{"id":13284,"date":"2012-12-19T15:44:23","date_gmt":"2012-12-19T13:44:23","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=13284"},"modified":"2012-12-19T15:44:23","modified_gmt":"2012-12-19T13:44:23","slug":"vi-b-18-09-veruntreuung-als-aussergewoehnliche-belastung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-18-09-veruntreuung-als-aussergewoehnliche-belastung\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;B&nbsp;18\/09 &#8211; Veruntreuung als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.11.2009, VI B 18\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Veruntreuung als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) begehrten im Rahmen ihrer Einkommensteuerveranlagung im Ergebnis erfolglos, eine zweifache Zahlung in H&ouml;he von 82.477 EUR zur Abwendung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung zu ber&uuml;cksichtigen. Die Kl&auml;ger mussten die Zahlung zweifach erbringen, weil ihr Rechtsanwalt die zun&auml;chst von ihnen erbrachte Zahlung veruntreut hatte.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) ber&uuml;cksichtigte die Zahlung nicht als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung. Denn die zur Abwendung des Verbraucherinsolvenzverfahrens erbrachten Zahlungen gingen s&auml;mtlich auf rechtsgesch&auml;ftlich begr&uuml;ndete Forderungen zur&uuml;ck. Bei solchen Entstehensgr&uuml;nden scheide eine Zwangsl&auml;ufigkeit i.S. des &sect; 33 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) jedoch aus. Denn insoweit liege weder eine rechtliche noch sittliche Verpflichtung noch eine tats&auml;chliche Zwangslage vor. Die Durchf&uuml;hrung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens beruhe auf der freiwilligen Annahme des staatlich vorgesehenen Entschuldungsprogramms durch den Schuldner. Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, f&uuml;hre beim Gesch&auml;digten nicht zu einer au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Belastung. Bei Verm&ouml;gensdelikten sei &uuml;berdies zweifelhaft, ob es eine bewusste und gewollte Verm&ouml;gensverwendung sei. Jedenfalls m&uuml;sse aber bei einem solchen Verm&ouml;gensschaden auf den Verursachungszusammenhang abgestellt werden. Wenn das Verhalten des Steuerpflichtigen, das der Sch&auml;digungshandlung vorausgehe, auf einem freien Willensentschluss beruhe, scheide eine sp&auml;tere Ber&uuml;cksichtigung des Schadens nach &sect; 33 EStG aus. Schlie&szlig;lich habe der zweimaligen Bezahlung auch ein realer Gegenwert gegen&uuml;bergestanden, n&auml;mlich die Befreiung von Gl&auml;ubigerforderungen in einer Gesamth&ouml;he von 514.167 DM.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FG hat die Revision nicht zugelassen. Gegen die Nichtzulassung der Revision wenden sich die Kl&auml;ger mit ihrer Beschwerde und machen als Zulassungsgrund die grunds&auml;tzliche Bedeutung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) geltend. Grunds&auml;tzlich bedeutsam sei die Rechtsfrage, ob die wirtschaftliche Handlungsfreiheit zu den existenziell notwendigen materiellen und immateriellen G&uuml;tern geh&ouml;ren k&ouml;nne, so dass die zur Wiederherstellung dieser Freiheit get&auml;tigten Aufwendungen au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen sein k&ouml;nnten, wenn sie verlorener Aufwand seien. Das Schadensereignis sei aus Sicht der Kl&auml;ger ein Akt h&ouml;herer Gewalt, das vom FG nur durch den Gegenwert als nicht au&szlig;ergew&ouml;hnlich beurteilt worden sei. Auch wenn Rechtsprechung und Literatur &uuml;berwiegend davon ausgingen, dass Betrugsverluste nicht als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen anzusehen seien, biete der Streitfall die M&ouml;glichkeit, zu straftatbedingten Verm&ouml;gensverlusten zu entscheiden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Es kann dahinstehen, ob die Beschwerde den Begr&uuml;ndungs- und Darlegungsanforderungen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO gen&uuml;gt. Denn die Beschwerde ist jedenfalls unbegr&uuml;ndet. Der geltend gemachte Revisionszulassungsgrund liegt nicht vor.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Eine Rechtssache hat grunds&auml;tzliche Bedeutung i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO, wenn die f&uuml;r die Beurteilung des Streitfalls ma&szlig;gebliche Rechtsfrage das Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber&uuml;hrt. Die Rechtsfrage muss kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und in dem angestrebten Revisionsverfahren kl&auml;rungsf&auml;hig sein (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 12. Oktober 2007 VI B 161\/06, BFH\/NV 2008, 45, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die von den Kl&auml;gern aufgeworfene Frage, ob die wirtschaftliche Handlungsfreiheit zu den existenziell notwendigen materiellen und immateriellen G&uuml;tern geh&ouml;ren k&ouml;nne, ist keine solche von grunds&auml;tzlicher Bedeutung. Denn ungeachtet dessen, dass die Kl&auml;ger schon nicht darlegen, inwieweit sich ihr konkreter Streitfall der Veruntreuung von Geldern von dem eines Verm&ouml;gensschadens durch ein betr&uuml;gerisches Verhalten des Vertragspartners unterscheidet, bei dem die st&auml;ndige Rechtsprechung des BFH eine Au&szlig;ergew&ouml;hnlichkeit und Zwangsl&auml;ufigkeit der entstandenen Aufwendungen verneint (BFH-Urteil vom 19. Mai 1995 III R 12\/92, BFHE 178, 207, BStBl II 1995, 774), und auch nichts weiter zur Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit dieser Frage ausf&uuml;hren, ist die Frage jedenfalls auch nicht kl&auml;rungsf&auml;hig, weil sie f&uuml;r die Entscheidung des Streitfalls nicht entscheidungserheblich ist. Denn die Kl&auml;ger werfen lediglich eine vom konkreten Streitfall losgel&ouml;ste abstrakt generelle Frage auf. Die wirtschaftliche Handlungsfreiheit ist indessen weder Tatbestandsmerkmal noch eine durch die Rechtsprechung aus den geschriebenen Tatbestandsmerkmalen gewonnene grunds&auml;tzliche Kategorie im Tatbestand der au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Belastungen des &sect; 33 EStG, von deren Vorliegen oder Nichtvorliegen die Entscheidung des Streitfalls abh&auml;ngen k&ouml;nnte. Eine solche grunds&auml;tzliche Entscheidungserheblichkeit wird von den Kl&auml;gern auch nicht dargetan. Da es indessen nicht Aufgabe des Revisionsgerichts ist, abstrakte Rechtsfragen zu kl&auml;ren, die f&uuml;r die Entscheidung des Streitfalls nicht entscheidungserheblich sind, k&ouml;nnen solche die Revisionszulassung nicht begr&uuml;nden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.11.2009, VI B 18\/09 Veruntreuung als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) begehrten im Rahmen ihrer Einkommensteuerveranlagung im Ergebnis erfolglos, eine zweifache Zahlung in H&ouml;he von 82.477 EUR zur Abwendung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung zu ber&uuml;cksichtigen. 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