{"id":13468,"date":"2012-12-19T14:59:55","date_gmt":"2012-12-19T12:59:55","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=13468"},"modified":"2012-12-19T14:59:55","modified_gmt":"2012-12-19T12:59:55","slug":"v-b-37-08-ordnungsmaessigkeit-einer-ladung-keine-ersatzzustellung-durch-einlegung-in-offene-frei-zugaengliche-mailbox-postzustellungsurkunde-als-urkundenbeweis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-37-08-ordnungsmaessigkeit-einer-ladung-keine-ersatzzustellung-durch-einlegung-in-offene-frei-zugaengliche-mailbox-postzustellungsurkunde-als-urkundenbeweis\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;37\/08 &#8211; Ordnungsm&auml;&szlig;igkeit einer Ladung: Keine Ersatzzustellung durch Einlegung in offene, frei zug&auml;ngliche Mailbox &#8211; Postzustellungsurkunde als Urkundenbeweis"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 13.5.2009, V B 37\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Ordnungsm&auml;&szlig;igkeit einer Ladung: Keine Ersatzzustellung durch Einlegung in offene, frei zug&auml;ngliche Mailbox &#8211; Postzustellungsurkunde als Urkundenbeweis<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Beschwerde macht der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) geltend, er sei zur m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem Finanzgericht (FG) am 1. April 2008 nicht ordnungsgem&auml;&szlig; geladen worden. Die Angaben in der Postzustellungsurkunde tr&auml;fen nicht zu. Die Zustellerin der Post habe nicht versucht die Ladung in den B&uuml;ror&auml;umen des Prozessbevollm&auml;chtigten abzugeben. Diese seien am Tag der Zustellung (25. Februar 2008) durch eine Mitarbeiterin durchgehend von 8.45 Uhr bis 15.00 Uhr besetzt gewesen. Im &Uuml;brigen befinde sich an den B&uuml;ror&auml;umen seines Prozessbevollm&auml;chtigten kein verschlie&szlig;barer Briefkasten, sondern nur eine frei zug&auml;ngliche sog. Mailbox, in die die Ladung eingelegt worden sei. Auch bei der Zustellung des FG-Urteils habe die Zustellerin keinen Versuch einer Zustellung in den B&uuml;ror&auml;umen unternommen. Als sich die Mitarbeiterin des Prozessbevollm&auml;chtigten in die Mittagspause habe begeben wollen, habe sich die Zustellungsurkunde &uuml;ber die Zustellung des Urteils in der Mailbox befunden. Das belege, dass die Zustellerin des &Ouml;fteren Ersatzzustellungen vornehme, ohne vorher einen Zustellversuch unternommen zu haben.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung an das FG (&sect; 116 Abs. 6 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der von der Beschwerde in zul&auml;ssiger Weise geltend gemachte Verfahrensmangel der Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;, &sect; 96 Abs. 2 FGO) liegt vor und das Urteil des FG beruht auch auf diesem Verfahrensmangel (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3, &sect; 119 Nr. 3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Mit dem Vorbringen des Kl&auml;gers, das FG habe ohne ihn verhandelt, obwohl er zur m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht geladen worden sei, wird ein Verfahrensmangel in der von &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO geforderten Weise schl&uuml;ssig dargelegt. Ist ein Beteiligter nicht ordnungsgem&auml;&szlig; zur m&uuml;ndlichen Verhandlung geladen worden und wird der Termin gleichwohl in seiner Abwesenheit durchgef&uuml;hrt, liegt darin eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 25. September 2008 VII B 49\/08, BFH\/NV 2009, 212). Die schl&uuml;ssige R&uuml;ge der Verletzung des Rechts auf Geh&ouml;r, weil das Gericht verfahrensfehlerhaft in Abwesenheit des Beteiligten aufgrund m&uuml;ndlicher Verhandlung entschieden hat, erfordert keine Ausf&uuml;hrungen dar&uuml;ber, was bei ausreichender Gew&auml;hrung des rechtlichen Geh&ouml;rs noch vorgetragen worden w&auml;re und dass dieser Vortrag die Entscheidung des Gerichts h&auml;tte beeinflussen k&ouml;nnen (BFH-Beschluss vom 3. September 2001 GrS 3\/98, BFHE 196, 39, BStBl II 2001, 802).