{"id":14350,"date":"2012-12-20T02:48:19","date_gmt":"2012-12-20T00:48:19","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=14350"},"modified":"2012-12-20T02:48:19","modified_gmt":"2012-12-20T00:48:19","slug":"i-r-90-08-besteuerungsrecht-von-abfindungszahlungen-an-einen-in-belgien-wohnenden-aber-im-inland-taetigen-und-dort-nach-par-1-abs-3-estg-2002-unbeschraenkt-steuerpflichtigen-arbeitnehmer-bindungswirku","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-90-08-besteuerungsrecht-von-abfindungszahlungen-an-einen-in-belgien-wohnenden-aber-im-inland-taetigen-und-dort-nach-par-1-abs-3-estg-2002-unbeschraenkt-steuerpflichtigen-arbeitnehmer-bindungswirku\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;90\/08 &#8211; Besteuerungsrecht von Abfindungszahlungen an einen in Belgien wohnenden, aber im Inland t&auml;tigen und dort nach &sect; 1 Abs. 3 EStG 2002 unbeschr&auml;nkt steuerpflichtigen Arbeitnehmer &#8211; Bindungswirkung von Verst&auml;ndigungsvereinbarungen &#8211; Auslegung zwischenstaatlicher Abkommen &#8211; Grundsatz der Entscheidungsharmonie"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 2.9.2009, I R 90\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Besteuerungsrecht von Abfindungszahlungen an einen in Belgien wohnenden, aber im Inland t&auml;tigen und dort nach &sect; 1 Abs. 3 EStG 2002 unbeschr&auml;nkt steuerpflichtigen Arbeitnehmer &#8211; Bindungswirkung von Verst&auml;ndigungsvereinbarungen &#8211; Auslegung zwischenstaatlicher Abkommen &#8211; Grundsatz der Entscheidungsharmonie<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Art. 15 Abs. 1 DBA-Belgien erm&ouml;glicht kein deutsches Besteuerungsrecht f&uuml;r eine Abfindungszahlung, die eine in Belgien ans&auml;ssige Person von ihrem bisherigen inl&auml;ndischen Arbeitgeber aus Anlass der K&uuml;ndigung des Arbeitsverh&auml;ltnisses erh&auml;lt (Best&auml;tigung der st&auml;ndigen Rechtsprechung).<\/p>\n<p>2. Eine &Uuml;bereinkunft zwischen den deutschen und belgischen Steuerbeh&ouml;rden (hier: Verst&auml;ndigungsvereinbarung mit dem belgischen Finanzministerium vom 15. Dezember 2006 &uuml;ber die Zuordnung des Besteuerungsrechts bei Abfindungen an Arbeitnehmer, bekannt gegeben durch BMF-Schreiben vom 10. Januar 2007, BStBl I 2007, 261) nach Ma&szlig;gabe von Art. 25 Abs. 3 DBA-Belgien bindet die Gerichte nicht (ebenfalls Best&auml;tigung der st&auml;ndigen Rechtsprechung).<\/p>\n<p>3. Nat&uuml;rliche Personen, die nach &sect; 1 Abs. 3 EStG 2002 auf Antrag als unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig behandelt werden, unterfallen nicht der sog. R&uuml;ckfallregelung des &sect; 50d Abs. 9 Satz 1 Nr. 1 EStG 2002 i.d.F. des JStG 2007.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) und seine Ehefrau hatten ihren Wohnsitz im Streitjahr 2005 in Belgien. Der Kl&auml;ger erzielte im Streitjahr in Deutschland Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger T&auml;tigkeit. Sein Arbeitgeber k&uuml;ndigte ihm aus betriebsbedingten Gr&uuml;nden zum 31. Dezember 2005.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Aus Anlass dieser K&uuml;ndigung erhielt der Kl&auml;ger im Streitjahr neben einem Bruttoarbeitslohn in H&ouml;he von 53.023,14 EUR eine Abfindung in H&ouml;he von 19.110 EUR und eine Jubil&auml;umszuwendung in H&ouml;he von 1.074 EUR. Die Abfindung zahlte der Arbeitgeber in H&ouml;he von 7.200 EUR steuerfrei aus. Die Jubil&auml;umszuwendung und den nicht steuerfrei belassenen Teil der Abfindung besteuerte der Arbeitgeber nach &sect; 34 Abs. 1 und 2 Nr. 2 i.V.m. &sect; 24 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG 2002) erm&auml;&szlig;igt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung 2005 beantragten der Kl&auml;ger und seine Ehefrau die Durchf&uuml;hrung