{"id":13448,"date":"2012-12-08T13:45:16","date_gmt":"2012-12-08T11:45:16","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=13448"},"modified":"2012-12-08T13:45:16","modified_gmt":"2012-12-08T11:45:16","slug":"iii-r-64-07-anspruch-auf-kindergeld-bei-unentgeltlichem-friedensdienst-des-kindes-im-ausland-verfassungsmaessigkeit-der-unterschiedlichen-beruecksichtigung-von-soehnen-und-toechtern-beim-kindergeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-64-07-anspruch-auf-kindergeld-bei-unentgeltlichem-friedensdienst-des-kindes-im-ausland-verfassungsmaessigkeit-der-unterschiedlichen-beruecksichtigung-von-soehnen-und-toechtern-beim-kindergeld\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;64\/07 &#8211; Anspruch auf Kindergeld bei unentgeltlichem Friedensdienst des Kindes im Ausland &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der unterschiedlichen Ber&uuml;cksichtigung von S&ouml;hnen und T&ouml;chtern beim Kindergeld"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 18.3.2009, III R 64\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Anspruch auf Kindergeld bei unentgeltlichem Friedensdienst des Kindes im Ausland &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der unterschiedlichen Ber&uuml;cksichtigung von S&ouml;hnen und T&ouml;chtern beim Kindergeld<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die im Jahr 1984 geborene Tochter (T) des Kl&auml;gers und Revisionskl&auml;gers (Kl&auml;ger) nahm nach dem Ende ihrer Schulausbildung vom 15. September 2003 bis 25. August 2004 an einem von der &quot;Aktion S&uuml;hnezeichen Friedensdienste e.V.&quot; durchgef&uuml;hrten sozialen Friedensdienst in der Tschechischen Republik teil. Sie betreute alte Gemeindemitglieder der J&uuml;dischen Gemeinde in X. Neben freier Gemeinschaftsunterkunft und Verpflegung erhielt sie ein monatliches Taschengeld in H&ouml;he von 70 EUR.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Bescheid vom 9. September 2003 hob die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) die Festsetzung des Kindergeldes ab August 2003 auf. Der von T geleistete Dienst erf&uuml;lle nicht die Voraussetzungen des &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d des Einkommensteuergesetzes (EStG) in der f&uuml;r den streitigen Zeitraum geltenden Fassung.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit dem Einspruch machte der Kl&auml;ger geltend, der von T geleistete Dienst entspreche einem Dienst i.S. des &sect; 14b des Zivildienstgesetzes (ZDG). Es versto&szlig;e gegen Art. 3 Abs. 2 des Grundgesetzes (GG), zum Zivildienst verpflichtete S&ouml;hne, die einen solchen Dienst leisteten zu ber&uuml;cksichtigen, T&ouml;chter dagegen nicht. Die Familienkasse wies den Einspruch als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Revision tr&auml;gt der Kl&auml;ger vor, &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG sei auf den Streitfall analog anzuwenden, da der von T geleistete Dienst einem Dienst im Ausland i.S. des &sect; 14b ZDG entspreche. T sei lediglich nicht als Kriegsdienstverweigerin anerkannt. Dies k&ouml;nne eine Ungleichbehandlung aber nicht rechtfertigen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Er beantragt sinngem&auml;&szlig;, den Bescheid vom 9. September 2003 und die Einspruchsentscheidung vom 9. Januar 2004 aufzuheben.