{"id":13305,"date":"2012-12-19T16:11:18","date_gmt":"2012-12-19T14:11:18","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=13305"},"modified":"2012-12-19T16:11:18","modified_gmt":"2012-12-19T14:11:18","slug":"vi-b-160-08-kinderbetreuungskosten-anforderungen-an-die-begruendung-der-nichtzulassungsbeschwerde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-160-08-kinderbetreuungskosten-anforderungen-an-die-begruendung-der-nichtzulassungsbeschwerde\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;B&nbsp;160\/08 &#8211; Kinderbetreuungskosten &#8211; Anforderungen an die Begr&uuml;ndung der Nichtzulassungsbeschwerde"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.10.2009, VI B 160\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Kinderbetreuungskosten &#8211; Anforderungen an die Begr&uuml;ndung der Nichtzulassungsbeschwerde<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Streitig ist die H&ouml;he des Abzugs von Kinderbetreuungskosten gem&auml;&szlig; &sect; 33c des Einkommensteuergesetzes (EStG) in der f&uuml;r das Streitjahr 2004 geltenden Fassung.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) ist alleinerziehender Vater einer am &#8230; Juni 2000 geborenen Tochter. In seiner Einkommensteuererkl&auml;rung machte der Kl&auml;ger, der Kindergeld erhielt und als Berufskraftfahrer Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit erzielte, Betreuungsaufwendungen f&uuml;r seine Tochter in H&ouml;he von 2.991 EUR geltend. Er beantragte ferner den Abzug eines vollen Kinderfreibetrags i.S. des &sect; 32 Abs. 6 Satz 6&nbsp;&nbsp;2. Halbsatz EStG, da die Kindesmutter ihrer Unterhaltsverpflichtung nicht nachgekommen war. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) ber&uuml;cksichtigte den Kinderbetreuungsaufwand zun&auml;chst nicht. Mit ge&auml;ndertem Einkommensteuerbescheid anerkannte er Kinderbetreuungskosten in H&ouml;he von 1.443 EUR, da die Kinderbetreuungskosten nur im Rahmen der gesetzlichen H&ouml;chstbetr&auml;ge und nur insoweit gew&auml;hrt w&uuml;rden, als die Aufwendungen den gesetzlichen Sockelbetrag von 1.548 EUR &uuml;berstiegen. Freibetr&auml;ge nach &sect; 32 Abs. 6 EStG (Kinderfreibetrag sowie der Freibetrag f&uuml;r den Betreuungs- und Erziehungs- sowie Ausbildungsbedarf) blieben wegen der G&uuml;nstigerpr&uuml;fung gem&auml;&szlig; &sect; 31 EStG ohne Auswirkung. Nach erfolglosem Vorverfahren erhob der Kl&auml;ger Klage. Kinderbetreuungskosten seien in voller H&ouml;he zu ber&uuml;cksichtigen, da die K&uuml;rzung um den Sockelbetrag verfassungswidrig sei. Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab. Die Revision wurde nicht zugelassen. Hiergegen wendet sich der Kl&auml;ger mit vorliegender Nichtzulassungsbeschwerde.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig und deshalb zu verwerfen. Ihre Begr&uuml;ndung entspricht nicht den Anforderungen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO). Danach m&uuml;ssen in der Beschwerdebegr&uuml;ndung die Voraussetzungen des &sect; 115 Abs. 2 FGO dargelegt werden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Die Darlegung der Erforderlichkeit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Fortbildung des Rechts (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 1 FGO) verlangt ebenso wie die Darlegung des Zulassungsgrundes der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO) substantiierte Ausf&uuml;hrungen zur Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit einer hinreichend bestimmten Rechtsfrage, die im konkreten Streitfall