{"id":13238,"date":"2012-12-20T02:46:03","date_gmt":"2012-12-20T00:46:03","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=13238"},"modified":"2012-12-20T02:46:03","modified_gmt":"2012-12-20T00:46:03","slug":"i-b-48-49-09-beweiskraft-der-zustellungsurkunde-fristbeginn-an-einem-sonntag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-48-49-09-beweiskraft-der-zustellungsurkunde-fristbeginn-an-einem-sonntag\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;48,&nbsp;49\/09 &#8211; Beweiskraft der Zustellungsurkunde &#8211; Fristbeginn an einem Sonntag"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.9.2009, I B 48, 49\/09; I B 48\/09; I B 49\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Beweiskraft der Zustellungsurkunde &#8211; Fristbeginn an einem Sonntag<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger), ein Rechtsanwalt, hat f&uuml;r die Streitjahre 1996 und 1997 keine Einkommensteuererkl&auml;rungen abgegeben. Er wendet sich gegen die auf Sch&auml;tzungen der Besteuerungsgrundlagen (&sect; 162 der Abgabenordnung) beruhenden Einkommensteuerbescheide des Beklagten und Beschwerdegegners (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) f&uuml;r die Streitjahre. Seine Klagen vor dem Hessischen Finanzgericht (FG) blieben ohne Erfolg; das FG hat sie mit Urteilen vom 18. Februar 2009&nbsp;&nbsp;2 K 2772\/06 (betreffend 1996) und 2 K 1722\/07 (betreffend 1997) als unbegr&uuml;ndet abgewiesen. Nach dem Inhalt der Zustellungsurkunde wurden beide Urteile am Samstag, den 28. Februar 2009 vom Postbediensteten in den zur Wohnung des Kl&auml;gers geh&ouml;rigen Briefkasten eingelegt, nachdem eine &Uuml;bergabe nicht m&ouml;glich war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen die FG-Urteile richten sich die am 30. M&auml;rz 2009 (einem Montag) eingelegten und mit am Donnerstag, den 30. April 2009 per Telefax beim Bundesfinanzhof (BFH) eingegangenen Schrifts&auml;tzen des Kl&auml;gers begr&uuml;ndeten Nichtzulassungsbeschwerden. Der Kl&auml;ger ist der Auffassung, er habe die Frist zur Begr&uuml;ndung der Beschwerden nicht vers&auml;umt; hilfsweise begehrt er Wiedereinsetzung in den vorigen Stand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt, die Revision gegen die FG-Urteile zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt (sinngem&auml;&szlig;), die Nichtzulassungsbeschwerden als unzul&auml;ssig zu verwerfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die vom Senat gem&auml;&szlig; &sect; 73 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. &sect; 121 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zu gemeinsamer Entscheidung verbundenen Nichtzulassungsbeschwerden sind unzul&auml;ssig und deshalb zu verwerfen. Der Kl&auml;ger hat die gesetzliche Frist zur Begr&uuml;ndung der Nichtzulassungsbeschwerden von zwei Monaten nach Zustellung des angefochtenen Urteils (&sect; 116 Abs. 3 Satz 1 FGO) nicht eingehalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die FG-Urteile wurden dem Kl&auml;ger ausweislich der Zustellungsurkunde am Samstag, den 28. Februar 2008 durch Einlegung in seinen Briefkasten zugestellt (Ersatzzustellung gem&auml;&szlig; &sect; 53 Abs. 2 FGO i.V.m. &sect; 180 der Zivilprozessordnung &#8211;ZPO&#8211;). Die Behauptung des Kl&auml;gers, am 28. Februar 2009 seinen Briefkasten selbst geleert und keine Zustellungsurkunden vorgefunden zu haben, kann die Beweiskraft der Zustellungsurkunden als &ouml;ffentliche Urkunden i.S. von &sect; 418 Abs. 1 ZPO (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 24. April 2007 VIII B 249\/05, BFH\/NV 2007, 1465; vom 16. Juni 2009 V E 1\/09, juris) nicht ersch&uuml;ttern. Zwar ist nach &sect; 418 Abs. 2 ZPO der Beweis der Unrichtigkeit