{"id":13311,"date":"2012-12-19T16:02:15","date_gmt":"2012-12-19T14:02:15","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=13311"},"modified":"2012-12-19T16:02:15","modified_gmt":"2012-12-19T14:02:15","slug":"ii-b-4-09-recht-auf-gehoer-grundsaetzliche-bedeutung-einer-rechtsfrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-b-4-09-recht-auf-gehoer-grundsaetzliche-bedeutung-einer-rechtsfrage\/","title":{"rendered":"II&nbsp;B&nbsp;4\/09 &#8211; Recht auf Geh&ouml;r &#8211; Grunds&auml;tzliche Bedeutung einer Rechtsfrage"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 5.11.2009, II B 4\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Recht auf Geh&ouml;r &#8211; Grunds&auml;tzliche Bedeutung einer Rechtsfrage<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) sind Br&uuml;der. Sie waren als Kommanditisten zu je 3 v.H. am Gesellschaftsverm&ouml;gen der &#8230; GmbH &#038; Co. KG (KG) beteiligt. Die anderen 94 v.H. hielt der Vater. Im Gesellschaftsverm&ouml;gen der KG befanden sich sechs Teileigentumseinheiten eines Grundst&uuml;cks.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach zwei Operationen und mehreren Krankenhausaufenthalten verstarb der Vater am &#8230; August 2003. Die Kl&auml;ger schlugen als Miterben zu je 1\/2 ebenso wie die Ehefrau und weitere Erben der zweiten Ordnung die Erbschaft aus. Erben der dritten Ordnung sind nach einer Auskunft des Nachlassgerichts nicht bekannt. Durch Beschluss vom 1. September 2003 wurde das Insolvenzverfahren &uuml;ber das Verm&ouml;gen der KG er&ouml;ffnet. Mit notariell beurkundetem Vertrag vom 7. Oktober 2003 ver&auml;u&szlig;erte der Insolvenzverwalter die Teileigentumseinheiten zum Preis von insgesamt 425.000 EUR an die Kl&auml;ger zu je h&auml;lftigem Miteigentum.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit getrennten Bescheiden vom 4. Februar 2004 setzte der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) gegen die Kl&auml;ger, jeweils bemessen nach dem halben Kaufpreis und unter Ber&uuml;cksichtigung einer Steuerbefreiung gem&auml;&szlig; &sect; 6 Abs. 1 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) in H&ouml;he von 1,5 v.H., eine Steuer von 7.214 EUR fest. Dagegen legten die Kl&auml;ger Einspruch ein und trugen vor, bereits im Mai 2003 h&auml;tten sie sich mit dem Vater dahin verst&auml;ndigt, dass sie, die Kl&auml;ger, die Teileigentumseinheiten von der KG erwerben w&uuml;rden. Wegen der Erkrankung des Vaters sei es aber nicht mehr dazu gekommen. Allerdings sei bereits im August 2003 dem vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalter mitgeteilt worden, dass die Teileigentumseinheiten von ihnen erworben werden sollten. Dieser habe jedoch vor Insolvenzer&ouml;ffnung keine Verwertungshandlungen vorgenommen. W&auml;re es noch zu Lebzeiten des Vaters zum Abschluss des Kaufvertrags gekommen, h&auml;tte ihnen nach &sect; 3 Nr. 6 i.V.m. &sect; 6 Abs. 1 und 3 GrEStG eine nahezu vollkommene Steuerbefreiung zugestanden. Daher h&auml;tten sie einen Anspruch gem&auml;&szlig; den &sect;&sect; 163 und 227 der Abgabenordnung (AO), entweder von der Steuerfestsetzung abzusehen oder aber die Steuer zu erlassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA lehnte die beantragten Billigkeitsma&szlig;nahmen durch Verf&uuml;gungen vom 27. Oktober 2004 ab. Auch dagegen legten die Kl&auml;ger Einspruch ein. Beide Einspr&uuml;che wies das FA mit einer Entscheidung vom 7. November 2006 im Wesentlichen als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Es setzte lediglich die Steuer auf jeweils 6.991 EUR herab, da den Kl&auml;gern jeweils eine Steuerbefreiung in H&ouml;he von 3 v.H. zu gew&auml;hren sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch die Klage blieb erfolglos. Das Finanzgericht (FG) verneinte eine Ermessensreduzierung auf Null. Im Rahmen einer Verkehrsteuer seien blo&szlig; beabsichtigte, aber nicht verwirklichte Rechtsvorg&auml;nge ebenso unbeachtlich wie die Umst&auml;nde, die daran gehindert haben, die Absicht umzusetzen. Dem FA sei