{"id":14696,"date":"2012-12-08T13:47:53","date_gmt":"2012-12-08T11:47:53","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=14696"},"modified":"2012-12-08T13:47:53","modified_gmt":"2012-12-08T11:47:53","slug":"v-b-23-08-nichtigkeit-des-ustg-umsatzsteuer-nachschau-abhaengigkeit-der-zulaessigkeit-der-revision-vom-vorliegen-bestimmter-zulassungsgruende-richterablehnung-nicht-mit-gruenden-versehenes-urteil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-23-08-nichtigkeit-des-ustg-umsatzsteuer-nachschau-abhaengigkeit-der-zulaessigkeit-der-revision-vom-vorliegen-bestimmter-zulassungsgruende-richterablehnung-nicht-mit-gruenden-versehenes-urteil\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;23\/08 &#8211; Nichtigkeit des UStG &#8211; Umsatzsteuer-Nachschau &#8211; Abh&auml;ngigkeit der Zul&auml;ssigkeit der Revision vom Vorliegen bestimmter Zulassungsgr&uuml;nde &#8211; Richterablehnung &#8211; nicht mit Gr&uuml;nden versehenes Urteil"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.1.2009, V B 23\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Nichtigkeit des UStG &#8211; Umsatzsteuer-Nachschau &#8211; Abh&auml;ngigkeit der Zul&auml;ssigkeit der Revision vom Vorliegen bestimmter Zulassungsgr&uuml;nde &#8211; Richterablehnung &#8211; nicht mit Gr&uuml;nden versehenes Urteil<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Hinsichtlich der Streitjahre 2006 und 2007 im Verfahren der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin zu 1 (Kl&auml;gerin zu 1) und der Streitjahre 2005 und 2006 im Verfahren der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin zu 2 (Kl&auml;gerin zu 2) f&uuml;hrt die Beschwerde aus anderen als den geltend gemachten Gr&uuml;nden zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung an das Finanzgericht &#8211;FG&#8211; (&sect; 127 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Es kann offenbleiben, ob die geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde insoweit vorliegen, denn die Vorentscheidung war f&uuml;r diese Streitjahre entsprechend &sect; 127 FGO aufzuheben, da die Umsatzsteuer-Vorauszahlungsbescheide f&uuml;r diese Streitjahre, deren Nichtigkeit die Kl&auml;gerin zu 2) geltend macht, w&auml;hrend des Beschwerdeverfahrens durch Umsatzsteuer-Jahresbescheide ersetzt wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung verlieren Umsatzsteuer-Vorauszahlungsbescheide durch den Umsatzsteuer-Jahresbescheid ihre Wirksamkeit, wobei der Jahresbescheid die Vorauszahlungsbescheide in seinen Regelungsgehalt aufnimmt (vgl. z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 19. Mai 2005 V R 31\/03, BFHE 210, 167, BStBl II 2005, 671; BFH-Beschluss vom 22. Oktober 2003 V B 103\/02, BFH\/NV 2004, 502). Wird deshalb w&auml;hrend des Verfahrens &uuml;ber eine zul&auml;ssige Beschwerde der angefochtene Vorauszahlungsbescheid ersetzt, wird dieser in entsprechender Anwendung des &sect; 68 FGO Gegenstand des Beschwerdeverfahrens (BFH-Beschl&uuml;sse vom 18. Dezember 2003 II B 31\/00, BFHE 204, 35, BStBl II 2004, 237; vom 29. Oktober 2004 XI B 213\/02, BFH\/NV 2005, 566; vom 18. Januar 2005 VIII B 97\/03, BFH\/NV 2005, 899).