einer Einkommensteuerveranlagung nach den Grunds&auml;tzen der unbeschr&auml;nkten Steuerpflicht gem&auml;&szlig; &sect; 1 Abs. 3 EStG 2002. Beigef&uuml;gt war eine Bescheinigung EU\/EWR (nach &sect; 1 Abs. 3 Satz 4 EStG 2002), aus der sich ergab, dass weder der Kl&auml;ger noch seine Ehefrau in Belgien im Streitjahr Eink&uuml;nfte erzielt hatten, die dort der Besteuerung unterlagen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte die Einkommensteuer gem&auml;&szlig; &sect; 1 Abs. 3 EStG 2002 nach den Grunds&auml;tzen der unbeschr&auml;nkten Steuerpflicht fest. Die Abfindung in H&ouml;he von 19.110 EUR bezog er dabei nach Abzug des Freibetrags von 7.200 EUR nach &sect; 3 Nr. 9 EStG 2002 in die Steuerfestsetzung mit ein (angesetzter Bruttoarbeitslohn 66.008 EUR); die Abfindung und die Jubil&auml;umszuwendung wurden der sog. F&uuml;nftel-Regelung nach &sect; 34 Abs. 1 und 2 Nr. 2 i.V.m. &sect; 24 Nr. 1 EStG 2002 unterworfen. Das FA bezog sich im Hinblick auf die Besteuerung der Abfindung auf die zwischen dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) der Bundesrepublik Deutschland und dem Finanzministerium des K&ouml;nigreichs Belgien am 15. Dezember 2006 getroffene Verst&auml;ndigungsvereinbarung gem&auml;&szlig; Art. 25 Abs. 3 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem K&ouml;nigreich Belgien zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und zur Regulierung verschiedener anderer Fragen auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen einschlie&szlig;lich der Gewerbesteuer und der Grundsteuern vom 11. April 1967 (BGBl II 1969, 18, BStBl I 1969, 39) i.d.F. des Zusatzabkommens vom 5. November 2002 (BGBl II 2003, 1616) &#8211;DBA-Belgien&#8211;; das BMF hat diese Verst&auml;ndigungsvereinbarung in seinem Schreiben vom 10. Januar 2007 (BStBl I 2007, 261) bekannt gegeben.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Klage gegen den hiernach ergangenen Einkommensteuerbescheid war erfolgreich. Das Finanzgericht (FG) K&ouml;ln gab ihr durch Urteil vom 13. August 2008&nbsp;&nbsp;4 K 3363\/07 statt; das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2008, 1775 ver&ouml;ffentlicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Seine Revision st&uuml;tzt das FA auf Verletzung materiellen Rechts. Es beantragt, das FG-Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das dem Revisionsverfahren beigetretene BMF hat sich in der Sache dem FA angeschlossen, jedoch keine eigenen Antr&auml;ge gestellt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FA hat dem Antrag des Kl&auml;gers, der im Streitjahr im Inland weder einen Wohnsitz noch einen gew&ouml;hnlichen Aufenthalt hatte und in Belgien auch keine Eink&uuml;nfte erzielte, die nicht der deutschen Besteuerung unterlagen, zu Recht entsprochen und ihn nach Ma&szlig;gabe des &sect; 1 Abs. 3 EStG 2002 mit den inl&auml;ndischen Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit i.S. des &sect; 49 Abs. 1 Nr. 4 (i.V.m. &sect; 19) EStG 2002 (i.d.F. des Zweiten Gesetzes zur &Auml;nderung steuerlicher Vorschriften &#8211;Steuer&auml;nderungsgesetz 2003 [St&Auml;ndG 2003]&#8211; vom 15. Dezember 2003, BGBl I 2003, 2645, BStBl I 2003, 710) als unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig behandelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zu diesen Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit geh&ouml;rt gem&auml;&szlig; &sect; 49 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. d EStG 2002 i.d.F. des Steuer&auml;nderungsgesetzes 2003 auch die in Rede stehende Abfindung. Denn diese wurde nach den bindenden tatrichterlichen Feststellungen als Entsch&auml;digung i.S. des &sect; 24 Nr. 1 EStG 2002 f&uuml;r die Aufl&ouml;sung eines Dienstverh&auml;ltnisses gezahlt und die f&uuml;r die