{"id":13731,"date":"2012-12-20T06:41:55","date_gmt":"2012-12-20T04:41:55","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=13731"},"modified":"2012-12-20T06:41:55","modified_gmt":"2012-12-20T04:41:55","slug":"iii-b-32-09-urteil-aufgrund-eines-klageentwurfs-wiedereinsetzung-nach-ablauf-der-jahresfrist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-32-09-urteil-aufgrund-eines-klageentwurfs-wiedereinsetzung-nach-ablauf-der-jahresfrist\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;32\/09 &#8211; Urteil aufgrund eines Klageentwurfs &#8211; Wiedereinsetzung nach Ablauf der Jahresfrist"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.6.2009, III B 32\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Urteil aufgrund eines Klageentwurfs &#8211; Wiedereinsetzung nach Ablauf der Jahresfrist<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Beklagte und Beschwerdef&uuml;hrerin (Familienkasse) hob mit Bescheid vom 21. Februar 2008 die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r einen der S&ouml;hne des Kl&auml;gers und Beschwerdegegners (Kl&auml;ger) auf. Den Einspruch vom 15. Mai 2008 verwarf die Familienkasse am 28. Mai 2008 als unzul&auml;ssig; Wiedereinsetzung gew&auml;hrte sie nicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger beantragte am 30. Juni 2008 Prozesskostenhilfe (PKH) f&uuml;r ein Klageverfahren. Dem Antrag war die unterzeichnete &quot;Klage (Entwurf)&quot; beigef&uuml;gt. Auf den &quot;beigef&uuml;gten Klagentwurf&quot; bezog sich der Kl&auml;ger zur Begr&uuml;ndung der hinreichenden Erfolgsaussichten. Seinem Antrag war nicht zu entnehmen, dass der Entwurf im Falle der PKH-Gew&auml;hrung als Klageschrift behandelt werden sollte; Wiedereinsetzung in die Klagefrist wurde &#8211;soweit aus der vorgelegten Akte des Finanzgerichts (FG) ersichtlich&#8211; weder &quot;im Vorhinein&quot; noch nach der Gew&auml;hrung der PKH durch Beschluss vom 26. September 2008 beantragt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FG stellte der Familienkasse den Antrag nebst Klageentwurf zu und entschied wie vom Kl&auml;ger beantragt. Es ging von einer fristgem&auml;&szlig; erhobenen Klage aus, die &#8211;zusammen mit dem PKH-Antrag&#8211; auch zugestellt worden sei. Im Er&ouml;rterungstermin hatte die Einzelrichterin erl&auml;utert, dass es sich bei der nochmaligen Zustellung der Klage nach Gew&auml;hrung der PKH um eine reine F&ouml;rmlichkeit handeln w&uuml;rde. Die Revision lie&szlig; das FG nicht zu.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Nichtzulassungsbeschwerde tr&auml;gt die Familienkasse vor, das FG-Urteil beruhe auf einem Verfahrensfehler (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG h&auml;tte die Klage verwerfen m&uuml;ssen, da sie innerhalb der Monatsfrist des &sect; 47 Abs. 1 FGO nur als Entwurf eingereicht worden sei. Eine bedingte Klage f&uuml;r den Fall der Gew&auml;hrung von PKH sei nach dem Beschluss des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 3. Februar 2005 VII B 304\/03 (BFH\/NV 2005, 1111) unzul&auml;ssig. Nach Gew&auml;hrung der PKH sei innerhalb der Zwei-Wochen-Frist des &sect; 56 Abs. 2 FGO auch kein Wiedereinsetzungsantrag gestellt worden. Verstehe man die Einreichung von PKH-Antrag und Klageentwurf als Ank&uuml;ndigung, so sei die f&uuml;r den Fall der PKH-Gew&auml;hrung angek&uuml;ndigte Klage tats&auml;chlich nicht erhoben worden. Nach Auffassung des FG w&uuml;rde eine ausdr&uuml;cklich als Entwurf bezeichnete Klageschrift durch einen stattgebenden PKH-Beschluss &quot;automatisch&quot; zu einer wirksamen Klage werden, unabh&auml;ngig davon, ob der Antragsteller das zu diesem Zeitpunkt noch wolle. Unklar sei auch, ob der Antragsteller bei einer &Auml;nderung der PKH-Entscheidung oder einer PKH-Gew&auml;hrung, die ihm h&ouml;here Zahlungen zumute, seine &quot;Klage&quot; zur&uuml;cknehmen m&uuml;sse. Die Klage w&auml;re zudem unbegr&uuml;ndet gewesen, da das FG dem Kl&auml;ger zu Unrecht trotz dessen Verschulden Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Einspruchsfrist (&sect; 110 der Abgabenordnung) gew&auml;hrt habe.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG (&sect; 116 Abs. 6 FGO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Der Kl&auml;ger hat am 30. Juni 2008 keine Klage unter der Bedingung der Gew&auml;hrung von PKH erhoben, was teilweise als unzul&auml;ssig angesehen wird (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2005, 1111, m.w.N.; Gr&auml;ber\/von Groll, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 40 Rz 5; vgl. auch Lange in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect; 120 FGO Rz 56 f&uuml;r die Revision; f&uuml;r die Zul&auml;ssigkeit dagegen BFH-Beschluss vom 24. August 2001 VI S 5\/01, nicht ver&ouml;ffentlicht; Tipke in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 65 FGO Rz 7), sondern ausdr&uuml;cklich nur den Entwurf einer Klage eingereicht. Die Klage ist auch nicht zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt erhoben worden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FG hat mithin &uuml;ber eine (noch) nicht erhobene Klage entschieden und damit gegen die Grundordnung des Verfahrens versto&szlig;en. Sein Urteil beruht auch auf diesem Verfahrensfehler (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Der Senat h&auml;lt den Weg &uuml;ber &sect; 116 Abs. 6 FGO f&uuml;r geeignet, den Verfahrensfehler m&ouml;glichst schnell zu beheben. Er weist dazu darauf hin, dass eine Wiedereinsetzung in die Klagefrist in Betracht kommt; die Zwei-Wochen-Frist des &sect; 56 Abs. 2 Satz 1 FGO f&uuml;r den Antrag und die Nachholung der vers&auml;umten Rechtshandlung (Klageerhebung) beginnt mit der Zustellung des vorliegenden Beschlusses an den Kl&auml;ger. Falls der Kl&auml;ger innerhalb dieser Frist dem FG erkl&auml;rt, dass der eingereichte Klageentwurf nunmehr als Klage gelten soll, kann die Wiedereinsetzung auch ohne Antrag gew&auml;hrt werden (&sect; 56 Abs. 2 Satz 3 FGO). Die Jahresfrist des &sect; 56 Abs. 3 FGO stellt im Streitfall keinen Ausschlussgrund dar, weil der Kl&auml;ger infolge des Verhaltens des FG stets davon ausgehen konnte, dass der Rechtsstreit materiell entschieden w&uuml;rde und es f&uuml;r ihn daher unzumutbar war, die erforderliche Prozesshandlung der Klageerhebung rechtzeitig vor Ablauf der Jahresfrist vorzunehmen. Insoweit ist dieser Fall als h&ouml;here Gewalt i.S. des &sect; 56 Abs. 3 FGO zu behandeln (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2005, 1111; vgl. Beermann\/Kuczynski, FGO, &sect; 56 Rz 29).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.6.2009, III B 32\/09 Urteil aufgrund eines Klageentwurfs &#8211; Wiedereinsetzung nach Ablauf der Jahresfrist Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Beklagte und Beschwerdef&uuml;hrerin (Familienkasse) hob mit Bescheid vom 21. Februar 2008 die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r einen der S&ouml;hne des Kl&auml;gers und Beschwerdegegners (Kl&auml;ger) auf. Den Einspruch vom 15. 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