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Enth&auml;lt ein ersetzender Jahresbescheid oder ein ge&auml;nderter Umsatzsteuerbescheid gegen&uuml;ber dem angefochtenen eine Verschlechterung, die erstinstanzlich nicht &uuml;berpr&uuml;ft wurde, ist die Sache bereits aus diesem Grund an das FG zur&uuml;ckzuverweisen (BFH-Beschluss in BFHE 204, 35, BStBl II 2004, 237). Einer Aufhebung der Vorentscheidung bedarf es allerdings nicht, wenn die verb&ouml;sernde Entscheidung nicht streitig ist (vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 31. Mai 2005 VIII B 294\/03, BFH\/NV 2005, 1832, und vom 26. Juli 2006 V B 198\/05, BFH\/NV 2006, 2112). Dies trifft im Streitfall aber nicht zu, da die in den gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin zu 2) erlassenen Umsatzsteuer-Jahresbescheiden 2005 und 2006 jeweils festgesetzte Umsatzsteuer h&ouml;her ist als die sich nach den Vorauszahlungsbescheiden f&uuml;r das jeweilige Streitjahr ergebende Umsatzsteuer und die Beteiligten die Erh&ouml;hung nicht unstreitig gestellt haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im &Uuml;brigen hat die Beschwerde keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die von den Kl&auml;gerinnen aufgeworfene Rechtsfrage, ob &quot;&sect; 115 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und 2 FGO mit dem Grundrecht auf Rechtsweggarantie, Art. 19 Abs. 4 i.V.m. Art. 101 Abs. 1 GG vereinbar&quot; ist, ist nicht von grunds&auml;tzlicher Bedeutung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO). Denn zum einen verst&ouml;&szlig;t es nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) nicht gegen Art. 19 Abs. 4 des Grundgesetzes (GG), dass gem&auml;&szlig; &sect; 115 FGO die Zul&auml;ssigkeit der Revision vom Vorliegen bestimmter Zulassungsgr&uuml;nde abh&auml;ngt (BVerfG-Beschluss vom 14. Mai 1987&nbsp;&nbsp;1 BvR 484\/87, Steuerrechtsprechung in Karteiform &#8211;StRK&#8211;, Finanzgerichtsordnung, &sect; 115 Abs. 1, Rechtsspruch 40). Durch die Rechtsprechung des BVerfG (Beschluss vom 9. Dezember 1987&nbsp;&nbsp;1 BvR 1271\/87, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung &#8211;HFR&#8211; 1989, 272), der sich der BFH angeschlossen hat (z.B. BFH-Urteil vom 18. Februar 1997 VIII R 54\/95, BFHE 183, 6, BStBl II 1997, 647; BFH-Beschluss vom 3. August 2000 VIII B 80\/99, BFH\/NV 2001, 783), ist auch gekl&auml;rt, dass es verfassungsrechtlich nicht geboten ist, &uuml;ber die in &sect; 51 FGO vorgesehenen M&ouml;glichkeiten hinaus Finanzrichter allein deshalb von der richterlichen T&auml;tigkeit auszuschlie&szlig;en, weil sie fr&uuml;her der Finanzverwaltung angeh&ouml;rt haben, da allein die fr&uuml;here Verbindung zur Exekutive keine Vermutung mangelnder Unabh&auml;ngigkeit begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Auch den weiteren von den Kl&auml;gerinnen aufgeworfenen Rechtsfragen zum Umsatzsteuergesetz 1999\/2005 (UStG) in seinen in den Streitjahren geltenden Fassungen kommt keine grunds&auml;tzliche Bedeutung zu. Dies gilt insbesondere f&uuml;r die Rechtsfrage, ob &quot;sich die Nichtigkeit des Umsatzsteuergesetzes aus Art. 19 Abs. 1 Satz 1 GG (Zitiergebot) deshalb ergibt, weil &sect; 27b UStG Grundrechte und zwar<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table cellpadding=\"1\" cellspacing=\"2\" border=\"0\" class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">a) aus Art. 13 GG (Unverletzlichkeit der Wohnung) und durch die Er&ouml;ffnung der M&ouml;glichkeit der Anwendung unmittelbaren Zwangs gegen den Steuerb&uuml;rger<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">b) aus Art. 2 Abs. 2 (Recht auf Leben, k&ouml;rperliche Unversehrtheit und Freiheit der Person),<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">c) Art. 10 Abs. 1 GG (Briefgeheimnis, Post- und Fernmeldegeheimnis)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">jeweils &uuml;ber die grundgesetzlich bestimmten Schranken hinaus, einschr&auml;nkt?