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Verfahrensmangel liegt auch vor. Nach &sect; 91 Abs. 1 Satz 1 FGO sind die Beteiligten zum Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG mit einer Ladungsfrist von mindestens zwei Wochen zu laden. Gem&auml;&szlig; &sect; 53 Abs. 1 und 2 FGO ist die Ladung nach den Vorschriften der Zivilprozessordnung (ZPO) zuzustellen. Der Kl&auml;ger hat schl&uuml;ssig dargelegt, dass die vom FG veranlasste Zustellung der Ladung im Wege eines Zustellungsauftrags an die Post (&sect; 53 Abs. 2 FGO i.V.m. &sect;&sect; 176 ff. ZPO) nicht ordnungsgem&auml;&szlig; bewirkt worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger tr&auml;gt vor, dass die Ladung in eine f&uuml;r Dritte frei zug&auml;ngliche sog. Mailbox eingelegt worden sei. Diese Darstellung wird durch die Mitteilung der Deutschen Post vom 1. April 2009 nach Befragung des Zustellers best&auml;tigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Damit sind die Anforderungen an eine Ersatzzustellung i.S. des &sect; 180 ZPO nicht erf&uuml;llt. Gem&auml;&szlig; &sect; 180 ZPO &quot;kann das Schriftst&uuml;ck in einen zu der Wohnung oder dem Gesch&auml;ftsraum geh&ouml;renden Briefkasten oder in eine &auml;hnliche Vorrichtung eingelegt werden, die der Adressat f&uuml;r den Posteingang eingerichtet hat und die in der allgemein &uuml;blichen Art f&uuml;r eine sichere Aufbewahrung geeignet ist&quot;, wenn die Zustellung nach &sect; 178 Abs. 1 Nr. 1 oder 2 ZPO nicht ausf&uuml;hrbar ist. Ein nicht verschlossener Briefkasten bietet keinen hinreichenden Schutz vor Zugriffen Dritter und ist daher im Zweifel f&uuml;r eine Zustellung gem&auml;&szlig; &sect; 180 ZPO nicht zu benutzen (M&uuml;nchener Kommentar-H&auml;ublein, &sect; 180 ZPO Rz 5; Thomas\/Putzo-H&uuml;&szlig;tege, ZPO, 29. Aufl., &sect; 180 Rz 4; Stein\/Jonas-Roth, ZPO, &sect; 180 Rz 3). Dasselbe gilt f&uuml;r eine offene und f&uuml;r Dritte zug&auml;ngliche Mailbox. Ein Versto&szlig; gegen &sect; 180 ZPO macht die Zustellung unwirksam (M&uuml;nchener Kommentar-H&auml;ublein, ZPO, &sect; 180 Rz 7; Baumbach\/Lauterbach\/Albers\/ Hartmann, ZPO, 67. Aufl., &sect; 181 Rz 8, &sect; 180 Rz 8).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar begr&uuml;ndet die Postzustellungsurkunde gem&auml;&szlig; &sect; 182 Abs. 1 Satz 2, &sect; 418 ZPO den vollen Beweis der darin bezeugten Tatsachen. Der Gegenbeweis f&uuml;r die Unrichtigkeit der Angaben in der Zustellungsurkunde kann aber gem&auml;&szlig; &sect; 418 Abs. 2 ZPO mit Beweismitteln jeder Art gef&uuml;hrt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Heilung des Zustellungsmangels nach &sect; 189 ZPO, wonach die Zustellung in dem Zeitpunkt als bewirkt gilt, in dem das Schriftst&uuml;ck der Person, an die die Zustellung dem Gesetz gem&auml;&szlig; gerichtet war oder gerichtet werden konnte, tats&auml;chlich zugegangen ist, kommt vorliegend nicht in Betracht, weil der Prozessbevollm&auml;chtigte schl&uuml;ssig vorgetragen hat, dass er die Ladung nicht erhalten hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 13.5.2009, V B 37\/08 Ordnungsm&auml;&szlig;igkeit einer Ladung: Keine Ersatzzustellung durch Einlegung in offene, frei zug&auml;ngliche Mailbox &#8211; Postzustellungsurkunde als Urkundenbeweis Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; Mit der Beschwerde macht der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) geltend, er sei zur m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem Finanzgericht (FG) am 1. April 2008 nicht ordnungsgem&auml;&szlig; geladen worden. Die Angaben &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-37-08-ordnungsmaessigkeit-einer-ladung-keine-ersatzzustellung-durch-einlegung-in-offene-frei-zugaengliche-mailbox-postzustellungsurkunde-als-urkundenbeweis\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;B&nbsp;37\/08 &#8211; Ordnungsm&auml;&szlig;igkeit einer Ladung: Keine Ersatzzustellung durch Einlegung in offene, frei zug&auml;ngliche Mailbox &#8211; Postzustellungsurkunde als Urkundenbeweis<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-13468","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13468","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13468"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13468\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13468"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13468"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13468"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}