&ouml;rige der belgischen Streitkr&auml;fte konnte sie &uuml;ber eine Wohnung in X frei verf&uuml;gen. Sie wohnte dort mit dem Beigeladenen, mit dem sie von 1978 bis 2000 verheiratet war, und den f&uuml;nf gemeinsamen Kindern. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) veranlagte mit Bescheid f&uuml;r 1996 vom 21. Dezember 2004 und f&uuml;r 1997 vom 16. Dezember 2004 die Kl&auml;gerin und den Beigeladenen zusammen zur Einkommensteuer. Hiergegen machte die Kl&auml;gerin geltend, sie habe die Zustimmung zur Zusammenveranlagung nur erteilt, um gegen die Einkommensteuerbescheide selbst vorgehen zu k&ouml;nnen. Gem&auml;&szlig; Art. X Abs. 1 Satz 1 des Abkommens zwischen den Parteien des Nordatlantikvertrages &uuml;ber die Rechtsstellung ihrer Truppen vom 19. Juni 1951 &#8211;NATOTrStat&#8211; (BGBl II 1961, 1190) habe sie als Angeh&ouml;rige der belgischen Streitkr&auml;fte nicht der unbeschr&auml;nkten Steuerpflicht unterlegen, was eine Zusammenveranlagung ausschlie&szlig;e.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hob den Einkommensteuerbescheid 1997 in der Fassung der Einspruchsentscheidung auf und wies die Klage im &Uuml;brigen ab. Es entschied, die Kl&auml;gerin sei im Jahr 1997 nicht unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig gewesen. Sie habe sich nur noch in ihrer Eigenschaft als Angeh&ouml;rige der belgischen Streitkr&auml;fte in der Bundesrepublik aufgehalten, da eine intakte Ehe im Jahr 1997 nicht mehr bestanden habe. Im Jahr 1996 jedoch seien die Voraussetzungen f&uuml;r eine Zusammenveranlagung erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Nichtzulassungsbeschwerde wegen Einkommensteuer 1996 macht die Kl&auml;gerin die Erforderlichkeit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) sowie Verfahrensm&auml;ngel (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) geltend. Das FG habe das Wohnen der Kl&auml;gerin innerhalb der den Angeh&ouml;rigen der belgischen Streitkr&auml;fte vorbehaltenen Wohnbereiche nicht als das entscheidende, gegen ihre unbeschr&auml;nkte Steuerpflicht sprechende Beurteilungskriterium angesehen. Dies lasse auf eine Divergenz zum BFH-Urteil vom 9. November 2005 I R 47\/04 (BFHE 211, 500, BStBl II 2006, 374) schlie&szlig;en. Angesichts der festgestellten Arbeitseink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin im Streitjahr von 43.446 DM und des in Belgien f&uuml;r Wohnzwecke zur Verf&uuml;gung stehenden Wohnhauses sei zudem die Tatsachenschlussfolgerung des FG, allein von dem Einkommen der Kl&auml;gerin habe die Familie nicht leben k&ouml;nnen, nicht nachvollziehbar. Das FG habe gegen seine Pflicht zur Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs sowie gegen &sect; 76 Abs. 2 FGO und &sect; 96 Abs. 1 Satz 2&nbsp;&nbsp;2. Halbsatz FGO versto&szlig;en, weil es nicht auf einen Verpflichtungsantrag hingewirkt habe. Der Einspruch gegen die Zusammenveranlagung mit dem Beigeladenen habe zwangsl&auml;ufig die fehlende Zustimmung zur Zusammenveranlagung bzw. den Widerruf ihrer zun&auml;chst f&ouml;rmlich erteilten Zustimmung enthalten, was mit dem auf getrennte Veranlagung gerichteten Verpflichtungsbegehren einhergegangen sei. Auf die Frage, ob die Kl&auml;gerin &uuml;berhaupt unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig ist, komme es gar nicht mehr an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 116 Abs. 5 Satz 1 FGO). Die geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde liegen nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG-Urteil weicht nicht von dem BFH-Urteil in BFHE 211, 500, BStBl II 2006, 374 ab. Unbeschr&auml;nkt einkommensteuerpflichtig sind nach &sect; 1 Abs. 1 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) nat&uuml;rliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihren gew&ouml;hnlichen Aufenthalt