{"id":14681,"date":"2012-12-19T14:59:46","date_gmt":"2012-12-19T12:59:46","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=14681"},"modified":"2012-12-19T14:59:46","modified_gmt":"2012-12-19T12:59:46","slug":"viii-b-27-09-keine-beiladung-des-insolvenzschuldners-im-finanzrechtsstreit-des-insolvenzverwalters-kostenentscheidung-im-beschwerdeverfahren-gegen-einen-beiladungsbeschluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-b-27-09-keine-beiladung-des-insolvenzschuldners-im-finanzrechtsstreit-des-insolvenzverwalters-kostenentscheidung-im-beschwerdeverfahren-gegen-einen-beiladungsbeschluss\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;B&nbsp;27\/09 &#8211; Keine Beiladung des Insolvenzschuldners im Finanzrechtsstreit des Insolvenzverwalters &#8211; Kostenentscheidung im Beschwerdeverfahren gegen einen Beiladungsbeschluss"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 12.5.2009, VIII B 27\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Beiladung des Insolvenzschuldners im Finanzrechtsstreit des Insolvenzverwalters &#8211; Kostenentscheidung im Beschwerdeverfahren gegen einen Beiladungsbeschluss<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. &Uuml;ber das Verm&ouml;gen des Beschwerdef&uuml;hrers und Beiladungspr&auml;tendenten (Beschwerdef&uuml;hrer) ist am &#8230; Juli 2002 das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet worden. Auch danach f&uuml;hrte der Beschwerdef&uuml;hrer seine Arztpraxis fort &#8211;auch nachdem die Gl&auml;ubigerversammlung deren Schlie&szlig;ung beschlossen hatte&#8211;, rechnete zun&auml;chst unmittelbar mit seinen Privatpatienten ab, vereinnahmte die diesbez&uuml;glichen Honorare und reichte f&uuml;r das Streitjahr (2003) und das Jahr 2004 Einkommensteuererkl&auml;rungen mit vorl&auml;ufigen Gewinnermittlungen ein. Zahlungen der Kassen&auml;rztlichen Vereinigung aus der Behandlung gesetzlich versicherter Patienten flossen an den Insolvenzverwalter, den Kl&auml;ger im hier zugrundeliegenden Klageverfahren (Kl&auml;ger).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Erst sp&auml;ter &uuml;berlie&szlig; der Beschwerdef&uuml;hrer dem Kl&auml;ger seine s&auml;mtlichen Kontoausz&uuml;ge. Dieser reichte eine eigene, &uuml;berarbeitete Gewinnermittlung f&uuml;r die Eink&uuml;nfte des Beschwerdef&uuml;hrers im Streitjahr ein mit einem ausgewiesenen Gewinn von rund 90 000 EUR. Auf dieser Grundlage erlie&szlig; der Beklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) einen Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr. In einer dem Kl&auml;ger &uuml;bersandten Ausfertigung dieses Bescheides wurde die Einkommensteuer als Masseschuld geltend gemacht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Den hiergegen gerichteten Einspruch des Kl&auml;gers wies das FA als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Im daraufhin angestrengten Klageverfahren hat der Beschwerdef&uuml;hrer seine einfache Beiladung nach &sect; 60 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) beantragt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Obwohl der Kl&auml;ger und das FA hiergegen ausdr&uuml;cklich keine Einw&auml;nde erhoben haben, hat das Finanzgericht (FG) entschieden, dass eine einfache Beiladung ausscheide. Der Ausgang des Klageverfahrens ber&uuml;hre nicht die steuerlichen Interessen des Beschwerdef&uuml;hrers, der mit der Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens seine Befugnis verloren habe, sein zur Insolvenzmasse geh&ouml;riges Verm&ouml;gen zu verwalten und dar&uuml;ber zu verf&uuml;gen. Der Kl&auml;ger handele materiell-rechtlich wie prozessual im eigenen Namen mit Wirkung f&uuml;r und gegen die Masse, die im Rahmen seiner Befugnis vorgenommenen Rechtshandlungen wirkten unmittelbar f&uuml;r und gegen den Beschwerdef&uuml;hrer, auch &uuml;ber die Insolvenz hinaus. Solange das Insolvenzverfahren nicht abgeschlossen sei, sei der Beschwerdef&uuml;hrer kraft Gesetzes von der Teilnahme am Besteuerungsverfahren ausgeschlossen. Er sei deshalb nicht als anderer i.S. von &sect; 60 Abs. 1 Satz 1 FGO anzusehen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Zu Recht hat das FG entschieden, dass kein Fall einer notwendigen Beiladung gem&auml;&szlig; &sect; 60 Abs. 3 FGO vorliegt. Im Ergebnis zu Recht hat das FG auch eine einfache Beiladung nach Abs. 1 der Vorschrift abgelehnt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Wird wie hier ein Steueranspruch durch einen an den Insolvenzverwalter gerichteten Steuerbescheid als Masseverbindlichkeit geltend gemacht (vgl. dazu Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 