{"id":14268,"date":"2012-12-20T02:46:04","date_gmt":"2012-12-20T00:46:04","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=14268"},"modified":"2012-12-20T02:46:04","modified_gmt":"2012-12-20T00:46:04","slug":"vi-b-31-09-progressionsvorbehalt-bei-elterngeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-31-09-progressionsvorbehalt-bei-elterngeld\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;B&nbsp;31\/09 &#8211; Progressionsvorbehalt bei Elterngeld"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.9.2009, VI B 31\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Progressionsvorbehalt bei Elterngeld<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. &sect; 32b Abs. 1 Nr. 1 Buchst. j EStG wirft nach seinem eindeutigen Wortlaut, das nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) gezahlte Elterngeld dem Progressionsvorbehalt zu unterstellen, keine kl&auml;rungsbed&uuml;rftigen, die Revisionszulassung rechtfertigenden Fragen auf.<\/p>\n<p>2. Das Elterngeld bezweckt, die durch die erforderliche Kinderbetreuung entgangenen Eink&uuml;nfte teilweise auszugleichen. Dies gilt auch dann, wenn nur der Sockelbetrag nach &sect; 2 Abs. 5 BEEG geleistet wird.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Im finanzgerichtlichen Verfahren war streitig, ob der monatliche Mindestbetrag des Elterngelds von 300 EUR dem Progressionsvorbehalt unterliegt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erlie&szlig; gegen die als Eheleute zusammen zur Einkommensteuer veranlagten Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr 2007. Darin war das f&uuml;r die im Oktober 2007 geborene Tochter der Kl&auml;ger nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) bezogene Elterngeld nach &sect; 32b Abs. 1 Nr. 1 Buchst j des Einkommensteuergesetzes (EStG) dem Progressionsvorbehalt unterworfen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;ger machten dagegen geltend, dass das Elterngeld nur in H&ouml;he des den Mindestbetrag nach &sect; 2 Abs. 5 BEEG &uuml;bersteigenden Betrags bei der Berechnung des besonderen Steuersatzes nach &sect; 32b Abs. 2 EStG anzusetzen sei, weil das im Elterngeld enthaltene Mindestelterngeld von monatlich 300 EUR unabh&auml;ngig von einer fr&uuml;heren Erwerbst&auml;tigkeit gezahlt werde und deshalb nicht mit Lohnersatzleistungen, die einen Progressionsvorbehalt rechtfertigten, sondern mit reinen Sozialleistungen vergleichbar sei. Einspruch und Klage blieben erfolglos.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) wies die Klage aus den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 846 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden ab. Der Wortlaut des &sect; 32b Abs. 1 Nr. 1 Buchst. j EStG sei eindeutig. Danach unterliege das Elterngeld, das nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz gezahlt werde, dem Progressionsvorbehalt. Die Revision lie&szlig; es nicht zu.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;ger wenden sich mit der Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision und machen als Revisionszulassungsgrund die grunds&auml;tzliche Bedeutung der Rechtssache (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) geltend. Die Rechtsfrage, ob das Mindestelterngeld in H&ouml;he von 300 EUR monatlich dem Progressionsvorbehalt unterfalle, sei bisher noch nicht Gegenstand der Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) gewesen. Das Erziehungsgeld f&uuml;r vor 2007 geborene Kinder sei als echte Sozialleistung beim Progressionsvorbehalt au&szlig;er Ansatz geblieben, dies m&uuml;sse auch f&uuml;r das Mindestelterngeld gelten. Denn im Umfang des Sockelbetrags sei das Elterngeld nicht als Einkommensersatzleistung, sondern als Sozialleistung anzusehen, da es auch nicht Berufst&auml;tigen gew&auml;hrt werde. Gegen die Bemessung des Elterngelds nach dem bereinigten monatlichen Nettoeinkommen im Jahr vor der Geburt best&uuml;nden nicht unerhebliche verfassungsrechtliche Bedenken, weil es sich nicht nach einem durch die Erziehungsaufgabe begr&uuml;ndeten Bedarf oder nach einer besonderen pers&ouml;nlichen Hilfsbed&uuml;rftigkeit des Empf&auml;ngers, sondern nach den fr&uuml;her erzielten Eink&uuml;nften richte. Nur einkommensteuerrechtlich erhebliche, die wirtschaftliche Leistungsf&auml;higkeit beeinflussende Zufl&uuml;sse lie&szlig;en sich dem Progressionsvorbehalt widerspruchsfrei zuordnen, etwa Lohnersatzleistungen oder steuerbefreite Auslandseink&uuml;nfte, aber keine reinen Sozialtransferleistungen. Das Mindestelterngeld sei daher kein in der Steuerbemessungsgrundlage zu erfassender, die Leistungsf&auml;higkeit erh&ouml;hender Zufluss. Es versto&szlig;e gegen Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes in seiner freiheitsrechtlichen und in seiner gleichheitsrechtlichen Auspr&auml;gung, reine Sozialtransferleistungen in den Progressionsvorbehalt einzubeziehen. Denn der erh&ouml;hte Steuersatz sei bei reinen Sozialtransferleistungen nicht durch eine entsprechend erh&ouml;hte wirtschaftliche Leistungsf&auml;higkeit gerechtfertigt und &sect; 32b EStG setzte sich &uuml;ber die Unterscheidung von Lohnersatzleistung und reiner Sozialtransferleistung hinweg.