{"id":14862,"date":"2012-12-08T14:33:58","date_gmt":"2012-12-08T12:33:58","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=14862"},"modified":"2012-12-08T14:33:58","modified_gmt":"2012-12-08T12:33:58","slug":"iii-b-255-08-aenderung-der-verhaeltnisse-is-des-par-70-abs-2-estg-durchbrechung-der-bestandskraft-von-ablehnungsbescheiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-255-08-aenderung-der-verhaeltnisse-is-des-par-70-abs-2-estg-durchbrechung-der-bestandskraft-von-ablehnungsbescheiden\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;255\/08 &#8211; &Auml;nderung der Verh&auml;ltnisse i.S. des &sect; 70 Abs. 2 EStG &#8211; Durchbrechung der Bestandskraft von Ablehnungsbescheiden"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.3.2009, III B 255\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">&Auml;nderung der Verh&auml;ltnisse i.S. des &sect; 70 Abs. 2 EStG &#8211; Durchbrechung der Bestandskraft von Ablehnungsbescheiden<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) war seit April 2000 im Besitz einer Aufenthaltsbefugnis. Im April 2004 wurde ihm eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erteilt. Auf seinen Antrag gew&auml;hrte die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) ihm ab April 2004 f&uuml;r zwei Kinder Kindergeld. Den im Dezember 2004 gestellten Antrag, ihm r&uuml;ckwirkend f&uuml;r die Zeit von Mai 2000 bis M&auml;rz 2004 Kindergeld zu gew&auml;hren, lehnte die Familienkasse im Januar 2005 ab, da der Kl&auml;ger in diesem Zeitraum nicht die erforderlichen aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen erf&uuml;llt habe. Den hiergegen gerichteten Einspruch wies sie durch Einspruchsentscheidung im Januar 2005 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Klage erhob der Kl&auml;ger nicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Einen erneuten, im Dezember 2007 gestellten Kindergeldantrag f&uuml;r die Zeit von Mai 2000 bis M&auml;rz 2004 wies die Familienkasse im Februar 2008 unter Hinweis darauf ab, dass die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r diesen Zeitraum bereits bestandskr&auml;ftig abgelehnt worden sei und die Voraussetzungen f&uuml;r eine &Auml;nderung nicht vorl&auml;gen. Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit seiner Beschwerde begehrt der Kl&auml;ger die Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) und zur Fortbildung des Rechts (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2, 1. Alternative FGO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Zu kl&auml;ren sei die Frage, ob &quot;eine Durchbrechung einer eingetretenen Rechtskraft eines Kindergeldbescheids durch &sect; 70 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) dann zu erreichen ist, wenn die Beklagte in dem Zeitpunkt, in dem sie &uuml;ber den Erlass des Verwaltungsakts entscheidet, eine vom Bundesverfassungsgericht (BVerfG) zuvor als mit dem Grundgesetz unvereinbar erkl&auml;rte Rechtsnorm des &sect; 62 Abs. 2 EStG a.F. als Erm&auml;chtigungsgrundlage heranzieht und sich f&uuml;r die Zukunft auf die Bestandskraft ihres Bescheids beruft, obgleich sie in Kenntnis einer zuk&uuml;nftigen und zeitnahen Neuregelung das Verfahren rechtm&auml;&szlig;ig h&auml;tte aussetzen m&uuml;ssen, wenn gleichzeitig nach der Entscheidung des BVerfG von der Neuregelung zu erwarten war, dass der Kl&auml;ger nach der Neuregelung einen durchsetzbaren Anspruch auf Kindergeld f&uuml;r einen vergangenen Zeitraum haben w&uuml;rde&quot;. &sect; 70 Abs. 2 EStG m&uuml;sse in einem Fall wie dem vorliegenden dahin ausgelegt werden, dass die Neuregelung des &sect; 62 Abs. 2 EStG als &Auml;nderung der rechtlichen Verh&auml;ltnisse der bereits beschiedenen Anspruchsberechtigten anzusehen sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                F&uuml;r F&auml;lle wie den vorliegenden bestehe auch ein Bed&uuml;rfnis f&uuml;r eine richterliche Fortbildung der Gr&uuml;nde, die eine Durchbrechung der Bestandskraft eines Bescheids erm&ouml;glichten. Denn nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) sollten vom Bezug des Kindergelds gerade solche Ausl&auml;nder profitieren, die, wie der Kl&auml;ger, die Voraussetzungen eines produktiven und integrierten Lebens in Deutschland erf&uuml;llten. Der Kl&auml;ger werde vom Bezug des Kindergelds lediglich deshalb ausgeschlossen, weil er sich fr&uuml;hzeitig um den Bezug des Kindergelds bem&uuml;ht habe.