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Familienkasse beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und wird zur&uuml;ckgewiesen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Zu Recht hat das FG die Gew&auml;hrung von Kindergeld abgelehnt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Im Streitzeitraum wird ein Kind, welches das 18. Lebensjahr, aber noch nicht das 27. Lebensjahr vollendet hat, nach &sect; 62 Abs. 1, &sect; 63 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. &sect; 32 Abs. 1 Nr. 1, &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG f&uuml;r die Gew&auml;hrung von Kindergeld ber&uuml;cksichtigt, wenn es ein freiwilliges soziales Jahr im Sinne des Gesetzes zur F&ouml;rderung eines freiwilligen sozialen Jahres in der Bekanntmachung der Neufassung vom 15. Juli 2002 (BGBl I 2002, 2596) &#8211;FSJG&#8211;, ein freiwilliges &ouml;kologisches Jahr im Sinne des Gesetzes zur F&ouml;rderung eines freiwilligen &ouml;kologischen Jahres in der Bekanntmachung der Neufassung vom 15. Juli 2002 (BGBl I 2002, 2600) &#8211;F&Ouml;JG&#8211;, einen Freiwilligendienst im Sinne des Beschlusses Nr. 1031\/2000\/EG des Europ&auml;ischen Parlaments und des Rates vom 13. April 2000 (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Gemeinschaften &#8211;ABlEG&#8211; 2000 Nr. L 117, 1) &#8211;EFD&#8211; oder einen anderen Dienst im Ausland i.S. von &sect; 14b ZDG leistet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG ist im Streitfall nicht unmittelbar anwendbar. Hiervon gehen auch die Beteiligten aus. Die Voraussetzungen f&uuml;r eine entsprechende Anwendung des &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG i.V.m. &sect; 14b ZDG liegen entgegen der Auffassung des Kl&auml;gers nicht vor.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Eine Analogie setzt eine planwidrige Regelungsl&uuml;cke voraus. Eine solche Regelungsl&uuml;cke liegt vor, wenn eine Regelung gemessen an ihrem Zweck unvollst&auml;ndig, d.h. erg&auml;nzungsbed&uuml;rftig ist und wenn ihre Erg&auml;nzung nicht einer vom Gesetzgeber beabsichtigten Beschr&auml;nkung auf bestimmte Tatbest&auml;nde widerspricht (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Senatsurteil vom 2. Juni 2005 III R 86\/03, BFHE 210, 137, BStBl II 2005, 756).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Wie das FG zutreffend ausgef&uuml;hrt hat, l&auml;sst &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG keine planwidrige Regelungsl&uuml;cke erkennen. Es sollen nur die Kinder steuerrechtlich ber&uuml;cksichtigt werden, die einen Freiwilligendienst leisten, der die Voraussetzungen des &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG in Verbindung mit der jeweiligen Verweisungsnorm erf&uuml;llt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Kindergeld dient der steuerlichen Freistellung des Existenzminimums eines Kindes und, soweit es daf&uuml;r nicht erforderlich ist, der F&ouml;rderung der Familie (&sect; 31 S&auml;tze 1 und 2 EStG). Ein Anspruch auf Kindergeld besteht bis zur Vollj&auml;hrigkeit des Kindes uneingeschr&auml;nkt, weil der Gesetzgeber typisierend von einer Belastung der Eltern durch Unterhaltsaufwendungen ausgeht, solange die Kinder minderj&auml;hrig sind. Vollj&auml;hrige Kinder werden dagegen nur ber&uuml;cksichtigt, wenn sie einen der Tatbest&auml;nde des &sect; 32 Abs. 4 und 5 EStG erf&uuml;llen, bei denen der Gesetzgeber typisierend annimmt, dass den Eltern trotz der Vollj&auml;hrigkeit Unterhaltsaufwendungen entstehen (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs vom 15. Juli 2003 VIII R 47\/02, BFHE 203, 106, BStBl II 2003, 848), wie z.B. bei einem vollj&auml;hrigen Kind, das seine Ausbildung noch nicht beendet hat. Nach &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a bis c EStG wird daher u.a. Kindergeld gew&auml;hrt, wenn sich das Kind in Ausbildung oder in einer &Uuml;bergangszeit zwischen zwei Ausbildungsabschnitten von h&ouml;chstens vier Monaten befindet oder auf einen Ausbildungsplatz wartet, sofern seine Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge den ma&szlig;gebenden Jahresgrenzbetrag (&sect; 32 Abs. 4 Satz 2 EStG) nicht &uuml;bersteigen. In &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG werden die im Einzelnen aufgef&uuml;hrten freiwilligen Dienste der Ausbildung gleichgestellt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Entgegen der Auffassung des Kl&auml;gers enth&auml;lt &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG keine zu einer Analogie berechtigende ungewollte Regelungsl&uuml;cke. Aus Wortlaut, Entstehungsgeschichte und Zweck der Vorschrift ergibt sich, dass der Gesetzgeber die Kindergeldberechtigung bei Freiwilligendiensten eines vollj&auml;hrigen Kindes auf die konkret umschriebenen Dienste beschr&auml;nken wollte. Die Dienste im Sinne des FSJG und des F&Ouml;JG wie auch die EFD sind jugendpolitische Bildungsangebote, die der beruflichen und pers&ouml;nlichen Orientierung dienen. Sie werden p&auml;dagogisch begleitet und sollen den Jugendlichen soziale, kulturelle und interkulturelle Kompetenzen vermitteln und ihr Verantwortungsbewusstsein f&uuml;r das Gemeinwohl st&auml;rken (vgl. z.B. Brosch&uuml;re des Bundesministeriums f&uuml;r Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Freiwilliges Soziales Jahr, Freiwilliges &Ouml;kologisches Jahr, 5. Aufl. 2000; ABlEG 2000 Nr. L 217, 2). Der Gesetzgeber sieht diese Dienste als &#8211;an Lernzielen ausgerichtete&#8211; Bildungsdienste an (vgl. Gesetzesbegr&uuml;ndung zum Entwurf eines Gesetzes zur F&ouml;rderung von Jugendfreiwilligendiensten, welches das FSJG und das F&Ouml;JG zusammenfasst, BTDrucks 16\/6519, 1, 12 ff.) und ordnet sie deshalb den in &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 EStG geregelten Tatbest&auml;nden der Ausbildung des Kindes zu (vgl. Helmke in Helmke\/Bauer, Familienleistungsausgleich, Kommentar, Fach A, I. Kommentierung, &sect; 32 Rz 86).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Da bei diesen Diensten aber in der Regel keine Kenntnisse und F&auml;higkeiten f&uuml;r den angestrebten Beruf vermittelt werden, sondern die p&auml;dagogische Begleitung und die vorgeschriebenen Seminare &uuml;berwiegend der Pers&ouml;nlichkeitsbildung und Orientierung der Jugendlichen dienen, ist es verfassungsrechtlich nicht zwingend geboten, das Existenzminimum eines Kindes, das einen solchen Dienst leistet, bei den Eltern von der Einkommensteuer freizustellen. Der Gesetzgeber f&ouml;rdert diese Dienste unter anderem durch die (Weiter-)Gew&auml;hrung von Kindergeld (vgl. z.B. &sect; 4 FSJG, &sect; 4 F&Ouml;JG), um einen Anreiz f&uuml;r die Leistung solcher Dienste zu schaffen und die damit verbundenen Nachteile auszugleichen (vgl. BTDrucks 16\/6519, 12). Es liegt im Rahmen seines Gestaltungsspielraums, nur solche Dienste durch die Gew&auml;hrung von Kindergeld zu f&ouml;rdern, bei denen durch die p&auml;dagogische Begleitung die mit der F&ouml;rderung verfolgten Ziele gew&auml;hrleistet werden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Von den ausbildungs&auml;hnlichen Diensten nach dem FSJG und F&Ouml;JG sowie den EFD sind die Dienste im Ausland i.S. des &sect; 14b ZDG zu unterscheiden, die keine p&auml;dagogische Begleitung erfordern und deren