{"id":14489,"date":"2012-12-20T02:52:14","date_gmt":"2012-12-20T00:52:14","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=14489"},"modified":"2012-12-20T02:52:14","modified_gmt":"2012-12-20T00:52:14","slug":"vi-b-69-09-aussetzung-der-vollziehung-wegen-ernstlicher-zweifel-hinsichtlich-der-verfassungsmaessigkeit-des-ab-veranlagungszeitraum-2007-geltenden-abzugsverbots-gemaess-par-4-abs-5-satz-1-nr-6b-estg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-69-09-aussetzung-der-vollziehung-wegen-ernstlicher-zweifel-hinsichtlich-der-verfassungsmaessigkeit-des-ab-veranlagungszeitraum-2007-geltenden-abzugsverbots-gemaess-par-4-abs-5-satz-1-nr-6b-estg\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;B&nbsp;69\/09 &#8211; Aussetzung der Vollziehung wegen ernstlicher Zweifel hinsichtlich der Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des ab Veranlagungszeitraum 2007 geltenden Abzugsverbots gem&auml;&szlig; &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 25.8.2009, VI B 69\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Aussetzung der Vollziehung wegen ernstlicher Zweifel hinsichtlich der Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des ab Veranlagungszeitraum 2007 geltenden Abzugsverbots gem&auml;&szlig; &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Es ist ernstlich zweifelhaft, ob das ab Veranlagungszeitraum 2007 geltende Abzugsverbot des &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG betreffend Aufwendungen (hier: eines Lehrers, dem kein anderer Arbeitsplatz zur Verf&uuml;gung steht) f&uuml;r ein h&auml;usliches Arbeitszimmer, mit Ausnahme der F&auml;lle, in denen das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Bet&auml;tigung bildet, verfassungsgem&auml;&szlig; ist.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Streitig ist, ob Aufwendungen f&uuml;r ein h&auml;usliches Arbeitszimmer trotz des in &sect; 9 Abs. 5 Satz 1 i.V.m. &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b des Einkommensteuergesetzes (EStG) i.d.F. des Steuer&auml;nderungsgesetzes 2007 vom 19. Juli 2006 (BStBl I 2006, 432, BGBl I 2006, 1652) &#8211;n.F.&#8211; geregelten Abzugsverbots im Lohnsteuer-Erm&auml;&szlig;igungsverfahren zu ber&uuml;cksichtigen sind.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Antragsteller und Beschwerdegegner (Antragsteller) sind miteinander verheiratet, er ist Schulleiter einer Realschule, sie ist Lehrerin an einer Grundschule. Beide Antragsteller erzielen Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit und nutzen in ihrem eigenen Einfamilienhaus jeweils ein h&auml;usliches Arbeitszimmer. In den Vorjahren (bis einschlie&szlig;lich Veranlagungszeitraum 2006) ber&uuml;cksichtigte der Antragsgegner und Beschwerdef&uuml;hrer (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die von den Antragstellern insoweit geltend gemachten Aufwendungen als Werbungskosten bei den Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit. Neben anderen unstreitigen, den Arbeitnehmer-Pauschbetrag &uuml;bersteigenden Werbungskosten macht der Antragsteller bez&uuml;glich seines Arbeitszimmers f&uuml;r das Streitjahr 535 EUR an (voraussichtlichen) Kosten geltend, die Antragstellerin 950 EUR. Die Antragsteller tragen (unwidersprochen) vor, dass ihnen f&uuml;r die Vor- und Nachbereitung des Schulunterrichts keine geeigneten Arbeitspl&auml;tze in der Schule zur Verf&uuml;gung stehen. Zwar st&uuml;nde dem Antragsteller zeitweise ein B&uuml;ro f&uuml;r seine Schulleitert&auml;tigkeit zur Verf&uuml;gung. Dieses B&uuml;ro k&ouml;nne er aber nur w&auml;hrend der vormitt&auml;glichen