der durch die Zustellungsurkunde bezeugten Tatsachen zul&auml;ssig. Dazu ist aber der volle Nachweis eines anderen Geschehensablaufs erforderlich. Die blo&szlig;e Behauptung des Zustellungsadressaten, er habe die Sendung nicht erhalten, reicht zur Entkr&auml;ftung nicht aus (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2007, 1465). Im &Uuml;brigen wird die Behauptung des Kl&auml;gers dadurch widerlegt, dass sich auf den mit den Beschwerdeschrifts&auml;tzen eingereichten Urteilskopien jeweils Eingangsstempel des Kl&auml;gers mit dem Datum des 28. Februar 2009 befinden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ohne Relevanz f&uuml;r die Wirksamkeit der Zustellung ist der vom Kl&auml;ger bem&auml;ngelte Umstand, dass sie nicht am fr&uuml;hen Morgen erfolgt sei. Anderes k&ouml;nnte nur gelten, wenn die Sendungen erst zu einem Zeitpunkt in den Briefkasten eingelegt worden w&auml;ren, zu dem nach dem gew&ouml;hnlichen Lauf der Dinge nicht mehr mit der Zustellung von Postsendungen zu rechnen gewesen w&auml;re. Daf&uuml;r besteht hier indes kein Anhalt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Lauf der Beschwerdebegr&uuml;ndungsfrist beginnt gem&auml;&szlig; &sect; 54 FGO i.V.m. &sect; 222 ZPO, &sect; 187 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs am auf die Zustellung folgenden Tag; im Streitfall begann er mithin am 1. M&auml;rz 2009. Dass dieser Tag ein Sonntag war, spielt f&uuml;r den Fristbeginn keine Rolle (vgl. Brandis in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 54 FGO Rz 13); denn die Bestimmung des &sect; 222 Abs. 2 ZPO bezieht sich nur auf das Fristende.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Mithin sind die Begr&uuml;ndungsfristen nach Ablauf von zwei Monaten am Dienstag, den 28. April 2009 abgelaufen. Die erst am 30. April 2009 eingegangenen Beschwerdebegr&uuml;ndungen des Kl&auml;gers haben die gesetzliche Frist deshalb nicht gewahrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Dem Antrag des Kl&auml;gers auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand kann nicht stattgegeben werden. Wiedereinsetzung ist zu gew&auml;hren, wenn jemand ohne Verschulden an der Einhaltung der gesetzlichen Frist gehindert war (&sect; 56 Abs. 1 FGO); die Tatsachen zur Begr&uuml;ndung des Antrags sind vom Antragsteller glaubhaft zu machen (&sect; 56 Abs. 2 Satz 2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hat nicht dargetan, dass ihn kein Verschulden an der Fristvers&auml;umung trifft. Zur Begr&uuml;ndung des Antrags hat er ausgef&uuml;hrt, er h&auml;tte bei Kenntnis vom tats&auml;chlichen Ablauf der Frist rechtzeitig Fristverl&auml;ngerung wegen Arbeits&uuml;berlastung beantragt. Aus welchen Gr&uuml;nden der Kl&auml;ger jedoch von einem unzutreffenden Fristablauf ausgegangen ist und warum diese Gr&uuml;nde ein Verschulden ausschlie&szlig;en k&ouml;nnten, ist der Antragsbegr&uuml;ndung nicht zu entnehmen. Die fehlende Kenntnis der Regeln &uuml;ber den Fristbeginn ist bei einem berufsm&auml;&szlig;igen Vertreter, auch wenn er in eigener Sache t&auml;tig wird, kein hinreichender Entschuldigungsgrund (BFH-Urteil vom 23. August 1995 II R 97\/92, BFH\/NV 1996, 358). Gleiches gilt f&uuml;r die behauptete Arbeits&uuml;berlastung (Senatsbeschluss vom 5. November 2003 I B 99-101\/03, BFH\/NV 2004, 358).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.9.2009, I B 48, 49\/09; I B 48\/09; I B 49\/09 Beweiskraft der Zustellungsurkunde &#8211; Fristbeginn an einem Sonntag Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger), ein Rechtsanwalt, hat f&uuml;r die Streitjahre 1996 und 1997 keine Einkommensteuererkl&auml;rungen abgegeben. 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