{"id":14726,"date":"2012-12-08T14:20:24","date_gmt":"2012-12-08T12:20:24","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=14726"},"modified":"2012-12-08T14:20:24","modified_gmt":"2012-12-08T12:20:24","slug":"vi-r-60-07-aufwendungen-der-grosseltern-fuer-besuche-ihres-enkelkinds-als-aussergewoehnliche-belastung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-60-07-aufwendungen-der-grosseltern-fuer-besuche-ihres-enkelkinds-als-aussergewoehnliche-belastung\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;60\/07 &#8211; Aufwendungen der Gro&szlig;eltern f&uuml;r Besuche ihres Enkelkinds als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.3.2009, VI R 60\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Aufwendungen der Gro&szlig;eltern f&uuml;r Besuche ihres Enkelkinds als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) wurden im Streitjahr (2003) als Ehegatten zur Einkommensteuer zusammen veranlagt. Sie sind die Gro&szlig;eltern der 1998 geborenen M. Der Kindesvater und Sohn der Kl&auml;ger ist im Januar 2000 t&ouml;dlich verungl&uuml;ckt; zu jener Zeit war ein Verfahren auf Scheidung der Ehe der Kindeseltern anh&auml;ngig. Die Kindesmutter wehrte sich gegen Besuchskontakte der Kl&auml;ger. Daraufhin setzten diese ihr Recht auf Umgang aus &sect; 1685 Abs. 1 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gerichtlich durch; die Familiengerichte waren der Auffassung, dass der Kontakt dem Kindeswohl entspreche. Nachdem die Kindesmutter nach Spanien verzogen war, f&uuml;hrten die Kl&auml;ger erneut familienrechtliche Auseinandersetzungen; im Streitjahr haben die Kl&auml;ger ihre Enkelin achtmal in Spanien besucht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                In ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung 2003 machten die Kl&auml;ger au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen in H&ouml;he von 20 155 EUR geltend. Davon entfiel ein Betrag in H&ouml;he von 5 906 EUR auf Anwaltskosten zur Durchsetzung des Umgangsrechts und ein Betrag in H&ouml;he von 8 184 EUR auf Reisekosten. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lehnte mit Bescheid vom 10. M&auml;rz 2005 die Anerkennung der Reisekosten ab und lie&szlig; unter Ber&uuml;cksichtigung einer zumutbaren Belastung die bezeichneten Anwaltskosten sowie weitere Krankheitskosten in H&ouml;he von 8 934 EUR zum Abzug nach &sect; 33 des Einkommensteuergesetzes (EStG) zu. Der Einspruch der Kl&auml;ger hatte keinen Erfolg.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) wies die Klage mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2008, 131 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden ab.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit ihrer Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger die Verletzung materiellen Rechts.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;, das vorinstanzliche Urteil aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid 2003 vom 10. M&auml;rz 2005 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 29. August 2005 dahingehend zu &auml;ndern, dass Reisekosten in H&ouml;he von 8 184 EUR als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung anerkannt werden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Revision der Kl&auml;ger ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen. Das FG hat zu Recht entschieden, dass die von den Kl&auml;gern geltend gemachten Reisekosten nicht als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung abziehbar sind.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Nach &sect; 33 Abs. 1 EStG wird auf Antrag die Einkommensteuer erm&auml;&szlig;igt, wenn einem Steuerpflichtigen zwangsl&auml;ufig gr&ouml;&szlig;ere Aufwendungen als der &uuml;berwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommens- und Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse sowie gleichen Familienstands (au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung) erwachsen. Die Aufwendungen entstehen gem&auml;&szlig; &sect; 33 Abs. 2 Satz 1 EStG zwangsl&auml;ufig, wenn der Steuerpflichtige sich ihnen aus rechtlichen, tats&auml;chlichen oder sittlichen Gr&uuml;nden nicht entziehen kann (Zwangsl&auml;ufigkeit dem Grunde nach) und soweit sie den Umst&auml;nden nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht &uuml;bersteigen (Zwangsl&auml;ufigkeit der H&ouml;he nach).