haben. Einen Wohnsitz hat jemand dort, wo er eine Wohnung unter Umst&auml;nden innehat, die darauf schlie&szlig;en lassen, dass er die Wohnung beibehalten und nutzen wird (&sect; 8 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;). Nach diesen Ma&szlig;gaben hat das FG die Wohnung der Kl&auml;gerin in X, &uuml;ber die sie frei verf&uuml;gen konnte und die sie gemeinsam mit ihrer Familie zu Wohnzwecken nutzte, als Wohnsitz der Kl&auml;gerin i.S. des &sect; 8 AO angesehen. Gem&auml;&szlig; Art. X Abs. 1 Satz 1 NATOTrStat gelten allerdings die Zeitabschnitte, in denen sich ein Mitglied einer Truppe oder eines zivilen Gefolges des Entsendestaates nur in dieser Eigenschaft in der Bundesrepublik aufh&auml;lt, nicht als Zeiten des Aufenthalts oder Wohnsitzes i.S. des &sect; 1 Abs. 1 Satz 1 EStG. Nach dem BFH-Urteil in BFHE 211, 500, BStBl II 2006, 374 h&auml;lt sich ein Mitglied einer Truppe oder eines zivilen Gefolges immer dann &quot;nur in dieser Eigenschaft&quot; i.S. des Art. X Abs. 1 Satz 1 NATOTrStat im Inland auf, wenn nach den gesamten Lebensumst&auml;nden erkennbar ist, dass die betreffende Person in dem ma&szlig;geblichen Zeitraum fest entschlossen ist, nach Beendigung ihres Dienstes in ihren Heimatstaat zur&uuml;ckzukehren. Diesen Grunds&auml;tzen hat sich das FG in der angefochtenen Entscheidung ausdr&uuml;cklich angeschlossen. Im Kern r&uuml;gt die Kl&auml;gerin, das FG habe falsch entschieden. Die Fehlerhaftigkeit des Urteils &#8211;falls sie vorl&auml;ge&#8211; kann aber die Zulassung der Revision nicht nach &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO begr&uuml;nden, da sie jedenfalls nicht geeignet w&auml;re, das Vertrauen in die Rechtsprechung zu besch&auml;digen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Revision ist auch nicht nach &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO aufgrund eines Verfahrensmangels zuzulassen. Ob das FG auf einen Verpflichtungsantrag der Kl&auml;gerin h&auml;tte hinwirken m&uuml;ssen und ob die Zul&auml;ssigkeitsvoraussetzungen f&uuml;r eine Verpflichtungsklage erf&uuml;llt gewesen w&auml;ren (vgl. Senatsurteil vom 19. Mai 2004 III R 18\/02, BFHE 206, 201, BStBl II 2004, 980), kann dahinstehen. Nach &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO kann nur ein Verfahrensmangel, auf dem die Entscheidung beruhen kann, die Zulassung der Revision nach sich ziehen. Ausgehend von der materiell-rechtlichen Auffassung des FG w&auml;re aber auch eine Verpflichtungsklage in der Sache ohne Erfolg geblieben. Im &Uuml;brigen wird mit der R&uuml;ge einer vermeintlich fehlerhaften rechtlichen W&uuml;rdigung oder einer unzutreffenden W&uuml;rdigung des Sachverhalts ein Verfahrensmangel nicht bezeichnet (BFH-Beschluss vom 29. Mai 2006 VIII B 191\/05, BFH\/NV 2006, 1658).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Von einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat nach &sect; 116 Abs. 5 Satz 2 FGO ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect; 143 Abs. 1 i.V.m. &sect; 135 Abs. 2 FGO und &sect; 139 Abs. 4 FGO. Da der Beigeladene das Beschwerdeverfahren durch Sachvortrag wesentlich gef&ouml;rdert hat, entspricht es der Billigkeit, die au&szlig;ergerichtlichen Kosten des Beigeladenen im Beschwerdeverfahren der Kl&auml;gerin aufzuerlegen (vgl. BFH-Beschluss vom 29. Mai 2009 IV B 143\/08, BFH\/NV 2009, 1452).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 23.10.2009, III B 162\/08 Steuerpflicht eines Mitglieds der NATO-Truppen Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist belgische Staatsangeh&ouml;rige und lebte von 1977 bis 2006 in der Bundesrepublik Deutschland (Bundesrepublik). Als Angeh&ouml;rige der belgischen Streitkr&auml;fte konnte sie &uuml;ber eine Wohnung in X frei verf&uuml;gen. 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