Unterrichtszeit nutzen, weil zum Unterrichtsende hin nach Weisung der vorgesetzten Beh&ouml;rde die Raumtemperatur erheblich gesenkt werde. Gegen den insoweit ablehnenden Bescheid &uuml;ber die Lohnsteuer-Erm&auml;&szlig;igung 2009 legten die Antragsteller erfolglos Einspruch ein. Ihren Antrag, wegen der Aufwendungen f&uuml;r ihre Arbeitszimmer h&ouml;here Freibetr&auml;ge im Wege vorl&auml;ufigen Rechtsschutzes (Aussetzung der Vollziehung &#8211;AdV&#8211;) auf den Lohnsteuerkarten f&uuml;r 2009 einzutragen, lehnte das FA ab. Nach &sect; 9 Abs. 5 Satz 1 i.V.m. &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG n.F. seien ab dem Veranlagungszeitraum 2007 Aufwendungen f&uuml;r ein h&auml;usliches Arbeitszimmer nur noch zu ber&uuml;cksichtigen, wenn es &#8211;anders als im Streitfall&#8211; den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen T&auml;tigkeit bilde. Die Antragsteller haben daraufhin beim Finanzgericht (FG) einen Antrag auf AdV gestellt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FG gab dem Antrag auf AdV statt und lie&szlig; die Beschwerde zu. Es best&uuml;nden ernstliche Zweifel, ob &sect; 9 Abs. 5 Satz 1 i.V.m. &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG n.F. insoweit verfassungsgem&auml;&szlig; sei, als durch die Vorschrift &#8211;mit Ausnahme der sog. Mittelpunktsf&auml;lle&#8211; Aufwendungen f&uuml;r ein h&auml;usliches Arbeitszimmer vom Werbungskostenabzug ausgeschlossen werden. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) sei der vorl&auml;ufige Rechtsschutz zwar ausnahmsweise dann einzuschr&auml;nken, wenn die Gemeinwohlbelange des Staates (etwa durch drohende staatliche Haushaltsnotlage) ber&uuml;hrt seien. Anhaltspunkte hierf&uuml;r seien im Streitfall jedoch weder vorgetragen noch ersichtlich. Der Aussetzungsbeschluss des FG ist in Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2009, 985 ver&ouml;ffentlicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit seiner Beschwerde bringt das FA vor, die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des angefochtenen Bescheids sei nicht ernstlich zweifelhaft, da die Regelung des &sect; 9 Abs. 5 Satz 1 i.V.m. &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG n.F. nicht gegen das Grundgesetz (GG) versto&szlig;e. Auch bei Vorliegen ernstlicher Zweifel k&auml;me die AdV nicht in Betracht, weil dann das &ouml;ffentliche Interesse an einer geordneten Haushaltsf&uuml;hrung h&ouml;her zu bewerten w&auml;re als das Interesse der Antragsteller an der Gew&auml;hrung vorl&auml;ufigen Rechtsschutzes.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt,      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table style=\"margin-left:36\"pt>\n<tr>\n<td>                        die Vorentscheidung aufzuheben und den Antrag auf AdV abzulehnen.          <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:36\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Antragsteller beantragen,      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table style=\"margin-left:36\"pt>\n<tr>\n<td>                        die Beschwerde zur&uuml;ckzuweisen.          <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:36\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet; sie war daher &#8211;ohne Pr&auml;judiz f&uuml;r die Hauptsache&#8211; zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 132 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Recht im Wege der AdV das FA verpflichtet, den beantragten Freibetrag auf den Lohnsteuerkarten der Antragsteller einzutragen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Zu den Betr&auml;gen, die im Lohnsteuer-Erm&auml;&szlig;igungsverfahren als Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eingetragen werden k&ouml;nnen, geh&ouml;ren gem&auml;&szlig; &sect; 39a Abs. 1 Nr. 1 EStG Werbungskosten, die bei den Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit anfallen, soweit sie den Arbeitnehmer-Pauschbetrag &uuml;bersteigen. Da nach &sect; 9 Abs. 5 Satz 1 i.V.m. &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG in der ab 2007 geltenden Fassung &#8211;im Gegensatz zu der bis dahin bestehenden Gesetzeslage&#8211; die Aufwendungen des Arbeitnehmers f&uuml;r das h&auml;usliche Arbeitszimmer grunds&auml;tzlich keine Werbungskosten mehr sind, liegen die einfach-gesetzlichen Voraussetzungen f&uuml;r die Eintragung der geltend gemachten Arbeitszimmerkosten auf den Lohnsteuerkarten der Antragsteller nicht vor.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Lehnt das FA die Eintragung eines Freibetrags auf der Lohnsteuerkarte ganz oder teilweise ab, so handelt es sich dabei um einen vollziehbaren Verwaltungsakt, gegen den vorl&auml;ufiger Rechtsschutz durch AdV in Betracht kommt (z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 23. August 2007 VI B 42\/07, BFHE 218, 558, BStBl II 2007, 799, m.w.N.). Auf Antrag soll die AdV erfolgen, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit des angefochtenen Verwaltungsakts bestehen (&sect; 361 Abs. 2 Satz 2 der Abgabenordnung, &sect; 69 Abs. 2 Satz 2, Abs. 3 Satz 1 FGO). Das ist nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH dann der Fall, wenn bei einer summarischen Pr&uuml;fung neben f&uuml;r die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Verwaltungsakts sprechenden Umst&auml;nden gewichtige gegen die Rechtm&auml;&szlig;igkeit sprechende Gr&uuml;nde zutage treten, die (abgesehen von unklaren Tatfragen) Unsicherheit in der Beurteilung der entscheidungserheblichen Rechtsfrage bewirken. Die AdV setzt nicht voraus, dass die f&uuml;r die Rechtswidrigkeit sprechenden Gr&uuml;nde &uuml;berwiegen; es gen&uuml;gt, dass der Erfolg des Rechtsbehelfs ebenso wenig auszuschlie&szlig;en ist wie sein Misserfolg (Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 69 FGO Rz 89, m.w.N.). Ist die Rechtslage nicht eindeutig, so ist im Regelfall die Vollziehung auszusetzen. Das gilt auch dann, wenn ernstliche Zweifel daran bestehen, ob die ma&szlig;gebliche gesetzliche Regelung verfassungsgem&auml;&szlig; ist (BFH-Beschl&uuml;sse in BFHE 218, 558, BStBl II 2007, 799, und vom 3. Februar 2005 I B 208\/04, BFHE 209, 204, BStBl II 2005, 351, m.w.N.). An die Zweifel hinsichtlich der Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit sind keine strengeren Anforderungen zu stellen als beim Einwand fehlerhafter Rechtsanwendung (BFH-Beschl&uuml;sse in BFHE 218, 558, BStBl II 2007, 799, und vom 10. Februar 1984 III B 40\/83, BFHE 140, 396, BStBl II 1984, 454).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Im Streitfall ist das FG zutreffend von ernstlichen Zweifeln an der Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des &sect; 9 Abs. 5 Satz 1 i.V.m. &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG n.F. ausgegangen, der die Grundlage des angefochtenen Bescheids bildet. Diese Zweifel sind augenscheinlich, da die Frage in der Literatur, wie vom FG in seinem Beschluss wiedergegeben, kontrovers diskutiert wird und in der Rechtsprechung zu unterschiedlichen Entscheidungen gef&uuml;hrt hat.