voraussichtlich kl&auml;rbar ist und deren Beurteilung zweifelhaft oder umstritten ist. Hierzu muss sich der Beschwerdef&uuml;hrer mit der Rechtsprechung des BFH und den &Auml;u&szlig;erungen im Schrifttum auseinandersetzen (z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 19. Juli 2007 V B 66\/06, BFH\/NV 2007, 2067; vom 14. September 2007 VIII B 20\/07, BFH\/NV 2008, 25; vom 30. Januar 2008 V B 57\/07, BFH\/NV 2008, 611, und vom 8. Oktober 2008 II B 42\/08, BFH\/NV 2009, 46). Insbesondere sind Ausf&uuml;hrungen erforderlich, aus denen sich ergibt, in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchen Gr&uuml;nden die Beantwortung der Rechtsfrage zweifelhaft und umstritten ist (z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 30. August 2001 IV B 79, 80\/01, BFHE 196, 30, BStBl II 2001, 837; vom 22. Januar 2008 X B 185\/07, BFH\/NV 2008, 603; vom 19. Mai 2008 V B 29\/07, BFH\/NV 2008, 1501, unter III.B.1., und in BFH\/NV 2009, 46).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Derartige Ausf&uuml;hrungen sind auch dann erforderlich, wenn die Verfassungswidrigkeit einer Norm geltend gemacht wird. In diesem Fall ist zur substantiierten Darlegung der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache oder der Erforderlichkeit einer Entscheidung des BFH zur Fortbildung des Rechts eine an den Vorgaben des Grundgesetzes sowie der dazu ergangenen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) und des BFH orientierte rechtliche Auseinandersetzung erforderlich (BFH-Beschl&uuml;sse vom 11. April 2007 II B 104\/06, BFH\/NV 2007, 1280, und vom 4. Juli 2007 II B 95\/06, BFH\/NV 2007, 1829, je m.w.N.). In der Beschwerdebegr&uuml;ndung ist zu erl&auml;utern, gegen welche Verfassungsnormen die angewandte Vorschrift versto&szlig;en soll; der geltend gemachte Verfassungsversto&szlig; ist n&auml;her zu begr&uuml;nden (BFH-Beschl&uuml;sse vom 4. Januar 2005 III B 1\/04, BFH\/NV 2005, 1080, und vom 31. Januar 2005 III B 59\/04, BFH\/NV 2005, 1081). Dar&uuml;ber hinaus muss aufgrund der verfassungsrechtlichen Rechtsprechung und ggf. einschl&auml;giger &Auml;u&szlig;erungen im Fachschrifttum dargelegt werden, dass die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der Regelung umstritten oder aus welchen vertretbaren, in der Beschwerdebegr&uuml;ndung n&auml;her zu erl&auml;uternden Gr&uuml;nden sie zumindest zweifelhaft ist (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Beschluss vom 25. Januar 2000 VII B 268\/99, BFH\/NV 2000, 992).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Die Beschwerdebegr&uuml;ndung entspricht diesen Anforderungen nicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger r&uuml;gt zwar die Verfassungswidrigkeit von &sect; 33c EStG in der f&uuml;r die Jahre 2002 bis 2005 geltenden Fassung im Zusammenspiel mit dem Freibetrag f&uuml;r den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf und macht geltend, dass die Entscheidung des FG den Vorgaben des BVerfG (Beschluss vom 16. M&auml;rz 2005) nicht gerecht werde, weil es von den notwendigen Kinderbetreuungskosten in H&ouml;he von 2.991 EUR lediglich 1.443 EUR steuerliche Erheblichkeit beigemessen habe. Das BVerfG habe jedoch entschieden, dass notwendige erwerbsbedingte Kinderbetreuungskosten ungemindert zu ber&uuml;cksichtigen seien. Die sog. G&uuml;nstigerpr&uuml;fung bzw. der Sockelbetrag in H&ouml;he von 1.548 EUR f&uuml;hrten jedoch zu einer K&uuml;rzung der notwendigen Kinderbetreuungskosten. Damit sei &sect; 33c i.V.m. &sect; 32 Abs. 6 EStG in der f&uuml;r die Streitjahre geltenden Fassung verfassungswidrig.