auch kein Ermessensfehler unterlaufen. Dies gelte auch f&uuml;r seinen Hinweis, dass sich die Kl&auml;ger an ihrer erbrechtlichen Gestaltungsentscheidung festhalten lassen m&uuml;ssten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger eine Verletzung ihres Rechts auf Geh&ouml;r, da das FG auf ihren Sachvortrag zu den Gr&uuml;nden f&uuml;r den gescheiterten Erwerb noch vom Vater und f&uuml;r die Ausschlagung der Erbschaft nicht eingegangen sei. Der Sache komme auch wegen eines Versto&szlig;es gegen den Gleichheitssatz grunds&auml;tzliche Bedeutung zu. Zu kl&auml;ren sei, unter welchen Voraussetzungen ein Anspruch auf eine Billigkeitsma&szlig;nahme bestehe, wenn eine pers&ouml;nliche Steuerbefreiung ausschlie&szlig;lich infolge einer Verkettung zahlreicher nicht zu vertretender ungl&uuml;cklicher Umst&auml;nde nicht mehr in Anspruch genommen werden k&ouml;nne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet. 1. Die Verfahrensr&uuml;ge, das FG habe das Recht auf Geh&ouml;r verletzt, greift nicht durch. Aus dem Anspruch der Beteiligten auf rechtliches Geh&ouml;r nach Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG), &sect; 96 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) folgt die Verpflichtung des FG, Antr&auml;ge und Ausf&uuml;hrungen der Prozessbeteiligten zur Kenntnis zu nehmen und in Erw&auml;gung zu ziehen. Weiter muss die Begr&uuml;ndung der Entscheidung des FG erkennen lassen, dass das Gericht dieser Pflicht nachgekommen ist (so Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 12. Juli 2005 X B 37\/05, BFH\/NV 2005, 1802, 1804). Allerdings geht diese Verpflichtung nicht so weit, dass sich das Gericht mit jedem Vorbringen in den Entscheidungsgr&uuml;nden ausdr&uuml;cklich befassen m&uuml;sste. Der Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r ist vielmehr erst dann verletzt, wenn sich aus den besonderen Umst&auml;nden des Falles eindeutig ergibt, dass das Gericht ein tats&auml;chliches Vorbringen entweder &uuml;berhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder doch bei seiner Entscheidung ersichtlich nicht in Erw&auml;gung gezogen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies kann im Streitfall nicht angenommen werden. Das FG hat dem Vortrag der Kl&auml;ger lediglich nicht die von ihnen zugedachte Bedeutung beigemessen (vgl. dazu BFH-Beschluss vom 16. August 2005 X B 141\/04, BFH\/NV 2005, 2236). Darin liegt jedoch kein Versto&szlig; gegen den Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r. Sich ein eigenes Urteil zu bilden, geh&ouml;rt zu den origin&auml;ren Aufgaben des FG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Rechtssache kommt auch weder eine grunds&auml;tzliche Bedeutung i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO zu noch erfordert sie eine Revisionsentscheidung zur Fortbildung des Rechts (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 1 FGO). Die von den Kl&auml;gern aufgeworfene Rechtsfrage, der grunds&auml;tzliche Bedeutung zukommen soll, ist einer abstrakten Antwort nicht zug&auml;nglich. Trotz der sprachlichen Wendung der Frage ins Allgemeine m&uuml;sste die Antwort so auf den Streitfall zugeschnitten werden, dass sie nicht mehr verallgemeinerungsf&auml;hig w&auml;re. Gekl&auml;rt ist, dass Billigkeitsma&szlig;nahmen aus sachlichen Gr&uuml;nden ein vom Gesetz gedecktes, aber vom Gesetzgeber nicht gewolltes Ergebnis vermeiden sollen (R&uuml;sken in Klein, AO, 9. Aufl. 2006, &sect; 163 Rz 32). Soll die Pr&uuml;fung, was das im Einzelfall bedeutet, eine Rechtsfrage von grunds&auml;tzlicher Bedeutung ergeben, bed&uuml;rfte es unter Auseinandersetzung mit der einschl&auml;gigen Rechtsprechung einer n&auml;heren Darlegung des abstrakten Interesses der Allgemeinheit an der Beantwortung dieser Frage. Auch daran fehlte es im Streitfall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 5.11.2009, II B 4\/09 Recht auf Geh&ouml;r &#8211; Grunds&auml;tzliche Bedeutung einer Rechtsfrage Tatbestand 1&nbsp; I. 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