{"id":14428,"date":"2012-12-08T15:46:52","date_gmt":"2012-12-08T13:46:52","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=14428"},"modified":"2012-12-08T15:46:52","modified_gmt":"2012-12-08T13:46:52","slug":"vi-r-60-06-erwerbsbedingter-betreuungsbedarf-werbungskosten-gesetzeslage-im-streitjahr-2001-zur-einkommensteuerlichen-beruecksichtigung-von-kinderbetreuungskosten-entsprach-den-verfassungsrechtlichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-60-06-erwerbsbedingter-betreuungsbedarf-werbungskosten-gesetzeslage-im-streitjahr-2001-zur-einkommensteuerlichen-beruecksichtigung-von-kinderbetreuungskosten-entsprach-den-verfassungsrechtlichen\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;60\/06 &#8211; Erwerbsbedingter Betreuungsbedarf &#8211; Werbungskosten &#8211; Gesetzeslage im Streitjahr 2001 zur einkommensteuerlichen Ber&uuml;cksichtigung von Kinderbetreuungskosten entsprach den verfassungsrechtlichen Vorgaben"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 23.4.2009, VI R 60\/06<\/p>\n<p class=\"titel\">Erwerbsbedingter Betreuungsbedarf &#8211; Werbungskosten &#8211; Gesetzeslage im Streitjahr 2001 zur einkommensteuerlichen Ber&uuml;cksichtigung von Kinderbetreuungskosten entsprach den verfassungsrechtlichen Vorgaben<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Der Betreuungsfreibetrag in &sect; 32 Abs. 6 Satz 1 EStG 2001 erfasst auch erwerbsbedingten Betreuungsbedarf.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) wurde gemeinsam mit ihrem Ehemann im Streitjahr (2001) zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Zu ihrem Haushalt geh&ouml;rten zwei im Streitjahr sechs und dreizehn Jahre alte Kinder. Die Kl&auml;gerin war in Teilzeit, ihr Ehemann in Vollzeit jeweils nichtselbst&auml;ndig t&auml;tig. Mit der Einkommensteuererkl&auml;rung des Streitjahres machten sie beide Kinderbetreuungskosten f&uuml;r Kindertagesst&auml;tte und Hort f&uuml;r ihr sechsj&auml;hriges Kind in H&ouml;he von jeweils 2 186 DM (insgesamt 4 372 DM) als Werbungskosten aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit geltend.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lie&szlig; im Einkommensteuerbescheid des Streitjahres und auch im Einspruchsverfahren die als Werbungskosten geltend gemachten Kinderbetreuungskosten mit dem Hinweis unber&uuml;cksichtigt, dass mit den Kinderfreibetr&auml;gen in H&ouml;he von insgesamt 19 872 DM (je Kind 9 936 DM) auch die Aufwendungen f&uuml;r die Kinderbetreuung abgegolten seien.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die dagegen erhobene Klage war erfolgreich. Das Finanzgericht (FG) entsprach aus den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2006, 1900 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden dem Klagebegehren. &Uuml;ber die im Einkommensteuerbescheid schon angesetzten Freibetr&auml;ge f&uuml;r das s&auml;chliche Existenzminimum und die Betreuungsfreibetr&auml;ge hinaus ber&uuml;cksichtigte es die f&uuml;r Kinderbetreuungskosten geltend gemachten Aufwendungen in H&ouml;he von insgesamt 4 372 DM als Werbungskosten und setzte die Einkommensteuer entsprechend herab. Die Abziehbarkeit der erwerbsbedingten Fremdbetreuungskosten bei den Eink&uuml;nften der Kl&auml;gerin aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit ergebe sich im Wege der verfassungskonformen Auslegung des &sect; 9 Abs. 1 S&auml;tze 1, 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) i.V.m. &sect;&sect; 12 Nr. 1 Satz 2, 32 Abs. 6 S&auml;tze 1, 3 EStG in der im Streitjahr geltenden Fassung (EStG 2001). Der Betreuungsfreibetrag nach &sect; 32 Abs. 6 S&auml;tze 1, 3 EStG 2001 stelle zwar den Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf als Bestandteil des famili&auml;ren Existenzminimums steuerfrei. Ein erwerbsbedingter Betreuungsbedarf sei damit aber nicht abgegolten. Denn der zweite Leitsatz der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 10. November 1998&nbsp;&nbsp;2 BvR 1057\/91 u.a. (BVerfGE 