{"id":13331,"date":"2012-12-20T02:40:15","date_gmt":"2012-12-20T00:40:15","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=13331"},"modified":"2012-12-20T02:40:15","modified_gmt":"2012-12-20T00:40:15","slug":"ii-r-66-07-anspruch-natuerlicher-personen-auf-erteilung-einer-steuernummer-fuer-umsatzsteuerzwecke-vorsteuerabzug-keine-beruecksichtigung-auslaenderrechtlicher-oder-arbeitsmarktpolitischer-fragen-bei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-66-07-anspruch-natuerlicher-personen-auf-erteilung-einer-steuernummer-fuer-umsatzsteuerzwecke-vorsteuerabzug-keine-beruecksichtigung-auslaenderrechtlicher-oder-arbeitsmarktpolitischer-fragen-bei\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;66\/07 &#8211; Anspruch nat&uuml;rlicher Personen auf Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke &#8211; Vorsteuerabzug &#8211; Keine Ber&uuml;cksichtigung ausl&auml;nderrechtlicher oder arbeitsmarktpolitischer Fragen bei der Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke &#8211; Keine Bindungswirkung der Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke f&uuml;r die sp&auml;tere Festsetzung von Umsatzsteuer oder f&uuml;r die Umsatzsteuer-Vorauszahlungen &#8211; Eingriff in das Grundrecht auf Berufsfreiheit"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 23.9.2009, II R 66\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Anspruch nat&uuml;rlicher Personen auf Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke &#8211; Vorsteuerabzug &#8211; Keine Ber&uuml;cksichtigung ausl&auml;nderrechtlicher oder arbeitsmarktpolitischer Fragen bei der Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke &#8211; Keine Bindungswirkung der Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke f&uuml;r die sp&auml;tere Festsetzung von Umsatzsteuer oder f&uuml;r die Umsatzsteuer-Vorauszahlungen &#8211; Eingriff in das Grundrecht auf Berufsfreiheit<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Hat eine nat&uuml;rliche Person durch Anmeldung eines Gewerbes ernsthaft die Absicht bekundet, unternehmerisch i.S. des &sect; 2 UStG t&auml;tig zu werden, ist ihr au&szlig;er in F&auml;llen eines offensichtlichen, auf die Umsatzsteuer bezogenen Missbrauchs auf Antrag eine Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke zu erteilen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger), ein polnischer Staatsangeh&ouml;riger, erkl&auml;rte in dem Fragebogen zur Betriebser&ouml;ffnung, am 12. Januar 2005 ein Gewerbe als Fliesen- und Estrichleger aufgenommen zu haben. Seinen Antrag, ihm eine Steuernummer zu erteilen, lehnte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) unter Hinweis auf die nach seiner Ansicht fehlende Selbst&auml;ndigkeit der T&auml;tigkeit des Kl&auml;gers ab.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Den Einspruch wies das FA als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck, da der Kl&auml;ger nach den bei einer Umsatzsteuernachschau festgestellten gesamten Umst&auml;nden nicht selbst&auml;ndig t&auml;tig sei. Der Eintragung bei der Handwerkskammer in das Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke komme kein Beweiswert zu.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Zur Begr&uuml;ndung der Klage brachte der Kl&auml;ger vor, er habe sich als Fliesen- und Estrichleger selbst&auml;ndig gemacht. Aufgrund der Weigerung des FA, ihm eine Steuernummer zu erteilen, k&ouml;nne er jedoch keine Auftr&auml;ge annehmen, da er ohne Steuernummer keine Rechnungen erteilen k&ouml;nne. Aus den von ihm vorgelegten Rechnungen ergebe sich im &Uuml;brigen, dass er als Subunternehmer t&auml;tig sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) verpflichtete das FA, dem Kl&auml;ger eine Steuernummer zu erteilen. Dem Kl&auml;ger stehe ein &ouml;ffentlich-rechtlicher Anspruch auf Zuteilung einer Steuernummer zu, da er ohne Steuernummer im Rechtsverkehr nicht handlungsf&auml;hig sei und bei unternehmerischem T&auml;tigwerden nach &sect; 