{"id":15004,"date":"2012-12-08T14:20:18","date_gmt":"2012-12-08T12:20:18","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=15004"},"modified":"2012-12-08T14:20:18","modified_gmt":"2012-12-08T12:20:18","slug":"vii-b-80-08-umsatzsteuerverguetungsansprueche-als-neuerwerb-und-aufrechnungsverbot-nach-par-96-abs-1-nr-1-inso","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-80-08-umsatzsteuerverguetungsansprueche-als-neuerwerb-und-aufrechnungsverbot-nach-par-96-abs-1-nr-1-inso\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;80\/08 &#8211; Umsatzsteuerverg&uuml;tungsanspr&uuml;che als Neuerwerb und Aufrechnungsverbot nach &sect; 96 Abs. 1 Nr. 1 InsO"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 16.2.2009, VII B 80\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Umsatzsteuerverg&uuml;tungsanspr&uuml;che als Neuerwerb und Aufrechnungsverbot nach &sect; 96 Abs. 1 Nr. 1 InsO<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. &Uuml;ber das Verm&ouml;gen des Kl&auml;gers und Beschwerdegegners (Kl&auml;ger) ist seit 2004 ein Insolvenzverfahren anh&auml;ngig; der Insolvenzverwalter hat dem Kl&auml;ger jedoch gestattet, das unter anderem von dem Verfahren betroffene &#8230;gesch&auml;ft selbst&auml;ndig weiterzuf&uuml;hren. Hierdurch sind in den Voranmeldungszeitr&auml;umen Dezember 2004 und Januar und Februar 2005 Umsatzsteuer-Verg&uuml;tungsanspr&uuml;che entstanden, die der Beklagte und Beschwerdef&uuml;hrer (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) mit offener Einkommensteuer 2000 verrechnet hat. Dem hat der Insolvenzverwalter widersprochen, weshalb das FA dem Kl&auml;ger den angefochtenen Abrechnungsbescheid erteilt hat, in dem es an der betreffenden Verrechnung festhielt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat jedoch auf die hiergegen erhobene Klage den Abrechnungsbescheid aufgehoben. Es urteilte, die Aufrechnung sei nach &sect; 96 Abs. 1 Nr. 1 der Insolvenzordnung (InsO) unzul&auml;ssig, weil die Umsatzsteuer-Erstattungsanspr&uuml;che Neuerwerb darstellten, der nach &sect; 35 InsO zur Insolvenzmasse z&auml;hle. Die gebotene Auslegung der vom Insolvenzverwalter gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger erkl&auml;rten Freigabe seines Gesch&auml;ftsbetriebes stelle nach dem Willen des Insolvenzverwalters keine Freigabeerkl&auml;rung dar, mit der er endg&uuml;ltig auf den Gesch&auml;ftsbetrieb des Kl&auml;gers verzichtet habe. Der Wille des Insolvenzverwalters sei vielmehr darauf gerichtet gewesen, dass der Neuerwerb des Insolvenzschuldners aus dem Betrieb des &#8230;gesch&auml;fts zur Insolvenzmasse gelangen solle. Es handele sich also nach den Gesamtumst&auml;nden des Streitfalls um eine sog. &quot;modifizierte Freigabe&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen die Nichtzulassung der Revision in diesem Urteil richtet sich die Beschwerde des FA, das der Rechtssache grunds&auml;tzliche Bedeutung beimisst. Es bestehe ein allgemeines Interesse an der Kl&auml;rung der Rechtsfrage, ob eine selbst&auml;ndige T&auml;tigkeit &quot;modifiziert&quot; freigegeben werden k&ouml;nne. Wenn der Insolvenzverwalter eine selbst&auml;ndige T&auml;tigkeit aus der Insolvenzmasse freigebe, erhalte der Insolvenzschuldner seine Verwaltungs- und Verf&uuml;gungsbefugnis zur&uuml;ck und m&uuml;sse seine steuerlichen Pflichten &#8211;unter einer ihm regelm&auml;&szlig;ig erteilten neuen Steuernummer&#8211; selbst erf&uuml;llen. Erstattungsanspr&uuml;che aus der freigegebenen T&auml;tigkeit fielen an ihn, die Aufrechnung mit Insolvenzforderungen sei insoweit zul&auml;ssig. Es sei unklar und umstritten, inwieweit eine selbst&auml;ndige T&auml;tigkeit des Insolvenzschuldners freigegeben werden k&ouml;nne und welche Folgen dies habe, insbesondere ob bei einer modifizierten Freigabe Steuererstattungsanspr&uuml;che in die Insolvenzmasse oder in das insolvenzfreie Verm&ouml;gen fielen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde (&sect; 116 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen. Die Rechtssache hat keine grunds&auml;tzliche Bedeutung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den in dem Urteil des FG eingehend und nachvollziehbar begr&uuml;ndeten tats&auml;chlichen Feststellungen, an die der Bundesfinanzhof in dem angestrebten Revisionsverfahren gem&auml;&szlig; &sect; 118 Abs. 1 FGO gebunden w&auml;re, und der f&uuml;r das Revisionsverfahren ebenfalls verbindlichen Auslegung der &quot;Freigabeerkl&auml;rung&quot; des Insolvenzverwalters ist diese dahin zu verstehen, dass der Kl&auml;ger zwar zum selbst&auml;ndigen Betrieb eines &#8230;gesch&auml;fts befugt sein sollte &#8211;was ihm der Insolvenzverwalter &uuml;brigens ohnehin nicht h&auml;tte verbieten k&ouml;nnen, sodass dessen Erkl&auml;rung &uuml;ber ihren deklaratorischen Gehalt hinaus sich im Wesentlichen auf das