&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dabei kann offenbleiben, ob das im Rahmen einer Umsatzsteuer-Nachschau einger&auml;umte Betretungsrecht von Wohnungen und Gesch&auml;ftsr&auml;umen einen Eingriff in den Schutzbereich des Art. 13 GG darstellt und daher das UStG den Anforderungen des Zitiergebots nach Art. 19 Abs. 1 Satz 2 GG zu entsprechen hat (so Torm&ouml;hlen, Umsatzsteuer- und Verkehrsteuer-Recht &#8211;UVR&#8211; 2006, 84 ff.; W&auml;ger, Der Betrieb &#8211;DB&#8211; 2002, Beilage 1\/2002, und Zugmaier in Hartmann-Metzenmacher, &sect; 27b UStG Rz 6, 68 ff.; a.A. Leonard in Bunjes\/Geist, UStG, &sect; 27b Rz 7; Nieskens in Rau\/D&uuml;rrw&auml;chter, UStG, &sect; 27b Rz 31).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Selbst wenn &sect; 27b UStG gegen das Zitiergebot des Art. 19 Abs. 1 Satz 2 GG versto&szlig;en w&uuml;rde, erg&auml;be sich hieraus nur eine Teilnichtigkeit des UStG im Hinblick auf die m&ouml;glicherweise in Grundrechte eingreifende Vorschrift des &sect; 27b UStG, nicht aber eine weitergehende Nichtigkeit anderer Vorschriften des UStG, die nicht dem Zitiergebot unterliegen und somit auch keine Nichtigkeit des UStG insgesamt. Denn die Verletzung des Zitiergebots durch eine einzelne Vorschrift eines Gesetzes begr&uuml;ndet nur die Nichtigkeit dieser Vorschrift und damit eine Teilnichtigkeit des Gesetzes (vgl. Huber in Mangoldt\/Klein\/ Starck, GG, 5. Aufl. 2005, Art. 19 Rz 103; Dreier, GG, 2. Aufl. 2004, Art. 1 Rz 28; P. Lerche in Isensee\/Kirchhof, Handbuch des Staatsrechts, Band V, 2. Aufl. 2000, &sect; 122 Rz 42). Eine Nichtigkeit des gesamten Gesetzes kommt nach allgemeinen Rechtsgrunds&auml;tzen nur in Betracht, wenn der ung&uuml;ltige Gesetzesteil mit dem Gesetz im &Uuml;brigen derart verflochten ist, dass beide eine untrennbare Einheit bilden (vgl. allgemein, BVerfG-Urteile vom 19. M&auml;rz 2003&nbsp;&nbsp;2 BvL 9\/98, 2 BvL 10\/98, 2 BvL 11\/98, 2 BvL 12\/98, BVerfGE 108, 1). Dies trifft auf das Verh&auml;ltnis von &sect; 27b UStG zu den weiteren Vorschriften des UStG nicht zu. Insbesondere die Vorschriften zur Bestimmung der Steuerschuld in &sect; 1 UStG bis &sect; 17 UStG oder in &sect; 23 UStG bis &sect; 25c UStG weisen eine derartige Verkn&uuml;pfung mit der Regelung zur Umsatzsteuer-Nachschau nach &sect; 27b UStG nicht auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Frage, ob &sect; 27b UStG wegen Versto&szlig;es gegen das Zitiergebot verfassungswidrig ist, ist im Streitfall nicht entscheidungserheblich. Denn bei beiden Kl&auml;gerinnen ist nach den Feststellungen des FG keine Umsatzsteuer-Nachschau erfolgt, so dass nicht zu entscheiden ist, ob &sect; 27b UStG gegen Art. 19 Abs. 1 Satz 2 GG verst&ouml;&szlig;t und welche weiteren Folgen sich hieraus f&uuml;r das Besteuerungsverfahren ergeben k&ouml;nnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Revision ist auch nicht im Hinblick auf die Zur&uuml;ckweisung des