zuvor ausge&uuml;bte T&auml;tigkeit bezogenen Eink&uuml;nfte haben der inl&auml;ndischen Besteuerung unterlegen. Die Voraussetzungen des &sect; 49 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. d EStG 2002 i.d.F. des Steuer&auml;nderungsgesetzes 2003 sind damit erf&uuml;llt. Das ist unter den Beteiligten auch nicht streitig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Veranlagung des Kl&auml;gers und seiner Ehefrau gem&auml;&szlig; &sect; 1 Abs. 3 EStG 2002 setzt voraus, dass deren Eink&uuml;nfte im Streitjahr mindestens zu 90 v.H. der deutschen Einkommensteuer unterlagen oder die nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegenden Eink&uuml;nfte nicht mehr als 12.272 EUR im Kalenderjahr betrugen (&sect; 1 Abs. 3 Satz 2, &sect; 1a Abs. 1 Nr. 2 EStG 2002). Jedenfalls die alternative H&ouml;chstbetragsgrenze von 12.272 EUR wurde im Streitfall nicht &uuml;berschritten. Zwar belief sich die gezahlte Abfindung auf 19.110 EUR. Da diese in H&ouml;he von 7.200 EUR nach &sect; 3 Nr. 9 EStG 2002 steuerfrei war, lagen die nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegenden Eink&uuml;nfte (s. dazu nachfolgend unter 2.) in H&ouml;he der verbleibenden 11.910 EUR unter dem sch&auml;dlichen Betrag von 12.272 EUR (s. dazu BMF-Schreiben vom 6. Dezember 1995, BStBl I 1995, 803; Gosch in Kirchhof, EStG, 8. Aufl., &sect; 1 Rz 34, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das Deutschland nach innerstaatlichem Recht zustehende Besteuerungsrecht f&uuml;r die Abfindung wurde durch das DBA-Belgien beschr&auml;nkt; das Besteuerungsrecht steht nach Art. 15 Abs. 1 DBA-Belgien Belgien als dem Wohnsitzstaat des Kl&auml;gers zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Art. 15 Abs. 1 S&auml;tze 1 und 2 DBA-Belgien, der die Behandlung von Eink&uuml;nften aus einer unselbst&auml;ndigen Arbeit regelt, bestimmt, dass L&ouml;hne, Geh&auml;lter und &auml;hnliche Verg&uuml;tungen, die eine in einem Vertragsstaat ans&auml;ssige Person aus unselbst&auml;ndiger Arbeit bezieht, nur in diesem Staat besteuert werden k&ouml;nnen, es sei denn, dass die Arbeit in dem anderen Vertragsstaat ausge&uuml;bt wird. Wird die Arbeit dort ausge&uuml;bt, so k&ouml;nnen die daf&uuml;r bezogenen Verg&uuml;tungen in dem anderen Staat besteuert werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wie der Senat wiederholt entschieden hat (z.B. Urteile vom 24. Februar 1988 I R 143\/84, BFHE 152, 500, BStBl II 1988, 819; vom 27. August 2008 I R 81\/07, BFHE 222, 560, BStBl II 2009, 632; vom 10. Juli 1996 I R 83\/95, BFHE 181, 155, BStBl II 1997, 341; Beschluss vom 12. September 2006 I B 27\/06, BFH\/NV 2007, 13, jeweils m.w.N.), folgt daraus, dass Abfindungen anl&auml;sslich der Beendigung eines Dienstverh&auml;ltnisses nicht im T&auml;tigkeitsstaat, sondern im Ans&auml;ssigkeitsstaat zu besteuern sind. Denn bei Abfindungen handelt es sich unbeschadet dessen, dass sie nach dem insoweit ma&szlig;gebenden innerstaatlichen Recht (vgl. Art. 3 Abs. 2 DBA-Belgien) Arbeitslohn (&sect; 19 EStG 2002) sind, nicht um ein zus&auml;tzliches Entgelt f&uuml;r eine fr&uuml;here T&auml;tigkeit i.S. des Art. 15 Abs. 1 Satz 2 DBA-Belgien. Sie werden nicht f&uuml;r eine konkrete im Inland oder Ausland ausge&uuml;bte T&auml;tigkeit gezahlt, sondern gerade f&uuml;r den Verlust des Arbeitsplatzes. Ein blo&szlig;er Anlasszusammenhang zwischen Zahlung und T&auml;tigkeit gen&uuml;gt nach dem Abkommenswortlaut (&quot;daf&uuml;r&quot;) indes nicht. Die Finanzverwaltung hat sich dem prinzipiell angeschlossen (BMF-Schreiben vom 14. September 2006, BStBl I 2006, 532, dort Tz. 6.3).