{"id":14927,"date":"2012-12-19T14:53:36","date_gmt":"2012-12-19T12:53:36","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=14927"},"modified":"2012-12-19T14:53:36","modified_gmt":"2012-12-19T12:53:36","slug":"x-r-35-08-zugang-eines-steuerbescheids-beweislast-auslegung-eines-klageantrags","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-35-08-zugang-eines-steuerbescheids-beweislast-auslegung-eines-klageantrags\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;35\/08 &#8211; Zugang eines Steuerbescheids &#8211; Beweislast &#8211; Auslegung eines Klageantrags"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.4.2009, X R 35\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Zugang eines Steuerbescheids &#8211; Beweislast &#8211; Auslegung eines Klageantrags<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) meldete zum 2. November 2001 bei der Stadt A das Gewerbe eines &quot;Copy Shops&quot; mit der Betriebsst&auml;tte in A, X-Stra&szlig;e 10, an. Seine Wohnanschrift gab er mit B-Stadt, Z-Stra&szlig;e 6 an.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Bescheid &uuml;ber die gesonderte Feststellung des Gewinns 2001 f&uuml;r den Gewerbebetrieb des Kl&auml;gers vom 8. Januar 2003 wurden die gewerblichen Eink&uuml;nfte mit 10 000 DM festgestellt. Dieser Bescheid wurde vom Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) an den Kl&auml;ger unter seiner Anschrift in A &uuml;bersandt. In den Erl&auml;uterungen zu dem Bescheid wies das FA darauf hin, dass die Besteuerungsgrundlagen gem&auml;&szlig; &sect; 162 der Abgabenordnung (AO) gesch&auml;tzt worden seien, weil trotz Aufforderung keine Steuererkl&auml;rung abgegeben worden sei. &Uuml;ber die Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags ergehe ein gesonderter Bescheid. In einem weiteren Bescheid vom 8. Januar 2003 wurde wegen Nichtabgabe der Erkl&auml;rung zur gesonderten Feststellung des Gewinns 2001 ein Versp&auml;tungszuschlag von 25 EUR festgesetzt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die gewerblichen Eink&uuml;nfte setzte das FA mit Bescheid &uuml;ber die gesonderte Feststellung des Gewinns 2002 f&uuml;r den &quot;Copy Shop&quot; des Kl&auml;gers vom 2. Februar 2004 mit 15 000 EUR fest. Dieser Bescheid wurde an die kl&auml;gerische Wohnadresse in B-Stadt adressiert. In den Erl&auml;uterungen wurde wiederum auf &sect; 162 AO und darauf hingewiesen, dass &uuml;ber die Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags ein gesonderter Bescheid ergehe.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Am 4. Mai 2004 reichte der Kl&auml;ger beim FA die Erkl&auml;rungen zur gesonderten Feststellung des Gewinns f&uuml;r die Jahre 2001 und 2002 ein. F&uuml;r 2001 erkl&auml;rte er einen Gewinn von 0 DM und f&uuml;r 2002 einen Verlust von 24 136 EUR. Hierauf teilte das FA dem steuerlichen Berater mit Schreiben vom 11. Mai 2004 mit, die Feststellungsbescheide f&uuml;r 2001 vom 8. Januar 2003 und f&uuml;r 2002 vom 2. Februar 2004 seien bestandskr&auml;ftig. Die eingereichten Steuererkl&auml;rungen seien als &Auml;nderungsantr&auml;ge zu behandeln. Eine &Auml;nderung scheide wegen der Bestandskraft der Bescheide jedoch aus.