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 116 Abs. 5 Satz 1 FGO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Rechtssache hat keine grunds&auml;tzliche Bedeutung und erfordert auch keine Entscheidung des BFH zur Fortbildung des Rechts. Der Zulassungsgrund der Fortbildung stellt einen Unterfall der grunds&auml;tzlichen Bedeutung dar. In beiden F&auml;llen muss es sich um eine kl&auml;rungsbed&uuml;rftige und kl&auml;rbare Rechtsfrage handeln (z.B. Senatsbeschluss vom 14. November 2008 III B 17\/08, BFH\/NV 2009, 380, m.w.N.). Die vom Kl&auml;ger aufgeworfenen Rechtsfragen sind jedoch bereits durch die Rechtsprechung des Senats gekl&auml;rt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Eine &Auml;nderung der Verh&auml;ltnisse i.S. des &sect; 70 Abs. 2 EStG ist nur bei &Auml;nderung der tats&auml;chlichen oder rechtlichen Verh&auml;ltnisse des Anspruchsberechtigten oder des Kindes gegeben (z.B. BFH-Urteil vom 25. Juli 2001 VI R 18\/99, BFHE 196, 260, BStBl II 2002, 81).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Ebenfalls gekl&auml;rt ist, dass es nach der Entscheidung des Gesetzgebers grunds&auml;tzlich Sache des Steuerpflichtigen ist, seine Rechte durch Einlegung von Rechtsbehelfen bzw. Rechtmitteln selbst zu wahren (z.B. BFH-Urteil vom 23. November 2006 V R 51\/05, BFHE 216, 350, BStBl II 2007, 433; Senatsbeschluss vom 19. Februar 2007 III B 195\/05, BFH\/NV 2007, 1114). Der Kl&auml;ger hat auch nicht substantiiert dargelegt, weshalb die in der Abgabenordnung und in &sect; 70 EStG vorgesehenen &#8211;und im Streitfall nicht vorliegenden&#8211; M&ouml;glichkeiten, im Interesse der materiellen Richtigkeit die Bestandskraft von Steuerbescheiden zu durchbrechen, den verfassungsrechtlichen Anforderungen nicht gen&uuml;gen sollen (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 25. Oktober 2002 VIII B 121\/02, BFH\/NV 2003, 168, und VIII B 98\/02, Entscheidungssammlung zum Familienrecht, EStG &sect;&sect; 62 bis 72 Nr. 115). Er hatte die M&ouml;glichkeit, den Ablehnungsbescheid und die hierzu ergangene Einspruchsentscheidung vom Januar 2005 mit einer Klage anzugreifen und in diesem Verfahren ggf. die seiner Ansicht nach geboten gewesene Aussetzung des Verfahrens im Hinblick auf eine zu erwartende Neuregelung des &sect; 62 Abs. 2 EStG zu beantragen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Gekl&auml;rt ist ebenfalls, dass es nicht gegen den Gleichheitssatz verst&ouml;&szlig;t, wenn Kindergeldantr&auml;ge f&uuml;r die Vergangenheit deshalb unterschiedlich beschieden werden, weil in dem einen Fall die Festsetzung von Kindergeld zuvor bereits bestandskr&auml;ftig abgelehnt worden ist und in dem anderen nicht. Die Bestandskraft des Ablehnungsbescheids ist der rechtfertigende Grund f&uuml;r die unterschiedliche Entscheidung (z.B. BFH in BFH\/NV 2003, 168).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.3.2009, III B 255\/08 &Auml;nderung der Verh&auml;ltnisse i.S. des &sect; 70 Abs. 2 EStG &#8211; Durchbrechung der Bestandskraft von Ablehnungsbescheiden Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) war seit April 2000 im Besitz einer Aufenthaltsbefugnis. Im April 2004 wurde ihm eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erteilt. 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