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) An dieser Rechtsauffassung, an welcher der Senat festh&auml;lt, hat sich infolge der zwischenzeitlichen Verst&auml;ndigungsvereinbarung der deutschen und belgischen Finanzbeh&ouml;rden zur Besteuerung von Abfindungen vom 15. Dezember 2006 &#8211;und damit nach Ablauf des Streitjahres&#8211; nichts ge&auml;ndert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das BMF und das Finanzministerium des K&ouml;nigreichs Belgien haben sich in jener Vereinbarung (wiedergegeben im BMF-Schreiben in BStBl I 2007, 261) auf der Basis von Konsultationsverhandlungen nach Ma&szlig;gabe des Art. 25 Abs. 3 DBA-Belgien darauf verst&auml;ndigt, das Besteuerungsrecht der beiden Vertragsstaaten danach zuzuteilen, ob der Abfindung Versorgungscharakter beizumessen ist oder ob es sich um eine Nachzahlung von L&ouml;hnen, Geh&auml;ltern oder anderen Verg&uuml;tungen handelt. In dem ersten Fall kann die Abfindung danach gem&auml;&szlig; Art. 18 DBA-Belgien nur im Wohnsitzstaat des Empf&auml;ngers besteuert werden, im zweiten Fall soll gem&auml;&szlig; Art. 15 Abs. 1 DBA-Belgien das sog. T&auml;tigkeitsortsprinzip gelten. Hintergrund dieser Vereinbarung ist der Umstand, dass aufgrund der unterschiedlichen Spruchpraxis der Steuergerichte in Deutschland und in Belgien &uuml;ber die Besteuerungszuordnung die Gefahr sog. wei&szlig;er Eink&uuml;nfte, also der doppelten Nichtbesteuerung, bestand. Die Vereinbarung tritt nach ihrem Abs. 5 Satz 1 am Tag nach der Unterzeichnung in Kraft. Sie ist nach Abs. 5 Satz 3 auch auf alle F&auml;lle anzuwenden, die &#8211;wie der Streitfall&#8211; zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Vereinbarung noch nicht abgeschlossen oder die Gegenstand eines Verst&auml;ndigungsverfahrens sind. F&uuml;r die Beurteilung des Streitfalls ergeben sich daraus jedoch keine Konsequenzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Vereinbarung betrifft die Auslegung des zwischenstaatlichen vereinbarten Abkommenstextes. Sie wird als solche nach Art. 25 Abs. 3 DBA-Belgien erm&ouml;glicht und soll eine weitgehende Widerspruchsfreiheit bei der Abkommensanwendung sicherstellen. Die Frage nach der Bindungswirkung einer derartigen Vereinbarung ist indes umstritten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&Uuml;berwiegend (s. z.B. Lehner in Vogel\/Lehner, DBA, 5. Aufl., Art. 25 Rz 154, 166; Vogel, daselbst, Einl. Rz 109, 200 f.; L&uuml;thi in Gosch\/Kroppen\/Grotherr, DBA, Art. 25 OECD-MA Rz 94; Gosch in L&uuml;dicke [Hrsg.], Wo steht das deutsche Internationale Steuerrecht?, 2009, S. 130 ff., 134; Schmitz in Strunk\/ Kaminski\/K&ouml;hler, Au&szlig;ensteuergesetz\/Doppelbesteuerungsabkommen, Art. 25 OECD-MA Rz 64; Eilers in Debatin\/Wassermeyer, Doppelbesteuerung, Art. 25 MA Rz 61; Frotscher, Internationales Steuerrecht, 3. Aufl., Rz 209 f.; Ismer, Internationales Steuerrecht &#8211;IStR&#8211; 2009, 366; O. Schmidt in Haase, Au&szlig;ensteuergesetz\/Doppelbesteuerungsabkommen, Art. 15 Rz 51 ff.; Becker, daselbst, Art. 25 Rz 42; Kopf in Lang\/Jirousek [Hrsg.], Praxis des Internationalen Steuerrechts, Festschrift Loukota, 2005, S. 253, jeweils m.w.N.) wird angenommen, dass zwischen der (v&ouml;lkerrechtlichen) Bindung gegen&uuml;ber dem anderen Vertragsstaat, der Bindung innerstaatlicher Rechtsanwendungsorgane und der Selbstbindung der die Verst&auml;ndigungsvereinbarung abschlie&szlig;enden und der ihnen nachgeordneten Beh&ouml;rden zu unterscheiden ist. Innerstaatliche Wirkungen kann eine solche Vereinbarung f&uuml;r die rechtsanwendenden Organe, also vor allem die Rechtsprechung, nur nach Ma&szlig;gabe der verfassungsrechtlichen Vorgaben des einzelnen Vertragsstaats entfalten. Das kann im Einzelfall ihre unmittelbare Wirksamkeit zur Folge haben. Es kann aber auch, wie im Regelfall in Deutschland, voraussetzen, dass die Vereinbarung zun&auml;chst nach den Grunds&auml;tzen des einschl&auml;gigen Verfassungsrechts