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Diesem pauschalen Vorbringen fehlt es an der erforderlichen substantiierten Auseinandersetzung mit der Rechtsprechung des BVerfG, des BFH und der Literatur.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Soweit der Kl&auml;ger r&uuml;gt, dass die Freibetr&auml;ge nach &sect; 32 Abs. 6 EStG und damit auch der Freibetrag f&uuml;r den Betreuungs- und Erziehungs- sowie Ausbildungsbedarf wegen der sog. G&uuml;nstigerpr&uuml;fung nicht zur Anwendung gekommen seien, ist er nicht auf die Rechtsprechung des BVerfG eingegangen, der zufolge es aus verfassungsrechtlicher Sicht unbedenklich ist, dass nach &sect; 31 Satz 1 EStG die steuerliche Freistellung des Existenzminimums von Kindern einschlie&szlig;lich des Betreuungsbedarfs f&uuml;r Erziehung oder Ausbildung entweder durch die Freibetr&auml;ge nach &sect; 32 Abs. 6 EStG oder durch das Kindergeld nach dem X. Abschn. des Einkommensteuergesetzes vom 28. Juni 1996 bewirkt wird. Das BVerfG hat es in das Ermessen des Gesetzgebers gestellt, ob er die verfassungsrechtlich gebotene steuerliche Entlastung durch Steuerfreibetr&auml;ge oder das Kindergeld herbeif&uuml;hren will (BVerfG-Beschl&uuml;sse vom 29. Mai 1990&nbsp;&nbsp;1 BvL 20\/84, 1 BvL 26\/84, 1 BvL 4\/86, BVerfGE 82, 60, BStBl II 1990, 653, unter C.III.1.; vom 10. November 1998&nbsp;&nbsp;2 BvL 42\/93, BVerfGE 99, 246, BStBl II 1999, 174, unter C.I.5. c, cc; vom 8. Juni 2004&nbsp;&nbsp;2 BvL 5\/00, BVerfGE 110, 412, BFH\/NV 2005, Beilage 1, 33; vom 11. Januar 2005&nbsp;&nbsp;2 BvR 167\/02, BVerfGE 112, 164, BFH\/NV 2005, Beilage 3, 260).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Soweit der Kl&auml;ger die Verfassungswidrigkeit des wie ein Selbstbehalt wirkenden Sockelbetrags nach &sect; 33c Abs. 1 EStG und damit die &quot;K&uuml;rzung&quot; der Kinderbetreuungskosten um 1.548 EUR r&uuml;gt, fehlt es u.a. an der Auseinandersetzung mit &Auml;u&szlig;erungen im Fachschrifttum. Der Kl&auml;ger hat weder zu der Literaturauffassung, nach der die Eigenbelastung f&uuml;r verfassungsrechtlich unbedenklich gehalten wird, weil &sect; 33c EStG als zus&auml;tzlicher steuerlicher F&ouml;rdertatbestand keinen uneingeschr&auml;nkten Abzug von Kinderbetreuungskosten verlange (Schmidt\/Glanegger, EStG, 23. Aufl., &sect; 33c Rz 3; a.A. Kanzler, Deutsches Steuerrecht, Beihefter 11\/2002), noch zu der Ansicht Stellung genommen, dass sich der Gesetzgeber bei der Bemessung des Selbstbehalts in H&ouml;he von 1.548 EUR je Kind innerhalb seiner Typisierungsbefugnis gehalten habe, weil es sich bei Kinderbetreuungskosten um gemischt veranlasste Aufwendungen handele (Geserich, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect; 33c Rz A 33). Ebenso fehlen Ausf&uuml;hrungen des Kl&auml;gers dazu, dass der &quot;Eigenbehalt&quot; zur Vermeidung einer Doppelbeg&uuml;nstigung gerechtfertigt sein k&ouml;nnte (Bl&uuml;mich\/Oepen, &sect; 33c EStG Rz 64) oder aber Kinderbetreuungskosten im Wege einer verfassungskonformen Auslegung des &sect; 33c EStG ohne den Ansatz eines nicht abzugsf&auml;higen Mindestbetrags zu ber&uuml;cksichtigen sein k&ouml;nnten (Pust in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, &sect; 33c Rz 22).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.10.2009, VI B 160\/08 Kinderbetreuungskosten &#8211; Anforderungen an die Begr&uuml;ndung der Nichtzulassungsbeschwerde Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. 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