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Hiergegen legte der Kl&auml;ger mit Schreiben vom 14. Mai 2004 Einspruch ein. Er brachte vor, die vom FA angesprochenen Bescheide seien bei ihm nicht angekommen. Den Einspruch wies das FA mit der Begr&uuml;ndung zur&uuml;ck, der Vortrag des Kl&auml;gers, er habe die Bescheide nicht erhalten, sei eine reine Schutzbehauptung. Der Feststellungsbescheid 2001 vom 8. Januar 2003 sei zusammen mit dem Bescheid &uuml;ber die Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags gleichen Datums an die Adresse des Betriebs in A gesandt worden. Dagegen sei der Feststellungsbescheid 2002 vom 2. Februar 2004 zusammen mit dem ebenfalls unter diesem Datum ergangenen Bescheid &uuml;ber die Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags an die kl&auml;gerische Wohnadresse in B-Stadt verschickt worden. Dass mehrere Briefe, die zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedliche Adressen gesandt wurden, nicht angekommen seien, sei v&ouml;llig unwahrscheinlich. Zudem habe der Kl&auml;ger nicht bestritten, die jeweils zusammen mit den Feststellungsbescheiden &uuml;bersandten Bescheide &uuml;ber die Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags erhalten zu haben. Auch habe er einer Umbuchung eines Umsatzsteuerguthabens auf den Versp&auml;tungszuschlag 2001 trotz Zusendung der Umbuchungsmitteilung vom 21. Oktober 2003 nicht widersprochen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit seiner hiergegen gerichteten Klage machte der Kl&auml;ger ausweislich der vom Finanzgericht (FG) hierzu getroffenen Feststellungen geltend, ihm seien die Feststellungsbescheide f&uuml;r 2001 und 2002 erst durch das Schreiben des FA vom 11. Mai 2004 bekannt geworden. Die Zustellung der Bescheide sei bis heute nicht nachgeholt worden. Zum Zeitpunkt der Zustellung des Feststellungsbescheids 2001 vom 8. Januar 2003 sei der &quot;Copy Shop&quot; in A bereits geschlossen gewesen. Er habe einen Nachsendeauftrag erteilt, weshalb die an die Adresse in A gerichtete Post ebenfalls an die Adresse in B-Stadt gelangt sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Diese Bescheide h&auml;tten ihn nicht erreicht. Die gem&auml;&szlig; &sect; 122 Abs. 2 Nr. 1 AO zugunsten des Zugangs sprechende Vermutung sei widerlegt. F&uuml;r die Wohnungen im Haus Z-Stra&szlig;e 6 in B-Stadt sei bis weit nach der Zustellung des Feststellungsbescheids 2002 nur ein Briefkasten vorhanden gewesen. Der im Haus wohnende &auml;ltere Vermieter habe immer wieder die kl&auml;gerische Post mit der eigenen verwechselt. Eine Verwechslung der Post sei m&ouml;glich und wahrscheinlich. Die auf gesch&auml;tzter Grundlage ergangenen Feststellungsbescheide seien zudem nichtig. Das FA sei gehalten gewesen, sie unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung zu erlassen. Zudem habe das FA die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers bewusst willk&uuml;rlich zum Nachteil des Kl&auml;gers gesch&auml;tzt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Demgegen&uuml;ber sah das FA die Versuche des Kl&auml;gers, durch den Hinweis auf einen gemeinschaftlichen Briefkasten trotz mehrmaliger Verwechslung seitens des Vermieters einen atypischen Geschehensablauf bei der Post&uuml;bermittlung darzustellen, nicht als glaubhaft an. In der Sache seien die in Frage stehenden Bescheide auch nicht nichtig. Willk&uuml;rliche Sch&auml;tzungen h&auml;tten nicht vorgelegen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FG hat die Klage abgewiesen. Das Vorbringen des Kl&auml;gers, es habe nur einen gemeinsamen Briefkasten gegeben und es sei denkbar, dass der Vermieter die Post des Kl&auml;gers mit der eigenen verwechselt habe, sei unsubstantiiert. Der Kl&auml;ger habe es &uuml;ber Jahre hinweg hingenommen, dass die ihn betreffende Post in einen (mit dem Vermieter gemeinsamen) Briefkasten eingelegt werde. In einem solchen Fall k&ouml;nne er unter Ber&uuml;cksichtigung des Grundsatzes von Treu und Glauben nicht geltend machen, die dort eingeworfene