{"id":14286,"date":"2012-12-20T03:07:01","date_gmt":"2012-12-20T01:07:01","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=14286"},"modified":"2012-12-20T03:07:01","modified_gmt":"2012-12-20T01:07:01","slug":"vii-r-49-08-keine-haftungsinanspruchnahme-des-insolvenzverwalters-ueber-das-vermoegen-des-geschaeftsfuehrers-einer-gmbh-der-nach-eroeffnung-des-insolvenzverfahrens-die-von-der-gmbh-geschuldeten-lohnst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-49-08-keine-haftungsinanspruchnahme-des-insolvenzverwalters-ueber-das-vermoegen-des-geschaeftsfuehrers-einer-gmbh-der-nach-eroeffnung-des-insolvenzverfahrens-die-von-der-gmbh-geschuldeten-lohnst\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;49\/08 &#8211; Keine Haftungsinanspruchnahme des Insolvenzverwalters &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers einer GmbH, der nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens die von der GmbH geschuldeten Lohnsteuern nicht abgef&uuml;hrt hat"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.7.2009, VII R 49\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Haftungsinanspruchnahme des Insolvenzverwalters &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers einer GmbH, der nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens die von der GmbH geschuldeten Lohnsteuern nicht abgef&uuml;hrt hat<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Jedenfalls nach der Rechtslage bis zum Inkrafttreten des Gesetzes zur Vereinfachung des Insolvenzverfahrens vom 13. April 2007 konnte das FA den Insolvenzverwalter &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers einer GmbH, der nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens die von der GmbH geschuldeten Lohnsteuern nicht abgef&uuml;hrt hat, nicht mit Haftungsbescheid in Anspruch nehmen. Die Haftungsschuld war keine Masseverbindlichkeit. Die blo&szlig;e Duldung der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrert&auml;tigkeit durch den Insolvenzverwalter erf&uuml;llte nicht das Tatbestandsmerkmal des Verwaltens der Insolvenzmasse i.S. des &sect; 55 Abs. 1 Nr. 1 2. Halbsatz InsO.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Mit Beschluss des Amtsgerichts (AG) vom 8. Dezember 2005 wurde das Insolvenzverfahren &uuml;ber das Verm&ouml;gen des K er&ouml;ffnet. Zum Insolvenzverwalter bestellte das AG den Kl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger). K war zu diesem Zeitpunkt und dar&uuml;ber hinaus Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer einer GmbH.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                F&uuml;r die Lohnsteueranmeldungszeitr&auml;ume Januar 2006 bis September 2006 f&uuml;hrte die GmbH die geschuldeten Lohnsteuern nicht an den Beklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ab. Beitreibungsversuche blieben erfolglos.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Haftungsbescheid vom August 2007 nahm das FA den Kl&auml;ger in seiner Eigenschaft als Insolvenzverwalter &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers nach &sect; 191 i.V.m. &sect;&sect; 34, 69 der Abgabenordnung (AO) in Haftung. Bei der Haftungsschuld handele es sich um eine sonstige Masseverbindlichkeit nach &sect; 55 der Insolvenzordnung (InsO). Die Haftungsschuld sei zwar nicht durch Handlungen des Insolvenzverwalters, jedoch &quot;in anderer Weise&quot; durch die Verwaltung der Insolvenzmasse begr&uuml;ndet worden, denn sie stehe in direktem Zusammenhang mit dem laufenden Arbeitseinkommen des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers, das der Masse als Neumasseerwerb zugeflossen sei. Das FA sei insoweit Neumassegl&auml;ubiger.