{"id":14606,"date":"2012-12-08T13:47:12","date_gmt":"2012-12-08T11:47:12","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=14606"},"modified":"2012-12-08T13:47:12","modified_gmt":"2012-12-08T11:47:12","slug":"iv-b-63-08-vollmachtloser-vertreter-zulassung-zur-prozessfuehrung-rechtliches-gehoer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iv-b-63-08-vollmachtloser-vertreter-zulassung-zur-prozessfuehrung-rechtliches-gehoer\/","title":{"rendered":"IV&nbsp;B&nbsp;63\/08 &#8211; Vollmachtloser Vertreter &#8211; Zulassung zur Prozessf&uuml;hrung &#8211; rechtliches Geh&ouml;r"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 6.2.2009, IV B 63\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Vollmachtloser Vertreter &#8211; Zulassung zur Prozessf&uuml;hrung &#8211; rechtliches Geh&ouml;r<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), eine GbR, an der urspr&uuml;nglich neben den Herren X und Y auch Frau Z beteiligt war, hat zum einen Klage gegen die ihr gegen&uuml;ber ergangenen und die Erhebungszeitr&auml;ume 1997 bis 2000 betreffenden Bescheide zur Feststellung des nach &sect; 10a des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) vortragsf&auml;higen Verlusts erhoben. Zum anderen richtete sich ihre Klage gegen die Gewinnfeststellungsbescheide 1997 bis 2000.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) ist nach dem von der X-GmbH (Steuerberatungsgesellschaft) verfassten Schriftsatz vom 10. M&auml;rz 2008 davon ausgegangen, dass die GbR zum 31. Dezember 2000 aufgel&ouml;st worden sei und deshalb entsprechend &sect; 12 des Gesellschaftsvertrags die Gesellschafter der GbR nur gemeinschaftlich gesch&auml;ftsf&uuml;hrungsbefugt und vertretungsberechtigt seien (&sect;&sect; 730 Abs. 2 Satz 2, 714 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs &#8211;BGB&#8211;). Letzteres ist erstmals in der m&uuml;ndlichen Verhandlung am 13. M&auml;rz 2008 er&ouml;rtert worden. Die X-GmbH, f&uuml;r die sich in den Steuerakten lediglich eine von Herrn X unterzeichnete Vollmacht findet, trat auch in der m&uuml;ndlichen Verhandlung als Vertreterin der GbR auf. Sie beantragte sinngem&auml;&szlig;, die angefochtenen Bescheide wegen weiterer Betriebsausgaben im Zusammenhang mit Aufwendungen f&uuml;r ein gescheitertes Immobilienprojekt zu &auml;ndern. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) beantragte, die Klage abzuweisen. Die Vorinstanz hat &#8211;mit dem noch am 13. M&auml;rz 2008 verk&uuml;ndeten Urteil&#8211; die Klage mangels ordnungsgem&auml;&szlig;er Prozessvollmacht als unzul&auml;ssig abgewiesen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die gegen die Nichtzulassung der Revision erhobene Beschwerde ist begr&uuml;ndet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Der Vortrag, das FG habe die Klage zu Unrecht als unzul&auml;ssig abgewiesen und hierbei den Anspruch auf Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs verletzt, ist auf die Geltendmachung eines Verfahrensmangels gerichtet (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;; Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 115 Rz 80). Die R&uuml;ge muss bereits deshalb durchgreifen, weil das FG gegen &sect; 89 Abs. 1 Satz 2 der Zivilprozessordnung (ZPO) i.V.m. &sect; 155 FGO versto&szlig;en hat. Da die Vorinstanz der X-GmbH gestattet hat, f&uuml;r die Kl&auml;gerin (Sach-)Antr&auml;ge zu stellen und das FA dem nicht widersprochen hat, war hiermit die einstweilige Zulassung der X-GmbH zur Prozessf&uuml;hrung gem&auml;&szlig; &sect; 89 Abs. 1 Satz 1 ZPO mit der Folge verbunden, dass, was die Vorinstanz offensichtlich verkannt hat, ein Endurteil erst nach Ablauf der f&uuml;r die Nachreichung der Prozessvollmachten (bzw. Beibringung der Genehmigungen bez&uuml;glich der bisherigen Prozessf&uuml;hrung) zu setzenden (angemessenen) Frist ergehen durfte (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 6. September 1989 II R 62\/87, BFHE 158, 203, BStBl II 1989, 1021; Gr&auml;ber\/Stapperfend, a.a.O., &sect; 62 Rz 76). Der Umstand, dass die X-GmbH mit Schriftsatz vom 10. M&auml;rz 2008 vorgetragen hat, der Gesellschafter Y. sei seinerzeit ins Ausland verzogen, vermag hieran nichts zu &auml;ndern. Er berechtigt auch nicht zu der Schlussfolgerung des FG, die Vollmachten k&ouml;nnten nicht mehr beigebracht werden. Abgesehen davon, dass zwischenzeitlich von Herrn X und Frau Z unterschriebene Vollmachten vorgelegt worden sind, ist bez&uuml;glich Herrn Y zu ber&uuml;cksichtigen, dass f&uuml;r diesen, sollte sein Aufenthalt weiterhin unbekannt sein, ein Abwesenheitspfleger zu bestellen ist, der dann als gesetzlicher Vertreter dessen verm&ouml;gensrechtliche Angelegenheiten wahrzunehmen und deshalb auch &uuml;ber die Bevollm&auml;chtigung der X-GmbH im anh&auml;ngigen Verfahren zu entscheiden haben wird (&sect; 1911 BGB i.V.m. &sect;&sect; 730 Abs. 2 Satz 2, 714 BGB; Palandt\/Diederichsen, B&uuml;rgerliches Gesetzbuch, 68. Aufl., &sect; 1911 Rz. 2 und 3).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Der Senat &uuml;bt das ihm nach &sect; 116 Abs. 6 FGO zustehende Ermessen dahin aus, dass er das vorinstanzliche Urteil aufhebt und die Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckverweist (vgl. Gr&auml;ber\/Ruban, a.a.O., &sect; 116 Rz 65).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                F&uuml;r den weiteren Verfahrensfortgang bemerkt der Senat, dass das FG mit R&uuml;cksicht auf die (mutma&szlig;lich) erforderliche Bestellung eines Abwesenheitspflegers eine angemessene &#8211;und ggf. zu verl&auml;ngernde&#8211; Frist zu bestimmen haben wird (&sect; 224 Abs. 2 ZPO; Baumbach\/Lauterbach\/Albers\/Hartmann, Zivilprozessordnung, 67. Aufl., &sect; 89 Rz 6). Im &Uuml;brigen geht der Senat davon aus, dass &#8211;trotz der missverst&auml;ndlichen Einlassung der X-GmbH im o.g. Schriftsatz&#8211; Herr Y aus der GbR noch nicht ausgeschieden ist, die GbR mithin fortbesteht und insbesondere ihr Gesch&auml;ftsbetrieb nicht im Wege der Anwachsung auf Herrn X &uuml;bergegangen ist (zu den Konsequenzen f&uuml;r die gewerbesteuerrechtliche Schuldnerschaft s. Senatsurteil vom 13. Dezember 2007 IV R 91\/05, BFH\/NV 2008, 1289, m.w.N.). Folge hiervon w&auml;re des Weiteren, dass der &#8211;fortbestehenden&#8211; GbR als Prozessstandschafterin auch die Klagebefugnis gem&auml;&szlig; &sect; 48 Abs. 1 Nr. 1 FGO zusteht (vgl. Senatsbeschluss vom 12. April 2007 IV B 69\/05, BFH\/NV 2007, 1923).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 6.2.2009, IV B 63\/08 Vollmachtloser Vertreter &#8211; Zulassung zur Prozessf&uuml;hrung &#8211; rechtliches Geh&ouml;r Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. 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