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) jeder Rechnung zwingend eine Steuernummer beif&uuml;gen m&uuml;sse. Ob er unternehmerisch t&auml;tig geworden sei oder nicht, spiele keine Rolle. Die Unternehmereigenschaft sei erst im Rahmen des Besteuerungsverfahrens zu pr&uuml;fen. Die Finanzbeh&ouml;rden seien nicht berechtigt, zur &quot;Gefahrenabwehr&quot; bereits im Vorfeld des T&auml;tigwerdens eines Steuerpflichtigen ihm die steuerliche Erfassung zu versagen. Das Urteil des FG ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2007, 1929 ver&ouml;ffentlicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Revision vertritt das FA die Auffassung, dem Kl&auml;ger stehe kein Anspruch auf Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke zu, weil er nach dem Gesamtbild der Verh&auml;ltnisse kein Unternehmer i.S. des &sect; 2 UStG sei und die blo&szlig;e Erkl&auml;rung der Absicht, unternehmerisch t&auml;tig werden zu wollen, den Anspruch nicht begr&uuml;nden k&ouml;nne. Ob ein Steuerpflichtiger Unternehmer i.S. des &sect; 2 UStG sei, m&uuml;sse bereits vor Erteilung der Steuernummer f&uuml;r umsatzsteuerliche Zwecke eingehend gepr&uuml;ft werden. Mit der Erteilung einer solchen Steuernummer erkenne das FA n&auml;mlich die Unternehmereigenschaft mit bindender Wirkung f&uuml;r den Umsatzsteuerjahresbescheid an.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat das FA zu Recht zur Erteilung einer Steuernummer an den Kl&auml;ger verpflichtet. Die Vorentscheidung ist dabei nach dem Gesamtzusammenhang dahingehend auszulegen, dass es sich um eine Steuernummer handeln muss, die der Kl&auml;ger gem&auml;&szlig; &sect; 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 UStG in von ihm ausgestellten Rechnungen angeben kann.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Ein &ouml;ffentlich-rechtlicher Anspruch von Unternehmern i.S. des &sect; 2 UStG auf Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r umsatzsteuerliche Zwecke ist zwar weder im Gemeinschaftsrecht noch im inl&auml;ndischen Recht ausdr&uuml;cklich vorgesehen; ein solcher Anspruch ergibt sich aber mittelbar aus &sect; 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 UStG (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 26. Februar 2008 II B 6\/08, BFH\/NV 2008, 1004). Nach dieser Vorschrift muss eine Rechnung u.a. die dem leistenden Unternehmer vom Finanzamt erteilte Steuernummer oder die ihm vom Bundeszentralamt f&uuml;r Steuern erteilte Umsatzsteuer-Identifikationsnummer enthalten. Gem&auml;&szlig; &sect; 14 Abs. 2 Satz 1 UStG ist der Unternehmer, der eine Lieferung oder eine sonstige Leistung nach &sect; 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG ausf&uuml;hrt, verpflichtet, innerhalb von sechs Monaten nach Ausf&uuml;hrung der Leistung eine Rechnung auszustellen, wenn er einen Umsatz an einen anderen Unternehmer f&uuml;r dessen Unternehmen oder an eine juristische Person ausf&uuml;hrt (&sect; 14 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 UStG) oder wenn er eine steuerpflichtige Werklieferung (&sect; 3 Abs. 4 Satz 1 UStG) oder sonstige Leistung im Zusammenhang mit einem Grundst&uuml;ck ausf&uuml;hrt (&sect; 14 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 UStG).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Leistungsempf&auml;nger seinerseits kann das Recht auf Vorsteuerabzug gem&auml;&szlig; &sect; 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Satz 2 UStG nur aus&uuml;ben, wenn er eine nach den &sect;&sect; 14, 14a UStG ausgestellte Rechnung besitzt. Enth&auml;lt die Rechnung weder eine dem leistenden Unternehmer erteilte Steuernummer noch dessen Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, kann der Vorsteuerabzug nicht ausge&uuml;bt werden (Wagner in S&ouml;lch\/Ringleb, Umsatzsteuer, &sect; 15 Rz 359 bis 361; Hundt-E&szlig;wein in Offerhaus\/S&ouml;hn\/Lange, &sect; 15 UStG Rz 95; Stadie in Rau\/D&uuml;rrw&auml;chter, Umsatzsteuergesetz, &sect; 15 Rz 301 f.; Heidner in Bunjes\/Geist, UStG, 9. Aufl., &sect; 15 Rz 137a; Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 29. Januar 2004, Rz 32, 36, 87 Abs. 2 Satz 2, BStBl I 2004, 258).