Ablehnungsgesuchs als rechtsmissbr&auml;uchlich nach &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Mit der Nichtzulassungsbeschwerde k&ouml;nnen Verfahrensm&auml;ngel, die als Folge der Ablehnung eines Befangenheitsgesuchs dem angefochtenen Urteil anhaften, geltend gemacht werden. Dies setzt voraus, dass die Ablehnung gegen das Willk&uuml;rverbot verst&ouml;&szlig;t oder ein Verfahrensgrundrecht wie der Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r (Art. 103 Abs. 1 GG) oder den gesetzlichen Richter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) verletzt wird. Auch das Verfahrensgrundrecht auf den gesetzlichen Richter sch&uuml;tzt aber nur vor willk&uuml;rlichen Verst&ouml;&szlig;en gegen Verfahrensvorschriften. Eine Besetzungsr&uuml;ge kann deshalb nur dann Aussicht auf Erfolg haben, wenn sich dem Beschwerdevorbringen entnehmen l&auml;sst, dass der Beschluss &uuml;ber die Zur&uuml;ckweisung des Ablehnungsgesuchs nicht nur fehlerhaft, sondern greifbar gesetzwidrig und damit willk&uuml;rlich war (BFH-Beschl&uuml;sse vom 16. Januar 2006 VIII B 35\/05, BFH\/NV 2006, 957; vom 25. Juli 2005 VII B 2\/05, BFH\/NV 2005, 2035; vom 13. Januar 2003 III B 51\/02, BFH\/NV 2003, 640; vom 25. September 2006 V B 215\/05, BFH\/NV 2007, 249).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Entscheidung des FG, das Ablehnungsgesuch sei rechtsmissbr&auml;uchlich, ist weder greifbar gesetzwidrig noch willk&uuml;rlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Nach &sect; 51 Abs. 1 Satz 1 FGO i.V.m. &sect; 42 der Zivilprozessordnung (ZPO) findet die Ablehnung eines Richters wegen Besorgnis der Befangenheit statt, wenn ein Grund vorliegt, der geeignet ist, Misstrauen gegen die Unparteilichkeit des Richters zu rechtfertigen. Dabei kommt es darauf an, ob der Prozessbeteiligte von seinem Standpunkt aus bei vern&uuml;nftiger objektiver Betrachtung Anlass hat, die Voreingenommenheit des oder der abgelehnten Richter zu bef&uuml;rchten (BFH-Beschl&uuml;sse vom 27. August 1998 VII B 8\/98, BFH\/NV 1999, 480, und vom 11. Februar 2003 VII B 330\/02, VII S 41\/02, BFHE 201, 483, BStBl II 2003, 422). Gem&auml;&szlig; &sect; 51 Abs. 1 Satz 1 FGO i.V.m. &sect; 44 Abs. 2 ZPO sind die das Misstrauen in die Unparteilichkeit rechtfertigenden Umst&auml;nde im Ablehnungsgesuch substantiiert darzulegen und glaubhaft zu machen (BFH-Beschl&uuml;sse vom 13. September 1991 IV B 147\/90, BFH\/NV 1992, 320, und in BFHE 201, 483, BStBl II 2003, 422).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Werden wie im Streitfall pauschal alle Berufsrichter eines Spruchk&ouml;rpers abgelehnt, ist das Ablehnungsgesuch regelm&auml;&szlig;ig missbr&auml;uchlich, sofern nicht konkrete Anhaltspunkte im Hinblick auf die Kollegialentscheidung vorgebracht werden, die auf eine Befangenheit aller Mitglieder des Spruchk&ouml;rpers hindeuten. Ist das Ablehnungsgesuch danach rechtsmissbr&auml;uchlich und deshalb offensichtlich unzul&auml;ssig, entscheidet das Gericht dar&uuml;ber in der nach dem Gesch&auml;ftsverteilungsplan vorgesehenen Besetzung, ohne dass es einer vorherigen dienstlichen &Auml;u&szlig;erung der abgelehnten Richter nach &sect; 51 FGO i.V.m. &sect; 44 Abs. 3 ZPO bedarf (z.B. BFH-Beschluss vom 1. April 2003 VII S 7\/03, BFH\/NV 2003, 1331). In diesem Fall ist es auch nicht notwendig, &uuml;ber den Antrag in einem besonderen Beschluss zu entscheiden, sondern es kann im Urteil dar&uuml;ber mitentschieden werden (BFH-Beschl&uuml;sse in BFHE 201, 483, BStBl II 2003, 422; vom 21. November 2002 VII B 58\/02, BFH\/NV 2003, 485, und vom 31. August 1999 V B 53\/97, V S 13\/99, BFH\/NV 2000, 244).