{"id":13208,"date":"2012-12-20T02:48:17","date_gmt":"2012-12-20T00:48:17","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=13208"},"modified":"2012-12-20T02:48:17","modified_gmt":"2012-12-20T00:48:17","slug":"i-r-20-09-widerruf-einer-verbindlichen-auskunft-besitz-kapitalgesellschaft-als-organtraegerin-betrieb-gewerblicher-art-als-organtraeger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-20-09-widerruf-einer-verbindlichen-auskunft-besitz-kapitalgesellschaft-als-organtraegerin-betrieb-gewerblicher-art-als-organtraeger\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;20\/09 &#8211; Widerruf einer verbindlichen Auskunft &#8211; Besitz-Kapitalgesellschaft als Organtr&auml;gerin &#8211; Betrieb gewerblicher Art als Organtr&auml;ger"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 2.9.2009, I R 20\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Widerruf einer verbindlichen Auskunft &#8211; Besitz-Kapitalgesellschaft als Organtr&auml;gerin &#8211; Betrieb gewerblicher Art als Organtr&auml;ger<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin), eine Stadt, unterhielt bis zum 31. Dezember 1997 einen Betrieb gewerblicher Art (BgA) &quot;Stadtwerke&quot;, der die Betriebssparten Versorgung, B&auml;der und Verkehr umfasste. Dieser Eigenbetrieb wurde gem&auml;&szlig; &sect; 123 Abs. 3 Nr. 2 i.V.m. &sect; 124 des Umwandlungsgesetzes 1994 ausgegliedert und auf die neu gegr&uuml;ndete Stadtwerke GmbH (S-GmbH) &uuml;bertragen. Handelsrechtlicher Umwandlungsstichtag war der 31. Dezember 1997.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die bis zum 30. September 1998 bereits fertig gestellten und in Betrieb befindlichen &#8230;anlagen sind als Teilbetrieb nach &sect; 20 des Umwandlungssteuergesetzes 1995 (UmwStG 1995) vom BgA gegen Gew&auml;hrung von Gesellschaftsrechten in die S-GmbH, deren alleiniger Gesellschafter die Kl&auml;gerin ist, eingebracht worden. Nicht eingebracht wurden die zu diesem Zeitpunkt noch in Bau befindlichen &#8230;anlagen der Kl&auml;gerin. Diese verblieben im Betriebsverm&ouml;gen des BgA. Sie wurden nach Fertigstellung im Rahmen des verbliebenen BgA an die S-GmbH verpachtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwischen dem BgA und der S-GmbH besteht seit Beginn der Verpachtung der &#8230;anlagen eine Betriebsaufspaltung. S&auml;mtliche GmbH-Anteile wurden damit notwendiges Betriebsverm&ouml;gen des BgA als Besitzunternehmen. Neben der Verpachtung der &#8230;anlagen erbringt der BgA Dienstleistungen gegen&uuml;ber Dritten im Bereich Baubetreuung und Projektierung, &auml;hnlich einem Ingenieurb&uuml;ro. Hinsichtlich der am 31. Dezember 1997 bereits fertig gestellten &#8230;anlagen besteht ein Baubetreuungsvertrag mit der S-GmbH.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Betriebssparten Versorgung und Verkehr wurden sp&auml;ter teilweise aus der S-GmbH ausgegliedert und auf 100 %-ige Tochtergesellschaften der S-GmbH &uuml;bertragen. Zwischen der S-GmbH und diesen Tochtergesellschaften bestehen Beherrschungs- und Gewinnabf&uuml;hrungsvertr&auml;ge.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 20. September 2002 stellte die Kl&auml;gerin beim Beklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) einen Antrag auf Erteilung einer verbindlichen Auskunft zur Frage der Begr&uuml;ndung einer k&ouml;rperschaftsteuerlichen und gewerbesteuerlichen Organschaft zwischen dem BgA und der S-GmbH. Mit Schreiben vom 14. November 2002 erteilte das FA die verbindliche Auskunft, dass durch den Abschluss des vorgelegten Gewinnabf&uuml;hrungsvertrages zwischen dem BgA und der S-GmbH eine k&ouml;rperschaftsteuerliche und gewerbesteuerliche Organschaft begr&uuml;ndet werde. Am 19. November 2002 wurde der Gewinnabf&uuml;hrungsvertrag zwischen dem BgA und der S-GmbH abgeschlossen, der am 26. November 2002 im Handelsregister eingetragen wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Verpachtung der &#8230;anlagen sowie mit