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; (z.B. Urteil vom 10. Mai 2007 III R 39\/05, BFHE 218, 136, BStBl II 2007, 764, und &#8211;betreffend die Abziehbarkeit von Aufwendungen eines Elternteils f&uuml;r Besuche seines von ihm getrennt lebenden Kindes&#8211; Urteile jeweils vom 27. September 2007 III R 28\/05, BFHE 219, 119, BStBl II 2008, 287; III R 30\/06, BFH\/NV 2008, 539; III R 41\/04, III R 55\/05 und III R 71\/06, jeweils juris) sind Aufwendungen au&szlig;ergew&ouml;hnlich, wenn sie nicht nur ihrer H&ouml;he, sondern auch ihrer Art und dem Grunde nach au&szlig;erhalb des &Uuml;blichen liegen. Die typischen Aufwendungen der Lebensf&uuml;hrung sind dagegen ungeachtet ihrer H&ouml;he im Einzelfall aus dem Anwendungsbereich des &sect; 33 EStG ausgeschlossen. Sie werden in H&ouml;he des Existenzminimums durch den Grundfreibetrag (&sect; 32a Abs. 1 Satz 2 EStG) ber&uuml;cksichtigt (z.B. BFH-Urteil in BFHE 218, 136, BStBl II 2007, 764). Familienbedingte Aufwendungen sind bis 1995 durch die Regelungen des Kinderlastenausgleichs (Freibetr&auml;ge und Kindergeld nach dem Bundeskindergeldgesetz) und ab 1996 durch die Regelungen des Familienleistungsausgleichs (Freibetr&auml;ge oder Kindergeld, vgl. &sect; 31, &sect; 32 Abs. 6 und X. Abschnitt EStG) abgegolten (z.B. BFH-Urteile vom 28. M&auml;rz 1996 III R 208\/94, BFHE 180, 551, BStBl II 1997, 54, und vom 18. Juni 1997 III R 60\/96, BFH\/NV 1997, 755).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Zu den nicht au&szlig;ergew&ouml;hnlichen, bei typisierender Betrachtungsweise abgegoltenen Aufwendungen geh&ouml;ren &#8211;wie der III. Senat des BFH in den genannten Urteilen vom 27. September 2007 nochmals wiederholt hervorgehoben hat&#8211; in der Regel die Kosten f&uuml;r Fahrten, um nahe Angeh&ouml;rige zu besuchen (z.B. BFH-Urteile vom 23. Mai 1990 III R 63\/85, BFHE 161, 69, BStBl II 1990, 894, und III R 145\/85, BFHE 161, 73, BStBl II 1990, 895 &#8211;Besuch des Ehegatten bzw. des Kindes in der Haftanstalt&#8211;; vom 24. Mai 1991 III R 28\/89, BFH\/NV 1992, 96, m.w.N. &#8211;Besuch des kranken Vaters&#8211;), es sei denn, die Fahrten werden ausschlie&szlig;lich zum Zwecke der Heilung oder Linderung einer Krankheit unternommen (BFH-Urteil vom 6. April 1990 III R 60\/88, BFHE 161, 432, BStBl II 1990, 958).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Durch die Regelungen des Kinderlastenausgleichs bzw. ab 1996 des Familienleistungsausgleichs sind nach h&ouml;chstrichterlicher Rechtsprechung auch die Kosten eines alleinstehenden Elternteils f&uuml;r Wochenendfahrten zu einem von ihm getrennt lebenden Kind in Erf&uuml;llung der elterlichen Pflicht zur Personensorge abgegolten (BFH-Urteile vom 29. August 1986 III R 209\/82, BFHE 148, 22, BStBl II 1987, 167, und vom 12. Juli 1991 III R 23\/88, BFH\/NV 1992, 172, unter 1.b). Die Aufwendungen eines geschiedenen, nicht sorgeberechtigten Vaters f&uuml;r Fahrten zu seinem Kind aufgrund seines Besuchsrechts nach &sect; 1634 BGB a.F. hat der III. Senat des BFH &#8211;in einem den Veranlagungszeitraum 1990 betreffenden Fall&#8211; ebenfalls als typische &#8211;nicht nach &sect; 33 EStG steuermindernd zu ber&uuml;cksichtigende&#8211; Kosten der Lebensf&uuml;hrung behandelt (Urteil in BFHE 180, 551, BStBl II 1997, 54). An den Grunds&auml;tzen jener Entscheidung hat der III. Senat des BFH auch f&uuml;r nachfolgende Veranlagungszeitr&auml;ume festgehalten (vgl. BFH-Urteile vom 27. September 2007 III R 41\/04 f&uuml;r das Jahr 1998, III R 28\/05 f&uuml;r das Jahr 1999, III R 55\/05 f&uuml;r die Jahre 1999 und 2000, III R 30\/06 f&uuml;r die Jahre 2001 und 2002 bzw. III R 71\/06 f&uuml;r die Jahre 2000 bis 2002). Die in seinem Urteil vom 24. Juni 2004 III R 141\/95 (BFH\/NV 2004, 1635, unter II.3.) &#8211;Streitjahr war 1990&#8211; erw&auml;hnten, aber offen gelassenen Fragen hat der III. Senat des BFH in seinen sp&auml;teren Urteilen vom 27. September 2007 nicht mehr aufgegriffen; in der fr&uuml;heren Entscheidung ist noch ausgef&uuml;hrt, es sei erwogen