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Steuernummer dient danach nicht nur der verwaltungstechnischen Erfassung von Steuerpflichtigen und der Durchf&uuml;hrung des Besteuerungsverfahrens. Sie ist vielmehr regelm&auml;&szlig;ig Voraussetzung f&uuml;r ein selbst&auml;ndiges gewerbliches oder berufliches T&auml;tigwerden, soweit nicht ausnahmsweise ausschlie&szlig;lich Ums&auml;tze ausgef&uuml;hrt werden sollen, f&uuml;r die die Ausstellung einer Rechnung mit Angabe der Steuernummer oder der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer nicht vorgeschrieben ist. Der Verpflichtung des Unternehmers zur Ausstellung von Rechnungen unter Angabe der Steuernummer steht demgem&auml;&szlig; ein &ouml;ffentlich-rechtlicher Anspruch des Unternehmers auf Erteilung einer Steuernummer gegen&uuml;ber (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2008, 1004). Die Steuernummer ist zudem auch Voraussetzung f&uuml;r die Erteilung einer Umsatzsteuer-Identifikationsnummer nach &sect; 27a UStG. In dem Antrag auf Erteilung einer solchen Nummer ist n&auml;mlich die Steuernummer anzugeben, unter der der Antragsteller umsatzsteuerlich gef&uuml;hrt wird (&sect; 27a Abs. 1 Satz 6 UStG).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Anspruch auf Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke besteht bereits dann, wenn der Antragsteller ernsthaft erkl&auml;rt, ein selbst&auml;ndiges gewerbliches oder berufliches T&auml;tigwerden zu beabsichtigen. Da, wie dargelegt, die Erteilung der Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke regelm&auml;&szlig;ig Voraussetzung f&uuml;r ein solches T&auml;tigwerden ist, kann sie nicht davon abh&auml;ngig gemacht werden, dass eine entsprechende T&auml;tigkeit bereits aufgenommen wurde. Lediglich in offensichtlichen Missbrauchsf&auml;llen kann die Erteilung der Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke abgelehnt werden. Der Missbrauch muss sich dabei auf die Umsatzsteuer beziehen und kann insbesondere in dem offenkundig verfolgten Ziel bestehen, den Vorsteuerabzug f&uuml;r zu privaten Zwecken bezogene Lieferungen oder Leistungen zu Unrecht in Anspruch nehmen zu k&ouml;nnen. Ausl&auml;nderrechtliche oder arbeitsmarktpolitische Fragen k&ouml;nnen bereits wegen der insoweit fehlenden Zust&auml;ndigkeit der Finanz&auml;mter nicht ber&uuml;cksichtigt werden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Gegen die grunds&auml;tzliche Verpflichtung zur Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke allein aufgrund der vom Antragsteller abgegebenen ernsthaften Erkl&auml;rung, ein selbst&auml;ndiges gewerbliches oder berufliches T&auml;tigwerden zu beabsichtigen, kann entgegen der Ansicht des FA nicht eingewandt werden, dass sich aus der Erteilung eine Bindungswirkung f&uuml;r die sp&auml;tere Festsetzung von Umsatzsteuer oder Umsatzsteuer-Vorauszahlungen ergebe. Eine gesetzliche Grundlage f&uuml;r eine solche Bindungswirkung gibt es nicht. Beim Erlass von Umsatzsteuerbescheiden ist vielmehr die Unternehmereigenschaft eigenst&auml;ndig zu pr&uuml;fen, ohne dass es auf die Erteilung einer Steuernummer ankommt (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 29. Juni 2000 V R 28\/99, BFHE 191, 468, BStBl II 2000, 597; vom 10. M&auml;rz 2005 V R 29\/03, BFHE 209, 162, BStBl II 2005, 730, und vom 11. Oktober 2007 V R 77\/05, BFHE 219, 277, BStBl II 2008, 443). Die Berechtigung zum Vorsteuerabzug in F&auml;llen, in denen es aus tats&auml;chlichen oder rechtlichen Gr&uuml;nden nicht zur Ausf&uuml;hrung steuerpflichtiger, zum Vorsteuerabzug berechtigender Ums&auml;tze kommt, wird ebenfalls nicht aus der Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke abgeleitet. Entscheidend sind vielmehr die durch objektive Anhaltspunkte belegte Absicht, i.S. von &sect; 2 UStG eine Umsatzt&auml;tigkeit gegen Entgelt selbst&auml;ndig auszu&uuml;ben, sowie die T&auml;tigung erster Investitionsausgaben f&uuml;r diesen Zweck (BFH-Urteile vom 22. Februar 2001 V R 77\/96, BFHE 194, 498, BStBl II 2003, 426; vom 8. M&auml;rz 2001 V R 24\/98, BFHE 194, 522, BStBl II 2003, 430, und vom 17. Mai 2001 V R 38\/00, BFHE 195, 437, BStBl II 2003, 434; BFH-Beschluss vom 23. Mai 2002 V B 104\/01, BFH\/NV 2002, 1351). Die Unternehmereigenschaft des Leistenden ist bei der Steuerfestsetzung gegen den Leistungsempf&auml;nger, der den Vorsteuerabzug begehrt, und in einem etwaigen Rechtsstreit ebenfalls eigenst&auml;ndig zu pr&uuml;fen (BFH-Beschluss vom 19. Februar 2008 XI B 205\/07, BFH\/NV 2008, 1210).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Dass die Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke f&uuml;r die sp&auml;tere Festsetzung von Umsatzsteuer bindend sei, l&auml;sst sich entgegen der Auffassung des FA auch nicht aus der von ihm angef&uuml;hrten Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Gemeinschaften (EuGH) ableiten. Die EuGH-Urteile vom 29. Februar 1996 Rs. C-110\/94, Inzo (Slg. 1996, I-857, BStBl II 1996, 655), vom 8. Juni 2000 C-396\/98, Schlo&szlig;stra&szlig;e (Slg. 2000, I-4279, BStBl II 2003, 446) und vom 8. Juni 2000 C-400\/98, Breitsohl (Slg. 2000, I-4321, BStBl II 2003, 452) betreffen ebenso wie die darauf aufbauende Rechtsprechung des BFH (Urteile in BFHE 194, 498, BStBl II 2003, 426; in BFHE 194, 522, BStBl II 2003, 430, und in BFHE 195, 437, BStBl II 2003, 434; Beschluss in BFH\/NV 2002, 1351) die Berechtigung zum Vorsteuerabzug, wenn es nicht zur Ausf&uuml;hrung steuerpflichtiger Ums&auml;tze kommt. Diese Berechtigung hat der EuGH ebenso wie der BFH nicht aus der Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke abgeleitet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der EuGH hat in den o.g. Entscheidungen zudem klargestellt, dass in Missbrauchs- oder Betrugsf&auml;llen kein Recht zum Vorsteuerabzug besteht. Die Eigenschaft als Steuerpflichtiger wird danach nur dann endg&uuml;ltig erlangt, wenn die Erkl&auml;rung, die beabsichtigten wirtschaftlichen T&auml;tigkeiten aufnehmen zu wollen, vom Betroffenen in gutem Glauben abgegeben worden ist, nicht hingegen, wenn der Betroffene die Absicht, eine bestimmte wirtschaftliche T&auml;tigkeit aufzunehmen, nur vorgespiegelt, in Wirklichkeit jedoch versucht hat, Gegenst&auml;nde, deren Erwerb zum Vorsteuerabzug berechtigen kann, seinem Privatverm&ouml;gen zuzuf&uuml;hren.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das vom FA ferner angef&uuml;hrte EuGH-Urteil vom 28. Juni 2007 C-73\/06, Planzer Luxembourg Sarl (Slg. 2007, I-5655, BFH\/NV 2007, Beilage 4, 418) ist nicht einschl&auml;gig. Es betrifft die Bindungswirkung der Unternehmerbescheinigung nach Art. 3 Buchst. b und Art. 9 Abs. 2 der Achten Richtlinie des Rates vom 6. Dezember 1979 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten &uuml;ber die Umsatzsteuern 79\/1072\/EWG (in Deutschland: &sect; 61 Abs. 3 der Umsatzsteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung) und den Begriff des Sitzes der wirtschaftlichen T&auml;tigkeit i.S. des Art. 1 Nr. 1 der Dreizehnten Richtlinie des Rates vom 17. November 1986 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten &uuml;ber die Umsatzsteuern 86\/560\/EWG.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Das FG hat das FA danach zu Recht verpflichtet, dem Kl&auml;ger eine Steuernummer f&uuml;r umsatzsteuerliche Zwecke zu erteilen. Der Kl&auml;ger hat durch die Gewerbeanmeldung bei der Handwerkskammer und die Angaben im Fragebogen zur Betriebser&ouml;ffnung ernsthaft seine Absicht bekundet, eine selbst&auml;ndige gewerbliche T&auml;tigkeit auszu&uuml;ben. Aus den vom FG getroffenen Feststellungen und den Ausf&uuml;hrungen des FA in der Einspruchsentscheidung und im gerichtlichen Verfahren l&auml;sst sich nicht entnehmen, dass der Antrag des Kl&auml;gers, ihm