{"id":14956,"date":"2012-12-19T14:57:45","date_gmt":"2012-12-19T12:57:45","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=14956"},"modified":"2012-12-19T14:57:45","modified_gmt":"2012-12-19T12:57:45","slug":"iv-b-38-08-anspruch-auf-rechtliches-gehoer-wirtschaftsgueter-des-gesellschaftsvermoegens-einer-personengesellschaft-als-betriebsvermoegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iv-b-38-08-anspruch-auf-rechtliches-gehoer-wirtschaftsgueter-des-gesellschaftsvermoegens-einer-personengesellschaft-als-betriebsvermoegen\/","title":{"rendered":"IV&nbsp;B&nbsp;38\/08 &#8211; Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r &#8211; Wirtschaftsg&uuml;ter des Gesellschaftsverm&ouml;gens einer Personengesellschaft als Betriebsverm&ouml;gen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 8.5.2009, IV B 38\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r &#8211; Wirtschaftsg&uuml;ter des Gesellschaftsverm&ouml;gens einer Personengesellschaft als Betriebsverm&ouml;gen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) waren Kommanditisten der A-KG (KG). Gegenstand des Unternehmens der KG war der Vertrieb von Handstrickgarnen und Textilien. Im Juli des Streitjahres 1994 erwarb die KG einen Anteil an der Fa. B-GmbH (GmbH) zum Nennwert von 900 000 DM, den sie im Mai 1995 f&uuml;r 9 000 DM wieder ver&auml;u&szlig;erte. Im Juli 1995 wurde &uuml;ber das Verm&ouml;gen der GmbH das Konkursverfahren er&ouml;ffnet. In der Bilanz zum 31. Dezember 1994 nahm die KG auf den Anteil eine Teilwertabschreibung in H&ouml;he von 891 254 DM vor. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erkannte die Teilwertabschreibung nicht an.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab. Die Beteiligung an der GmbH habe weder zum notwendigen noch zum gewillk&uuml;rten Betriebsverm&ouml;gen der KG geh&ouml;rt. Sie sei nicht geeignet gewesen, den Betrieb der KG zu f&ouml;rdern und ihm zu dienen, da sie nur dem Zweck habe dienen k&ouml;nnen, einen au&szlig;erhalb des Betriebs der KG entstandenen oder zu bef&uuml;rchtenden Verlust in deren betriebliche Sph&auml;re zu verlagern. Es sei bereits zum Zeitpunkt ihrer Anschaffung absehbar gewesen, dass sie weiterhin verlustbringend sein w&uuml;rde. Das FG hat die Revision nicht zugelassen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect; 116 Abs. 6 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Das angefochtene Urteil beruht auf einem Verfahrensmangel i.S. von &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO. Das FG hat den Anspruch der Kl&auml;ger auf rechtliches Geh&ouml;r (&sect; 96 Abs. 2, &sect; 119 Nr. 3 FGO, Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;) verletzt, indem es sich nicht mit dem Vorbringen der Kl&auml;ger auseinandergesetzt hat, die GmbH habe im ersten Halbjahr des Streitjahres einen operativen Gewinn erzielt. Es kann daher dahinstehen, ob weitere Verfahrensm&auml;ngel oder die Zulassungsgr&uuml;nde des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 oder Nr. 2&nbsp;&nbsp;2. Alternative FGO vorliegen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Der Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r verpflichtet das Gericht, die Ausf&uuml;hrungen der Prozessbeteiligten zur Kenntnis zu nehmen und in Erw&auml;gung zu ziehen (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 4. August 2004&nbsp;&nbsp;1 BvR 1557\/01, Neue Zeitschrift f&uuml;r Verwaltungsrecht 2005, 81, m.w.N.). Grunds&auml;tzlich ist davon auszugehen, dass das Gericht das von ihm entgegengenommene Vorbringen eines Beteiligten auch zur Kenntnis genommen und in Erw&auml;gung gezogen hat, zumal es nach Art. 103 Abs. 1 GG nicht verpflichtet ist, sich mit jedem Vorbringen in der Begr&uuml;ndung seiner Entscheidung ausdr&uuml;cklich zu befassen. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r ist nur dann festzustellen, wenn sich aus den besonderen Umst&auml;nden des einzelnen Falles deutlich ergibt, dass das Gericht Vorbringen entweder &uuml;berhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder doch bei seiner Entscheidung ersichtlich nicht in Erw&auml;gung gezogen hat (BVerfG-Beschluss vom 15. April 1980&nbsp;&nbsp;2 BvR 827\/79, BVerfGE 54, 86, m.w.N.). Geht das Gericht auf den Kern des Tatsachenvortrags einer Partei zu einer Frage, die f&uuml;r das Verfahren von entscheidender Bedeutung ist, in den Entscheidungsgr&uuml;nden nicht ein, so l&auml;sst dies auf die Nichtber&uuml;cksichtigung dieses Vortrags schlie&szlig;en, sofern er nicht nach dem Rechtsstandpunkt des Gerichts unerheblich oder offensichtlich unsubstantiiert war (BVerfG-Beschluss vom 19. Mai 1992&nbsp;&nbsp;1 BvR 986\/91, BVerfGE 86, 133, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben hat das FG den Anspruch der Kl&auml;ger auf Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs verletzt. Denn das FG ist in den Entscheidungsgr&uuml;nden nicht auf den Vortrag der Kl&auml;ger eingegangen, die GmbH habe im ersten Halbjahr 1994 einen Gewinn aus