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es bestehen auch keine konkreten Anhaltspunkte, die auf eine Befangenheit aller Mitglieder des Spruchk&ouml;rpers hindeuten. Im Streitfall wird das Ablehnungsgesuch im Wesentlichen damit begr&uuml;ndet, dass das FG seinem im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes ergangenen Beschluss vom 3. Januar 2008 einen Tatbestand zugrunde gelegt habe, der &quot;vermeintlich die Ablehnung des Antrags der Antragsteller&quot; zulasse. Denn das FG sei davon ausgegangen, dass es auf die ger&uuml;gte Verfassungswidrigkeit des &sect; 27b UStG deshalb nicht ankomme, weil im Streitfall eine Umsatzsteuer-Nachschau nicht angeordnet worden sei. &quot;Eine andere Bewertung der Rechtslage h&auml;tte vorgenommen werden m&uuml;ssen&quot;, wenn das FG ber&uuml;cksichtigt h&auml;tte, dass wegen Nichtbeachtung des Zitiergebots des Art. 19 Abs. 1 Satz 2 GG &quot;das gesamte Umsatzsteuergesetz nichtig&quot; sei. Es komme daher nicht darauf an, ob im Streitfall &sect; 27b UStG angewendet worden sei. Dass das FG dies entgegen dem Vortrag der Kl&auml;gerinnen nicht erw&auml;hnt habe, habe es den wesentlichen und entscheidungserheblichen Teil &quot;bei der Schilderung des Tatbestandes verschwiegen&quot;. Gr&uuml;nde f&uuml;r eine willk&uuml;rliche Ablehnung des Befangenheitsantrags ergeben sich hieraus nicht. Denn das FG hat zu Recht entschieden, dass sich die Frage einer sich aus Art. 19 Abs. 1 Satz 2 GG ergebenden Nichtigkeit nur im Hinblick auf &sect; 27b UStG, nicht aber im Hinblick auf das gesamte UStG stellt, so es f&uuml;r die Beurteilung im Streitfall auf die Frage eines Versto&szlig;es gegen das verfassungsrechtliche Zitiergebot nicht ankam, da gegen&uuml;ber den Kl&auml;gerinnen keine auf &sect; 27b UStG gest&uuml;tzten Ma&szlig;nahmen ergangen sind (s. oben 2. b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r (Art. 103 Abs. 1 GG, &sect; 96 Abs. 2 FGO) ergibt sich entgegen der Ansicht der Kl&auml;gerinnen nicht daraus, dass sich das FG ihrer Rechtsauffassung nicht angeschlossen hat. Ebenso wenig liegt ein nicht mit Gr&uuml;nden versehenes Urteil (&sect; 119 Nr. 6 FGO) vor. Von einem derartigen Urteil w&auml;re nur dann auszugehen, wenn Urteilsgr&uuml;nde entweder &uuml;berhaupt fehlen oder das FG ein selbst&auml;ndiges Angriffs- oder Verteidigungsmittel mit Stillschweigen &uuml;bergangen hat oder wenn die gegebene Begr&uuml;ndung so substanzlos ist, dass sie die ma&szlig;geblichen Feststellungen und Erw&auml;gungen des FG nicht erkennen l&auml;sst (BFH-Urteil vom 2. Oktober 2001 IX R 25\/99, BFH\/NV 2002, 363; BFH-Beschl&uuml;sse vom 2. Februar 1999 II R 91\/97, BFH\/NV 1999, 1106; vom 21. Dezember 2001 VII R 24\/01, BFH\/NV 2002, 660). Diese Voraussetzungen liegen hier nicht vor, da das FG die Frage, welche Bedeutung &sect; 27b UStG f&uuml;r den Streitfall zukommt, ausdr&uuml;cklich er&ouml;rtert hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Ein Verfahrensfehler i.S. von &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO ergibt sich auch nicht aus