Recht zur Nutzung etwaiger vom Insolvenzbeschlag betroffener, zum Betrieb des &#8230;gesch&auml;fts ben&ouml;tigter Gegenst&auml;nde (wie Ladeneinrichtung, etwaige Vorr&auml;te und dergleichen) bezieht&#8211;, nicht jedoch abweichend von &sect; 35 InsO in der hier noch anzuwendenden urspr&uuml;nglichen Fassung (entsprechend &sect; 35 Abs. 1 InsO n.F.) die betreffenden Verm&ouml;gensgegenst&auml;nde und insbesondere auch k&uuml;nftige Forderungen nicht mehr vom Insolvenzbeschlag erfasst sein sollten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Von diesem tats&auml;chlichen Ausgangspunkt aus begreift sich von selbst und bedarf nicht der Kl&auml;rung in einem Revisionsverfahren, dass die Umsatzsteuerverg&uuml;tungsanspr&uuml;che des Kl&auml;gers mit denen das FA gegen r&uuml;ckst&auml;ndige Einkommensteuer aus vorinsolvenzlicher Zeit aufgerechnet hat, aufgrund des &sect; 35 Abs. 1 InsO (entsprechend &sect; 35 InsO a.F.) &#8211;wie jedweder Neuerwerb eines Insolvenzschuldners&#8211; in die Insolvenzmasse fallen und daher von dem Aufrechnungsverbot des &sect; 96 Abs. 1 Nr. 1 InsO betroffen sein k&ouml;nnen. Das gilt unabh&auml;ngig davon, ob die durch das vom Kl&auml;ger betriebene Unternehmen gleichsam virtuell entstandenen Umsatzsteuerverbindlichkeiten Masseverbindlichkeiten gewesen w&auml;ren, was zweifelhaft und m&ouml;glicherweise von bisher nicht aufgekl&auml;rten Tatsachen abh&auml;ngig ist. Denn auch wenn diese Frage zu bejahen sein sollte, w&auml;re der durch Anrechnung von Vorsteuern zugunsten des Kl&auml;gers entstandene Saldo Neuerwerb im Sinne der InsO ebenso wie jedwede andere durch das Unternehmen erworbene Forderung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit das Vorbringen des FA, wie es den Anschein hat, darauf zielt, eine rechtsgrunds&auml;tzliche Kl&auml;rung dar&uuml;ber herbeizuf&uuml;hren, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen m&ouml;glicherweise unterschiedlichen Modalit&auml;ten ein Insolvenzverwalter einem Insolvenzschuldner &quot;gestatten&quot; darf, eine selbst&auml;ndige T&auml;tigkeit w&auml;hrend des Insolvenzverfahrens aufzunehmen, inwiefern und unter welchen m&ouml;glicherweise unterschiedlichen Modalit&auml;ten er ihm daf&uuml;r die Nutzung oder Verwertung von dem Insolvenzbeschlag unterliegenden Gegenst&auml;nden &uuml;berlassen darf und welche insolvenzrechtlichen Folgen dies jeweils f&uuml;r die Zugeh&ouml;rigkeit von durch eine solche T&auml;tigkeit entstehenden Forderungen zur Insolvenzmasse bzw. f&uuml;r die Bewertung von Verbindlichkeiten des Unternehmens als Masseverbindlichkeit hat, kann dies nicht zur Zulassung der Revision f&uuml;hren, weil es sich insoweit zwar m&ouml;glicherweise um kl&auml;rungsbed&uuml;rftige Fragen von allgemeiner Bedeutung handeln mag, die jedoch abstrakte Fragen sind, die sich in dem angestrebten Revisionsverfahren nach den getroffenen tats&auml;chlichen Feststellungen nicht stellen w&uuml;rden. Insbesondere stellt sich nicht die Frage, ob eine sog. &quot;modifizierte Freigabe einer selbst&auml;ndigen T&auml;tigkeit&quot; insolvenzrechtlich zul&auml;ssig ist; denn f&uuml;r die Entscheidung, ob im Streitfall &sect; 96 Abs. 1 Nr. 1 InsO anwendbar ist, kommt es allein darauf an, ob die strittigen Umsatzsteuerverg&uuml;tungsanspr&uuml;che Neuerwerb im Sinne dieser Vorschrift sind, wie es den Grunds&auml;tzen des Insolvenzrechts entspricht, oder ob der Insolvenzverwalter diese Anspr&uuml;che aus dem Insolvenzbeschlag entlassen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 16.2.2009, VII B 80\/08 Umsatzsteuerverg&uuml;tungsanspr&uuml;che als Neuerwerb und Aufrechnungsverbot nach &sect; 96 Abs. 1 Nr. 1 InsO Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. &Uuml;ber das Verm&ouml;gen des Kl&auml;gers und Beschwerdegegners (Kl&auml;ger) ist seit 2004 ein Insolvenzverfahren anh&auml;ngig; der Insolvenzverwalter hat dem Kl&auml;ger jedoch gestattet, das unter anderem von dem Verfahren betroffene &#8230;gesch&auml;ft selbst&auml;ndig weiterzuf&uuml;hren. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-80-08-umsatzsteuerverguetungsansprueche-als-neuerwerb-und-aufrechnungsverbot-nach-par-96-abs-1-nr-1-inso\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;B&nbsp;80\/08 &#8211; Umsatzsteuerverg&uuml;tungsanspr&uuml;che als Neuerwerb und Aufrechnungsverbot nach &sect; 96 Abs. 1 Nr. 1 InsO<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-15004","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15004","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15004"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15004\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15004"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15004"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15004"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}