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Im Schrifttum wird &uuml;berwiegend die Meinung vertreten, dass die Neuregelung &#8211;ganz oder jedenfalls soweit ein beschr&auml;nkter Abzug bei fehlender Verf&uuml;gbarkeit eines anderen Arbeitsplatzes (&sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 Halbsatz 2 EStG i.d.F. des Jahressteuergesetzes &#8211;JStG&#8211; 1996 vom 11. Oktober 1995, BStBl I 1995, 438, BGBl I 1995, 1250) ausgeschlossen wird&#8211; aufgrund eines Versto&szlig;es gegen das Gebot der Folgerichtigkeit verfassungswidrig sei (Pohl in Bordewin\/Brandt, &sect; 4 EStG Rz 2387 f.; Bl&uuml;mich\/Wied, &sect; 4 EStG Rz 837; Bl&uuml;mich\/Th&uuml;rmer, &sect; 9 EStG Rz 567f; S&ouml;hn, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect; 4 Rz Lb 22; Schmidt\/Drenseck, EStG, 28. Aufl., &sect; 19 Rz 60 &quot;Arbeitszimmer&quot;, Tz. 2; Lang, Steuer und Wirtschaft &#8211;StuW&#8211; 2007, 3, 14; Wesselbaum-Neugebauer, Finanz-Rundschau &#8211;FR&#8211; 2007, 416, 424; Paus, Der Ertragsteuerberater 2008, 252, 255; Decker, Juristische Arbeitsbl&auml;tter 2008, 458, 465; wohl auch Kreft, Gestaltende Steuerberatung 2009, 45, 46; Leisner-Egensperger, FR 2006, 1018, 1028). Teilweise wird auch davon ausgegangen, dass die Begr&uuml;ndung des Gesetzgebers, soweit sie auf den Bundesrechnungshof Bezug nimmt, fehl geht (Pohl in Bordewin\/Brandt, a.a.O., Rz 2388; Greite, Der Betrieb 2006, Beilage 6, 24; Schmidt\/Drenseck, a.a.O.). Nur vereinzelt wird die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der Neuregelung des &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG angenommen. Dabei wird darauf hingewiesen, dass die Aufwendungen f&uuml;r ein h&auml;usliches Arbeitszimmer gemischt veranlasste Aufwendungen seien und der Gesetzgeber eine Grundentscheidung treffen d&uuml;rfe, mit der er diese Aufwendungen dem abziehbaren oder dem steuerlich nicht beachtlichen Bereich zuordne (Wernsmann, Beihefter zum Deutschen Steuerrecht 2008, Heft 17, 37, 45; wohl auch Frotscher in Frotscher, EStG, 6. Aufl., Freiburg 1998 ff., &sect; 4 Rz 801). Teilweise wird die Regelung als verfassungsgem&auml;&szlig; angesehen, da missbr&auml;uchliche Inanspruchnahmen nicht &uuml;berpr&uuml;fbar seien (Meurer in Lademann, EStG, &sect; 4 EStG Rz 721a). Andere halten die Neuregelung insoweit f&uuml;r verfassungsm&auml;&szlig;ig, als die Abschaffung des beschr&auml;nkten Abzugs bei mehr als 50%iger beruflicher oder betrieblicher Nutzung des Arbeitszimmers (&sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 Halbsatz 1 EStG i.d.F. des JStG 1996) erfolgte (Schmidt\/ Drenseck, a.a.O.; wohl auch Bl&uuml;mich\/Th&uuml;rmer, a.a.O.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Die finanzgerichtliche Rechtsprechung stellt sich ebenfalls nicht einheitlich dar. Das FG M&uuml;nster (Beschluss vom 8. Mai 2009&nbsp;&nbsp;1 K 2872\/08 E) hat in einem mit dem Streitfall vergleichbaren Klageverfahren &sect; 9 Abs. 5 Satz 1 i.V.m. &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG n.F. als verfassungswidrig angesehen und nach Art. 100 Abs. 1 GG die Frage dem BVerfG zur Entscheidung vorgelegt (Az. des BVerfG 2 BvL 13\/09). Dagegen haben &#8211;ebenfalls in Verfahren der Lohnsteuer-Erm&auml;&szlig;igung&#8211; das FG Berlin-Brandenburg (Beschluss vom 6. November 2007&nbsp;&nbsp;13 V 13146\/07) und das FG Rheinland-Pfalz (Urteil vom 17. Februar 2009&nbsp;&nbsp;3 K 1132\/07) das weitgehende Abzugsverbot von Aufwendungen f&uuml;r ein h&auml;usliches Arbeitszimmer durch das Steuer&auml;nderungsgesetz 2007 als (noch) mit dem Grundgesetz vereinbar beurteilt. Letzteres Verfahren hat zu einer Revision (VI R 13\/09) gef&uuml;hrt, die bei dem beschlie&szlig;enden Senat anh&auml;ngig ist.