in einfaches Gesetzesrecht transformiert werden muss (vgl. Art. 59 Abs. 2 Satz 1 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;). Andernfalls bleibt es bei der Letztverbindlichkeit des Abkommens in seiner in diesem Sinne in nationales Recht umgesetzten Fassung. Diese Fassung allein ist vor dem Hintergrund des grundgesetzlichen Gesetzesvorbehalts (Art. 20 Abs. 3 GG) f&uuml;r die Abkommensauslegung ma&szlig;geblich. Denn aus innerstaatlicher Sicht handelt es sich bei der nicht transformierten Verst&auml;ndigungsvereinbarung der beteiligten Finanzverwaltungen lediglich um ein Verwaltungsabkommen und damit der Rechtsnatur nach um eine Verwaltungsvorschrift, die nicht auf einer ihrerseits demokratisch legitimierten Rechtsverordnung i.S. von Art. 80 Abs. 1 GG beruht und die deswegen nicht geeignet ist, positives Recht in verbindlicher Weise zu ver&auml;ndern. In Einklang mit diesen Vorgaben hat der Senat bereits durch seine Urteile vom 1. Februar 1989 I R 74\/86 (BFHE 157,39, BStBl II 1990, 4) sowie vom 10. Juli 1997 I R 4\/96 (BFHE 181, 158, BStBl II 1997, 15) entschieden. Der Streitfall gibt keine Veranlassung, davon abzur&uuml;cken.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Das schlie&szlig;t es nicht aus, die Abkommenspraxis der Vertragsstaaten, wie sie in der Verst&auml;ndigungsvereinbarung zum Ausdruck kommt, bei der Abkommensauslegung zu ber&uuml;cksichtigen; es gilt der Grundsatz der Entscheidungsharmonie. In Einklang damit stehen die Grunds&auml;tze zur Auslegung von Vertr&auml;gen nach Art. 31 des Wiener &Uuml;bereinkommens &uuml;ber das Recht der Vertr&auml;ge vom 23. Mai 1969 &#8211;W&Uuml;RV&#8211; (BGBl II 1985, 927), in innerstaatliches Recht transformiert seit Inkrafttreten des Zustimmungsgesetzes vom 3. August 1985 (BGBl II 1985, 926) am 20. August 1987 (BGBl II 1987, 757): Ein Vertrag ist danach nach Treu und Glauben in &Uuml;bereinstimmung mit der gew&ouml;hnlichen, seiner Bestimmung in ihrem Zusammenhang zukommenden Bedeutung im Lichte seines Zieles und Zweckes auszulegen. Au&szlig;er dem bei der Auslegung zu ber&uuml;cksichtigenden und in Art. 31 Abs. 2 W&Uuml;RV n&auml;her beschriebenen systematischen &quot;Zusammenhang&quot; sind nach Art. 31 Abs. 3 W&Uuml;RV in gleicher Weise zu ber&uuml;cksichtigen: a) jede sp&auml;tere &Uuml;bereinkunft zwischen den Vertragsparteien &uuml;ber die Auslegung des Vertrages oder die Anwendung seiner Bestimmungen sowie b) jede sp&auml;tere &Uuml;bung bei der Anwendung des Vertrags, aus der die &Uuml;bereinstimmung der Vertragsparteien &uuml;ber seine Auslegung hervorgeht. So gesehen kann ein &uuml;bereinstimmendes Abkommensverst&auml;ndnis und eine gemeinsame &quot;&Uuml;bung&quot; der beteiligten Finanzverwaltungen f&uuml;r eine Abkommensauslegung bedeutsam sein (s. z.B. Senatsurteile vom 25. Oktober 2006 I R 81\/04, BFHE 215, 237, sowie I R 18\/04, BFH\/NV 2007, 875, beide zu leitenden Angestellten als sog. Grenzg&auml;nger im Sinne des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweizerischen Eidgenossenschaft zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen vom 11. August 1971 &#8211;DBA-Schweiz 1971&#8211;), das aber immer nur insofern, als sie sich aus dem Wortlaut des Abkommens ableiten lassen (vgl. Senatsurteil vom 27. August 2008 I R 64\/07, BFHE 222, 553, BStBl II 2009, 97). Auch diese Grunds&auml;tze erzwingen eine Regelungsauslegung also immer nur nach Ma&szlig;gabe des Abkommenswortlauts; dieser stellt in abschlie&szlig;ender Weise die &quot;Grenzmarke&quot; f&uuml;r das &quot;richtige&quot; Abkommensverst&auml;ndnis dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Daran scheitert im Streitfall die vom FA und vom BMF verfochtene Auslegung: Der Abkommenstext ist aus Sicht des erkennenden Senats aus den beschriebenen