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) hat der nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobenen Klage stattgegeben, da die Haftungsschuld des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers keine Masseverbindlichkeit im Insolvenzverfahren &uuml;ber sein pers&ouml;nliches Verm&ouml;gen darstelle. Sie k&ouml;nne nicht als &quot;in anderer Weise&quot; vom Insolvenzverwalter, dem Kl&auml;ger, begr&uuml;ndete Masseverbindlichkeit gem&auml;&szlig; &sect; 55 Abs. 1 Nr. 1 InsO qualifiziert werden. Denn die steuerlichen R&uuml;ckst&auml;nde seien nicht durch eine Verwaltung des Kl&auml;gers &quot;in anderer Weise&quot; dadurch begr&uuml;ndet worden, dass er es vermeintlich vers&auml;umt habe, auf die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung der GmbH Einfluss zu nehmen und dadurch die Verletzung der Pflichten des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers als gesetzlicher Vertreter i.S. der &sect;&sect; 34, 69 AO zu verhindern. Zum Schadenersatz verpflichtende oder den Haftungstatbestand der &sect;&sect; 34, 69 AO begr&uuml;ndende Handlungen des Insolvenzschuldners k&ouml;nnten nicht &uuml;ber das in &sect; 55 Abs. 1 Nr. 1&nbsp;&nbsp;2. Halbsatz InsO geregelte Tatbestandsmerkmal &quot;in anderer Weise&quot; als Verwertung oder Verwaltung der Insolvenzmasse verstanden werden. Da die Arbeitskraft des Insolvenzschuldners, anders als die daraus erzielten Eink&uuml;nfte, nicht zur Insolvenzmasse geh&ouml;re, sei es nicht Aufgabe des Insolvenzverwalters, die Arbeit des Insolvenzschuldners zu kontrollieren oder zu beaufsichtigen, da seine Rechtsmacht gegenst&auml;ndlich auf die Insolvenzmasse beschr&auml;nkt sei. Im &Uuml;brigen k&ouml;nne ein Insolvenzverwalter &uuml;ber das Verm&ouml;gen einer nat&uuml;rlichen Person, die zugleich Organ einer juristischen Person ist, nicht f&uuml;r die steuerlichen Pflichten der juristischen Person verantwortlich sein.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit seiner Revision macht das FA geltend, entgegen der Auffassung des FG k&ouml;nne der Haftungsanspruch insolvenzrechtlich nicht anders behandelt werden als das Arbeitseinkommen des Insolvenzschuldners. Denn eine Haftung, die sich aus der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerstellung ergebe, k&ouml;nne nicht behandelt werden wie eine andere Schuld, die der Insolvenzschuldner w&auml;hrend des Insolvenzverfahrens ohne Zustimmung des Insolvenzverwalters begr&uuml;nde. Sofern eine den Haftungstatbestand der &sect;&sect; 34, 69 AO begr&uuml;ndende Handlung unmittelbar aus dem Arbeitseinsatz des Insolvenzschuldners resultiere, m&uuml;sse sich der Insolvenzverwalter dies zurechnen lassen. Es sei widerspr&uuml;chlich, wenn der Insolvenzschuldner &#8211;m&ouml;glicherweise auf rechtswidrige Art und Weise&#8211; ein hohes Arbeitsentgelt erziele, die damit zusammenh&auml;ngenden Folgen aus Sicht des Insolvenzverwalters hingegen v&ouml;llig ausgeblendet w&uuml;rden. Das FA verweist insoweit auf die Einf&uuml;gung der Abs. 2 und 3 in &sect; 35 InsO durch das Gesetz zur Vereinfachung des Insolvenzverfahrens (InsVereinfG) vom 13. April 2007 (BGBl I 2007, 509), wonach dem Insolvenzverwalter die Entscheidung obliegt, ob das Verm&ouml;gen aus einer w&auml;hrend des Insolvenzverfahrens ausge&uuml;bten selbstst&auml;ndigen T&auml;tigkeit zur Insolvenzmasse geh&ouml;ren soll und ob Anspr&uuml;che aus dieser T&auml;tigkeit im Insolvenzverfahren geltend gemacht werden k&ouml;nnen. Die Freigabe einer nichtselbstst&auml;ndigen T&auml;tigkeit sehe die Insolvenzordnung allerdings &#8211;auch nach der Einf&uuml;hrung des &sect; 35 Abs. 2 Inso&#8211; nicht vor, der pf&auml;ndbare Arbeitslohn sei regelm&auml;&szlig;ig in die Insolvenzmasse abzuf&uuml;hren. Verbindlichkeiten, die im Zusammenhang mit dieser T&auml;tigkeit begr&uuml;ndet w&uuml;rden, seien dementsprechend aus der Insolvenzmasse zu zahlen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger schlie&szlig;t sich im Wesentlichen den Ausf&uuml;hrungen des FG an.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet. Das Urteil des FG entspricht dem Bundesrecht (&sect; 118 Abs. 1 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Recht erkannt, dass der Haftungsanspruch im Streitfall keine Masseverbindlichkeit ist.