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Da im Schrifttum beachtliche Bedenken gegen die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der Neuregelung erhoben werden, einander widersprechende Entscheidungen der FG vorliegen und die Streitfrage h&ouml;chstrichterlicher Kl&auml;rung bedarf, ist bereits deshalb das Vorliegen von verfassungsrechtlichen Zweifeln als Voraussetzung der AdV zu bejahen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                4. Im Streitfall tritt der Anspruch der Antragsteller auf effektiven Rechtsschutz nicht hinter das &ouml;ffentliche Interesse an einer geordneten &ouml;ffentlichen Haushaltswirtschaft zur&uuml;ck.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Im Falle von ernstlichen Zweifeln hinsichtlich der Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der dem angefochtenen Verwaltungsakt zugrunde liegenden Gesetzesvorschrift ist nach langj&auml;hriger Rechtsprechung des BFH wegen des Geltungsanspruchs jedes verfassungsm&auml;&szlig;ig zustande gekommenen Gesetzes zus&auml;tzlich ein (besonderes) berechtigtes Interesse des Antragstellers an der Gew&auml;hrung vorl&auml;ufigen Rechtsschutzes als erforderlich angesehen worden. Danach ist eine Interessenabw&auml;gung zwischen der einer AdV entgegenstehenden konkreten Gef&auml;hrdung der &ouml;ffentlichen Haushaltsf&uuml;hrung und den f&uuml;r eine AdV sprechenden individuellen Interessen des Steuerpflichtigen geboten (z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 20. Juli 1990 III B 144\/89, BFHE 162, 542, BStBl II 1991, 104; vom 6. November 2001 II B 85\/01, BFH\/NV 2002, 508; vom 11. Juni 2003 IX B 16\/03, BFHE 202, 53, BStBl II 2003, 663, m.w.N.). Diese vom BVerfG best&auml;tigte (Beschluss vom 3. April 1992&nbsp;&nbsp;2 BvR 283\/92, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1992, 726) und im Schrifttum &uuml;berwiegend kritisierte (s. BFH-Beschluss in BFHE 202, 53, BStBl II 2003, 663) Rechtsprechung ist allerdings in j&uuml;ngerer Zeit dahingehend modifiziert worden, dass die staatlichen Haushaltsinteressen in der Abw&auml;gung weniger stark ber&uuml;cksichtigt werden (vgl. Seer in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect; 69 FGO Rz 96; Klein\/Brockmeyer, AO, 9. Aufl., &sect; 361 Rz 14; Gr&auml;ber\/Koch, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 69 Rz 113).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Der Senat l&auml;sst offen, ob er sich der vorgenannten Rechtsprechung anschlie&szlig;en k&ouml;nnte, die ein besonderes Interesse an der AdV als erforderlich ansieht. Denn jedenfalls steht im Streitfall dem Aussetzungsinteresse der Antragsteller &#8211;entgegen der Auffassung des FA&#8211; ein &uuml;berwiegendes &ouml;ffentliches Interesse, insbesondere das Interesse an einer geordneten Haushaltsf&uuml;hrung, nicht entgegen. Aufwendungen f&uuml;r ein h&auml;usliches Arbeitszimmer, um deren (vorl&auml;ufige) steuerliche Anerkennung gestritten wird, sind jedenfalls nach bisherigem Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Antragsteller gewillk&uuml;rte Erwerbsaufwendungen, die zwar wegen ihrer N&auml;he zu den Kosten der allgemeinen Lebensf&uuml;hrung nicht in vollem Umfang, aber aus Gr&uuml;nden steuerlicher Lastengleichheit zumindest in H&ouml;he eines realit&auml;tsgerecht typisierten Betrages eink&uuml;nftemindernd zu ber&uuml;cksichtigen sind (BVerfG-Urteil vom 7. Dezember 1999&nbsp;&nbsp;2 BvR 301\/98, BVerfGE 101, 297). Das insofern nahe liegende Aussetzungsinteresse der Antragsteller wird dadurch verst&auml;rkt, dass das BVerfG, falls es im Sinne des