99, 216, BStBl II 1999, 182) besage, dass die Leistungsf&auml;higkeit von Eltern &uuml;ber den existenziellen Sachbedarf und den erwerbsbedingten Betreuungsbedarf des Kindes hinaus generell durch Betreuungsbedarf gemindert werde. Dies sei so zu verstehen, dass der generelle Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf durch die steuerliche Freistellung des Kinderexistenzminimums abgegolten werde und daneben ein steuerlich nicht ber&uuml;cksichtigter erwerbsbedingter Kinderbetreuungsbedarf verbleibe. Dies folge insbesondere aus dem Beschluss des BVerfG vom 16. M&auml;rz 2005&nbsp;&nbsp;2 BvL 7\/00 (BVerfGE 112, 268, BGBl I 2005, 1622). Danach sei &uuml;ber die Grenze des zu verschonenden Existenzminimums hinaus auch der zwangsl&auml;ufig pflichtbestimmte Aufwand, n&auml;mlich die hier streitigen erwerbsbedingten Kinderbetreuungskosten, nicht zur Disposition des Gesetzgebers gestellt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA r&uuml;gt mit der Revision die Verletzung materiellen Rechts.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Es beantragt,      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td>                    unter Aufhebung des Urteils des FG K&ouml;ln vom 1. August 2006&nbsp;&nbsp;8 K 4006\/03 die Klage abzuweisen.        <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;gerin beantragt,      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td>                    die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.        <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und Abweisung der Klage (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der streitige Einkommensteuerbescheid verletzt die Kl&auml;gerin nicht in ihren Rechten. Das FA hat im Einkommensteuerbescheid zutreffend den Betreuungsfreibetrag ber&uuml;cksichtigt und es zu Recht abgelehnt, die von der Kl&auml;gerin geltend gemachten Kinderbetreuungskosten dar&uuml;ber hinaus auch als Werbungskosten abzuziehen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Nach &sect; 32 Abs. 6 Satz 1 EStG 2001 wird bei der Veranlagung zur Einkommensteuer f&uuml;r jedes zu ber&uuml;cksichtigende Kind des Steuerpflichtigen ein Freibetrag von 3 456 DM f&uuml;r das s&auml;chliche Existenzminimum des Kindes (Kinderfreibetrag) sowie f&uuml;r jedes Kind, welches das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, zus&auml;tzlich ein Betreuungsfreibetrag von 1 512 DM vom Einkommen abgezogen. Nach &sect; 32 Abs. 6 Satz 3 EStG 2001 verdoppeln sich bei Ehegatten, die nach den &sect;&sect; 26, 26b EStG zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden, die Betr&auml;ge nach Satz 1, wenn das Kind zu beiden Ehegatten in einem Kindschaftsverh&auml;ltnis steht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Auf dieser Rechtsgrundlage hat das FA &#8211;wie zwischen den Beteiligten auch unstreitig ist&#8211; zutreffend im streitigen Einkommensteuerbescheid der Kl&auml;gerin und ihres Ehemannes f&uuml;r ihre beiden Kinder Kinderfreibetr&auml;ge in H&ouml;he von 13 824 DM (s&auml;chliches Existenzminimum) und Betreuungsfreibetr&auml;ge in H&ouml;he von 6 048 DM einkommensmindernd ber&uuml;cksichtigt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Das Einkommensteuergesetz in der im Streitjahr geltenden Fassung enth&auml;lt keine Rechtsgrundlage daf&uuml;r, die von der Kl&auml;gerin und ihrem Ehemann get&auml;tigten Aufwendungen f&uuml;r die Unterbringung ihres Kindes in Kindertagesst&auml;tte und Hort als Werbungskosten nach &sect; 9 EStG zu ber&uuml;cksichtigen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Wie der Senat in seinem Urteil vom 12. April 2007 VI R 42\/03 (BFH\/NV 2007, 1312, m.w.N.) zur Rechtslage 1999 entschieden hatte, sind Kinderbetreuungskosten Aufwendungen, die stets auch privat mit veranlasst sind. Sie sind nicht als Erwerbsaufwendungen abziehbar, auch wenn sie Voraussetzung f&uuml;r die Berufsaus&uuml;bung eines Elternteils sind. An dieser systematischen Grundentscheidung