der Auffassung der Kl&auml;gerinnen, das Urteil des FG sei nicht aufgrund einer m&uuml;ndlichen Verhandlung gem&auml;&szlig; &sect; 90 Abs. 1 FGO ergangen. Die Annahme der Kl&auml;gerinnen, es habe &quot;nach Zusicherung des Gerichts keine &ouml;ffentliche Verhandlung und keine Er&ouml;rterung im Rechtssinn stattgefunden&quot; geht fehl und widerspricht dem eigenen Vortrag der Kl&auml;gerinnen, wonach das FG nur zusicherte, dass &quot;der Termin vom 18.02.2008 keine Suspension des Befangenheitsantrags zur Folge habe&quot;. Letzteres entspricht auch dem Protokoll &uuml;ber die m&uuml;ndliche Verhandlung. Dass die Kl&auml;gerinnen die m&uuml;ndliche Verhandlung nicht als solche werten wollen und davon ausgingen, dass eine m&uuml;ndliche Verhandlung nicht stattgefunden habe, ist unerheblich. Dementsprechend hat das FG den Protokollberichtigungsantrag der Kl&auml;gerinnen durch Beschluss vom 26. M&auml;rz 2008 abgelehnt. Schlie&szlig;lich war das FG entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerinnen im Zeitpunkt der m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht falsch besetzt, da die Ablehnung des Befangenheitsantrags im Urteil erfolgen konnte (s. oben 2. c bb).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Von einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat nach &sect; 116 Abs. 5 Satz 2 FGO ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung hinsichtlich der Streitjahre 2002 bis 2004 im Verfahren der Kl&auml;gerin zu 2) beruht auf &sect; 143 Abs. 2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit die Beschwerde zur&uuml;ckgewiesen wurde, haben die Kl&auml;gerinnen gem&auml;&szlig; &sect; 135 Abs. 2 FGO die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen (vgl. dazu BFH-Beschluss vom 26. M&auml;rz 2003 VI B 151\/01, BFH\/NV 2003, 1068).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.1.2009, V B 23\/08 Nichtigkeit des UStG &#8211; Umsatzsteuer-Nachschau &#8211; Abh&auml;ngigkeit der Zul&auml;ssigkeit der Revision vom Vorliegen bestimmter Zulassungsgr&uuml;nde &#8211; Richterablehnung &#8211; nicht mit Gr&uuml;nden versehenes Urteil Gr&uuml;nde &nbsp; 1&nbsp; 1. Hinsichtlich der Streitjahre 2006 und 2007 im Verfahren der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin zu 1 (Kl&auml;gerin zu 1) und der Streitjahre 2005 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-23-08-nichtigkeit-des-ustg-umsatzsteuer-nachschau-abhaengigkeit-der-zulaessigkeit-der-revision-vom-vorliegen-bestimmter-zulassungsgruende-richterablehnung-nicht-mit-gruenden-versehenes-urteil\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;B&nbsp;23\/08 &#8211; Nichtigkeit des UStG &#8211; Umsatzsteuer-Nachschau &#8211; Abh&auml;ngigkeit der Zul&auml;ssigkeit der Revision vom Vorliegen bestimmter Zulassungsgr&uuml;nde &#8211; Richterablehnung &#8211; nicht mit Gr&uuml;nden versehenes Urteil<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-14696","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14696","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14696"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14696\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14696"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14696"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14696"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}