seinem operativen Gesch&auml;ft in Gestalt von Baubetreuungs- und Projektierungsleistungen erwirtschaftete der BgA im Zeitraum ab 1998 stets Verluste. Dagegen erzielte er ab 2001 unter Einbeziehung der Gewinnaussch&uuml;ttungen der S-GmbH in 2001 bzw. der Gewinnabf&uuml;hrungen der S-GmbH ab 2002 Gewinne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 29. August 2005 widerrief das FA die verbindliche Auskunft vom 14. November 2002 mit Wirkung ab dem 1. Januar 2006. Zur Begr&uuml;ndung verwies es darauf, dass aufgrund des &sect; 14 Abs. 1 Satz 1 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes (KStG) i.V.m. &sect; 2 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) sowie des Schreibens des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 26. August 2003 (BStBl I 2003, 437) Organtr&auml;ger nur ein gewerbliches Unternehmen mit Gesch&auml;ftsleitung im Inland sein k&ouml;nne. Diese Voraussetzungen seien bei einem dauerdefizit&auml;ren BgA aufgrund fehlender Gewinnerzielungsabsicht nicht erf&uuml;llt. F&uuml;r die Pr&uuml;fung der Frage, ob ein Dauerverlustgesch&auml;ft vorliege, seien die Beteiligungsertr&auml;ge nicht einzubeziehen, wenn mit der Beteiligungsgesellschaft ein Organschaftsverh&auml;ltnis begr&uuml;ndet werden solle. Da es sich bei dem BgA der Kl&auml;gerin um einen dauerdefizit&auml;ren BgA handle, k&ouml;nne dieser nicht Organtr&auml;ger sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der dagegen gerichteten Klage der Kl&auml;gerin gab das Finanzgericht (FG) M&uuml;nchen mit in Entscheidungen der Finanzgerichte 2008, 1915 ver&ouml;ffentlichtem Urteil vom 18. August 2008&nbsp;&nbsp;7 K 742\/06 statt. Das FG war der Auffassung, der Widerruf der verbindlichen Auskunft sei ermessensfehlerhaft gewesen, da die am 14. November 2002 erteilte verbindliche Auskunft rechtm&auml;&szlig;ig gewesen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA r&uuml;gt eine Verletzung materiellen Rechts und beantragt, das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet. Das FG hat zutreffend entschieden, dass der Widerruf der verbindlichen Auskunft vom 14. November 2002 rechtswidrig war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) und Auffassung der Verwaltung (vgl. BMF-Schreiben vom 29. Dezember 2003, BStBl I 2003, 742) waren die Finanzbeh&ouml;rden auch vor Inkrafttreten des &sect; 89 Abs. 2 der Abgabenordnung (AO) zu Zusagen au&szlig;erhalb einer Au&szlig;enpr&uuml;fung berechtigt, deren Verbindlichkeit aus den Grunds&auml;tzen von Treu und Glauben abzuleiten ist (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 16. November 2005 X R 3\/04, BFHE 211, 30, BStBl II 2006, 155; vom 13. Dezember 1989 X R 208\/87, BFHE 159, 114, BStBl II 1990, 274). Zwischen den Beteiligten ist unstreitig, dass durch die verbindliche Auskunft vom 14. November 2002 f&uuml;r das FA eine Bindung nach Treu und Glauben eingetreten ist (vgl. BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 742, Tz. 4.1), so dass der Senat von weiteren Ausf&uuml;hrungen hierzu absieht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Widerruf der verbindlichen Auskunft mit Wirkung f&uuml;r die Zukunft steht in entsprechender Anwendung des &sect; 207 Abs. 2 AO im Ermessen des Finanzamtes. In der Regel ist der Widerruf dann ermessensgerecht, wenn sich der Inhalt der Auskunft als materiell-rechtlich unzutreffend und damit als rechtswidrig erweist (ebenso BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 742, Tz. 4.6). Dagegen bedarf der Widerruf einer rechtm&auml;&szlig;igen Zusage einer besonderen Legitimation; er kommt nach der im Streitfall ma&szlig;geblichen Rechtslage regelm&auml;&szlig;ig nur in Betracht, wenn der Steuerpflichtige sein Vertrauen noch nicht bet&auml;tigt hat und au&szlig;erdem kein besonderes steuerliches Interesse an der verbindlichen Auskunft darlegen kann (Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 89 AO Rz 55; seit Inkrafttreten des &sect; 89 