hat der Gesetzgeber auch f&uuml;r die hier im Streit stehende Rechtslage des Veranlagungszeitraums 2001 festgehalten. Denn er hat f&uuml;r die Veranlagungszeitr&auml;ume 2000 und 2001 in &sect; 32 Abs. 6 Satz 1 EStG einen Betreuungsfreibetrag eingef&uuml;hrt, der nicht unmittelbar eink&uuml;nftemindernd als Erwerbsaufwand, sondern im Rahmen der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens auf der Ebene des Einkommens i.S. des &sect; 2 Abs. 4 EStG zus&auml;tzlich zum bisherigen Kinderfreibetrag abzuziehen ist. &sect; 32 Abs. 6 S&auml;tze 1, 3 EStG 2001 erfasst deshalb Betreuungsbedarf allgemein und schlie&szlig;t insbesondere auch solchen Betreuungsbedarf ein, der erwerbsbedingt ist (Seiler in Kirchhof, EStG, 8. Aufl., &sect; 32 Rz 28; Jachmann, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect; 32 Rz A 33a; A 40; A 43; D 1; Bl&uuml;mich\/Heuermann, &sect; 32 EStG Rz 13; 23).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Dieses Verst&auml;ndnis folgt schon aus dem Wortlaut des &sect; 32 Abs. 6 Satz 1 EStG 2001 und wird insbesondere durch die Entstehungsgeschichte des &sect; 32 Abs. 6 Satz 1 EStG 2001 best&auml;tigt. Das Gesetz zur Familienf&ouml;rderung vom 22. Dezember 1999 (BGBl I 1999, 2552) hat die Bestimmung eingef&uuml;hrt, um die einkommensteuerrechtliche Verschonung des Betreuungsbedarfs neu zu regeln, weil zum Existenzminimum eines Kindes nicht nur der sachliche Mindestbedarf, sondern auch der Betreuungsbedarf und der Erziehungsbedarf eines Kindes geh&ouml;rten (BTDrucks 14\/1513 S. 11). Der Gesetzgeber befolgte damit die Anordnung des BVerfG in dessen Beschluss in BVerfGE 99, 216, BStBl II 1999, 182. Das BVerfG sah auf Grundlage des Art. 1 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) und Art. 6 Abs. 1 GG i.V.m. dem Sozialstaatsgrundsatz des Art. 20 Abs. 1 GG den Gesetzgeber von Verfassungs wegen verpflichtet, bei der Beurteilung der steuerlichen Leistungsf&auml;higkeit auch den Betreuungsbedarf als notwendigen Bestandteil des famili&auml;ren Existenzminimums steuerfrei zu belassen. Es sah ihn allerdings nicht dahin gebunden, erwerbsbedingten Betreuungsbedarf eink&uuml;nftemindernd zu ber&uuml;cksichtigen. Die einkommensteuerrechtliche Verschonung des Betreuungsbedarfs sollte vielmehr unabh&auml;ngig von der Art der Betreuung und von konkreten Aufwendungen ausgestaltet sein.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Gesetzgeber hatte diese Vorgaben aufgegriffen und seinen Regelungsauftrag dementsprechend umgesetzt. Der letztlich Gesetz gewordene Entwurf der Fraktionen qualifizierte deshalb den neu eingef&uuml;hrten Betreuungsfreibetrag als einen typisierenden Betreuungsfreibetrag, der unabh&auml;ngig von tats&auml;chlich entstandenen Aufwendungen abgezogen werde (BTDrucks 14\/1513, S. 14). &sect; 32 Abs. 6 Satz 1 EStG 2001 erfasst mithin auch erwerbsbedingten Betreuungsbedarf.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Das FG ging zu Unrecht davon aus, dass diese Auslegung des &sect; 32 Abs. 6 EStG 2001 den allgemeinen Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG sowie das Benachteiligungsverbot des Art. 6 Abs. 1 GG verletze, sich &sect; 32 Abs. 6 EStG 2001 in verfassungskonformer Auslegung daher nicht auf erwerbsbedingte Kinderbetreuungskosten erstrecke und diese stattdessen als Werbungskosten zu ber&uuml;cksichtigen seien. Die f&uuml;r diese Auffassung vom FG herangezogenen Entscheidungen des BVerfG in BVerfGE 99, 216, BStBl II 1999, 182, und in BVerfGE 112, 268, BGBl I 2005, 1622 geben dem keine Grundlage.