Post m&uuml;sse verloren gegangen sein. Die Feststellungsbescheide 2001 und 2002 seien nicht nichtig. Insbesondere habe das FA die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers nicht bewusst und willk&uuml;rlich zum Nachteil des Kl&auml;gers gesch&auml;tzt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Revision macht der Kl&auml;ger geltend, das FG habe zu Unrecht angenommen, die in Frage stehenden Feststellungsbescheide seien dem Kl&auml;ger bekannt gegeben worden. &Uuml;bersende die Finanzbeh&ouml;rde einem Steuerpflichtigen Steuerbescheide mit einfachem Brief und bestreite dieser den Zugang, dann m&uuml;sse die Beh&ouml;rde gem&auml;&szlig; &sect; 122 Abs. 2 Nr. 1 Halbsatz 2 AO den Zugang der Bescheide beweisen. Ein Anscheinsbeweis, wonach der Zugang vermutet werde, bestehe nicht. Dies gelte auch dann, wenn mehrere zu unterschiedlichen Zeiten versandte Schriftst&uuml;cke nicht angekommen sein sollten. Der Steuerpflichtige m&uuml;sse daher auch keine substantiierten Angaben &uuml;ber einen atypischen Geschehensablauf machen. Entgegen der Annahme des FG sei es im Streitfall unerheblich, dass ein gemeinsamer Hausbriefkasten vorhanden gewesen sei. Es sei nicht nachgewiesen, dass die in Frage stehenden Bescheide dorthin gelangt seien. Unerheblich sei auch, dass sich der Kl&auml;ger gegen die Festsetzung von Versp&auml;tungszuschl&auml;gen nicht zur Wehr gesetzt habe.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                das angefochtene Urteil sowie den Ablehnungsbescheid des FA vom 11. Mai 2004 und die Einspruchsentscheidung vom 21. Juni 2004 aufzuheben und das FA zu verpflichten, in erstmaligen Feststellungsbescheiden f&uuml;r 2001 und 2002 die gewerblichen Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers entsprechend den eingereichten Feststellungserkl&auml;rungen festzustellen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt,      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                die Revision zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Werde der Zugang von Steuerbescheiden bestritten, k&ouml;nne der Nachweis, dass sie gleichwohl zugegangen seien, mittels eines Indizienbeweises gef&uuml;hrt werden. Ein solcher sei gef&uuml;hrt worden. Das FG sei bei der Gesamtw&uuml;rdigung der im Streitfall gegebenen Umst&auml;nde zu dem Ergebnis gelangt, dass die Bescheide in den Hausbriefkasten des Kl&auml;gers gelangt seien. Hierbei habe es ber&uuml;cksichtigt, dass zwei Postsendungen des FA zu unterschiedlichen Zeiten versandt worden seien, was gegen ein Verschwinden beider Sendungen spreche. Zu Recht habe das FG auch gew&uuml;rdigt, dass der Kl&auml;ger den Zugang der jeweils mit&uuml;bersandten Bescheide &uuml;ber die Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlags nicht bestritten und der Umbuchung eines Umsatzsteuerguthabens auf den wegen der Nichtabgabe der Feststellungserkl&auml;rung 2001 festgesetzten Versp&auml;tungszuschlag nicht widersprochen habe.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Das angefochtene Urteil des FG wird aufgehoben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckverwiesen (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Der erkennende Senat vermag aufgrund der vom FG getroffenen Feststellungen nicht zu beurteilen, ob das FA die Feststellungsbescheide f&uuml;r 2001 vom 8. Januar 2003 und f&uuml;r 2002 vom 2. Februar 2004 dem Kl&auml;ger wirksam bekannt gegeben hat.