oben genannten Vorlagebeschlusses entscheiden sollte, nach seiner bisherigen Praxis m&ouml;glicherweise nicht die Nichtigkeit des &sect; 9 Abs. 5 Satz 1 i.V.m. &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG n.F. feststellen, sondern die Vorschrift lediglich als grundgesetzwidrig ansehen und dem Gesetzgeber mit ger&auml;umiger Frist eine &Auml;nderung f&uuml;r die Zukunft aufgeben k&ouml;nnte (BFH-Beschluss in BFHE 218, 558, BStBl II 2007, 799). Anhaltspunkte f&uuml;r eine gemeinwohlbegr&uuml;ndete Einschr&auml;nkung des vorl&auml;ufigen Rechtsschutzes sind nicht ersichtlich. Zu Recht ist das FG im Streitfall davon ausgegangen, dass die Gr&ouml;&szlig;enordnung des vorl&auml;ufigen Steuerausfalls der mit der Neuregelung verbundenen Steuermehreinnahmen &#8211;jedenfalls im Streitfall&#8211; nicht geeignet ist, das &ouml;ffentliche Interesse als vorrangig zu beurteilen. Das FA hat jedenfalls nicht schl&uuml;ssig dargelegt, warum ein &#8211;unter Umst&auml;nden lediglich vor&uuml;bergehender&#8211; Steuerausfall in der Gr&ouml;&szlig;enordnung von 300 Mio. EUR (vgl. BTDrucks 16\/1545 S. 9) im Hinblick auf das gesamte Haushaltsvolumen die &ouml;ffentliche Haushaltsf&uuml;hrung gef&auml;hrden k&ouml;nnte. Im &Uuml;brigen w&uuml;rde der Haushaltsvorbehalt jeden (legislativen) Verfassungsversto&szlig; mit gen&uuml;gender finanzieller Breitenwirkung sanktionieren. Diese mitunter als &quot;rechtsstaatlich unertr&auml;gliches Ergebnis&quot; bezeichnete Folge (so Seer in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect; 69 FGO Rz 97; s. auch Gr&auml;ber\/Koch, a.a.O., &sect; 69 Rz 113) w&uuml;rde mit zunehmender Breitenwirkung den in Art. 19 Abs. 4 GG verb&uuml;rgten individuellen vorl&auml;ufigen Rechtsschutz immer weiter zur&uuml;ckdr&auml;ngen. Letztlich werden durch die Gew&auml;hrung der AdV Risiken f&uuml;r die &ouml;ffentliche Haushaltswirtschaft, die mit der Verplanung bzw. Verausgabung m&ouml;glicherweise verfassungswidriger Steuern verbunden sind, geradezu vermieden (Seer, StuW 2001, 3, 17 f., m.w.N.; Gr&auml;ber\/Koch, a.a.O., &sect; 69 Rz 113).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 25.8.2009, VI B 69\/09 Aussetzung der Vollziehung wegen ernstlicher Zweifel hinsichtlich der Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des ab Veranlagungszeitraum 2007 geltenden Abzugsverbots gem&auml;&szlig; &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG Leits&auml;tze Es ist ernstlich zweifelhaft, ob das ab Veranlagungszeitraum 2007 geltende Abzugsverbot des &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG betreffend &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-69-09-aussetzung-der-vollziehung-wegen-ernstlicher-zweifel-hinsichtlich-der-verfassungsmaessigkeit-des-ab-veranlagungszeitraum-2007-geltenden-abzugsverbots-gemaess-par-4-abs-5-satz-1-nr-6b-estg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;B&nbsp;69\/09 &#8211; Aussetzung der Vollziehung wegen ernstlicher Zweifel hinsichtlich der Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des ab Veranlagungszeitraum 2007 geltenden Abzugsverbots gem&auml;&szlig; &sect; 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-14489","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14489","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14489"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14489\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14489"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14489"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14489"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}