{"id":13286,"date":"2012-12-19T15:44:22","date_gmt":"2012-12-19T13:44:22","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=13286"},"modified":"2012-12-19T15:44:22","modified_gmt":"2012-12-19T13:44:22","slug":"x-s-30-09-pkh-pkh-keine-hinweispflicht-des-gerichts-auf-fristvorschriften-und-formvorschriften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-s-30-09-pkh-pkh-keine-hinweispflicht-des-gerichts-auf-fristvorschriften-und-formvorschriften\/","title":{"rendered":"X&nbsp;S&nbsp;30\/09&nbsp;(PKH) &#8211; PKH: Keine Hinweispflicht des Gerichts auf Fristvorschriften und Formvorschriften"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.11.2009, X S 30\/09 (PKH)<\/p>\n<p class=\"titel\">PKH: Keine Hinweispflicht des Gerichts auf Fristvorschriften und Formvorschriften<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. In der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr 2003 hat der Antragsteller den Gewinn aus seinem &#8230;unternehmen mit 46.838,55 EUR angegeben. Diesen von einem Steuerberater ermittelten Gewinn hat der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) um nicht abzugsf&auml;hige Betriebsausgaben in H&ouml;he von 1.317,52 EUR auf 48.156 EUR erh&ouml;ht. Der Steuerbescheid wurde bestandskr&auml;ftig.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Anl&auml;sslich der Durchf&uuml;hrung von Vollstreckungsma&szlig;nahmen teilte der Antragsteller dem FA mit, 2003 sei tats&auml;chlich nicht der erkl&auml;rte Gewinn, sondern ein Verlust entstanden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA lehnte eine &Auml;nderung des bestandskr&auml;ftigen Einkommensteuerbescheids 2003 ab. Den Einspruch gegen den Ablehnungsbescheid wies es als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Dabei ber&uuml;cksichtige es zu hoch erkl&auml;rte Darlehenszinsen in H&ouml;he von 2.372,53 EUR und weitere Betriebseinnahmen in H&ouml;he von 82,21 EUR gewinnerh&ouml;hend. Bis zu dieser H&ouml;he erkannte es in 2003 zu Unrecht nicht ber&uuml;cksichtigte Betriebsausgaben (Beitr&auml;ge zur Berufsgenossenschaft in H&ouml;he von 7.665 EUR, L&ouml;hne, Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeitr&auml;ge in H&ouml;he von 19.133,70 EUR) als materielle Fehler der Steuerfestsetzung an.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der fristgerecht erhobenen Klage hat der Antragsteller geltend gemacht, der Einkommensteuerbescheid 2003 sei ihm am 22. Juli 2005 zugegangen und bereits am 26. Juli 2005 habe er ein Schreiben an den Vollstreckungssachgebietsleiter des FA gerichtet, das auch als Einspruch zu werten sei. Im &Uuml;brigen habe ihm die Fa. A nur 473.488,70 EUR anstelle der erkl&auml;rten 571.257,92 EUR &uuml;berwiesen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) hat die Klage abgewiesen. Der Einkommensteuerbescheid 2003 sei bestandskr&auml;ftig geworden, da der Antragsteller innerhalb der Einspruchsfrist keinen Einspruch eingelegt habe. Eine &Auml;nderung der Steuerfestsetzung nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 2 der Abgabenordnung komme nicht in Betracht, da den Steuerberater des Antragstellers am nachtr&auml;glichen Bekanntwerden der neuen Tatsachen ein grobes Verschulden treffe. Dieses Verschulden seines steuerlichen Beraters m&uuml;sse sich der Antragsteller zurechnen lassen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Gegen diese Entscheidung hat der Antragsteller selbst Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision erhoben. Er tr&auml;gt im Ergebnis vor, ihm sei am nachtr&auml;glichen Bekanntwerden der neuen Tatsachen kein Verschulden anzulasten. Als steuerlicher Laie habe er nicht erkennen k&ouml;nnen, dass sein Berater mit v&ouml;llig falschen Zahlen gearbeitet habe. Gleichzeitig beantragte er Prozesskostenhilfe (PKH). Eine Erkl&auml;rung &uuml;ber seine pers&ouml;nlichen und wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse ging erst nach Ablauf der Beschwerdefrist beim Bundesfinanzhof (BFH) ein.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Der Antrag auf Gew&auml;hrung von PKH wird abgelehnt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Es kann dahinstehen, ob durch die seit dem 1. Juli 2008 geltende Neuregelung des Vertretungszwangs in &sect; 62 Abs. 4 der Finanzgerichtsordnung (FGO) und das Au&szlig;erkrafttreten des &sect; 62a FGO insofern eine &Auml;nderung eingetreten ist, dass nun auch der Antrag auf PKH vertretungspflichtig ist. Die erforderlichen Voraussetzungen f&uuml;r die Gew&auml;hrung von PKH liegen jedenfalls nicht vor.