Gr&uuml;nden hinreichend eindeutig. Wenn eine Staatenpraxis dennoch wechselseitig von der bisherigen Abkommensauslegung abweicht, so wird dadurch nicht eine Auslegung, die insbesondere auf dem Abkommenswortlaut gr&uuml;ndet, best&auml;tigt. Vielmehr l&auml;uft dies auf eine &#8211;f&uuml;r den Steuerpflichtigen steuerversch&auml;rfende und damit (ggf. und so auch im Streitfall &uuml;berdies r&uuml;ckwirkend) belastende&#8211; Abkommens&auml;nderung hinaus und ist es allein aus dem bilateralen Bem&uuml;hen zu erkl&auml;ren, etwaigen Nichtbesteuerungen der betreffenden Abfindungen vorzubeugen. Die Umsetzung dieses Bem&uuml;hens mag (unbeschadet des Abkommensprinzips der nur virtuellen Doppelbesteuerung) gerechtfertigt und vor allem in der abkommensrechtlich (in Art. 25 Abs. 3 DBA-Belgien) vereinbarten Bekundung angelegt sein, Schwierigkeiten oder Zweifel, die bei der Auslegung oder Anwendung des Abkommens entstehen, in gegenseitigem Einvernehmen zu beseitigen. Sie kann vor dem Hintergrund des Abkommenstextes indes aus deutscher Sicht nur gelingen, wenn die &quot;sp&auml;tere &Uuml;bung&quot; oder &quot;&Uuml;bereinkunft&quot; in positives und mit dem Abkommen gleichrangiges Recht erhoben wird. Es gilt erneut der verfassungsrechtliche Gesetzesvorbehalt. Auf der Basis einer blo&szlig;en Verwaltungsvereinbarung gelingt das deswegen nicht (vgl. Senatsurteil in BFHE 157, 39, BStBl II 1990, 4; s. auch H. Loukota, Steuer und Wirtschaft International &#8211;SWI&#8211; 2000, 299, 304 ff.; s. auch abgrenzend Senatsurteile vom 17. Dezember 2003 I R 14\/02, BFHE 204, 263, BStBl II 2004, 260; vom 4. Juni 2008 I R 62\/06, BFHE 222, 255, BStBl II 2008, 793; vom 20. August 2008 I R 39\/07, BFHE 222, 509, BStBl II 2009, 234). Ob das &#8211;wie das BMF vortr&auml;gt&#8211; nach den Verfassungsordnungen verschiedener anderer Staaten abweichend gehandhabt werden kann und wird (vgl. dazu auch, insbesondere in Bezug auf die Niederlande, Prokisch in Vogel\/Lehner, a.a.O., Art. 15 Rz 17a f.; Wassermeyer in Debatin\/Wassermeyer, a.a.O., Art. 15 MA Rz 144; s. auch aus &ouml;sterreichischer Sicht M. Lang\/ Schuch, DBA-&Ouml;sterreich, Art. 21 Rz 13; H. Loukota, SWI 2000, 299; Kopf in Festschrift Loukota, a.a.O., S. 253), ist insofern unbeachtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Ein anderes Ergebnis folgt weder aus dem vom BMF herangezogenen Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) zu den Auslandseins&auml;tzen der Bundeswehr vom 12. Juli 1994&nbsp;&nbsp;2 BvE 3\/92, 2 BvE 5\/93, 2 BvE 7\/93, 2 BvE 8\/93 (BVerfGE 90, 286) noch aus dem Urteil des BVerfG vom 22. November 2001&nbsp;&nbsp;2 BvE 6\/99 (BVerfGE 104, 151, 209) zum NATO-Strategiekonzept. Zwar hebt das BVerfG insbesondere in dem Urteil in BVerfGE 90, 286 hervor, dass in der v&ouml;lkerrechtlichen Praxis &quot;flie&szlig;ende &Uuml;berg&auml;nge zwischen Vertragsauslegung und Vertrags&auml;nderung&quot; bestehen (unter III.3.a dd der Entscheidungsgr&uuml;nde). Es liege auch in der Hand der Vertragspartner, durch eine Vertragsauslegung eine neue Praxis der Vertragsanwendung begr&uuml;nden zu wollen, selbst dann, wenn diese Praxis &#8211;entgegen der Auffassung der Vertragsparteien&#8211; &uuml;ber den Vertragsinhalt hinausgehe; eines Zustimmungsvorbehalts des Gesetzgebers (nach Art. 59 Abs. 2 Satz 1 GG) bed&uuml;rfe es in derartigen Situationen nicht (ebenda). Das BVerfG stellt aber zugleich klar, dass der Vollzug solcher Vereinbarungen dann auf jene T&auml;tigkeiten beschr&auml;nkt ist, die nicht dem Gesetzesvorbehalt unterliegen. Ist das nicht der Fall &#8211;und der Senat nimmt dies unter den Gegebenheiten des Streitfalls f&uuml;r den steuerrechtlich belastenden Zugriff auf die in Rede stehende Abfindungszahlung aus den dargelegten Erw&auml;gungen