{"id":13372,"date":"2012-12-19T16:11:24","date_gmt":"2012-12-19T14:11:24","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=13372"},"modified":"2012-12-19T16:11:24","modified_gmt":"2012-12-19T14:11:24","slug":"ii-b-58-09-vorrang-des-abrechnungsverfahrens-isd-par-218-abs-2-ao-gegenueber-verfahren-auf-schlichten-widerruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-b-58-09-vorrang-des-abrechnungsverfahrens-isd-par-218-abs-2-ao-gegenueber-verfahren-auf-schlichten-widerruf\/","title":{"rendered":"II&nbsp;B&nbsp;58\/09 &#8211; Vorrang des Abrechnungsverfahrens i.S.d. &sect; 218 Abs. 2 AO gegen&uuml;ber Verfahren auf schlichten Widerruf"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.10.2009, II B 58\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Vorrang des Abrechnungsverfahrens i.S.d. &sect; 218 Abs. 2 AO gegen&uuml;ber Verfahren auf schlichten Widerruf<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist als Betriebsberaterin t&auml;tig und hatte seit 1999 im Bereich des Landratsamts X eine Betriebsberatung angemeldet. Mit Bescheid vom 15. Januar 2004 untersagte das vorgenannte Landratsamt der Kl&auml;gerin die Aus&uuml;bung ihres Gewerbes sowie jede andere selbst&auml;ndige gewerbliche T&auml;tigkeit und ordnete den sofortigen Vollzug an. Den dagegen gerichteten Antrag nach &sect; 80 Abs. 5 der Verwaltungsgerichtsordnung wies das Verwaltungsgericht Y (VG) mit Beschluss vom 2. M&auml;rz 2004 ab. Die Annahme der gewerberechtlichen Unzuverl&auml;ssigkeit der Kl&auml;gerin st&uuml;tzte das VG dabei auf eine Mitteilung des Beklagten und Beschwerdegegners (Finanzamt &#8211;FA&#8211;), wonach in der Person der Kl&auml;gerin Steuerr&uuml;ckst&auml;nde von &uuml;ber 100.000 EUR bestanden und diese ihre Einkommen- und Umsatzsteuererkl&auml;rungen 2001 und 2002 sowie ihre Umsatzsteuervoranmeldungen Januar bis Dezember 2001 und Lohnsteueranmeldungen f&uuml;r das II. Quartal 2003 nicht eingereicht hatte.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Schreiben vom 15. April 2004 stellte das FA gegen&uuml;ber dem Landratsamt X richtig, dass die Kl&auml;gerin ihre Umsatzsteuervoranmeldungen f&uuml;r das Jahr 2001 zwar teilweise versp&auml;tet, aber doch insgesamt eingereicht habe.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die von der Kl&auml;gerin gegen die Untersagungsverf&uuml;gung des Landratsamts X in Gestalt des dazu ergangenen Widerspruchsbescheides im Hauptsacheverfahren erhobene Klage wies das VG mit inzwischen rechtskr&auml;ftigem Urteil vom 8. Juni 2005 ebenfalls ab und verwies zur Begr&uuml;ndung auf eine weitere Mitteilung des FA vom 13. Januar 2005, in der Steuerr&uuml;ckst&auml;nde in H&ouml;he von insgesamt 102.581,12 EUR angef&uuml;hrt waren.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Am 4. August 2006 erhob die Kl&auml;gerin beim Finanzgericht (FG) Klage gegen das FA mit dem Antrag, dieses zu verpflichten, die Entscheidungen des VG wegen Versto&szlig;es gegen die Rechtsstaatlichkeit aufheben zu lassen. Das FG wies die Klage im angefochtenen Urteil als unzul&auml;ssig ab, da der Kl&auml;gerin ein Rechtsschutzinteresse fehle. Soweit der Antrag der Kl&auml;gerin als solcher auf &Auml;nderung der ergangenen Auskunft &uuml;ber ihre steuerlichen Verh&auml;ltnisse auszulegen sei und sie die zun&auml;chst mitgeteilte Nichtabgabe ihrer Umsatzsteuervoranmeldungen 2001 r&uuml;ge, sei eine Korrektur erfolgt und sei die fehlerhafte Mitteilung nicht im Hauptsacheverfahren verwertet worden. Soweit sie die H&ouml;he der mitgeteilten Steuerr&uuml;ckst&auml;nde selbst r&uuml;ge, gehe einem Antrag auf Korrektur einer formlosen Kassenmitteilung ein solcher auf Erlass eines Abrechnungsbescheides gem&auml;&szlig; &sect; 218 Abs. 2 der Abgabenordnung (AO) vor. Insoweit fehle es allerdings an einem Vorverfahren bzw. einem Unt&auml;tigkeitseinspruch. Auch soweit der Antrag der Kl&auml;gerin als Feststellungsantrag zu werten sei, ergebe sich nichts anderes, weil die seinerzeit erteilte fehlerhafte Auskunft nur beh&ouml;rdenintern verwendet und inzwischen auch korrigiert worden sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit ihrer Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision macht die Kl&auml;gerin die grunds&auml;tzliche Bedeutung der Rechtssache sowie das Vorliegen von Verfahrensm&auml;ngeln, auf denen die Vorentscheidung beruhe, geltend.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet. Die Revision ist weder wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung der Rechtssache (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) noch wegen des Vorliegens eines Verfahrensmangels, auf dem die Vorentscheidung beruht (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO), zuzulassen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Soweit die Kl&auml;gerin die Frage aufwirft, ob ein Abrechnungsverfahren nach &sect; 218 Abs. 2 AO gegen&uuml;ber einem auf Widerruf finanzbeh&ouml;rdlicher Behauptungen zu Steuerr&uuml;ckst&auml;nden gerichteten Verfahren vorrangig ist, kommt ihr keine grunds&auml;tzliche Bedeutung i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO zu, weil sie nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig ist. Dies folgt daraus, dass sich die Antwort auf die aufgeworfene Frage ohne weiteres aus dem Gesetz ergibt und sie offensichtlich so zu beantworten ist, wie es das FG getan hat (vgl. Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 17. Oktober 2001 III B 65\/01, BFH\/NV 2002, 217; vom 26. Mai 2004 III B 89\/03, BFH\/NV 2004, 1221). Nach &sect; 218 Abs. 2 Satz 1 AO entscheidet die Finanzbeh&ouml;rde &uuml;ber Streitigkeiten, die die Verwirklichung der Anspr&uuml;che i.S. des Abs. 1 der Vorschrift betreffen, durch Verwaltungsakt. Vom danach zu erlassenden Abrechnungsbescheid sind die sog. formlosen Kassenmitteilungen zu unterscheiden, die jederzeit von der Finanzbeh&ouml;rde erbeten werden k&ouml;nnen, die aber nur als unverbindliche Mitteilungen Auskunft &uuml;ber den Stand des betroffenen Steuerkontos geben. Diese Mitteilungen haben sowohl in der Form einer formlosen Mitteilung als auch derjenigen eines Kontoauszuges allerdings nicht den Charakter eines Verwaltungsaktes, weshalb weder die Finanzbeh&ouml;rde noch der Steuerpflichtige an sie gebunden sind (BFH-Urteil vom 25. Februar 1992 VII R 41\/91, BFH\/NV 1992, 716). Entsprechend ist auch kein Rechtsbehelf gegen Kassenmitteilungen gegeben, sondern sind Meinungsverschiedenheiten &uuml;ber den Kontenstand im Rahmen eines Abrechnungsverfahrens zu kl&auml;ren (vgl. Alber in H&uuml;bschmann\/ Hepp\/Spitaler, &sect; 218 AO Rz 108). Dies wiederum folgt unmittelbar aus dem Wortlaut des &sect; 218 Abs. 2 Satz 1 AO, wonach die Finanzbeh&ouml;rde &uuml;ber die dort aufgef&uuml;hrten Streitigkeiten durch Verwaltungsakt entscheidet. F&uuml;r ein auf den Widerruf von Aus-k&uuml;nften &uuml;ber den Stand des Steuerkontos gerichtetes Verfahren ist daneben kein Raum.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Auch ist die Frage, ob ein Feststellungsinteresse bei einer falschen Auskunft des FA in einem Gewerbeuntersagungsverfahren, die sich dort nicht ausgewirkt hat, vorliegt, nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig. Es ist offensichtlich, dass eine fehlerhafte Auskunft, die f&uuml;r den Ausgang des verwaltungsgerichtlichen Hauptsacheverfahrens keine Rolle gespielt hat, f&uuml;r einen m&ouml;glichen Schaden der Kl&auml;gerin nicht kausal sein kann. Entsprechend fehlt insoweit ein Feststellungsinteresse. Nichts anderes ergibt sich mit Blick auf ein Verfahren zur Wiedererlangung der Gewerbeerlaubnis; auch insoweit kann die angegriffene Auskunft keine negativen Auswirkungen f&uuml;r die Kl&auml;gerin haben, weil sie inzwischen gegen&uuml;ber dem Landratsamt Miltenberg korrigiert worden ist.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Mit ihren Verfahrensr&uuml;gen dringt die Kl&auml;gerin ebenfalls nicht durch.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Soweit sie geltend macht, das FG habe den Sachverhalt mit Blick auf die H&ouml;he der Steuerschulden nicht hinreichend aufgekl&auml;rt und dadurch &sect; 76 Abs. 1 FGO verletzt, verkennt sie, dass das FG seine Entscheidung gerade auf den Umstand gest&uuml;tzt hat, dass insoweit vorrangig ein Abrechnungsverfahren durchzuf&uuml;hren und deshalb ihr Klagebegehren unzul&auml;ssig war. Einer weiteren Aufkl&auml;rung des Sachverhalts bedurfte es danach nicht, weshalb eine Verletzung des &sect; 76 Abs. 1 FGO, auf welcher die Vorentscheidung beruhen k&ouml;nnte, ausscheidet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Das FG hat auch nicht das Recht der Kl&auml;gerin auf rechtliches Geh&ouml;r (&sect; 96 Abs. 2 FGO) dadurch verletzt, dass es dem Vertagungsantrag des Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin nicht stattgegeben hat. Dies folgt schon daraus, dass dieser seinen Antrag nicht begr&uuml;ndet und dennoch der m&uuml;ndlichen Verhandlung ferngeblieben ist. Das FG hat auch den unklar formulierten kl&auml;gerischen Antrag unter allen erdenklichen rechtlichen Gesichtspunkten und unter Wahrung der Interessenlage der Kl&auml;gerin ausgelegt. Da sie nicht schl&uuml;ssig vorgetragen hat, in welcher anderen Weise ihr Antrag h&auml;tte ausgelegt werden m&uuml;ssen, dringt sie auch insoweit mit ihrer Verfahrensr&uuml;ge nicht durch.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.10.2009, II B 58\/09 Vorrang des Abrechnungsverfahrens i.S.d. &sect; 218 Abs. 2 AO gegen&uuml;ber Verfahren auf schlichten Widerruf Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist als Betriebsberaterin t&auml;tig und hatte seit 1999 im Bereich des Landratsamts X eine Betriebsberatung angemeldet. Mit Bescheid vom 15. 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