{"id":14298,"date":"2012-12-20T06:42:04","date_gmt":"2012-12-20T04:42:04","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=14298"},"modified":"2012-12-20T06:42:04","modified_gmt":"2012-12-20T04:42:04","slug":"ix-r-54-08-einkuenfteerzielungsabsicht-bei-jahrlangem-leerstand-eines-gebaeudes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-54-08-einkuenfteerzielungsabsicht-bei-jahrlangem-leerstand-eines-gebaeudes\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;54\/08 &#8211; Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht bei jahrlangem Leerstand eines Geb&auml;udes"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 25.6.2009, IX R 54\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht bei jahrlangem Leerstand eines Geb&auml;udes<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Zeigt sich aufgrund bislang vergeblicher Vermietungsbem&uuml;hungen, dass f&uuml;r das Objekt, so wie es baulich gestaltet ist, kein Markt besteht und die Immobilie deshalb nicht vermietbar ist, so muss der Steuerpflichtige &#8211;will er seine fortbestehende Vermietungsabsicht belegen&#8211; zielgerichtet darauf hinwirken, unter Umst&auml;nden auch durch bauliche Umgestaltungen einen vermietbaren Zustand des Objekts zu erreichen.<\/p>\n<p>2. Bleibt er unt&auml;tig und nimmt den Leerstand auch k&uuml;nftig hin, spricht dieses Verhalten gegen den endg&uuml;ltigen Entschluss zu vermieten oder &#8211;sollte er bei seinen bisherigen, vergeblichen Vermietungsbem&uuml;hungen mit Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht gehandelt haben&#8211; f&uuml;r deren Aufgabe.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Beteiligten streiten um die Vermietungsabsicht in Bezug auf seit ca. 30 Jahren leerstehende Wohneinheiten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist Vorbehaltsnie&szlig;braucherin eines Wohn- und Gesch&auml;ftsgrundst&uuml;cks, auf dem im Jahr 1976 ein dreigeschossiges Geb&auml;ude errichtet wurde. Im Erdgeschoss, Keller und ersten Obergeschoss sind ein Ladengesch&auml;ft, Lager- und Personalr&auml;ume seit Fertigstellung des Geb&auml;udes gewerblich vermietet. Mehrere Wohnungen stehen seit dem Jahr 1976 leer, ebenso einige R&auml;ume in den oberen Geschossen, die im Jahr 1988 f&uuml;r gewerbliche Vermietungen umgebaut wurden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erkannte die auf die leer stehenden R&auml;umlichkeiten entfallenden Aufwendungen mangels einer ernsthaften Vermietungsabsicht bei der Veranlagung des Streitjahres (2003) nicht als Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung an.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Klage blieb erfolglos. Auch das Finanzgericht (FG) verneinte die Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht der Kl&auml;gerin. Zwar habe sie einen Makler beauftragt. Interessenten aus den Jahren 1989 und 1993 h&auml;tten die Lage der R&auml;ume in den Obergeschossen ohne Aufzug im Anwesen als ungeeignet abgelehnt. Dies h&auml;tte die Kl&auml;gerin zum Anlass nehmen m&uuml;ssen, das Vermietungsobjekt an die Erfordernisse des Markts anzupassen. Anderenfalls sei ihre Entscheidung, nichts Weiteres zu tun, ihrem privaten Verm&ouml;gensbereich zuzuordnen. Sofern ein Wirtschaftsgut aus diesen Gr&uuml;nden nicht mehr zur Erzielung von Eink&uuml;nften tauglich sei, seien die hierauf entfallenden Aufwendungen nicht mehr auf Eink&uuml;nfteerzielung ausgerichtet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Hiergegen richtet sich die Revision der Kl&auml;gerin, die sie auf die Verletzung der &sect;&sect; 9 und 21 des Einkommensteuergesetzes i.d.F. des Streitjahres (EStG) st&uuml;tzt. Sinngem&auml;&szlig; tr&auml;gt sie vor, es sei von einem strukturell bedingten Leerstand auszugehen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;,      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table style=\"margin-left:36\"pt>\n<tr>\n<td>                        das angefochtene Urteil aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr vom 11. Juli 2005 i.d.F. der Einspruchsentscheidung vom 29. September 2005 zu &auml;ndern und bei den Eink&uuml;nften aus Vermietung und Verpachtung des Objekts in &#8230; weitere Werbungskosten von 3 690 EUR zu ber&uuml;cksichtigen.          <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:36\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt,      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table style=\"margin-left:36\"pt>\n<tr>\n<td>                        die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.          <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:36\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nach Auffassung des FA liege jedenfalls im Streitjahr kein strukturell bedingter Leerstand vor. Es st&uuml;tzt sich zur Begr&uuml;ndung auf Aufstellungen des statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen. Zutreffend hat das FG die im Zusammenhang mit den seit Jahren leer stehenden R&auml;umen angefallenen Aufwendungen nicht als Werbungskosten bei den Eink&uuml;nften aus Vermietung und Verpachtung ber&uuml;cksichtigt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Nach &sect; 9 Abs. 1 Satz 1 EStG sind Werbungskosten Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. Sie sind nach &sect; 9 Abs. 1 Satz 2 EStG bei der Einkunftsart Vermietung und Verpachtung abzuziehen, wenn sie bei ihr erwachsen und das hei&szlig;t, durch sie veranlasst sind (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteil vom 15. Januar 2008 IX R 45\/07, BFHE 220, 264, BStBl II 2008, 572). Fallen solche Aufwendungen schon an, bevor mit dem Aufwand zusammenh&auml;ngende Einnahmen erzielt werden, k&ouml;nnen sie als vorab entstandene Werbungskosten ber&uuml;cksichtigt werden, wenn ein ausreichend bestimmter wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen den Aufwendungen und der Einkunftsart besteht, in deren Rahmen der Abzug begehrt wird (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 4. Juli 1990 GrS 1\/89, BFHE 160, 466, BStBl II 1990, 830; BFH-Urteil vom 11. Januar 2005 IX R 15\/03, BFHE 209, 77, BStBl II 2005, 477).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Aufwendungen f&uuml;r eine leer stehende Wohnung k&ouml;nnen als vorab entstandene Werbungskosten abziehbar sein, wenn der Steuerpflichtige sich endg&uuml;ltig entschlossen hat, daraus durch Vermieten Eink&uuml;nfte nach &sect; 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG zu erzielen und diese Entscheidung sp&auml;ter nicht wieder aufgegeben hat. Dieser endg&uuml;ltige Entschluss zu vermieten &#8211;die Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht&#8211; muss sich anhand ernsthafter und nachhaltiger Vermietungsbem&uuml;hungen des Steuerpflichtigen belegen lassen, wobei es sich dabei um Beweisanzeichen handelt, deren Feststellung und W&uuml;rdigung im Wesentlichen dem FG als Tatsacheninstanz obliegt (grundlegend zum Vorstehenden BFH-Urteil vom 28. Oktober 2008 IX R 1\/07, BFHE 223, 186). Zeigt sich aufgrund bislang vergeblicher Vermietungsbem&uuml;hungen, dass f&uuml;r das Objekt, so wie es baulich gestaltet ist, kein Markt besteht und die Immobilie deshalb nicht vermietbar ist, so muss der Steuerpflichtige zielgerichtet darauf hinwirken, unter Umst&auml;nden auch durch bauliche Umgestaltungen einen vermietbaren Zustand des Objekts zu erreichen. Bleibt er unt&auml;tig und nimmt den Leerstand auch k&uuml;nftig hin, spricht dieses Verhalten gegen den endg&uuml;ltigen Entschluss zu vermieten oder &#8211;sollte er bei seinen bisherigen, vergeblichen Vermietungsbem&uuml;hungen mit Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht gehandelt haben&#8211; f&uuml;r deren Aufgabe.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben konnte das FG zu dem Ergebnis gelangen, die Vermietungsbem&uuml;hungen der Kl&auml;gerin h&auml;tten nicht ausgereicht, um von ihrem unbedingten und endg&uuml;ltigen Entschluss auszugehen, die R&auml;ume im Obergeschoss zu vermieten. Zutreffend hat das FG allein den Maklerauftrag zur gewerblichen Vermietung nicht als ausreichend beurteilt. Es fanden sich in den Jahren 1989 und 1993 nur zwei Interessenten. Von daher h&auml;tte es nahe gelegen, den Kreis der m&ouml;glichen Mieter auch auf Privatinteressenten zu erweitern. &Uuml;berdies zeigte sich nach den Feststellungen des FG, dass f&uuml;r die R&auml;umlichkeiten &#8211;so wie sie waren&#8211; ein Markt nicht bestand und sie ohne weitere bauliche Ma&szlig;nahmen (z.B. Einbau eines Aufzugs) nicht vermietbar waren. Weil es die Kl&auml;gerin unterlie&szlig;, hierauf etwa durch bauliches Umgestalten zu reagieren, sie einen Leerstand der R&auml;ume vielmehr weiterhin jahrelang hinnahm, konnte das FG daraus den Schluss ziehen, sie habe einen (vorhandenen) Vermietungsentschluss wieder aufgegeben. Die weiteren, mit den leer stehenden R&auml;umen zusammenh&auml;ngenden Aufwendungen sind dann der privaten Verm&ouml;genssph&auml;re zuzuordnen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Senat muss nicht entscheiden, ob &#8211;und ggf. wie lange&#8211; die Vermietungsabsicht auch dann fortbestehen kann, wenn das zu vermietende Objekt aufgrund eines strukturellen &Uuml;berangebots von Immobilienobjekten wegen ung&uuml;nstiger &ouml;rtlicher Entwicklungen nicht (mehr) vermietbar ist. Denn das FG hat derartige Umst&auml;nde nicht festgestellt. &Uuml;berdies sprechen die vom FA im Revisionsverfahren vorgetragenen offenkundigen Tatsachen &uuml;ber die &ouml;rtliche wirtschaftliche Entwicklung (vgl. &sect; 291 der Zivilprozessordnung i.V.m. &sect; 155 FGO) ersichtlich gegen einen von der Kl&auml;gerin im Streitjahr nicht zu vertretenden Leerstand.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 25.6.2009, IX R 54\/08 Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht bei jahrlangem Leerstand eines Geb&auml;udes Leits&auml;tze 1. 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