{"id":13464,"date":"2012-12-19T15:06:33","date_gmt":"2012-12-19T13:06:33","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=13464"},"modified":"2012-12-19T15:06:33","modified_gmt":"2012-12-19T13:06:33","slug":"iii-r-51-07-kein-kindergeld-fuer-geduldete-auslaender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-51-07-kein-kindergeld-fuer-geduldete-auslaender\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;51\/07 &#8211; Kein Kindergeld f&uuml;r geduldete Ausl&auml;nder"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 28.5.2009, III R 51\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein Kindergeld f&uuml;r geduldete Ausl&auml;nder<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger), der nach eigenen Angaben libanesischer Staatsb&uuml;rger mit kurdischer Abstammung ist, reiste im Oktober 1989 in die Bundesrepublik Deutschland (Bundesrepublik) ein. Sein Asylantrag wurde im M&auml;rz 1991 abgelehnt. Seit Mitte 1992 war er nach &sect;&sect; 55, 56 des Ausl&auml;ndergesetzes (AuslG 1990) ausl&auml;nderrechtlich geduldet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Im M&auml;rz 2005 beantragte der Kl&auml;ger Kindergeld f&uuml;r vier Kinder. Die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) lehnte den Antrag durch Bescheid vom 25. Mai 2005 ab. Der hiergegen gerichtete Einspruch hatte keinen Erfolg, ebenso wenig die anschlie&szlig;end erhobene Klage.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Zur Begr&uuml;ndung der Revision tr&auml;gt der Kl&auml;ger im Wesentlichen vor, die Neuregelung der Kindergeldberechtigung von Ausl&auml;ndern in &sect; 62 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) sei mit dem Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) nicht vereinbar. Durch das Abstellen allein auf die ausl&auml;nderrechtliche Duldung sei das Finanzgericht den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) im Beschluss vom 6. Juli 2004&nbsp;&nbsp;1 BvL 4\/97 (BVerfGE 111, 160, BFH\/NV 2005, Beilage 2, 114) nicht gerecht geworden. Der Kl&auml;ger lebe seit 1989 mit seiner Familie in der Bundesrepublik und sei damit faktisch ein Inl&auml;nder. Die Integration sei vollzogen. Der Gesetzgeber habe bei der Neuregelung wieder in erster Linie an den Aufenthaltstitel angekn&uuml;pft und nicht ber&uuml;cksichtigt, dass die f&uuml;r die Erteilung eines der in &sect; 62 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. c EStG genannten Titel ma&szlig;geblichen Gr&uuml;nde nicht typischerweise von nur vor&uuml;bergehender Natur seien. Die Neuregelung in &sect; 62 Abs. 2 EStG widerspreche au&szlig;erdem dem Urteil des Europ&auml;ischen Gerichtshofs f&uuml;r Menschenrechte vom 25. Oktober 2005 in der Sache 59140\/00, Okpisz\/Deutschland (BFH\/NV 2006, Beilage 3, 357). Auch sei eine r&uuml;ckwirkende Anwendung der Neuregelung des &sect; 62 Abs. 2 EStG verfassungsrechtlich nicht zul&auml;ssig.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger beantragt, das angefochtene Urteil, den Ablehnungsbescheid vom 25. Mai 2005 und die dazu ergangene Einspruchsentscheidung vom 13. April 2006 aufzuheben und die Familienkasse zu verpflichten, Kindergeld f&uuml;r vier Kinder f&uuml;r den Zeitraum Januar 2001 bis Januar 2004 zu gew&auml;hren.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Familienkasse beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und wird zur&uuml;ckgewiesen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Der Kl&auml;ger hat f&uuml;r den streitigen Zeitraum keinen Anspruch auf Kindergeld nach &sect; 62 Abs. 2 EStG n.F.