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Nach &sect; 34 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 AO hat ein Verm&ouml;gensverwalter, soweit seine Verwaltung reicht, die steuerlichen Pflichten desjenigen zu erf&uuml;llen, &uuml;ber dessen Verm&ouml;gen ihm die Verwaltung &uuml;bertragen ist.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Im Streitfall war der Kl&auml;ger als Insolvenzverwalter &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers bestellt, als der &#8211;unstreitige&#8211; Haftungsanspruch des FA gegen den Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer gem&auml;&szlig; &sect;&sect; 34, 69 AO wegen Nichtabf&uuml;hrung der von der GmbH geschuldeten Lohnsteuern materiell-rechtlich entstanden ist. Das Recht des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers, sein nun zur Insolvenzmasse geh&ouml;rendes Verm&ouml;gen zu verwalten, war bereits auf den Kl&auml;ger als Insolvenzverwalter &uuml;bergegangen (&sect; 80 Abs. 1 InsO). Nach &sect; 35 InsO erfasst das Insolvenzverfahren das gesamte Verm&ouml;gen, das dem Schuldner zur Zeit der Er&ouml;ffnung des Verfahrens geh&ouml;rt und das er w&auml;hrend des Verfahrens erlangt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Als Adressat des Haftungsbescheids kommt der Kl&auml;ger aber deshalb nicht in Betracht, weil der Haftungsanspruch sich nicht gegen die seiner Verwaltung unterliegende Insolvenzmasse richtet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nach &sect; 38 InsO dient die Insolvenzmasse zur Befriedigung der Gl&auml;ubiger, die einen zur Zeit der Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens begr&uuml;ndeten Verm&ouml;gensanspruch gegen den Schuldner haben. Der Haftungsanspruch durch Pflichtverletzungen des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers ist jedoch nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens &uuml;ber sein Verm&ouml;gen begr&uuml;ndet worden. Eine sonstige Masseverbindlichkeit i.S. des &sect; 55 Abs. 1 Nr. 1 InsO w&auml;re die Haftungsschuld nur dann, wenn sie durch Handlungen des Insolvenzverwalters oder in anderer Weise durch die Verwaltung, Verwertung und Verteilung der Insolvenzmasse begr&uuml;ndet worden w&auml;re, ohne zu den Kosten des Insolvenzverfahrens zu geh&ouml;ren. Die Voraussetzungen des hier allein in Betracht kommenden Tatbestands &quot;in anderer Weise durch die Verwaltung &#8230; der Insolvenzmasse&quot; begr&uuml;ndete Verbindlichkeit erf&uuml;llt der Haftungsanspruch des FA indes nicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                aa) Nach dem Wortlaut der Vorschrift m&uuml;sste der Anspruch auf eine &#8211;wie auch immer geartete&#8211; Verwaltungsma&szlig;nahme des Insolvenzverwalters in Bezug auf die Insolvenzmasse zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sein (vgl. Braun\/B&auml;uerle, Insolvenzordnung, 3. Aufl. 2007, &sect; 55 Rz 15). Der Haftungsanspruch des FA nach &sect;&sect; 34, 69 AO ist durch die Verletzung der dem Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer als gesetzlichen Vertreter der GmbH gem&auml;&szlig; &sect; 34 AO &uuml;bertragenen steuerlichen Pflichten begr&uuml;ndet. Die Arbeitskraft des Schuldners geh&ouml;rt aber nicht zur Insolvenzmasse (Beschluss des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 18. Dezember 2008 IX ZB 249\/07, Deutsche Zeitschrift f&uuml;r Wirtschafts- und Insolvenzrecht 2009, 204, unter II.2.b aa(3)). Die &Uuml;berwachung der beruflichen Pflichterf&uuml;llung des Insolvenzschuldners ist nicht Aufgabe des Insolvenzverwalters.