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Der Beschluss des BVerfG in BVerfGE 99, 216, BStBl II 1999, 182 enth&auml;lt keinen Anhaltspunkt daf&uuml;r, dass es von Verfassungs wegen geboten sein k&ouml;nnte, &uuml;ber den zum famili&auml;ren Existenzminimum z&auml;hlenden Betreuungsbedarf hinaus einen weiteren erwerbsbedingten Fremdbetreuungsbedarf als Betriebsausgaben\/Werbungskosten zu ber&uuml;cksichtigen. Das BVerfG f&uuml;hrte vielmehr ausdr&uuml;cklich aus, dass bei der einkommensteuerlichen Ber&uuml;cksichtigung des Betreuungsbedarfs gerade nicht danach zu differenzieren sei, ob die Eltern diesen Bedarf durch Fremd- oder Eigenbetreuung deckten. Es ging davon aus, dass auch der durch Erwerbst&auml;tigkeit veranlasste Betreuungsbedarf nicht allein die Erwerbssph&auml;re, sondern auch die Privatsph&auml;re der Steuerpflichtigen ber&uuml;hre, und hat den Betreuungsbedarf als notwendigen Bestandteil des famili&auml;ren Existenzminimums qualifiziert. Das Einkommensteuergesetz habe den Betreuungsbedarf eines Kindes stets zu verschonen, m&ouml;gen &quot;die Eltern das Kind pers&ouml;nlich betreuen, &#8230; eine zeitweilige Fremdbetreuung &#8230; p&auml;dagogisch f&uuml;r richtig halten oder &#8230; sich beide Eltern f&uuml;r eine Erwerbst&auml;tigkeit entscheiden und deshalb eine Fremdbetreuung in Anspruch nehmen&quot; (BVerfGE 99, 216, BStBl II 1999, 182, unter B.I.3.b der Entscheidungsgr&uuml;nde). Der Schutzbereich des Art. 6 Abs. 2 GG gebiete, den Betreuungsaufwand f&uuml;r Kinder bei allen Eltern steuerlich zu ber&uuml;cksichtigen. Er entstehe unabh&auml;ngig davon, ob und wenn ja in welchem zeitlichen Rahmen die Kinderbetreuung durch Dritte wahrgenommen werde (BVerfGE 99, 216, BStBl II 1999, 182, unter B.II.1.b der Entscheidungsgr&uuml;nde). Davon abweichende einkommensteuerliche Regelungen gen&uuml;gten nicht der Tatsache, dass der Betreuungsbedarf des Kindes unabh&auml;ngig von Krankheit, Behinderung oder Erwerbst&auml;tigkeit der Eltern bestehe und auch nicht von der Art und Weise der Erbringung der Betreuungsleistungen abh&auml;ngig sei. Der Gesetzgeber habe &quot;eine gleiche betreuungsbedingte Minderung der steuerlichen Leistungsf&auml;higkeit bei allen Eltern &#8211; unabh&auml;ngig von der Art der Betreuung und von konkreten Aufwendungen &#8211; zu ber&uuml;cksichtigen&quot; (BVerfGE 99, 216, BStBl II 1999, 182, unter C.I., &auml;hnlich unter D.I.1. der Entscheidungsgr&uuml;nde) und k&ouml;nne die gesamte kindbedingte Minderung der steuerlichen Leistungsf&auml;higkeit auch in einem Grundtatbestand erfassen, der alle kinderbezogenen Entlastungen einbeziehe (BVerfGE 99, 216, BStBl II 1999, 182, unter C.III. der Entscheidungsgr&uuml;nde).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Auch dem Beschluss des BVerfG in BVerfGE 112, 268, BGBl I 2005, 1622 l&auml;sst sich ein Gebot der einkommensteuerlichen Ber&uuml;cksichtigung des Betreuungsbedarfs gerade als Werbungskosten\/Betriebsausgaben nicht entnehmen. Zutreffend ging das FG zwar davon aus, dass das BVerfG dort seine Rechtsprechung zur einkommensteuerrechtlichen Ber&uuml;cksichtigung erwerbsbedingten Betreuungsaufwandes noch weiter pr&auml;zisierte. Erwerbsbedingt notwendige Kinderbetreuungskosten m&uuml;ssen danach zumindest als zwangsl&auml;ufige Aufwendungen der grundrechtlich gesch&uuml;tzten privaten Lebensf&uuml;hrung grunds&auml;tzlich in realit&auml;tsgerechter H&ouml;he abziehbar sein. Das BVerfG hielt aber ausdr&uuml;cklich an der Rechtsprechung fest, dass es dem Gesetzgeber grunds&auml;tzlich freistehe, erwerbsbedingte Kinderbetreuungskosten wegen ihrer Veranlassung durch die Erwerbst&auml;tigkeit den Werbungskosten oder Betriebsausgaben zuzuordnen oder stattdessen auch die private (Mit-)Veranlassung systematisch in den Vordergrund zu stellen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Das BVerfG (Beschluss in BVerfGE 99, 216, BStBl II 1999, 182, unter D.II. der Entscheidungsgr&uuml;nde) hatte f&uuml;r den Fall, dass der Gesetzgeber seinem Auftrag zur Neuregelung der Kinderbetreuungskosten nicht nachkommen sollte, angeordnet, dass f&uuml;r die Zeit ab 1. Januar 2000 ein Betrag in H&ouml;he von 4 000 DM f&uuml;r das erste Kind und 2 000 DM f&uuml;r jedes weitere Kind einkommensmindernd f&uuml;r Kinderbetreuungskosten abzuziehen sei. Angesichts dessen spricht nichts daf&uuml;r, dass &sect; 32 Abs. 6 Satz 1 EStG 2001 im Streitfall verfassungsrechtlichen Anforderungen nicht gen&uuml;gen k&ouml;nnte, wenn danach f&uuml;r jedes Kind 3 024 DM als Betreuungsfreibetrag einkommensmindernd abzuziehen sind.