laufendem Gesch&auml;ft in H&ouml;he von 486 159 DM erzielt, da der in der Zwischenbilanz zum 30. Juni 1994 ausgewiesene Gewinn von 10 573 249 DM (nur) in H&ouml;he von 8 537 090 DM auf die Ver&auml;u&szlig;erung des Sachanlageverm&ouml;gens und in H&ouml;he von 1 550 000 DM auf einen Darlehensverzicht entfallen sei. Dieses Vorbringen war nach der Rechtsauffassung des FG erheblich. Das FG hat seine Entscheidung, die Beteiligung an der GmbH sei nicht geeignet gewesen, die Kapitalkraft bzw. Kreditw&uuml;rdigkeit der KG zu st&auml;rken, neben den Verlusten in den Jahren 1992 und 1993 darauf gest&uuml;tzt, dass der Gewinn des ersten Halbjahres 1994 allein aus der Aufdeckung stiller Reserven resultierte, die GmbH ansonsten aber einen operativen Verlust erzielt habe. Das FG h&auml;tte daher erl&auml;utern m&uuml;ssen, weshalb es abweichend vom Vortrag der Kl&auml;ger von einem operativen Verlust ausgeht. Die blo&szlig;e Bezugnahme auf den Konkursbericht gen&uuml;gt hierf&uuml;r nicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Die Kl&auml;ger haben insoweit nicht ihr R&uuml;gerecht verloren. Eine entsprechende R&uuml;ge war in der m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht m&ouml;glich, da sich die Verletzung ihres rechtlichen Geh&ouml;rs erst aus den Entscheidungsgr&uuml;nden ergibt (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 5. September 2001 I R 101\/99, BFH\/NV 2002, 493).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                d) Nach &sect; 119 Nr. 3 FGO wird vermutet, dass das Urteil auf der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r beruht. Die Kausalit&auml;tsvermutung des &sect; 119 Nr. 3 FGO gilt zwar nicht ausnahmslos. Sie wird aber nur dann durchbrochen, wenn das Geh&ouml;r nur hinsichtlich einzelner Feststellungen verletzt wurde, auf die es unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt ankommt (BFH-Beschluss vom 14. Mai 2003 X B 168\/02, BFH\/NV 2003, 1205, m.w.N.). Im Streitfall war die Feststellung, ob die GmbH im ersten Halbjahr 1994 einen operativen Verlust erzielt hat oder nicht, indes entscheidungserheblich.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Der Verfahrensfehler hat zur Folge, dass das FG-Urteil ohne sachliche Nachpr&uuml;fung aufzuheben und der Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckzuverweisen ist (&sect; 116 Abs. 6 FGO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                F&uuml;r das weitere Verfahren weist der erkennende Senat auf Folgendes hin:      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Bei einer gewerblich t&auml;tigen und bilanzierenden Personengesellschaft &#8211;wie im Streitfall der KG&#8211; sind die zum Gesellschaftsverm&ouml;gen geh&ouml;renden Wirtschaftsg&uuml;ter wegen der Ma&szlig;geblichkeit der Handelsbilanz f&uuml;r die Steuerbilanz (&sect; 5 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;) grunds&auml;tzlich als Betriebsverm&ouml;gen zu behandeln (vgl. BFH-Urteil vom 22. Mai 1975 IV R 193\/71, BFHE 116, 328, BStBl II 1975, 804, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Die handelsrechtliche Zurechnung eines Wirtschaftsguts zum Gesellschaftsverm&ouml;gen ist jedoch nicht allein ma&szlig;geblich f&uuml;r dessen Zuordnung zum steuerlich relevanten Betriebsverm&ouml;gen der gewerblich t&auml;tigen Mitunternehmerschaft. Vielmehr kommt unter Heranziehung der steuerrechtlichen Gewinnermittlungsvorschriften, insbesondere des &sect; 4 EStG, nur solchen Wirtschaftsg&uuml;tern die Eigenschaft des Betriebsverm&ouml;gens zu, die von den Mitunternehmern bzw. der Mitunternehmerschaft dazu eingesetzt werden, dem Betrieb zur Gewinnerzielung im Rahmen der nachhaltigen Bet&auml;tigung zu dienen. Wirtschaftsg&uuml;ter des Gesellschaftsverm&ouml;gens geh&ouml;ren daher nicht zum Betriebsverm&ouml;gen, wenn ihre Zugeh&ouml;rigkeit zum Gesellschaftsverm&ouml;gen nicht betrieblich veranlasst ist (BFH-Urteil vom 25. November 2004 IV R 7\/03, BFHE 208, 207, BStBl II 2005, 354, m.w.N.). Eine betriebliche Veranlassung ist zu verneinen, wenn &#8211;wovon das FG zutreffend ausgegangen ist&#8211; beim Erwerb des Wirtschaftsguts bereits erkennbar war, dass es dem Betrieb der Personengesellschaft keinen Nutzen, sondern nur Verluste bringen wird; insoweit gelten die gleichen Ma&szlig;st&auml;be wie f&uuml;r die Zuordnung eines Wirtschaftsguts zum gewillk&uuml;rten Betriebsverm&ouml;gen eines Einzelunternehmers (vgl. BFH-Urteil vom 2. M&auml;rz 1967 IV 32\/63, BFHE 88, 323, BStBl III 1967, 391, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 8.5.2009, IV B 38\/08 Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r &#8211; Wirtschaftsg&uuml;ter des Gesellschaftsverm&ouml;gens einer Personengesellschaft als Betriebsverm&ouml;gen Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) waren Kommanditisten der A-KG (KG). Gegenstand des Unternehmens der KG war der Vertrieb von Handstrickgarnen und Textilien. 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