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Neuregelung der Kindergeldberechtigung von Ausl&auml;ndern ist mit Wirkung vom 1. Januar 2006 in Kraft getreten und erfasst gem&auml;&szlig; &sect; 52 Abs. 61a Satz 2 EStG alle Sachverhalte, bei denen &#8211;wie im Streitfall&#8211; das Kindergeld noch nicht bestandskr&auml;ftig festgesetzt worden ist (Art. 2 des Gesetzes zur Anspruchsberechtigung von Ausl&auml;ndern wegen Kindergeld, Erziehungsgeld und Unterhaltsvorschuss vom 13. Dezember 2006, BGBl I 2006, 2915). Die Gesetzes&auml;nderung war eine Reaktion auf den Beschluss des BVerfG in BVerfGE 111, 160, BFH\/NV 2005, Beilage 2, 114, in dem dieses den nahezu wortgleichen &sect; 1 Abs. 3 des Bundeskindergeldgesetzes 1993 (BKKG 1993) als insoweit unvereinbar mit Art. 3 Abs. 1 GG ansah, als die Gew&auml;hrung von Kindergeld allein von der Art der ausl&auml;nderrechtlichen Genehmigung nach dem AuslG 1990 abhing. Der Senat hat mit Urteilen vom 15. M&auml;rz 2007 III R 93\/03 (BFHE 217, 443, BFH\/NV 2007, 1234) sowie vom 22. November 2007 III R 54\/02 (BFHE 220, 45, BFH\/NV 2008, 457) entschieden, dass der Gesetzgeber bei der Neuregelung des &sect; 62 Abs. 2 EStG im Rahmen des ihm zustehenden Gestaltungsspielraums handelte, als er die Kindergeldberechtigung von Ausl&auml;ndern vom Besitz bestimmter Aufenthaltstitel nach dem Aufenthaltsgesetz abh&auml;ngig machte und bei einzelnen Titeln, die einen schw&auml;cheren aufenthaltsrechtlichen Status vermitteln, dar&uuml;ber hinaus von einem mindestens dreij&auml;hrigen rechtm&auml;&szlig;igen, gestatteten oder geduldeten Aufenthalt im Bundesgebiet sowie von einer berechtigten Erwerbst&auml;tigkeit, vom Bezug laufender Geldleistungen nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch oder von der Inanspruchnahme von Elternzeit (&sect; 62 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. c, Nr. 3 EStG). An den Grunds&auml;tzen dieser Urteile h&auml;lt der Senat fest.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Der Senat teilt die vom Kl&auml;ger vorgebrachten verfassungs- und v&ouml;lkerrechtlichen Bedenken gegen &sect; 62 Abs. 2 EStG n.F. nicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Art. 3 Abs. 1 GG gebietet es nicht, in F&auml;llen, in denen ein Ausl&auml;nder rechtm&auml;&szlig;ig oder rechtswidrig in die Bundesrepublik einreist und &#8211;z.B. wegen eines tats&auml;chlichen Abschiebungshindernisses&#8211; damit zu rechnen ist, dass er auf absehbare Zeit nicht mehr ausreist, von Anfang an oder nach einer gewissen Zeit Kindergeld zu gew&auml;hren, weil von einem Daueraufenthalt auszugehen sei (s. Senatsurteil in BFHE 220, 45, BFH\/NV 2008, 457).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Die in &sect; 52 Abs. 61a Satz 2 EStG angeordnete R&uuml;ckwirkung der Neufassung des &sect; 62 Abs. 2 EStG auf noch nicht bestandskr&auml;ftig entschiedene F&auml;lle ist entgegen der Ansicht des Kl&auml;gers auch nicht deshalb verfassungswidrig, weil der Gesetzgeber den bis zum 1. Januar 2006 befristeten Regelungsauftrag des BVerfG in der Entscheidung in BVerfGE 111, 160, BFH\/NV 2005, Beilage 2, 114 bis zu diesem Zeitpunkt nicht erf&uuml;llt hat (s. Urteil in BFHE 220, 45, BFH\/NV 2008, 457).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Eine Beschr&auml;nkung des Kindergeldanspruchs durch &sect; 62 Abs. 2 EStG n.F. steht auch nicht in Widerspruch zum Urteil des Europ&auml;ischen Gerichtshofs f&uuml;r Menschenrechte in BFH\/NV 2006, Beilage 3, 357. Dieses ist, ebenso wie die Entscheidung des BVerfG in BVerfGE 111, 160, BFH\/NV 2005, Beilage 2, 114, zu &sect; 1 Abs. 3 BKGG 1993 ergangen, nicht aber zu &sect; 62 Abs. 2 EStG n.F. (s. Senatsurteil in BFHE 220, 45, BFH\/NV 2008, 457).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Im Streitfall besa&szlig; der Kl&auml;ger f&uuml;r den streitigen Zeitraum keine ausl&auml;nderrechtliche Genehmigung, die ihm einen Anspruch auf Kindergeld einr&auml;umte. Sein Aufenthalt in der Bundesrepublik war ausl&auml;nderrechtlich lediglich geduldet (&sect;&sect; 55, 56 AuslG 1990). Ein Anspruch auf Kindergeld scheidet deshalb aus (Senatsurteile in BFHE 217, 443, BFH\/NV 2007, 1234, und in BFHE 220, 45, BFH\/NV 2008, 457).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 28.5.2009, III R 51\/07 Kein Kindergeld f&uuml;r geduldete Ausl&auml;nder Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger), der nach eigenen Angaben libanesischer Staatsb&uuml;rger mit kurdischer Abstammung ist, reiste im Oktober 1989 in die Bundesrepublik Deutschland (Bundesrepublik) ein. Sein Asylantrag wurde im M&auml;rz 1991 abgelehnt. 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