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                bb) Der Senat teilt nicht die Auffassung des FA, der Haftungsanspruch m&uuml;sse im Wege der Auslegung des in &sect; 55 Abs. 1 Nr. 1 InsO geregelten Tatbestands als &quot;in anderer Weise durch die Verwaltung, Verwertung oder Verteilung der Insolvenzmasse begr&uuml;ndet&quot; angesehen werden, sofern eine Haftung wie im Fall der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerhaftung nach &sect;&sect; 34, 69 AO unmittelbar auf den Arbeitseinsatz des Insolvenzschuldners zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Einbeziehung dessen in die Insolvenzmasse, was der Insolvenzschuldner w&auml;hrend des Verfahrens erlangt (&sect; 35 Abs. 1&nbsp;&nbsp;2. Halbsatz InsO), fallen zwar auch die Eink&uuml;nfte aus einer Erwerbst&auml;tigkeit, soweit sie der Zwangsvollstreckung unterliegen (&sect; 36 Abs. 1 Satz 1 InsO), nunmehr &#8211;anders als unter der Geltung der Konkursordnung &#8211;KO&#8211; (&sect; 1 KO)&#8211; auch dann in die Insolvenzmasse, wenn sie erst nach Insolvenzer&ouml;ffnung erzielt worden sind. Das allein rechtfertigt aber nicht die in der Revisionsbegr&uuml;ndung zum Ausdruck kommende Gesamtbetrachtung der aus &quot;dem Arbeitseinsatz&quot; des Insolvenzschuldners resultierenden Anspr&uuml;che und Verbindlichkeiten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                (1) War der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer nichtselbstst&auml;ndig t&auml;tig, so hatte der Kl&auml;ger von vornherein keine M&ouml;glichkeit, diese T&auml;tigkeit zu unterbinden oder sonst zu beeinflussen. Die nach Insolvenzer&ouml;ffnung neu erworbenen Lohn- und Gehaltsanspr&uuml;che sind nicht anders zu ber&uuml;cksichtigen als jene, auf die bereits bei Er&ouml;ffnung des Verfahrens ein Anspruch bestand (zum Neuerwerb von Verm&ouml;genswerten vgl. BGH-Urteil vom 1. Februar 2007 IX ZR 178\/05, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 2008, 77, m.w.N.). Sie fallen mit dem Betrag in die Insolvenzmasse, mit dem sie auch der Einzelzwangsvollstreckung unterliegen, d.h. mit dem Nettobetrag unter Ber&uuml;cksichtigung der Pf&auml;ndungsfreigrenzen (&sect; 36 Abs. 1 Satz 2 InsO i.V.m. &sect;&sect; 850c, 850e der Zivilprozessordnung). Schadenersatz- oder Haftungsanspr&uuml;che aus der T&auml;tigkeit beeinflussen den Lohn- und Gehaltsanspruch nicht unmittelbar. Sie sind keine Masseverbindlichkeiten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                (2) Auch wenn der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer seine Funktion im Rahmen des Gesellschaftsverh&auml;ltnisses ausge&uuml;bt haben und diese nach den Umst&auml;nden des Einzelfalls nicht als nichtselbstst&auml;ndige T&auml;tigkeit zu qualifizieren sein sollte (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs vom 23. April 2009 VI R 81\/06, BFH\/NV 2009, 1311), k&ouml;nnten nachinsolvenzlich daraus herr&uuml;hrende Haftungsschulden nicht Masseverbindlichkeiten sein. F&uuml;r Einkommen aus selbstst&auml;ndiger T&auml;tigkeit hat der BGH in st&auml;ndiger Rechtsprechung erkannt, dass es in vollem Umfang und nicht lediglich in H&ouml;he des nach Abzug der Ausgaben verbleibenden Gewinns zur Insolvenzmasse geh&ouml;rt (BGH-Beschluss vom 18. Mai 2004 IX ZB 189\/03, Zeitschrift f&uuml;r das gesamte Insolvenzrecht &#8211;ZInsO&#8211; 2004, 739, m.w.N.). K&ouml;nnten danach &#8211;jedenfalls nach der im Streitfall ma&szlig;geblichen Rechtslage&#8211; Verbindlichkeiten, die aus der selbstst&auml;ndigen T&auml;tigkeit erwachsen sind &#8211;also auch Haftungsschulden, sofern sie bei der Gewinnermittlung &uuml;berhaupt ber&uuml;cksichtigt werden k&ouml;nnten&#8211;, die Insolvenzmasse nicht mindern, so gilt dies umso mehr, falls die Haftungsschuld aus der T&auml;tigkeit eines Gesellschafter-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers herr&uuml;hrte, der insoweit (nur) &uuml;ber Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen verf&uuml;gt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                (3) Die blo&szlig;e Duldung der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrert&auml;tigkeit erf&uuml;llte nach der hier ma&szlig;geblichen Rechtslage nicht das Tatbestandsmerkmal des Verwaltens der Insolvenzmasse i.S. des &sect; 55 Abs. 1 Nr. 1&nbsp;&nbsp;2. Halbsatz InsO. Zwar