Absolvierung nur bei S&ouml;hnen zu einem Kindergeldanspruch f&uuml;hren kann. Nach &sect; 14b Abs. 1 ZDG werden anerkannte Kriegsdienstverweigerer unter weiteren Voraussetzungen nicht zum Zivildienst herangezogen, wenn sie unentgeltlich einen Dienst im Ausland leisten, der das friedliche Zusammenleben der V&ouml;lker f&ouml;rdern will und der von einem nach &sect; 14b Abs. 3 ZDG anerkannten Tr&auml;ger durchgef&uuml;hrt wird. Nach &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG i.V.m. &sect; 14b ZDG zu ber&uuml;cksichtigen sind daher lediglich nach &sect; 1 des Wehrpflichtgesetzes (WpflG) zum Wehrdienst verpflichtete Kinder (nur M&auml;nner vom vollendeten 18. Lebensjahr an), die aufgrund ihrer Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer nach &sect; 3 WpflG ihre Wehrpflicht durch den Zivildienst zu erf&uuml;llen haben und anstelle des Zivildienstes einen Dienst im Ausland i.S. des &sect; 14b ZDG leisten. Aus der Bezugnahme auf das ZDG wird deutlich, dass der Gesetzgeber Dienste im Ausland zur F&ouml;rderung des friedlichen Zusammenlebens der V&ouml;lker nur dann als Tatbestand zur Gew&auml;hrung von Kindergeld anerkennen will, wenn dieser Dienst anstelle des Zivildienstes geleistet wird. Andere Kinder, die einen vergleichbaren Dienst leisten, sollen ersichtlich nicht ber&uuml;cksichtigt werden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Die Regelung ist nach der &Uuml;berzeugung des Senats verfassungsgem&auml;&szlig;, so dass weder eine Vorlage an das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) nach Art. 100 Abs. 1 GG noch eine verfassungskonforme Auslegung in Betracht kommt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Entgegen der Auffassung des Kl&auml;gers verst&ouml;&szlig;t &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG nicht gegen Art. 3 Abs. 2 GG (&quot;M&auml;nner und Frauen sind gleichberechtigt&quot;) oder gegen Art. 3 Abs. 3 GG (&quot;Niemand darf wegen seines Geschlechtes &#8230; benachteiligt oder bevorzugt werden.&quot;). Denn die unterschiedliche Behandlung kn&uuml;pft nicht an das Geschlecht an, sondern daran, dass ein Kind zum Wehrdienst bzw. zum Zivildienst herangezogen wird. Daher erh&auml;lt der Kindergeldberechtigte auch f&uuml;r einen Sohn, der einen Friedensdienst im Ausland leistet, nur dann Kindergeld, wenn dieser den Friedensdienst anstelle des Zivildienstes leistet, nicht aber, wenn er nicht einberufen wird und deshalb auch nicht zum Zivildienst verpflichtet ist oder wenn er den Friedensdienst zus&auml;tzlich zum Zivildienst erbringt (vgl. Senatsurteil vom 17. Dezember 2008 III R 62\/06, BFH\/NV 2009, 747).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Im &Uuml;brigen w&auml;re eine auf der Wehrpflicht beruhende unterschiedliche Behandlung von S&ouml;hnen und T&ouml;chtern mit Art. 3 Abs. 2 oder Abs. 3 GG vereinbar. Denn nach Art. 12a Abs. 1 GG d&uuml;rfen nur M&auml;nner der allgemeinen Wehrpflicht unterworfen und nur Wehrpflichtige, die aus Gewissensgr&uuml;nden den Kriegsdienst mit der Waffe verweigern, zum Zivildienst verpflichtet werden (Art. 12a Abs. 2 GG). Da Art. 12a GG den gleichen verfassungsrechtlichen Rang wie Art. 3 Abs. 2 und 3 GG hat, verst&ouml;&szlig;t die Beschr&auml;nkung der Wehrpflicht auf M&auml;nner nicht gegen das Diskriminierungsverbot (Urteil des BVerfG vom 13. April 1978&nbsp;&nbsp;2 BvF 1\/77 u.a., BVerfGE 48, 127; Beschluss des BVerfG vom 27. M&auml;rz 2002&nbsp;&nbsp;2 BvL 2\/02, Neue Juristische Wochenschrift 2002, 1709). Daraus folgt, dass eine an die Wehrpflicht ankn&uuml;pfende unterschiedliche Ber&uuml;cksichtigung von S&ouml;hnen und T&ouml;chtern beim Kindergeld ebenfalls verfassungsrechtlichen Vorgaben entspr&auml;che.