an&#8211; &quot;besteht ein Handlungsverbot, solange nicht entweder das nationale Zustimmungsgesetz den innerstaatlichen Rechtsanwendungsbefehl erteilt oder das Parlament eine sonstige ausreichende Erm&auml;chtigungsgrundlage geschaffen hat&quot; (unter III.3.a ee der Entscheidungsgr&uuml;nde), woran es vorliegend jedoch fehlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>ee) Aus demselben Grund scheidet schlie&szlig;lich die vom BMF eingeforderte verfassungskonforme Auslegung des Abkommens (nach Ma&szlig;gabe des Leistungsf&auml;higkeitsprinzips, Art. 3 Abs. 1 GG) aus, um der Gefahr einer doppelten Nichtbesteuerung des Kl&auml;gers (und damit sog. wei&szlig;er Eink&uuml;nfte) entgegenzutreten (s. dazu erneut auch Senatsurteile in BFHE 222, 255, BStBl II 2008, 793, und in BFHE 222, 509, BStBl II 2009, 234).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Weitere Rechtsgrundlagen, welche ein deutsches Besteuerungsrecht an der gezahlten Abfindung zu begr&uuml;nden verm&ouml;chten, sind nicht ersichtlich. Eine solche ergibt sich namentlich nicht aus &sect; 50d Abs. 9 Satz 1 Nr. 1 EStG 2002 (i.V.m. &sect; 52 Abs. 59a Satz 6 EStG 2002) i.d.F. des Jahressteuergesetzes 2007, BGBl I 2006, 2878, BStBl I 2007, 28 &#8211;JStG 2007&#8211;) &#8211;EStG 2002 n.F.&#8211;. Diese Vorschrift zielt zwar darauf ab, unter n&auml;her eingegrenzten Voraussetzungen das Besteuerungsrecht f&uuml;r bestimmte Eink&uuml;nfte trotz deren abkommensrechtlicher Freistellung sicherzustellen, falls es in dem anderen Vertragsstaat nicht zu einer Besteuerung kommt und deswegen eine sog. Keinmal- oder doppelte Nichtbesteuerung droht. Diesen Zweck verwirklicht &sect; 50d Abs. 9 EStG 2002 n.F. allerdings nicht umfassend, sondern nur f&uuml;r unbeschr&auml;nkt Steuerpflichtige. &sect; 50d Abs. 9 EStG 2002 n.F. baut also erkennbar auf der sog. Freistellungsmethode des Art. 23A des Musterabkommens der Organisation for Economic Cooperation and Development auf und bestimmt (nur) hierf&uuml;r unbeschadet der bilateral verabredeten Freistellung im Wege eines sog. Treaty override einseitig den R&uuml;ckfall des (deutschen) Besteuerungsrechts. Unter den im Streitfall in Rede stehenden Vorgaben der sog. fiktiven unbeschr&auml;nkten Steuerpflicht nach &sect; 1 Abs. 3 EStG 2002 geht es jedoch gerade nicht um einen derartigen &quot;R&uuml;ckfall&quot; des Besteuerungsrechts nach Deutschland als den Wohnsitzstaat infolge abkommensrechtlich durch diesen gew&auml;hrter Freistellung (vorliegend nach Art. 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Art. 15 Abs. 1 DBA-Belgien), sondern um dessen Besteuerungszugriff als Quellenstaat (nach dem T&auml;tigkeitsortprinzip). Wohnsitzstaat des Kl&auml;gers ist und bleibt hingegen Belgien (vgl. zum Verh&auml;ltnis der fiktiven unbeschr&auml;nkten Steuerpflicht nach &sect; 1 Abs. 3 EStG 2002 einerseits und der abkommensrechtlichen Ans&auml;ssigkeit und Abkommensberechtigung andererseits auch Senatsurteil vom 20. September 2006 I R 13\/02, IStR 2007, 148). Nur diese Abkommenskonstellation eines sog. Outbound-Sachverhalts hat &sect; 50d Abs. 9 EStG 2002 vor Augen; Eink&uuml;nfte eines beschr&auml;nkt Steuerpflichtigen werden erkl&auml;rterma&szlig;en nicht einbezogen. Das aber muss sich dann auch auf nat&uuml;rliche Personen auswirken, welche nicht tats&auml;chlich (gem&auml;&szlig; &sect; 1 Abs. 1 EStG 2002), sondern lediglich fiktiv nach Ma&szlig;gabe des &sect; 1 Abs. 3 EStG 2002 mit ihren inl&auml;ndischen Eink&uuml;nften i.S. des &sect; 49 EStG 2002 (vgl. &sect; 1 Abs. 3 Satz 1 letzter Halbsatz EStG 2002) als unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig behandelt werden. Der insoweit nicht unterscheidende und deshalb &uuml;berschie&szlig;ende Regelungstatbestand (&quot;&#8230; unbeschr&auml;nkt