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Nach &sect; 142 FGO i.V.m. &sect; 114 der Zivilprozessordnung (ZPO) erh&auml;lt ein Beteiligter, der nach seinen pers&ouml;nlichen und wirtschaftlichen Verh&auml;ltnissen die Kosten der Prozessf&uuml;hrung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten aufbringen kann, auf Antrag PKH, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig erscheint. Dem beim Prozessgericht zu stellenden Antrag (&sect; 117 Abs. 1 Satz 1 ZPO) sind eine Erkl&auml;rung der Partei &uuml;ber ihre pers&ouml;nlichen und wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse sowie entsprechende Belege beizuf&uuml;gen (&sect; 117 Abs. 2 ZPO). Hierbei hat der Prozessbeteiligte die daf&uuml;r eingef&uuml;hrten Vordrucke zu benutzen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Im Streitfall hat der Antragsteller diesem Erfordernis nicht gen&uuml;gt, weil er die &quot;Erkl&auml;rung &uuml;ber seine pers&ouml;nlichen und wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse&quot; nicht innerhalb der am 19. Oktober 2009 abgelaufenen Frist zur Einlegung der Nichtzulassungsbeschwerde vorgelegt hat (vgl. hierzu z.B. Senatsbeschluss vom 28. September 2005 X S 15\/05 (PKH), BFH\/NV 2005, 2249). Auf Unkenntnis kann sich der Antragsteller nicht berufen, da er sich &uuml;ber die Voraussetzungen einer Bewilligung von PKH grunds&auml;tzlich selbst kundig machen muss (vgl. BFH-Beschluss vom 8. April 1999 II B 82\/98, BFH\/NV 1999, 1470, m.w.N.); die Gerichte treffen insoweit keine besonderen Hinweispflichten (Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 30. August 1991&nbsp;&nbsp;2 BvR 995\/91, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1992, 426).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Selbst wenn dem Antragsteller wegen dieses Vers&auml;umnisses &#8211;was offenbleiben kann&#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gew&auml;hrt werden k&ouml;nnte, ist der Antrag auf PKH dennoch abzulehnen, weil die im vorliegenden Fall beabsichtigte Rechtsverfolgung durch Erhebung einer Nichtzulassungsbeschwerde bei summarischer Pr&uuml;fung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Nach &sect; 115 Abs. 2 FGO ist die Revision nur zuzulassen, wenn die Rechtssache grunds&auml;tzliche Bedeutung hat, die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des BFH erfordert oder ein Verfahrensmangel geltend gemacht wird und vorliegt, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen kann.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Der angerufene Senat vermag bei der gebotenen, aber auch ausreichenden summarischen Pr&uuml;fung des Vortrags des Antragstellers, des Inhalts der vorliegenden Akten und des vom Antragsteller beanstandeten FG-Urteils keinen hinl&auml;nglichen Grund i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nrn. 1 bis 3 FGO zu erkennen, der eine Zulassung der Revision rechtfertigen k&ouml;nnte. Der vorliegende Sachverhalt wirft keine &uuml;ber den spezifisch gelagerten Einzelfall hinausreichende allgemein bedeutsame Rechtsfrage auf, welche die Zulassung der Revision nach &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 und\/oder Nr. 2 Alternative 1 FGO gebietet. Die Zulassung der Revision wegen Divergenz kommt schon deshalb nicht in Betracht, weil der Antragsteller keine tragenden und abstrakten Rechtss&auml;tze aus dem angefochtenen FG-Urteil einerseits und einer Divergenzentscheidung andererseits herausgearbeitet und einander gegen&uuml;bergestellt hat. &Uuml;berdies vermag der Senat auch ansonsten nicht zu erkennen, dass das FG mit einem bestimmten, in dem angegriffenen Urteil aufgestellten tragenden und abstrakten Rechtssatz von der Entscheidung eines anderen Gerichts zu derselben Rechtsfrage abgewichen w&auml;re (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Ebenso wenig ist ersichtlich, dass das FG-Urteil infolge schwerwiegender materiell-rechtlicher Fehler objektiv willk&uuml;rlich erscheint und unter keinem denkbaren Gesichtspunkt rechtlich vertretbar ist (vgl. hierzu BFH-Beschluss vom 30. August 2001 IV B 79, 80\/01, BFHE 196, 30, BStBl II 2001, 837; Lange, Deutsche Steuer-Zeitung 2002, 782, 784). Schlie&szlig;lich beruht das Urteil auch nicht erkennbar auf einem Verfahrensmangel, der &#8211;auf der Grundlage des vom FG eingenommenen materiell-rechtlichen Standpunkts&#8211; dessen Entscheidung h&auml;tte beeinflussen k&ouml;nnen (zu Letzterem vgl. z.B. Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 115 Rz 79 und 96, m.w.N. aus der Rechtsprechung des BFH).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Bereits aus diesem Grund bietet die eingelegte Nichtzulassungsbeschwerde keine hinreichende Aussicht auf Erfolg.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.11.2009, X S 30\/09 (PKH) PKH: Keine Hinweispflicht des Gerichts auf Fristvorschriften und Formvorschriften Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. In der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr 2003 hat der Antragsteller den Gewinn aus seinem &#8230;unternehmen mit 46.838,55 EUR angegeben. 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