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die unterschiedliche steuerrechtliche Ber&uuml;cksichtigung von Kindern, die einen Friedensdienst im Ausland leisten, verst&ouml;&szlig;t auch nicht gegen den allgemeinen Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Einen Friedensdienst im Ausland sieht der Gesetzgeber als eine angemessene, dem Zivildienst gleichwertige T&auml;tigkeit f&uuml;r anerkannte Kriegsdienstverweigerer an. Als hoheitlicher staatlicher Dienst kann der Zivildienst aber nur auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland geleistet werden. Deshalb kann ein Dienst im Ausland nur durch Freistellung vom Zivildienst ber&uuml;cksichtigt werden (Amtliche Begr&uuml;ndung zu Art. 4 Nr. 5 des Gesetzes vom 13. Juni 1986, BRDrucks 483\/85). Damit entf&auml;llt auch der gesetzliche Anspruch auf Besoldung nach &sect; 35 Abs. 1 ZDG i.V.m. &sect; 2 ff. des Wehrsoldgesetzes (insbesondere Wehrsold, Verpflegung und Unterbringung, Dienstbekleidung, Heilf&uuml;rsorge, besondere Zuwendung, Entlassungsgeld) und gegebenenfalls Leistungen zur Sicherung des Lebensbedarfs nach dem Unterhaltssicherungsgesetz (&sect; 78 ZDG). Da der Friedensdienst im Ausland nach &sect; 14b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZDG unentgeltlich zu leisten ist, geht der Gesetzgeber davon aus, dass den Eltern weiterhin Unterhaltsaufwendungen f&uuml;r den Sohn entstehen. Dies gilt zwar f&uuml;r alle Eltern, deren Kinder einen Friedensdienst im Ausland absolvieren. Die unterschiedliche Behandlung ist jedoch dadurch gerechtfertigt, dass ein zum Wehrdienst herangezogenes Kind, das den Kriegsdienst verweigert, zum Zivildienst oder an dessen Stelle zu einem Friedensdienst im Ausland verpflichtet ist, w&auml;hrend andere Kinder &#8211;wie die Tochter des Kl&auml;gers&#8211; diesen Dienst freiwillig erbringen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 18.3.2009, III R 64\/07 Anspruch auf Kindergeld bei unentgeltlichem Friedensdienst des Kindes im Ausland &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der unterschiedlichen Ber&uuml;cksichtigung von S&ouml;hnen und T&ouml;chtern beim Kindergeld Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die im Jahr 1984 geborene Tochter (T) des Kl&auml;gers und Revisionskl&auml;gers (Kl&auml;ger) nahm nach dem Ende ihrer Schulausbildung vom 15. September 2003 bis &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-64-07-anspruch-auf-kindergeld-bei-unentgeltlichem-friedensdienst-des-kindes-im-ausland-verfassungsmaessigkeit-der-unterschiedlichen-beruecksichtigung-von-soehnen-und-toechtern-beim-kindergeld\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;64\/07 &#8211; Anspruch auf Kindergeld bei unentgeltlichem Friedensdienst des Kindes im Ausland &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der unterschiedlichen Ber&uuml;cksichtigung von S&ouml;hnen und T&ouml;chtern beim Kindergeld<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-13448","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13448","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13448"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13448\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13448"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13448"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13448"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}