eine Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke zu erteilen, bezogen auf die Umsatzsteuer offensichtlich missbr&auml;uchlich ist. Auf die Frage, ob der Kl&auml;ger tats&auml;chlich als Unternehmer (&sect; 2 Abs. 1 Satz 1 UStG) oder gem&auml;&szlig; &sect; 2 Abs. 2 Nr. 1 UStG nicht selbst&auml;ndig t&auml;tig geworden ist, kommt es nicht an (vgl. zur Abgrenzung BFH-Urteil vom 25. Juni 2009 V R 37\/08, BFH\/NV 2009, 1749, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Weigerung, dem Kl&auml;ger die beantragte Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke zu erteilen, hat das FA ohne gesetzliche Grundlage in den Schutzbereich der dem Kl&auml;ger zustehenden Grundrechte eingegriffen. F&uuml;r Deutsche und f&uuml;r inl&auml;ndische juristische Personen des Privatrechts gilt insoweit das Grundrecht auf Berufsfreiheit nach Art. 12 Abs. 1 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211; (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2008, 1004). Ob dem Kl&auml;ger als polnischem Staatsangeh&ouml;rigen &uuml;ber den Wortlaut des Art. 12 Abs. 1 GG hinaus dieses Grundrecht aufgrund gemeinschaftsrechtlicher Anforderungen ebenfalls zusteht, kann auf sich beruhen (vgl. dazu Di Fabio in Maunz\/D&uuml;rig, Komm. z. GG, Art. 2 Abs. 1 Rz 35; Scholz in Maunz\/D&uuml;rig, a.a.O., Art. 12 Rz 105; Mann in Sachs, Grundgesetz, 5. Aufl., Art. 12 Rz 34 f.; Jarass in Jarass\/Pieroth, Grundgesetz f&uuml;r die Bundesrepublik Deutschland, Kommentar, 10. Aufl., Art. 12 Rz 10 und Art. 19 Rz 12; Wieland in Dreier, Grundgesetz-Kommentar, Bd. 1, 2. Aufl., Art. 12 Rz 72; Manssen in v. Mangoldt\/Klein\/ Starck, GG, 5. Aufl., Art. 12 Abs. 1 Rz 265; Umbach in Umbach\/ Clemens, Grundgesetz, Mitarbeiterkommentar, Art. 12 Rz 65). Jedenfalls genie&szlig;t der Kl&auml;ger den Schutz der allgemeinen Handlungsfreiheit nach Art. 2 Abs. 1 GG (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 10. Mai 1988&nbsp;&nbsp;1 BvR 482\/84 u.a., BVerfGE 78, 179, 196 f.; BVerfG-Urteil vom 15. Januar 2002&nbsp;&nbsp;1 BvR 1783\/99, BVerfGE 104, 337, 345 f.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 23.9.2009, II R 66\/07 Anspruch nat&uuml;rlicher Personen auf Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke &#8211; Vorsteuerabzug &#8211; Keine Ber&uuml;cksichtigung ausl&auml;nderrechtlicher oder arbeitsmarktpolitischer Fragen bei der Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke &#8211; Keine Bindungswirkung der Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke f&uuml;r die sp&auml;tere Festsetzung von Umsatzsteuer oder f&uuml;r die Umsatzsteuer-Vorauszahlungen &#8211; Eingriff in das &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-66-07-anspruch-natuerlicher-personen-auf-erteilung-einer-steuernummer-fuer-umsatzsteuerzwecke-vorsteuerabzug-keine-beruecksichtigung-auslaenderrechtlicher-oder-arbeitsmarktpolitischer-fragen-bei\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;66\/07 &#8211; Anspruch nat&uuml;rlicher Personen auf Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke &#8211; Vorsteuerabzug &#8211; Keine Ber&uuml;cksichtigung ausl&auml;nderrechtlicher oder arbeitsmarktpolitischer Fragen bei der Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke &#8211; Keine Bindungswirkung der Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r Umsatzsteuerzwecke f&uuml;r die sp&auml;tere Festsetzung von Umsatzsteuer oder f&uuml;r die Umsatzsteuer-Vorauszahlungen &#8211; Eingriff in das Grundrecht auf Berufsfreiheit<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-13331","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13331","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13331"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13331\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13331"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13331"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13331"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}