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Gesetzeslage hat jedenfalls f&uuml;r das Streitjahr (2001) den zu jener Zeit verfassungsgerichtlich konkretisierten Ma&szlig;st&auml;ben f&uuml;r die steuerliche Ber&uuml;cksichtigung von Kinderbetreuungskosten entsprochen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                d) Aber selbst wenn man bereits f&uuml;r das Streitjahr die durch die Entscheidung des BVerfG in BVerfGE 112, 268, BGBl I 2005, 1622 fortgeschriebenen Ma&szlig;st&auml;be zugrunde legen wollte, w&auml;re der angefochtene Einkommensteuerbescheid nicht zu beanstanden. Dem Erfordernis, dass erwerbsbedingt notwendige Kinderbetreuungskosten grunds&auml;tzlich in realit&auml;tsgerechter H&ouml;he abziehbar sein m&uuml;ssen, wird im Streitfall gen&uuml;gt, weil hier ein Betreuungsfreibetrag in H&ouml;he von 6 048 DM ber&uuml;cksichtigt wurde, der Kl&auml;gerin und ihrem Ehemann aber nur Betreuungsaufwendungen in H&ouml;he von 4 372 DM entstanden waren. Dabei kann dahingestellt bleiben, ob die vom BVerfG in BVerfGE 112, 268, BGBl I 2005, 1622 f&uuml;r den Fall des alleinstehenden erwerbst&auml;tigen Elternteils entwickelten Ma&szlig;st&auml;be uneingeschr&auml;nkt auf den hier vorliegenden Fall der beiderseits berufst&auml;tigen Eltern &#8211;davon ein Elternteil nichtselbst&auml;ndig t&auml;tig in Vollzeit und der andere in Teilzeit&#8211; &uuml;bertragbar sind.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Der Senat h&auml;lt an seiner Rechtsauffassung fest (Senatsurteil in BFH\/NV 2007, 1312), dass der von der Kl&auml;gerin hilfsweise angef&uuml;hrte Art. 2 der Richtlinie 76\/207\/EWG des Rates vom 9. Februar 1976 zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von M&auml;nnern und Frauen (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Gemeinschaften Nr. L 39, 40) der Qualifikation des Kinderbetreuungsbedarfs als durch die private Lebensf&uuml;hrung veranlasst nicht entgegenstehe und auch nicht bindend vorgebe, dass Kinderbetreuungsbedarf als Erwerbsaufwand auf der Ebene der Eink&uuml;nfteermittlung und bemessen nach seinem tats&auml;chlichen Aufwand abzuziehen sei. Dem dort grunds&auml;tzlich ausgesprochenen Gebot der Ber&uuml;cksichtigung berufsbedingter Kinderbetreuungskosten ist der Gesetzgeber f&uuml;r das Streitjahr durch &sect; 32 Abs. 6 Satz 1 EStG 2001 nachgekommen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 23.4.2009, VI R 60\/06 Erwerbsbedingter Betreuungsbedarf &#8211; Werbungskosten &#8211; Gesetzeslage im Streitjahr 2001 zur einkommensteuerlichen Ber&uuml;cksichtigung von Kinderbetreuungskosten entsprach den verfassungsrechtlichen Vorgaben Leits&auml;tze Der Betreuungsfreibetrag in &sect; 32 Abs. 6 Satz 1 EStG 2001 erfasst auch erwerbsbedingten Betreuungsbedarf. Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) wurde gemeinsam mit ihrem Ehemann &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-60-06-erwerbsbedingter-betreuungsbedarf-werbungskosten-gesetzeslage-im-streitjahr-2001-zur-einkommensteuerlichen-beruecksichtigung-von-kinderbetreuungskosten-entsprach-den-verfassungsrechtlichen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;60\/06 &#8211; Erwerbsbedingter Betreuungsbedarf &#8211; Werbungskosten &#8211; Gesetzeslage im Streitjahr 2001 zur einkommensteuerlichen Ber&uuml;cksichtigung von Kinderbetreuungskosten entsprach den verfassungsrechtlichen Vorgaben<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-14428","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14428","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14428"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14428\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14428"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14428"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}