Abs. 2 AO: &sect; 2 der Verordnung zur Durchf&uuml;hrung von &sect; 89 Abs. 2 der Abgabenordnung vom 30. November 2007, BGBl I 2007, 2783 &#8211;Steuer-Auskunftsverordnung&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Widerruf der Zusage ist danach im Streitfall ermessensfehlerhaft; denn die urspr&uuml;nglich erteilte Auskunft war rechtm&auml;&szlig;ig. Der von der Kl&auml;gerin unterhaltene BgA (&sect; 1 Abs. 1 Nr. 6 i.V.m. &sect; 4 KStG) ist ein gewerbliches Unternehmen und kann daher Organtr&auml;ger sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die steuerliche Anerkennung eines Ergebnisabf&uuml;hrungsvertrages setzt nach &sect; 14 Abs. 1 Satz 1 KStG 2002 u.a. voraus, dass sich die Organgesellschaft verpflichtet, ihren ganzen Gewinn an ein einziges anderes gewerbliches Unternehmen abzuf&uuml;hren. Ein BgA ist daher nur dann ein tauglicher Organtr&auml;ger, wenn er ein gewerbliches Unternehmen ist, also die Voraussetzungen des &sect; 2 Abs. 1 Satz 2 GewStG i.V.m. &sect; 2 Abs. 1 der Gewerbesteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung, &sect; 15 Abs. 2 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) erf&uuml;llt (vgl. Senatsurteile vom 26. April 1989 I R 152\/84, BFHE 157, 127, BStBl II 1989, 668; vom 13. September 1989 I R 110\/88, BFHE 158, 346, BStBl II 1990, 24). Dies setzt die Absicht voraus, durch das Unternehmen Gewinne zu erzielen (Senatsbeschluss vom 17. M&auml;rz 2005 I B 245\/04, BFH\/NV 2005, 1135, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG hat zutreffend angenommen, dass der streitbefangene BgA mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Besitzunternehmen und Betriebsgesellschaft sind rechtlich und wirtschaftlich selbst&auml;ndige Unternehmen (z.B. Senatsurteile vom 17. Juli 1991 I R 98\/88, BFHE 165, 369, BStBl II 1992, 246; vom 7. September 2005 I R 119\/04, BFH\/NV 2006, 606, m.w.N.). Der Besitzgesellschaft kann die Gewinnerzielungsabsicht fehlen, wenn sie der mit Gewinn t&auml;tigen Betriebsgesellschaft die wesentlichen Betriebsgrundlagen zu einem nicht kostendeckenden Entgelt &uuml;berl&auml;sst (BFH-Urteile vom 24. April 1991 X R 84\/88, BFHE 164, 385, BStBl II 1991, 713; vom 13. November 1997 IV R 67\/96, BFHE 184, 512, BStBl II 1998, 254; BFH-Beschluss vom 17. Januar 2007 IV B 38\/05, juris). Die Gewinnerzielungsabsicht des Besitzunternehmens kann jedoch in dem Bestreben liegen, Beteiligungsertr&auml;ge zu erzielen. Unerheblich ist dabei, ob die Betriebsgesellschaft Gewinnaussch&uuml;ttungen an das Besitzunternehmen vorgenommen oder sie die Gewinne ganz oder teilweise thesauriert hat; denn unterbliebene Aussch&uuml;ttungen k&ouml;nnen nachgeholt werden und erh&ouml;hen im &Uuml;brigen den Wert der Beteiligung. Die Gewinnerzielungsabsicht ist erst dann zu verneinen, wenn der Gesellschafter mit den vereinbarten Entgelten und den tats&auml;chlichen und m&ouml;glichen Aussch&uuml;ttungen auf die Dauer keine Kostendeckung erwarten kann (BFH-Urteil in BFHE 164, 385, BStBl II 1991, 713).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nach den vom FA nicht infrage gestellten Feststellungen des FG erzielte der BgA zwar aus der Verpachtung und seinem sonstigen operativen Gesch&auml;ft Verluste. Darauf, dass der BgA zum Zeitpunkt der Begr&uuml;ndung der Organschaft noch gewinnlos war, kommt es bei der Pr&uuml;fung, ob ein Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird, indes nicht an. Ma&szlig;geblich ist vielmehr, ob der Betrieb nach seiner Wesensart und Art der Bewirtschaftung auf Dauer geeignet ist, einen Gewinn zu erwirtschaften (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. zuletzt BFH-Urteil vom 19. M&auml;rz 2009 IV R 40\/06, BFH\/NV 2009, 1115, m.w.N.). Dies war bei dem in Streit stehenden BgA nach der revisionsrechtlich nicht zu beanstandenden W&uuml;rdigung des FG bereits vor Abschluss des Ergebnisabf&uuml;hrungsvertrages der Fall. Unter Einbeziehung der im Jahr 2001 erfolgten und