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Der erkennende Senat legt den kl&auml;gerischen Antrag in dem Sinne aus, dass dieser den Erlass erstmaliger Feststellungsbescheide f&uuml;r 2001 und 2002 begehrt. Zwar hat er &#8211;ebenso wie im Verfahren vor dem FG&#8211; beantragt, die Feststellungsbescheide f&uuml;r 2001 vom 8. Januar 2003 und f&uuml;r 2002 vom 2. Februar 2004 abzu&auml;ndern. Er macht indessen geltend, ihm gegen&uuml;ber seien die vorstehend genannten Bescheide nicht bekannt gegeben worden und damit nicht wirksam geworden. Bei dieser Sachlage kommt eine Ab&auml;nderung der Feststellungsbescheide nicht in Betracht. Der Klageantrag ist daher entsprechend dem Klagebegehren auszulegen (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 20. September 1996 VI R 43\/93, BFH\/NV 1997, 249). Hierbei ist zu ber&uuml;cksichtigen, dass im Zweifel das gewollt ist, was nach den Ma&szlig;st&auml;ben der Rechtsordnung vern&uuml;nftig ist und der recht verstandenen Interessenlage entspricht (Urteil des Bundesgerichtshofs vom 10. M&auml;rz 1994 IX ZR 152\/93, Neue Juristische Wochenschrift 1994, 1537).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Der erkennende Senat kann aufgrund der vom FG getroffenen Feststellungen nicht beurteilen, ob die Feststellungsbescheide f&uuml;r 2001 vom 8. Januar 2003 und f&uuml;r 2002 vom 2. Februar 2004 dem Kl&auml;ger bekannt gegeben und bestandskr&auml;ftig geworden sind und daher &#8211;wie vom FG angenommen&#8211; das kl&auml;gerische Begehren, Feststellungsbescheide entsprechend den eingereichten Erkl&auml;rungen zu erlassen, unbegr&uuml;ndet ist.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Gem&auml;&szlig; &sect; 122 Abs. 2 Nr. 1 AO gilt ein schriftlicher Verwaltungsakt, der durch die Post &uuml;bermittelt wird, am dritten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben, au&szlig;er wenn er nicht oder zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt zugegangen ist. Im Zweifel hat die Beh&ouml;rde den Zugang des Verwaltungsakts und den Zeitpunkt des Zugangs zu beweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Bestreitet ein Steuerpflichtiger, den Verwaltungsakt &uuml;berhaupt bekommen zu haben, obliegt dem FA der volle Beweis &uuml;ber den Zugang. Ein Anscheinsbeweis kommt ihm hierbei nicht zugute (BFH-Urteil vom 14. M&auml;rz 1989 VII R 75\/85, BFHE 156, 66, BStBl II 1989, 534). Eine Beweiserleichterung zugunsten des FA besteht auch nicht f&uuml;r den Fall, dass Verh&auml;ltnisse gegeben sind, die den Zugang von Postsendungen bei normalem Postablauf nicht gew&auml;hrleisten (BFH-Urteil vom 15. September 1994 XI R 31\/94, BFHE 175, 327, BStBl II 1995, 41). Anders als im Falle der Behauptung eines versp&auml;teten Zugangs des Verwaltungsakts kann von dem Adressaten des Verwaltungsakts, wenn dieser dessen Zugang bestreitet, auch nicht verlangt werden, er m&uuml;sse dies substantiiert darlegen, weil er hierzu nicht in der Lage ist (BFH-Urteil vom 5. Dezember 1974 V R 111\/74, BFHE 114, 176, BStBl II 1975, 286). Infolgedessen sind erg&auml;nzende Ausf&uuml;hrungen des Steuerpflichtigen unbeachtlich, in denen er, nachdem er den Zugang eines Steuerbescheids bestritten hat, darlegt, aus welchen Gr&uuml;nden ihn der Bescheid m&ouml;glicherweise nicht erreicht hat. Auch in diesem Fall kann sich die tatrichterliche Beurteilung der Frage, ob der Bescheid &uuml;berhaupt zugegangen ist, nicht auf eine rechtliche W&uuml;rdigung dieses m&ouml;glichen, erg&auml;nzend vorgetragenen Geschehensablaufs beschr&auml;nken. Es ist vielmehr notwendig, den Zugang des Verwaltungsakts mittels allgemeiner Beweisregeln, insbesondere durch einen Indizienbeweis nachzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Ein solcher Beweis ist