Steuerpflichtigen &#8230;&quot;) in &sect; 50d Abs. 9 EStG 2002 n.F. ist entsprechend eingeschr&auml;nkt aufzufassen (im Ergebnis ebenso z.B. Sch&ouml;nfeld in Flick\/Wassermeyer\/Baumhoff, Au&szlig;ensteuerrecht, &sect; 50d Abs. 9 EStG Rz 52 f.; Wagner in Bl&uuml;mich, EStG, KStG, GewStG, &sect; 50d EStG Rz 102; wohl auch Frotscher, EStG, &sect; 50d Rz 131; Jankowiak, Doppelte Nichtbesteuerung im Internationalen Steuerrecht, 2009, S. 230; anders Hahn-Joecks in Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect; 50d Rz J 7 und K 6; Nieland in Lademann, EStG, &sect; 50d Rz 412), ohne dass noch zu pr&uuml;fen w&auml;re, ob die tatbestandlichen Voraussetzungen der Vorschrift im &Uuml;brigen vorliegen. Ebenso wenig muss der Frage danach nachgegangen werden, ob die Vorschrift verfassungsrechtlichen Anforderungen standh&auml;lt (s. dazu allgemein &#8211;im Hinblick auf das sog. Treaty overriding&#8211; z.B. Gosch, IStR 2008, 413; Frotscher in Spindler\/Tipke\/R&ouml;dder [Hrsg.], Steuerzentrierte Rechtsberatung, Festschrift f&uuml;r Schaumburg, 2009, S. 687 ff., sowie konkret &#8211;bezogen auf die in &sect; 52 Abs. 59a Satz 6 EStG 2002 n.F. angeordnete R&uuml;ckwirkung auf noch nicht bestandskr&auml;ftig abgeschlossene Verfahren&#8211; z.B. Gosch in Kirchhof, a.a.O., &sect; 50d Rz 7; Sch&ouml;nfeld in Flick\/ Wassermeyer\/Baumhoff, a.a.O., &sect; 50d Abs. 9 EStG Rz 31 ff.; Hahn-Joecks in Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, a.a.O., &sect; 50d Rz K 5, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Obwohl die Abfindung aus der Bemessungsgrundlage der deutschen Einkommensteuer herauszunehmen ist, unterliegt sie, soweit sie den Freibetrag von 7.200 EUR &uuml;bersteigt (&sect; 3 Nr. 9 EStG 2002), dem Progressionsvorbehalt (&sect; 32b Abs. 1 Nr. 3 EStG 2002). Dabei sind die darin enthaltenen au&szlig;erordentlichen Eink&uuml;nfte mit einem F&uuml;nftel zu ber&uuml;cksichtigen (&sect; 34 Abs. 1 und 2 Nr. 2 i.V.m. &sect; 24 Nr. 1 EStG 2002). Dar&uuml;ber besteht unter den Beteiligten kein Streit, so dass sich auch dazu weitere Ausf&uuml;hrungen er&uuml;brigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 2.9.2009, I R 90\/08 Besteuerungsrecht von Abfindungszahlungen an einen in Belgien wohnenden, aber im Inland t&auml;tigen und dort nach &sect; 1 Abs. 3 EStG 2002 unbeschr&auml;nkt steuerpflichtigen Arbeitnehmer &#8211; Bindungswirkung von Verst&auml;ndigungsvereinbarungen &#8211; Auslegung zwischenstaatlicher Abkommen &#8211; Grundsatz der Entscheidungsharmonie Leits&auml;tze 1. Art. 15 Abs. 1 DBA-Belgien erm&ouml;glicht kein deutsches Besteuerungsrecht f&uuml;r &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-90-08-besteuerungsrecht-von-abfindungszahlungen-an-einen-in-belgien-wohnenden-aber-im-inland-taetigen-und-dort-nach-par-1-abs-3-estg-2002-unbeschraenkt-steuerpflichtigen-arbeitnehmer-bindungswirku\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;R&nbsp;90\/08 &#8211; Besteuerungsrecht von Abfindungszahlungen an einen in Belgien wohnenden, aber im Inland t&auml;tigen und dort nach &sect; 1 Abs. 3 EStG 2002 unbeschr&auml;nkt steuerpflichtigen Arbeitnehmer &#8211; Bindungswirkung von Verst&auml;ndigungsvereinbarungen &#8211; Auslegung zwischenstaatlicher Abkommen &#8211; Grundsatz der Entscheidungsharmonie<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-14350","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14350","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14350"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14350\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14350"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14350"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14350"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}