worden, ob notwendige Aufwendungen getrennt lebender Eltern f&uuml;r den Umgang mit dem bei dem anderen Elternteil lebenden Kind zwangsl&auml;ufig erwachsen und in gewissem Umfang als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung i.S. des &sect; 33 EStG ber&uuml;cksichtigt werden k&ouml;nnen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Diese Rechtsgrunds&auml;tze zugrunde gelegt, sind auch Aufwendungen von Gro&szlig;eltern f&uuml;r Besuche ihres von ihnen getrennt lebenden Enkelkindes regelm&auml;&szlig;ig nicht als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung abziehbar. Auch im Streitfall kommt ein solcher Abzug nicht in Betracht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Die Aufwendungen der Kl&auml;ger f&uuml;r Reisen zu ihrem Enkelkind nach Spanien sind nicht zwangsl&auml;ufig i.S. des &sect; 33 EStG. Dabei kann dahinstehen, ob dem Tatbestandsmerkmal der &quot;Zwangsl&auml;ufigkeit&quot; lediglich deklaratorische Bedeutung zukommt, weil bereits das Merkmal der &quot;Au&szlig;ergew&ouml;hnlichkeit&quot; es erfordert, dass die Einkommensverwendung atypisch und zwingend erforderlich, d.h. nicht disponibel ist (vgl. Arndt, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/ Mellinghoff, EStG, &sect; 33 Rz C 1 f.; Schmidt\/Loschelder, EStG, 27. Aufl., &sect; 33 Rz 16).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nach &sect; 1685 Abs. 1 BGB in seiner gegenw&auml;rtig geltenden Fassung haben Gro&szlig;eltern ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn dieser dem Wohl des Kindes dient. Eine gesetzliche Umgangspflicht wie bei Eltern (&sect; 1684 Abs. 1 BGB) trifft die Gro&szlig;eltern nicht. Allein der Umstand, dass aus familiengerichtlicher Sicht der Umgang der Gro&szlig;eltern mit ihrem Enkelkind dessen Wohl dient, besagt nicht, dass deshalb dieser Umgang auch &#8211;rechtlich oder tats&auml;chlich&#8211; zwangsl&auml;ufig zu erfolgen hat und deshalb eine nicht disponible Einkommensverwendung nach sich zieht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nach den mit zul&auml;ssigen und begr&uuml;ndeten Verfahrensr&uuml;gen nicht angegriffenen und deshalb den Senat nach &sect; 118 Abs. 2 FGO bindenden Feststellungen des FG waren die Besuche der Kl&auml;ger auch nicht medizinisch indiziert oder therapeutisch notwendig (vgl. z.B. Kanzler in Herrmann\/Heuer\/Raupach &#8211;HHR&#8211;, &sect; 33 EStG Rz 300, Stichwort Besuchsfahrten, Besuchsreisen). Dass der Umgang in psychologischen Gutachten bef&uuml;rwortet ist, besagt lediglich, dass die Besuche dem Kindeswohl gedient haben. Deshalb waren die Besuche der Kl&auml;ger auch insoweit weder tats&auml;chlich noch sittlich zwangsl&auml;ufig.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Schlie&szlig;lich ergibt sich auch aus dem Umstand, dass der Kindesvater und Sohn der Kl&auml;ger verstorben ist, jedenfalls nach einkommensteuerlichen Ma&szlig;st&auml;ben keine sittlich begr&uuml;ndete Zwangsl&auml;ufigkeit der Reisekosten. Unabh&auml;ngig von der Frage, ob sittliche Verpflichtungen steuerlich nur anerkannt werden k&ouml;nnen, wenn sie wie rechtliche mit Sanktionen bewehrt sind (vgl. HHR\/Kanzler, &sect; 33 EStG Rz 190), determinieren die Motive der Kl&auml;ger, ihr Enkelkind zu besuchen, die streitige Einkommensverwendung nicht in einer Weise, dass diese als nicht mehr disponibel erscheint. Dabei ist auch zu ber&uuml;cksichtigen, dass die Enkelin der Kl&auml;ger keine Vollwaise ist, sondern bei der sorgeberechtigten Kindesmutter lebt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Die von den Kl&auml;gern getragenen Reisekosten sind aber auch nach anderen Ma&szlig;st&auml;ben nicht au&szlig;ergew&ouml;hnlich. Bei typisierender Betrachtungsweise liegen Reisekosten von Gro&szlig;eltern zur Herstellung des Umgangs mit ihren Enkelkindern auch nicht der Art und dem Grunde nach au&szlig;erhalb des &Uuml;blichen. Enkelkinder leben typischerweise bei ihren Eltern oder einem Elternteil; ihr Aufenthaltsort spiegelt deshalb auch die berufliche und pers&ouml;nliche Mobilit&auml;t der Eltern. Im Hinblick auf gesteigerte berufliche Mobilit&auml;tsanforderungen ist eine r&auml;umliche N&auml;he zum Lebensmittelpunkt der Gro&szlig;eltern nicht mehr die Regel; auch ein l&auml;ngerfristiger Auslandsaufenthalt der Enkel ist nicht mehr ungew&ouml;hnlich. Deshalb handelt es sich bei den streitbefangenen Reisekosten um mehr oder weniger typischen Aufwand der Kontaktpflege. Ob dieser Aufwand im Streitfall auch aufgrund der Vielzahl der Reisen der H&ouml;he nach besonders ausgepr&auml;gt war, ist bei typisierender Betrachtungsweise zu vernachl&auml;ssigen; denn der Grad der Intensit&auml;t der Kontaktpflege ist unter den hier vorliegenden Umst&auml;nden (insbesondere kein medizinisch indizierter Umgang) disponibel.