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;ger beantragen, die Revision zuzulassen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt, die Beschwerde als unzul&auml;ssig zu verwerfen, hilfsweise als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Der geltend gemachte Zulassungsgrund der grunds&auml;tzlichen Bedeutung ist nicht gegeben.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Eine Rechtssache hat grunds&auml;tzliche Bedeutung, wenn die f&uuml;r die Beurteilung des Streitfalls ma&szlig;gebliche Rechtsfrage das Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber&uuml;hrt. Die Rechtsfrage muss kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und in dem angestrebten Revisionsverfahren kl&auml;rungsf&auml;hig sein (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Beschluss vom 24. Juli 2008 VI B 7\/08, BFH\/NV 2008, 1838, m.w.N.). An der Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit fehlt es, wenn sich die Antwort auf die streitige Rechtsfrage ohne weiteres aus dem klaren Wortlaut und Sinngehalt des Gesetzes ergibt oder die Rechtsfrage offensichtlich so zu beantworten ist, wie es das FG getan hat, die Rechtslage also eindeutig ist (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 2. November 1999 I B 163\/98, BFH\/NV 2000, 692; vom 18. Januar 2005 V B 24\/04, juris). Allein der Umstand, dass zu der Rechtsfrage noch keine Entscheidung des BFH vorliegt, begr&uuml;ndet noch nicht die grunds&auml;tzliche Bedeutung der Rechtssache.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Im Streitfall fehlt es an der Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit im vorgenannten Sinne. &sect; 32b Abs. 1 Nr. 1 Buchst. j EStG ordnet an, dass auf das &quot;Elterngeld nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz&quot; der besondere Steuersatz nach &sect; 32b Abs. 2 EStG anzuwenden ist, also der Progressionsvorbehalt gilt. Das Einkommensteuerrecht unterscheidet insoweit nicht zwischen dem Mindestbetrag und einem dar&uuml;ber hinausgehenden Betrag des Elterngelds. Der Wortlaut ist mithin eindeutig und wirft keine kl&auml;rungsbed&uuml;rftigen Rechtsfragen im Hinblick auf die Geltung des Progressionsvorbehalts auf.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Im Ergebnis erfolglos suchen die Kl&auml;ger die grunds&auml;tzliche Bedeutung der Rechtssache damit zu begr&uuml;nden, dass der Sockelbetrag des Elterngelds eine reine Sozialleistung darstelle und als solche von Verfassungs wegen nicht in den Progressionsvorbehalt einbezogen werden d&uuml;rfe.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Die von den Kl&auml;gern vorgebrachte Zweiteilung des Elterngelds in einen rein sozialrechtlichen Sockelbetrag nach &sect; 2 Abs. 5 BEEG und in einen den Eink&uuml;nfteausfall ausgleichenden dar&uuml;ber hinausgehenden Aufstockungsbetrag l&auml;sst sich weder dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz selbst noch der Begr&uuml;ndung des Entwurfs und den weiteren Gesetzgebungsmaterialien dazu entnehmen (BTDrucks 16\/1889; BTDrucks 16\/2454; BTDrucks 16\/2785). Die dort zum Ausdruck kommende Zielsetzung des Gesetzgebers, die durch die erforderliche Kinderbetreuung entgangenen Eink&uuml;nfte durch das Elterngeld jedenfalls teilweise auszugleichen, spricht vielmehr daf&uuml;r, das Elterngeld einheitlich als Eink&uuml;nfteersatz zu qualifizieren. Und auch das Bundessozialgericht (BSG) charakterisiert das Elterngeld als Einkommensersatz, weist auf den gegen&uuml;ber dem Gesetz zum Erziehungsgeld und zur Elternzeit vom Gesetzgeber vorgenommenen Systemwechsel hin und misst insbesondere auch dem Basisbetrag den Zweck einer Honorierung der Erziehungs- und Betreuungsleistungen zu (BSG-Urteil vom 19. Februar 2009 B 10 EG 1\/08 R, juris, mit Hinweis auf Fuchsloch\/Scheiwe, Leitfaden Elterngeld, Rdnr. 43).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Der Gesetzgeber war von Verfassungs wegen nicht daran gehindert, den Systemwechsel vom Bundeserziehungsgeldgesetz zum Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz zu vollziehen, eine als Eink&uuml;nfteersatz charakterisierte Sozialleistung zu schaffen und diese sodann &#8211;auch nach Auffassung der Kl&auml;ger folgerichtig&#8211; in den Progressionsvorbehalt einzubeziehen. Angesichts dessen kann f&uuml;r den Streitfall im Weiteren dahinstehen, welche verfassungsrechtlichen Anforderungen und Grenzen daf&uuml;r gelten, reine Sozialleistungen in den Progressionsvorbehalt einzubeziehen, zumal auch durch sie eine erh&ouml;hte finanzielle Leistungsf&auml;higkeit gegeben ist und eine Steuerbelastung &uuml;berhaupt nur dann eintritt, wenn eine solche reine Sozialleistung zu weiteren einkommensteuerpflichtigen Eink&uuml;nften hinzutritt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.9.2009, VI B 31\/09 Progressionsvorbehalt bei Elterngeld Leits&auml;tze 1. &sect; 32b Abs. 1 Nr. 1 Buchst. j EStG wirft nach seinem eindeutigen Wortlaut, das nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) gezahlte Elterngeld dem Progressionsvorbehalt zu unterstellen, keine kl&auml;rungsbed&uuml;rftigen, die Revisionszulassung rechtfertigenden Fragen auf. 2. 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