nicht gef&uuml;hrt worden. In seiner Klagebegr&uuml;ndung hat der Kl&auml;ger bestritten, dass er die in Frage stehenden Gewinnfeststellungsbescheide 2001 und 2002 erhalten habe. Erg&auml;nzend hat er ausgef&uuml;hrt, es sei auch im Fall der Zusendung der Bescheide im Januar 2003 und im Februar 2004 m&ouml;glich und wahrscheinlich, dass der &auml;ltere Vermieter die Postsendungen aus dem gemeinsamen Hausbriefkasten in der Annahme genommen habe, es handle sich um an ihn gerichtete Sendungen. Mit diesem Vorbringen hat der Kl&auml;ger nicht einger&auml;umt, die Steuerbescheide seien in den Briefkasten gelangt, sondern lediglich einen denkbaren Geschehensablauf f&uuml;r den Fall aufgezeigt, dass die Postsendungen in den Briefkasten gelangt sein sollten. Daraus darf das FG nicht &#8211;wie im angefochtenen Urteil&#8211; die Schlussfolgerung ziehen, die f&uuml;r den Kl&auml;ger bestimmten Postsendungen seien ihm i.S. des &sect; 122 AO entgegen seiner Behauptung zugegangen und damit bekannt gegeben worden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FG hat lediglich begr&uuml;ndet, dass der Einwurf von Postsendungen in einen gemeinsamen Hausbriefkasten f&uuml;r einen Zugang gen&uuml;ge, l&auml;sst dabei aber au&szlig;er Acht, dass der Zugang vom Kl&auml;ger gerade bestritten wird. Nicht ausreichend ist es, wenn &#8211;wie im Streitfall&#8211; lediglich im Tatbestand des Urteils Umst&auml;nde dargestellt werden, die f&uuml;r einen erforderlichen Indizienbeweis von Bedeutung sein k&ouml;nnten. Diese Tatsachen wird das FG daher im zweiten Rechtsgang zu w&uuml;rdigen haben. Dabei kann z.B. von Bedeutung sein, dass der Kl&auml;ger den Zugang von zwei zu unterschiedlichen Zeitpunkten an ihn versendete Postsendungen bestritten und er einer Umbuchung eines Umsatzsteuerguthabens auf den Versp&auml;tungszuschlag 2001 nicht widersprochen hat.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                d) Aus Gr&uuml;nden der Klarstellung weist der angerufene Senat darauf hin, dass &#8211;sofern der Zugang nachgewiesen werden kann&#8211; die Bescheide aus den vom FG aufgezeigten Gr&uuml;nden nicht unwirksam sind. Insbesondere ist nach den vom FG getroffenen Feststellungen nicht davon auszugehen, dass das FA die Eink&uuml;nfte bewusst und willk&uuml;rlich zum Nachteil des Kl&auml;gers gesch&auml;tzt hat (vgl. hierzu BFH-Urteil vom 1. Oktober 1992 IV R 34\/90, BFHE 169, 503, BStBl II 1993, 259).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.4.2009, X R 35\/08 Zugang eines Steuerbescheids &#8211; Beweislast &#8211; Auslegung eines Klageantrags Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) meldete zum 2. November 2001 bei der Stadt A das Gewerbe eines &quot;Copy Shops&quot; mit der Betriebsst&auml;tte in A, X-Stra&szlig;e 10, an. Seine Wohnanschrift gab er mit B-Stadt, Z-Stra&szlig;e 6 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-35-08-zugang-eines-steuerbescheids-beweislast-auslegung-eines-klageantrags\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;R&nbsp;35\/08 &#8211; Zugang eines Steuerbescheids &#8211; Beweislast &#8211; Auslegung eines Klageantrags<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-14927","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14927","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14927"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14927\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14927"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14927"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14927"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}