konnte der Insolvenzverwalter schon vor Inkrafttreten des InsVereinfG aufgrund seiner Verwaltungs- und Verf&uuml;gungsbefugnis nach pflichtgem&auml;&szlig;em Ermessen (&sect;&sect; 80, 60 InsO) mit dem Schuldner vereinbaren, dass er ihm die f&uuml;r die Fortf&uuml;hrung dieser T&auml;tigkeit erforderlichen Mittel aus der bereits vorhandenen Insolvenzmasse oder aus den zuk&uuml;nftigen, gleichfalls zur Masse geh&ouml;rigen Eink&uuml;nften zur Verf&uuml;gung stellt (vgl. BGH-Beschluss vom 20. M&auml;rz 2003 IX ZB 388\/02, ZInsO 2003, 413, Neue Juristische Wochenschrift 2003, 2167). Da aber insoweit keine Erkl&auml;rungspflicht des Insolvenzverwalters gesetzlich geregelt war, konnte in dem blo&szlig;en Unterlassen solcher Vereinbarungen keine Verwaltungsma&szlig;nahme liegen, die eine Masseverbindlichkeit entstehen lie&szlig;.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Mit der Normierung des &sect; 35 Abs. 2 InsO durch das InsVereinfG zum 1. Juli 2007 hat der Gesetzgeber nun zwar dem Insolvenzverwalter im Fall der Fortf&uuml;hrung oder Aufnahme einer selbstst&auml;ndigen T&auml;tigkeit durch den Schuldner die Pflicht auferlegt, zu erkl&auml;ren, ob Verm&ouml;gen aus der T&auml;tigkeit zur Insolvenzmasse geh&ouml;rt und ob Anspr&uuml;che aus der T&auml;tigkeit im Insolvenzverfahren geltend gemacht werden k&ouml;nnen (vgl. dazu Gesetzentwurf der Bundesregierung vom 2. November 2006, BTDrucks 16\/3227, insbesondere Begr&uuml;ndung zu Nr. 12, S. 17).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Da im Zeitraum der Verwirklichung des Haftungsanspruchs (im Jahre 2006) die zum 1. Juli 2007 in Kraft getretene Norm (Art. 103c des Einf&uuml;hrungsgesetzes zur Insolvenzordnung) noch nicht anzuwenden war, er&uuml;brigen sich im Streitfall Erw&auml;gungen dar&uuml;ber, ob diese Erkl&auml;rungspflicht dazu f&uuml;hrt, dass eine schlichte Duldung einer selbstst&auml;ndigen T&auml;tigkeit als Verwalten der Insolvenzmasse angesehen werden kann, ob zu den &quot;Anspr&uuml;chen aus einer solchen T&auml;tigkeit&quot;, die im Fall des Insolvenzbeschlags des Neuerwerbs &quot;im Insolvenzverfahren geltend gemacht werden k&ouml;nnen&quot;, auch Haftungsanspr&uuml;che des FA wegen Nichterf&uuml;llung steuerlicher Pflichten geh&ouml;ren k&ouml;nnen und ob die Regelung auch auf die Haftung eines Gesellschafter-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers angewendet werden k&ouml;nnte.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.7.2009, VII R 49\/08 Keine Haftungsinanspruchnahme des Insolvenzverwalters &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers einer GmbH, der nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens die von der GmbH geschuldeten Lohnsteuern nicht abgef&uuml;hrt hat Leits&auml;tze Jedenfalls nach der Rechtslage bis zum Inkrafttreten des Gesetzes zur Vereinfachung des Insolvenzverfahrens vom 13. April 2007 konnte das FA den Insolvenzverwalter &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-49-08-keine-haftungsinanspruchnahme-des-insolvenzverwalters-ueber-das-vermoegen-des-geschaeftsfuehrers-einer-gmbh-der-nach-eroeffnung-des-insolvenzverfahrens-die-von-der-gmbh-geschuldeten-lohnst\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;49\/08 &#8211; Keine Haftungsinanspruchnahme des Insolvenzverwalters &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers einer GmbH, der nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens die von der GmbH geschuldeten Lohnsteuern nicht abgef&uuml;hrt hat<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-14286","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14286","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14286"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14286\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14286"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14286"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14286"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}