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Schlie&szlig;lich f&uuml;hrt auch der Umstand, dass die Kl&auml;ger als Gro&szlig;eltern &uuml;ber die Ber&uuml;cksichtigung ihres Existenzminimums hinaus keine Entlastung im Rahmen des Familienleistungsausgleichs erhalten, im Streitfall zu keiner steuerlichen Anerkennung einer au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Belastung. Wenn bei einem von seinem Kind getrennt lebenden Elternteil, der &#8211;anders als die Kl&auml;ger&#8211; Unterhaltslasten zu tragen hat, keine zus&auml;tzliche Anerkennung von Reisekosten f&uuml;r den &#8211;auch aufgrund gesetzlicher Verpflichtung&#8211; ausge&uuml;bten Umgang nach &sect; 33 EStG geboten ist, so gilt dies erst recht, wenn keine Unterhaltspflicht des Umgangsberechtigten und dementsprechend auch keine Unterhaltsleistungen an das Kind festgestellt werden. Denn der einkommensteuerrechtliche Familienleistungsausgleich gem&auml;&szlig; &sect;&sect; 31 f., 62 ff. EStG dient insgesamt der Ber&uuml;cksichtigung der Unterhaltspflichten der Eltern gegen&uuml;ber ihren Kindern und sorgt f&uuml;r die gebotene steuerliche Freistellung eines Einkommensbetrages in H&ouml;he des Existenzminimums des Kindes. Er entspricht der geminderten steuerlichen Leistungsf&auml;higkeit aufgrund der typischen Unterhaltspflichten. Bestehen diese Pflichten nicht und findet deshalb kein Familienleistungsausgleich statt, so sind Aufwendungen der Kontaktpflege grunds&auml;tzlich nicht ersatzweise als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung zu ber&uuml;cksichtigen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Dass damit die streitbefangenen Aufwendungen der Kl&auml;ger als Kosten der Lebensf&uuml;hrung lediglich mit dem Grundfreibetrag abgegolten werden, begegnet auch keinen verfassungsrechtlichen Bedenken. Der Gesetzgeber darf n&auml;mlich auch im Bereich des subjektiven Nettoprinzips generalisierende, typisierende und pauschalierende Regelungen treffen, ohne wegen der damit unvermeidlich verbundenen H&auml;rten gegen den allgemeinen Gleichheitssatz zu versto&szlig;en. Aufgrund dieses Beurteilungsspielraums des Gesetzgebers wird das von der Einkommensteuer freizustellende sachliche Existenzminimum durch den Grundfreibetrag ber&uuml;cksichtigt (BFH-Urteile in BFHE 219, 119, BStBl II 2008, 287, und in BFH\/NV 2008, 539; BFH-Beschluss vom 25. Februar 2009 VI B 147\/08, nicht ver&ouml;ffentlicht). Damit sind grunds&auml;tzlich auch Aufwendungen von Gro&szlig;eltern f&uuml;r den Umgang mit dem von ihnen getrennt lebenden Enkelkind abgegolten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.3.2009, VI R 60\/07 Aufwendungen der Gro&szlig;eltern f&uuml;r Besuche ihres Enkelkinds als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) wurden im Streitjahr (2003) als Ehegatten zur Einkommensteuer zusammen veranlagt. Sie sind die Gro&szlig;eltern der 1998 geborenen M. Der Kindesvater und Sohn der Kl&auml;ger ist im Januar 2000 t&ouml;dlich &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-60-07-aufwendungen-der-grosseltern-fuer-besuche-ihres-enkelkinds-als-aussergewoehnliche-belastung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;60\/07 &#8211; Aufwendungen der Gro&szlig;eltern f&uuml;r Besuche ihres Enkelkinds als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-14726","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14726","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14726"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14726\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14726"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}