11. November 1993 XI R 73\/92, BFH\/NV 1994, 477; Kling\/ Sch&uuml;ppen\/Ruh, M&uuml;nchener Kommentar InsO, 2. Aufl., Insolvenzsteuerrecht, Rz 25 b und 46; Frotscher in Gottwald, Insolvenzrechts-Handbuch, 3. Aufl., &sect; 125 Rz 13; Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 251, Rz 71, m.w.N.), stehen dem Insolvenzverwalter die Rechtsschutzm&ouml;glichkeiten der Abgabenordnung (AO) und der FGO zu (vgl. Kling\/Sch&uuml;ppen\/ Ruh, a.a.O., Rz 6 und 25 b). Nach &sect; 80 Abs. 1 der Insolvenzordnung (InsO) ist das Recht des Beschwerdef&uuml;hrers, das zur Insolvenzmasse geh&ouml;rende Verm&ouml;gen zu verwalten und dar&uuml;ber zu verf&uuml;gen, auf den Insolvenzverwalter &uuml;bergegangen einschlie&szlig;lich des alleinigen Anfechtungs- und Klagerechts gegen Steuerbescheide (BFH-Beschluss vom 19. Juni 2006 VIII B 235\/04, BFH\/NV 2006, 2091; Kling\/Sch&uuml;ppen\/Ruh, a.a.O., Rz 6, m.w.N.). Der Schuldner wird vom Insolvenzverwalter vertreten, soweit nicht ausnahmsweise die Eigenverwaltung nach &sect;&sect; 270 ff. InsO angeordnet ist (Kling\/Sch&uuml;ppen\/Ruh, a.a.O., Rz 6).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die somit vom Insolvenzrecht nicht vorgesehene Beteiligung des Insolvenzschuldners an Rechtsstreitigkeiten, die der Insolvenzverwalter im Rahmen seiner Kompetenz f&uuml;hrt, ergibt sich im Streitfall auch nicht aus der FGO.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Ob der Rechtsauffassung des FG, wonach der Beschwerdef&uuml;hrer w&auml;hrend des Insolvenzverfahrens von der Teilnahme am Besteuerungsverfahren kraft Gesetzes ausgeschlossen und er deshalb kein &quot;anderer&quot; i.S. von &sect; 60 Abs. 1 Satz 1 FGO sei, uneingeschr&auml;nkt gefolgt werden k&ouml;nnte, kann dahingestellt bleiben (zu insoweit bestehenden rechtlichen Bedenken vgl. etwa Kling\/ Sch&uuml;ppen\/Ruh, a.a.O., Rz 2 und 24 c).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Jedenfalls fehlt es im Streitfall an den Voraussetzungen einer einfachen Beiladung. Zwar m&ouml;gen die wirtschaftlichen Interessen des Beschwerdef&uuml;hrers durch die kommende Entscheidung des FG im Klageverfahren ber&uuml;hrt sein, aber nicht die Interessen &quot;nach den Steuergesetzen&quot;, wie vom Gesetz gefordert.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die zu Grunde liegende Klage richtet sich ersichtlich nicht gegen materiell-rechtliche oder verfahrensrechtliche Regelungen oder Gesichtspunkte im angegriffenen Steuerbescheid. Vielmehr geht es um die Frage, ob die Einkommensteuerschuld aus der Steuerfestsetzung f&uuml;r das Streitjahr den Masseverbindlichkeiten i.S. von &sect; 55 InsO zuzurechnen ist &#8211;wie der Beschwerdef&uuml;hrer meint&#8211; oder nicht &#8211; so der Kl&auml;ger. Form und Umfang der Geltendmachung und Verwirklichung der Steueranspr&uuml;che im Insolvenzverfahren bestimmen sich aber grunds&auml;tzlich nicht nach den Steuergesetzen, sondern nach dem Insolvenzrecht, das insoweit die AO verdr&auml;ngt (Kling\/Sch&uuml;ppen\/Ruh, a.a.O., Rz 1, m.w.N. aus der Literatur). Auch wenn die Klage Erfolg haben sollte mit der Begr&uuml;ndung, dass die Einkommensteuerschuld keine Masseverbindlichkeit ist, wird damit &#8211;in negativer Abgrenzung&#8211; eine Entscheidung nach den Ma&szlig;st&auml;ben des Insolvenzrechts getroffen. Dass f&uuml;r Masseverbindlichkeiten geltende Normen der InsO (vgl. &sect; 90 InsO) in diesem Fall nicht zur Anwendung kommen und als solche dann der Anwendung der Vorschriften der AO nicht entgegenstehen, ist keine durch die Entscheidung des FG herbeigef&uuml;hrte Ber&uuml;hrung der rechtlichen Interessen nach den Steuergesetzen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect; 135 Abs. 2 FGO. Von einer Kostenentscheidung im Beschwerdeverfahren gegen einen Beiladungsbeschluss ist nur abzusehen, wenn im Sinne des Rechtsmittelantrags entschieden wird (BFH-Beschl&uuml;sse vom 12. Dezember 2008 IV B 121\/08, BFH\/NV 2009, 604; vom 16. September 2004 VI B 57\/03, BFH\/NV 2005, 71).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 12.5.2009, VIII B 27\/09 Keine Beiladung des Insolvenzschuldners im Finanzrechtsstreit des Insolvenzverwalters &#8211; Kostenentscheidung im Beschwerdeverfahren gegen einen Beiladungsbeschluss Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. &Uuml;ber das Verm&ouml;gen des Beschwerdef&uuml;hrers und Beiladungspr&auml;tendenten (Beschwerdef&uuml;hrer) ist am &#8230; Juli 2002 das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet worden. 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