der seit 2002 m&ouml;glichen Gewinnaussch&uuml;ttungen war bereits vor Abschluss des Ergebnisabf&uuml;hrungsvertrages auf Dauer ein positives Gesch&auml;ftsergebnis zu erwarten, so dass der BgA seit seiner Gr&uuml;ndung als gewerbliches Unternehmen einzustufen war. Dementsprechend hat ihn das FA schon vor Begr&uuml;ndung der Organschaft zur Gewerbesteuer herangezogen. Der BgA verliert nicht dadurch seinen Charakter als gewerbliches Unternehmen, dass infolge der Organschaft Gewinnaussch&uuml;ttungen der S-GmbH nicht mehr m&ouml;glich sind. Vielmehr sind die zu erwartenden Gewinnabf&uuml;hrungen insoweit zu ber&uuml;cksichtigen, als sie an die Stelle von Gewinnaussch&uuml;ttungen treten, die ohne Begr&uuml;ndung einer Organschaft zu erwarten w&auml;ren. Wie der Fall zu entscheiden w&auml;re, wenn zwischen dem BgA und der S-GmbH keine Betriebsaufspaltung best&uuml;nde, kann offenbleiben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Entgegen der Auffassung des FA liegt &sect; 14 KStG kein eigenst&auml;ndiges, von &sect; 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Abs. 2 Satz 1 EStG und &sect; 2 Abs. 1 Satz 2 GewStG abweichendes Verst&auml;ndnis des Begriffs &quot;gewerbliches Unternehmen&quot; zu Grunde. Der Begriff&nbsp;&nbsp;&quot;gewerbliches Unternehmen&quot; kn&uuml;pft vielmehr an die Formulierung in &sect; 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG an und ist hier wie dort einheitlich auszulegen (Senatsurteile in BFHE 157, 127, BStBl II 1989, 668; in BFHE 158, 346, BStBl II 1990, 24). Zwar hat der BFH in fr&uuml;heren Entscheidungen die Organschaft im Rahmen einer Betriebsaufspaltung nicht anerkannt, sofern die Besitzgesellschaft au&szlig;er der Verpachtung der wesentlichen Betriebsgrundlagen keine eigenst&auml;ndige gewerbliche T&auml;tigkeit ausge&uuml;bt hat (Urteile vom 18. April 1973 I R 120\/70, BFHE 110, 17, BStBl II 1973, 740; vom 14. Oktober 1987 I R 26\/84, BFH\/NV 1989, 192; vom 21. Januar 1988 IV R 100\/85, BFHE 152, 352, BStBl II 1988, 456). Dies lag aber daran, dass der BFH in diesen F&auml;llen die wirtschaftliche Eingliederung der Betriebsgesellschaft verneint hat. Das Erfordernis der wirtschaftlichen Eingliederung ist jedoch mit dem Steuersenkungsgesetz vom 23. Oktober 2000 (BGBl I 2000, 1433, BStBl I 2000, 1428) weggefallen. Seither kann auch eine Besitzgesellschaft, die nur &uuml;ber eine Betriebsgesellschaft als Gewerbebetrieb zu beurteilen ist, tauglicher Organtr&auml;ger i.S. von &sect; 14 KStG sein (BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 437, Tz. 3; vom 10. November 2005, BStBl I 2005, 1038, Tz. 16; Kolbe in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect; 14 KStG Rz 59, m.w.N.; Walter in Ernst &#038; Young, KStG, &sect; 14 Rz 153.1; Erle in Erle\/Sauter, KStG, 2. Aufl., &sect; 14 Rz 59; a.A. Frotscher in Frotscher\/Maas, KStG, UmwStG, &sect; 14 KStG Rz 64; Neumann in Gosch, KStG, 2. Aufl., &sect; 14 Rz 80). &sect; 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 KStG, der durch das Gesetz zum Abbau von Steuerverg&uuml;nstigungen und Ausnahmeregelungen (Steuerverg&uuml;nstigungsabbaugesetz) vom 16. Mai 2003 (BGBl I 2003, 660, BStBl I 2003, 321) mit Wirkung ab dem Veranlagungszeitraum 2003 eingef&uuml;gt wurde, bestimmt, dass eine Personengesellschaft nur Organtr&auml;ger sein kann, wenn sie ein origin&auml;r gewerbliches Unternehmen i.S. des &sect; 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG betreibt. Daraus folgt im Umkehrschluss, dass f&uuml;r Besitzunternehmen, die nicht in der Rechtsform der Personengesellschaft betrieben werden, eine origin&auml;re gewerbliche T&auml;tigkeit nicht erforderlich ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 2.9.2009, I R 20\/09 Widerruf einer verbindlichen Auskunft &#8211; Besitz-Kapitalgesellschaft als Organtr&auml;gerin &#8211; Betrieb gewerblicher Art als Organtr&auml;ger Tatbestand 1&nbsp; I. 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